Archive for November 2019

Romeo und Julia in Hammelburg

3. November 2019
Luk Van Soom schuf Romeo und Julia

Luk Van Soom schuf Romeo und Julia

Bei einem Herbstspaziergang durch das unterfränkische Hammelburg traf ich auf Romeo und Julia. Es handelt sich um eine interessante Skulptur von Luk Van Soom, der die Bronzeplastik im Jahr 1996 schuf.
Mir gefiel die Skulptur und ich verweilte an den Mönchsturm, wie das Bauwerk in Hammelburg heißt. Luk Van Soom Stammt aus der belgischen Stadt Tumhout. In seinem Werk treffen Traum und Wirklichkeit aufeinander, inspiriert durch Mythen, Magie und Geschichten schafft er eine eigene Welt, die er in das reale, alltägliche Umfeld einbindet. Im Falle von Romeo und Julia ist es eben passend der mittelalterliche Mönchsturm. Die Figur wurde im Jahr 1999 von Gastwirt Helmut Emmert erworben und der Stadt Hammelburg als Leihgabe überlassen.

Der Künstler Luk Van Soom beschreibt und gestaltete das Liebespaar so: Romeo und Julia verdeutlichen wie das Körperliche und Geistige weit auseinander sind. Bei Romeo ist das Unterste zuoberst, er ist verwirrt, auf den Händen stehend, also weit weg wie jemand der auf der anderen Seite der Welt lebt. Dagegen ist nur der Kopf von Julia sichtbar und versinnbildlicht Denken, losgelöst vom Körper. Mit geschlossenen Augen im Traum immer eng verschlungen mit Romeo, keinen Blickkontakt aber gedanklich untrennbar.
Eine Art von Seligkeit strahlen die Gesichter der Liebenden aus, dass sie durch geistige Verbundenheit und Denken eins sind. Niemand kann diesen Bann durchtrennen, nicht einmal der Tod.

Ein Nachmittag im Hotel Adlon, Berlin

2. November 2019

Bei einem Interview-Termin in Berlin nutzte ich die Gelegenheit im Hotel Adlon vorbeizuschauen. Ich habe noch nie in diesem Traditionshaus eine Nacht verbracht und hab es dieses Mal auch nicht, aber ich wollte die Atmosphäre des Haues schnuppern. Zudem hatte ich gerade das Buch von Hedda Adlon über das Haus gelesen und wollte es mit dem Ist-Zustand des Neubaus vergleichen.

Aufgrund meiner Tätigkeit bin ich oft in Hotels unterwegs. Nein, nicht in der Liga wie das Adlon, aber ich liebe es, Hotelgeschichten zu hören, zu sehen und zu fühlen. Hotels sind für mich ein besonderer Ort.
Ich saß in der Sitzgruppe vor dem Wasserbrunnen im Adlon und genoss die Zeit. Ich hatte ein nettes Gespräch mit einer Kollegin, die dann zu einem Anschlusstermin musste und so hatte ich die Muse zur Beobachtung. Nachdem mein Tag erfolgreich verlaufen ist, bestellte ich mir einen 10 Jahres Ardbeg – die Frage an mich, ob ich Eis möge, überhörte ich beim höflichen, zuvorkommenden jungen Servicemitarbeiter, der sofort seinen Fehler eingesehen hat. Später als ich noch einen Espresso bei einem anderen Mitarbeiter orderte, bekam ich keinen. Man hatte mich vergessen, eine Schande bei so einem Haus und hatte auch nicht große Lust nachzufragen und hinterher zu rennen. Da bin ich dann zu Starbucks gegenüber gegangen.

