Ich liege gerade in meinem Hotel in LA und kann wegen des Jetlags nicht schlafen. Also wird die beste Schlaftablette ausgepackt, die ich finden kann: CNN. In der Regel reichen 15 Minuten des Nachrichtensenders und ich bin müde. Und was sah ich: Michky Mouse und Cinderella werden in Handschellen abgeführt. In Kalifornien demonstrieren gerade Disney-Park-Mitarbeiter und wollen bessere Arbeitsbedingungen. Und Disney hat die Cops geholt und führt die Mannschaft ab. Mein Gott, hoffentlich sieht das mein Sohn nicht. Seine Helden werden von bedrohlichen schwarzen Männern in Handschellen gelegt und in Polizeiautos gesteckt. Sohnemann bekommt ein Trauma. Ein Problem gab es mit Goofy. Er hatte seinen Schwanz beim Einsteigen in das Polizeiauto eingeklemmt. Als die Türe geschlossen wurde, blieb der Schwanz draußen und die Situation entspannte sich. CNN war live dabei. Dann kam ein Beitrag, ob man Beerdigungen als Webcast aufzeichnen soll. So könnten alle Verwandten dabei sein, wenn Onkel Fred seine letzte Reise eintritt. Tante Erna kann ja nicht mehr laufen und kann so noch zuschauen. Ich weiß nicht, ob Chips und Bier gereicht werden, wenn die Beerdigung ins Netz gestreamt wird. Das Web wirkt bis in den Tod hinaus und stellt Verhaltensweisen auf den Kopf. Der letzte Beitrag war dann politisch, oder zumindest irgendwie politisch. Die Frage ist nämlich, ist Obama der Antichrist? Es gibt eine Website, die dies behauptet und es werden „Beweise“ angeführt. CNN beschäftigt sich ernsthaft damit und befragt Experten, die es wissen müssen. Hier der Blog zum Überzeugen: www.barackobamaantichrist.blogspot.com/ Beim Voting waren rund 50 Prozent der Meinung, dass Obama vielleicht doch Damien ist. Mein Gott, jetzt kann ich schlafen.
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Schlaftablette CNN
15. August 2008Vergleichen wir mal
7. August 2008Jeder möchte für seine Leistungen richtig bezahlt werden. Ich denke, darauf können wir uns einigen. Der Markt bestimmt Angebot und Nachfrage. Soweit so gut. Als ich neulich auf einem Seminar war, fragte mich ein Unternehmer, was denn Pressetexte und PR-Fotos so kosten würden. Er betreibt eine Autowerkstatt und will auch noch einen Flyer machen. Ich machte ihm ein Angebot, (das er nicht ablehnen konnte – frei nach dem Paten). Im Ernst: Ich kalkulierte meine Zeit und nannte ihn den Betrag. Er riss die Augen auf, schüttelte den Kopf und sagte: „Viel zu teuer dieser Stundensatz für Texte und Bilder – das kann doch jeder!“ Als ich ihn fragte, wie hoch der Stundensatz bei ihm in der Werkstatt sei, musste ich schlucken. „Was so hoch?“ Aber er entgegnete mir: „Das ist richtige Arbeit. Da brauchen Sie Wissen, eine Ausbildung, die richtigen Werkzeuge.“ Aha. Ich klärte den guten Mann auf, dass Know-how im PR- und Pressebereich nicht vom Himmel fallen würde, dass der Brief an die Oma und Presse-Texte sowie Urlaubsfotos und Pressefotos nicht dasselbe seien, dass sich Nikon und Apple ihre Hardware sehr gut bezahlen ließen und überhaupt. Nur weil jeder einen Computer zu Hause hat, ist er noch lange kein Experte der Druckvorstufe und PR-Genie. Ich erinnere mich an einen Metzger/Fleischer vor einigen Jahren für den ich während meiner Tageszeitungszeit ein so genanntes Anzeigenkollektiv schreiben sollte. Das sind PR-Texte und Fotos um eine Anzeige herum. Er gab mir lang und breit vor, wie ich was zu schreiben hatte, wusste alles über den Aufbau des Textes. Irgendwann erklärte ich ihn höflich, dass ich zwar gerne ein gutes Steak essen würde, aber keine Ahnung hätte, wie ein Rind geschlachtet würde. Er könne zwar schreiben, hätte aber doch keine Ahnung, wie ein PR- oder journalistischer Text aufgebaut sei. Ich mische mich beim Schlachten nicht ein. Das leuchtete ihm ein. Ach ja, mit meiner Autowerkstatt kam ich dann auch noch ins Geschäft.
