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Faszination Hotel Adlon – Warum Berlins berühmtestes Luxushotel mich in seinen Bann zieht

20. August 2026

Kaum ein Hotel in Deutschland steht so sehr für Eleganz, Geschichte und Mythos wie das Hotel Adlon. Direkt am Brandenburger Tor gelegen, war es Schauplatz großer historischer Ereignisse, Treffpunkt von Kaisern, Staatsgästen und Weltstars – und ist bis heute ein Symbol für den besonderen Glanz Berlins.

Irgendwann möchte ich dort einmal mit meiner Frau nächtigen und das Flair geniessen. Bisher hat es dazu (leider noch) nicht gereicht. Aber bei unserem jüngsten Berlin-Aufenthalt haben wir einen erfolgreichen Tag für meine Frau dort ausklingen lassen und uns unseren Träumen hingegeben. Sie bei einem Adlon-Kuchen und ich bei einem Single Malt von Ardbeg bei dem mich der junge Kellner gefragt hat, ob ich Eis möge. Böser Fehler, böser Fehler.

Das Hotel Adlon ist weit mehr als ein exklusives Fünf-Sterne-Hotel. Es ist ein Ort, an dem sich deutsche Geschichte, internationale Politik und luxuriöse Gastfreundschaft seit über einem Jahrhundert begegnen. Seine außergewöhnliche Lage am Pariser Platz gegenüber dem Brandenburger Tor macht das Haus zu einem der bekanntesten Hotels Europas. Doch seine Faszination beruht nicht allein auf Luxus – sie speist sich aus einer bewegten Vergangenheit, die kaum ein anderes Hotel vorweisen kann.

Die Geschichte beginnt im Jahr 1907. Der Hotelier Lorenz Adlon verwirklichte seinen Traum von einem Grandhotel der Superlative. Unterstützt von Kaiser Wilhelm II. entstand innerhalb von nur zwei Jahren ein Gebäude, das seiner Zeit weit voraus war. Elektrisches Licht, fließendes Warmwasser, moderne Aufzüge und ein bis dahin unbekannter Komfort machten das Adlon schnell zum prestigeträchtigsten Hotel des Deutschen Kaiserreichs. Schon die feierliche Eröffnung wurde wie ein Staatsakt inszeniert – ein deutliches Zeichen für die Bedeutung des Hauses.

In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das Adlon zum gesellschaftlichen Mittelpunkt Berlins. Adelige, Industrielle, Künstler und Politiker gingen hier ein und aus. Internationale Persönlichkeiten wie Charlie Chaplin, Albert Einstein oder Josephine Baker gehörten zu den Gästen. Das Hotel war nicht nur ein Ort zum Übernachten, sondern eine Bühne für Begegnungen, diplomatische Gespräche und gesellschaftliche Ereignisse. Sein Name wurde weltweit zum Synonym für Stil, Eleganz und exzellenten Service.

Mit dem Zweiten Weltkrieg änderte sich das Schicksal des Hauses dramatisch. Obwohl das Gebäude die letzten Kriegstage zunächst weitgehend überstand, zerstörte ein Brand Anfang Mai 1945 den größten Teil des Hotels. Lediglich ein Seitenflügel blieb erhalten und wurde in den Nachkriegsjahren noch als Hotel genutzt. Nach der Enteignung in der DDR verfiel der historische Bau zunehmend, bis schließlich auch der verbliebene Rest 1984 abgerissen wurde. Damit schien die Geschichte des legendären Hotels endgültig beendet zu sein.

Erst nach der deutschen Wiedervereinigung begann die Renaissance des Adlon. Zwischen 1995 und 1997 entstand am historischen Standort ein Neubau, der sich architektonisch eng am Original orientierte, zugleich aber modernste Technik und höchsten Komfort integrierte. Seit seiner Wiedereröffnung im August 1997 gehört das Hotel erneut zu den renommiertesten Luxushotels Europas und wird von Kempinski betrieben.