In den sozialen Netzwerken lese ich unlängst, dass der Service und die Qualität im Adlon gelitten habe. Das kann ich nicht beurteilen und so nicht bestätigen, mein vergessener Espresso fällt nicht weiter ins Gewicht. Mir fehlen die Vergleichsmöglichkeiten zu früher. Das alte Haus kenne ich nur aus Büchern, bei der Eröffnung des neuen Adlons 1997 war ich nicht dabei.
Das Haus liegt am Boulevard Unter den Linden 77, unweit des Brandenburger Tors am Pariser Platz und gehört zu Kempinski Steigenberger Gruppe. Ich hatte in Bayreuth bei den Bayreuther Festspielen schon zweimal schlechte Erfahrungen mit Steigenberger gemacht und möchte dies aber nicht aufs Adlon übertragen. Ich habe vor kurzem das Buch Hotel Adlon von Hedda Adlon gelesen, nein verschlungen. Seit der Eröffnung 1907 war im Adlon die große Welt zu Gast: Könige und Fürsten, Politiker und Diplomaten, Künstler und Industrielle. Und Hedda Adlon weiß die Geschichten um diese Persönlichkeiten nett zu erzählen. Die Witwe von Hotelgründer Louis Adlon berichtet von kleinen und großen Geschichten in abgeschlossenen Episoden. Sicherlich, es ist keine große Literatur, aber Hedda Adlon öffnet die Türen einer für mich verschlossenen Welt. Aber das Adlon war auch immer ein Ort der Politik: Wenn die Räterepublik und Revolution über das Haus ziehen und das Ende am Ende des Zweiten Weltkriegs kommt. Das Adlon überlebte den Krieg, wurde aber anschließend geplündert und niedergebrannt. Louis Adlon wurde nach der Kapitulation von der Roten Armee verhaftet und kam zu Tode. Das Wort Generaldirektor enthielt das Wort General und das reichte wohl den sowjetischen Soldaten aus.
Das Buch von Hedda Adlon hat natürlich keine Distanz zur Geschichte und zu den Personen, muss sie auch nicht. Sie schrieb ihr Buch in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als die Erinnerungen an die handelnden Personen noch lebendig waren.
Also ich genoss den vergangenen Mythos vom Adlon und beim nächsten Besuch in Berlin werde ich mich wieder in der Lobby Platz nehmen, einen Ardbeg genießen und ich werde das Buch von Hedda Adlon dabei haben und darin Klatsch lesen. Und vielleicht klappt es ja auch mal mit einer Übernachtung.
Ach ja, es gab auch mal eine TV-Serie Das Adlon. Eine Familiensaga von Uli Edel. Leider hab ich sie nicht gesehen. Edel interessiert mich, weil er den Baader Meinhof Komplex sehr gut verfilmt hat. Und auch die Verfilmung Adlon aus der Werkstatt von Produzent Artur Brauner kenne ich nicht. Ich hab noch einiges nachzuholen in Sachen Adlon.

Bayerische Könige und die ihre Haltung zur Verfassung

1. November 2019

Ist euch schon mal aufgefallen, wie die bayerischen Könige zur bayerischen Verfassung gestanden haben? Im Haus der bayerischen Geschichte in Regensburg ist dies mir auf der Herbstreise des Münchner PresseClubs aufgefallen.

Das Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg.

Das Haus der Bayerischen Geschichte in Regensburg.

Die Verfassung des Königreichs Bayern stammt vom 26. Mai 1818 und liegt heute im Bayerischen Staatsarchiv. In Regensburg ist ein Faksimile ausgestellt.

Die Verfassung des Freistaats Bayern.

Die Verfassung des Freistaats Bayern.

Im Eingangsbereich der Dauerausstellung sind Gemälde der vier bayerischen Könige ausgestellt. König Maximilian I. Joseph (reg. 1806-1825), König Ludwig I. von Bayern (reg.1825-1848), König Maximilian II. von Bayern (reg. 1848-1864) und König Ludwig II. von Bayern (reg. 1864-1886). Und bei den Gemälden ist die Bayerische Verfassung auch immer auf dem Bild zu sehen. Interessant ist die Haltung der Monarchenhand zur Bayerischen Verfassung. Das lässt Rückschlüsse über das Verhältnis König-Staat zu.

Zwei von vier Königen.

Zwei von vier Königen.

Beginnen vor mit König Maximilian I. Joseph (reg. 1806-1825). Seine Krone liegt auf der Bibel, seine Hand liegt auf der Verfassung. Bei seinen Untertanen wurde er mit der populären Kurzform seines Namens „König Max“ genannt. Zwischen 1796 und 1817 bestand eine sehr enge Zusammenarbeit zwischen Max Joseph und Minister Montgelas. Der König gilt mit seinem Ersten Minister Montgelas als Schöpfer des modernen bayerischen Staates. Maximilian I. Joseph und Montgelas schufen ein Beamtenwesen und eine effiziente Staatsverwaltung für das vergrößerte Bayern. Als König war Max Joseph sehr bürgernah, ging gerne ohne große Begleitung zu Fuß durch die Münchner Straßen und unterhielt sich zwanglos mit seinem Volk.