Eine „Zukunft der Zeitung“ am iPhone
6. August 2008
Seit langem beschäftige ich mich berufsmäßig mit der Zukunft der Zeitung. Das elektronische Papier ist noch in den Kinderschuhen. Ich werde später einmal darüber berichten. Eine mögliche Zukunft der Zeitung sind kostenlose Zeitungen. In Holland heißt sie „Metro“, in der Schweiz „20 Minuten“. Sie werden an Verkehrsknotenpunkten kostenlos verteilt, sind rein Anzeigenfinanziert und der Leser erfährt während einer Busfahrt das Wichtigste vom Welt- und Lokalgeschehen, eben in 20 Minuten. In Deutschland konnten diese kostenlosen Zeitungen nicht richtig Fuß fassen. Die Großverlage haben diese Konkurrenz nur kurz zugelassen. Aber ich bin mir sicher, dass dies eine Zukunft der Zeitung ist. Und sie kommt schneller als die Verlage es wollen. Jetzt gibt es auch 20 Minuten für das iPhone, kostenlos versteht sich. Im AppStore die Applikation laden und im WLAN-Bereich mit Content füllen. Es gibt aktuelle Artikel, Videos und ein Webradio. Gleichzeitig kann der Leser als 20-Minuten-Reporter mitmachen, klassischer UGC. Konsumiert wird der Content dann, wenn ich Lust habe, also in der U-Bahn bei 20 Minuten Fahrzeit. Genial, auch eine Möglichkeit der Zukunft der Zeitung über das Web. Ein weiterer Vorteil: Ich muss nicht in Zürich sein, um eine Ausgabe von „20 Minuten“ zu erhalten.
Goodbye CompuServe
2. August 2008Seit 1. August hab ich keine Alternative mehr, um ins Internet zu gehen. Mein Provider der ersten Stunde hat sich von mir getrennt. CompuServe, wichtig war das große S im Namen, ist seit 1. August nicht mehr für deutsche Kunden erreichbar. Der Dienst endete für mich zum 31. Juli. Damit ist CompuServe IT-Geschichte. Zurück bleibt nur die Erinnerung an ein Tool der ersten Stunde meiner Webtage. Damals gingen mein Kumpel Franz Neumeier, heute Chefredakteur des Internet Magazin (ehemals Internet Professionell), und ich die ersten Schritte. Franz betrieb eine Mailbox. Ich war mit einem Akustikkoppler unterwegs. Beide erkannten wir, was sich für eine Revolution durch das aufkommende Internet anbahnte. Irgendwann entschied ich mich dann für CompuServe als meinen Provider. Ich habe sogar noch einen Brief vom 14. Feb. 1997 gefunden, in dem mir ein neues Passwort mitgeteilt wurde, nachdem ich mein altes verworfen hatte und in den Business Account wechselte. Zum Gang ins Web musste ich den CIM aufrufen. Ich hatte freilich einen Mac. Ich glaube es war ein LC II oder Performa. An den Quadra wollte ich nicht ran für solche Sachen, der war rein dem DTP vorbehalten. Ich musste von Diskette den CompuServe Information Manager, kurz CIM, installieren. Für die jüngeren: Disketten waren Datenträger aus der frühen Silikon Zeit mit maximal 1,4 MByte Speicher. Zum Vergleich: ich habe mir gestern bei Amazon einen 8 GByte Speicherstick für 16 Euro bestellt. Dann musste bei MacCIM das Passwort eingegeben werden und man suchte sich eine Nummer zum Einwahlknoten. Das 5.600-Modem knatterte und pfiff und laut Becker war ich drin. Das ist jetzt vorbei. CompuServe wurde von AOL geschluckt und AOL ist bei vielen heute nur noch durch das Stadium bekannt. Danke CompuServe für deine Dienste.