Heute empfängt das Hotel regelmäßig Staatsoberhäupter, Königsfamilien, Spitzenpolitiker, Unternehmer und internationale Prominente. Staatsbesuche in Berlin sind oft eng mit dem Adlon verbunden. Gleichzeitig ist das Hotel auch für viele Touristen wie mich ein besonderes Ziel – sei es für einen klassischen Afternoon Tea, ein Dinner mit Blick auf das Brandenburger Tor oder einfach einen Spaziergang durch die berühmte Lobby.

Ein wesentlicher Teil der Faszination liegt in der Verbindung aus Geschichte und Gegenwart. Das Adlon vermittelt das Gefühl einer vergangenen Epoche, ohne auf modernen Komfort zu verzichten. Historische Elemente, elegante Einrichtung und erstklassiger Service schaffen eine Atmosphäre, die viele Gäste als zeitlos beschreiben. Hinzu kommt die einmalige Lage im Herzen Berlins: Reichstag, Unter den Linden, Holocaust-Mahnmal und zahlreiche Museen befinden sich in unmittelbarer Nähe.

Auch die gehobene Gastronomie trägt zum internationalen Ruf des Hauses bei. Das Hotel beherbergt mehrere Restaurants und Bars, darunter das mehrfach ausgezeichnete Gourmetrestaurant „Lorenz Adlon Esszimmer“, das seit Jahren zu den kulinarischen Spitzenadressen Deutschlands zählt. Hier haben wir leider zu spät reserviert.

Zur besonderen Aura des Hauses haben außerdem zahlreiche Filme, Dokumentationen und Bücher beigetragen. Die mehrteilige Fernsehproduktion „Das Adlon – Eine Familiensaga“ machte die wechselvolle Geschichte des Hotels einem Millionenpublikum bekannt. Zwar verbindet die Serie historische Ereignisse mit fiktiven Figuren, sie verdeutlicht jedoch eindrucksvoll, welche symbolische Bedeutung das Hotel für verschiedene Epochen deutscher Geschichte besitzt.

Dennoch lebt die Faszination des Adlon nicht ausschließlich von seiner Vergangenheit. Das Hotel ist bis heute ein wirtschaftlich bedeutender Bestandteil der Berliner Luxushotellerie. Selbst aktuelle Entwicklungen – wie die bekannt gewordenen Pläne der Eigentümer, das Hotel zu veräußern – ändern nichts daran, dass der Betrieb unter dem langfristigen Pachtvertrag mit Kempinski unverändert fortgeführt werden soll.

Letztlich steht das Hotel Adlon für weit mehr als exklusiven Luxus. Es verkörpert Beständigkeit trotz Kriegen, politischen Umbrüchen und gesellschaftlichem Wandel. Nur wenige Gebäude in Deutschland verbinden Geschichte, Architektur, Gastfreundschaft und internationale Bedeutung auf vergleichbare Weise. Genau diese Mischung macht das Adlon bis heute zu einem Ort, der Besucher aus aller Welt fasziniert – und zu einer lebenden Legende im Herzen Berlins.

Das Berliner Hotel Adlon soll für mindestens 280 Millionen Euro verkauft werden; betroffen ist zunächst die Immobilie, nicht der laufende Hotelbetrieb. Über den Verkauf stimmen rund 4.000 Anleger des Fonds ab, und für einen Beschluss sind 75 Prozent der abgegebenen Stimmen nötig. Für Gäste und Mitarbeitende soll sich vorerst nichts ändern. Der Betreiber Kempinski bleibt laut Bericht bis Ende 2032 über einen Pachtvertrag im Haus.

Ein Nachmittag im Hotel Adlon, Berlin

2. November 2019

Bei einem Interview-Termin in Berlin nutzte ich die Gelegenheit im Hotel Adlon vorbeizuschauen. Ich habe noch nie in diesem Traditionshaus eine Nacht verbracht und hab es dieses Mal auch nicht, aber ich wollte die Atmosphäre des Haues schnuppern. Zudem hatte ich gerade das Buch von Hedda Adlon über das Haus gelesen und wollte es mit dem Ist-Zustand des Neubaus vergleichen.