König Maximilian I. Joseph (reg. 1806-1825)

König Maximilian I. Joseph (reg. 1806-1825)

 

König Ludwig I. von Bayern (reg.1825-1848) war da schon anders drauf. Er hat sein königliches Zepter auf der Verfassung. Zu Beginn seiner Restaurationspolitik betrieb Ludwig eine gemäßigt liberale Politik, basierend auf der Verfassung von 1818. Eineinhalb Monate nach seinem Amtsantritt hob er die Pressezensur auf. Im März 1844 gab es Unruhen nach einer Brotpreiserhöhung und folgender Bierpreiserhöhung bei der sogenannten Münchner Bierrevolution. 1846 kam die irische Tänzerin Lola Montez nach München und wurde die Geliebte des Königs. Sie erhielt eine luxuriöse Villa in der Barer Straße in München, einen Adelstitel (Gräfin von Landsfeld) und finanzielle Unterstützung von Ludwig. Er initiierte den Ludwig-Donau-Main-Kanal, eine Verbindung zwischen Nordsee und Schwarzem Meer, den Vorgängerbau des heutigen Main-Donau-Kanals. Er war ein großer Kanalbauer, sah in der Eisenbahn nicht so die Zukunft – beides Fehlentscheidungen. Und er sein Verhältnis mit Lola Montez war schwierig, so dass 1848 im Revolutionsjahr Minister und Volk rebellierten.

König Ludwig I. von Bayern

König Ludwig I. von Bayern

König Maximilian II. von Bayern (reg. 1848-1864) lag die Verfassung hinter der Krone. Er sucht die Nähe zu seinem Volk. Zudem war er gerne auf Reisen, benannte die Ständeversammlung in den Landtag um. Es gibt sogar eine Skulptur von ihm auf dem Pferd, wo der den Hut zum Gruße hebt. Das war schon eine Revolution und daher wurde die Skulptur nie zum Reiterdenkmal. „Ich will Frieden haben mit meinem Volke und mit den Kammern“, sagte der König einmal.

König Maximilian II. von Bayern

König Maximilian II. von Bayern

„Ich will Frieden haben mit meinem Volke und mit den Kammern“

„Ich will Frieden haben mit meinem Volke und mit den Kammern“

König Ludwig II. von Bayern (reg. 1864-1886) sah sich vielmehr in der Tradition der absolutistischer Könige. Die Hand am Zepter, die Verfassung liegt am Tisch. Ludwig II. war kein Gestalter, kein Visionär. Politisch unerfahren stimmte er dem Bündnis mit Preußen zu und Bayern verlor die Souveränität. Ludwig II. Begeisterte sich für Architektur und ruinierte den Staat, schuf aber heute weltberühmte Baudenkmäler. Für mich wichtig: Er war ein großer Förderer von Richard Wagner, dessen Musik ich verehre. Über das Ende von Ludwig II. brauchen wir an dieser Stelle nicht spekulieren.

König Ludwig II. von Bayern

König Ludwig II. von Bayern

Ludwig II. war zudem ein Technikfan. Das zeigte sich an seinem Schlitten, mit dem er nachts durch das verschneite Bayern rauschte. Künstler wie Franz von Seitz, Johann Christian Hirth oder Mathilde Jörren schufen den verspielten Prunkwagen. Übrigens, der Schlitten war das erste elektrisch beleuchtete Fahrzeugs Bayerns. Eine Batterie mit Chromschwefelsäure speist eine Glühbirne mit Platinfaden.

Ludwig II. ging damit ein Licht auf – ha Sparwitz.
Damit endet meine Berichterstattung über die Herbstreise des PresseClub München nach Ostbayern.

Nicht das ist Bayern, sondern vielmehr.

Nicht das ist Bayern, sondern vielmehr.