Schülerzeitung sahnt Preise ab
31. Juli 2008Zusammen mit dem Kollegen Thomas Gerlach (Link siehe Blogroll) betreue ich seit Jahren Schülerzeitungen aus ganz Bayern. Wir machen sie fit in journalistischen Darstellungsformen, trainieren sie in Layout-Software, coachen sie in Redaktionsabläufen und üben mit Ihnen Fotoaufnahmen. Jetzt hat eine Zeitung vom Ruperti-Gymnasium Mühldorf hervorragend beim Spiegel-Wettbewerb abgeschnitten. Der „Innfloh“, so lautet der Name der Zeitschrift der aufstrebenden Nachwuchsjournalisten, wurde ausgezeichnet. Es ist bereits das zweite Mal, dass Innfloh-Redakteure zur Preisverleihung nach Hamburg fahren durften. Schon im vergangenen Jahr hatte sie sich mit ihrer Reportage über eine minderjährige Mutter den ersten Preis abgeholt. Auch dieses Jahr kann sich die Bilanz des Ruperti-Gymnasiums sehen lassen: Alleine in der Spiegel-Kategorie Reportage landete der „Innfloh“ mit vier Storys unter den ersten sieben Siegern. Aber es geht noch weiter: Nach ihrem großen Erfolg beim Spiegel-Schülerzeitungswettbewerb konnten sich die Jungjournalisten beim „Blattmacher“-Wettbewerb in Bayern erneut durchsetzen. Bei der Preisverleihung in München wurden sie als Bayerns beste Schülerzeitung ausgezeichnet. Meine Gratulation an die jungen Kollegen. Es zeigt sich, dass Lernen und Lehren doch sehr viel bringen. Und ich muss zugeben. Ich bin stolz auf die Auszeichnungen.
Total digital – danke Nikolas
30. Juli 2008Kennen Sie Nikolas Negroponte? Das ist kein neuer Grieche aus der Innenstadt, sondern der ehemalige Leiter des MIT. Heute ist er vor allem bekannt, weil er den 100 Dollar Computer auf den Markt gebracht hat, um die Dritte Welt IT-mäßig an die erste Welt heranzuholen. Eben dieser NN hat vor über zehn Jahren ein Buch mit dem Titel „Total digital“ geschrieben. Und es hat die digitale Welt verändert. Die Kernaussage: „Don´t move atoms, move bytes!“ Auf gut Deutsch übersetzt: „Alles was du digital vertreiben kannst, wird künftig digital vertrieben.“ Was haben wir damals gelacht und den Kopf geschüttelt: Fotos, Filme, Musik durchs Netz senden und das mit der Geschwindigkeit meines 28.800-Modems. Gerade hatte ich den Akustikkoppler ausgemustert. WOW, Nikolas hatte Recht. Der Computer wurde zum digitalen Hub, wie Steve Jobs von Apple ihn bezeichnet. Rechner stehen heute überall im Hause, der Server kommt in den Keller. Das WLAN reicht in den Garten, um den Kindern im Sandkasten zuzuschauen. Heute kaufe ich meine Musik über Amazon oder gleich über iTunes, in iStockvideo verkaufe ich meine Videos und vertreibe über Fotolia und iStockphoto meine Fotos. Flickr und andere Web 2.0-Plattformen haben mein digitales Leben revolutioniert. Danke Nikolas für deine Idee und deine Inspiration. Du hast mich aus meinem Trott gerissen und wach gerüttelt.