Aufgrund meiner Tätigkeit bin ich oft in Hotels unterwegs. Nein, nicht in der Liga wie das Adlon, aber ich liebe es, Hotelgeschichten zu hören, zu sehen und zu fühlen. Hotels sind für mich ein besonderer Ort.
Ich saß in der Sitzgruppe vor dem Wasserbrunnen im Adlon und genoss die Zeit. Ich hatte ein nettes Gespräch mit einer Kollegin, die dann zu einem Anschlusstermin musste und so hatte ich die Muse zur Beobachtung. Nachdem mein Tag erfolgreich verlaufen ist, bestellte ich mir einen 10 Jahres Ardbeg – die Frage an mich, ob ich Eis möge, überhörte ich beim höflichen, zuvorkommenden jungen Servicemitarbeiter, der sofort seinen Fehler eingesehen hat. Später als ich noch einen Espresso bei einem anderen Mitarbeiter orderte, bekam ich keinen. Man hatte mich vergessen, eine Schande bei so einem Haus und hatte auch nicht große Lust nachzufragen und hinterher zu rennen. Da bin ich dann zu Starbucks gegenüber gegangen.

In den sozialen Netzwerken lese ich unlängst, dass der Service und die Qualität im Adlon gelitten habe. Das kann ich nicht beurteilen und so nicht bestätigen, mein vergessener Espresso fällt nicht weiter ins Gewicht. Mir fehlen die Vergleichsmöglichkeiten zu früher. Das alte Haus kenne ich nur aus Büchern, bei der Eröffnung des neuen Adlons 1997 war ich nicht dabei.
Das Haus liegt am Boulevard Unter den Linden 77, unweit des Brandenburger Tors am Pariser Platz und gehört zu Kempinski Steigenberger Gruppe. Ich hatte in Bayreuth bei den Bayreuther Festspielen schon zweimal schlechte Erfahrungen mit Steigenberger gemacht und möchte dies aber nicht aufs Adlon übertragen. Ich habe vor kurzem das Buch Hotel Adlon von Hedda Adlon gelesen, nein verschlungen. Seit der Eröffnung 1907 war im Adlon die große Welt zu Gast: Könige und Fürsten, Politiker und Diplomaten, Künstler und Industrielle. Und Hedda Adlon weiß die Geschichten um diese Persönlichkeiten nett zu erzählen. Die Witwe von Hotelgründer Louis Adlon berichtet von kleinen und großen Geschichten in abgeschlossenen Episoden. Sicherlich, es ist keine große Literatur, aber Hedda Adlon öffnet die Türen einer für mich verschlossenen Welt. Aber das Adlon war auch immer ein Ort der Politik: Wenn die Räterepublik und Revolution über das Haus ziehen und das Ende am Ende des Zweiten Weltkriegs kommt. Das Adlon überlebte den Krieg, wurde aber anschließend geplündert und niedergebrannt. Louis Adlon wurde nach der Kapitulation von der Roten Armee verhaftet und kam zu Tode. Das Wort Generaldirektor enthielt das Wort General und das reichte wohl den sowjetischen Soldaten aus.
Das Buch von Hedda Adlon hat natürlich keine Distanz zur Geschichte und zu den Personen, muss sie auch nicht. Sie schrieb ihr Buch in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als die Erinnerungen an die handelnden Personen noch lebendig waren.
Also ich genoss den vergangenen Mythos vom Adlon und beim nächsten Besuch in Berlin werde ich mich wieder in der Lobby Platz nehmen, einen Ardbeg genießen und ich werde das Buch von Hedda Adlon dabei haben und darin Klatsch lesen. Und vielleicht klappt es ja auch mal mit einer Übernachtung.
Ach ja, es gab auch mal eine TV-Serie Das Adlon. Eine Familiensaga von Uli Edel. Leider hab ich sie nicht gesehen. Edel interessiert mich, weil er den Baader Meinhof Komplex sehr gut verfilmt hat. Und auch die Verfilmung Adlon aus der Werkstatt von Produzent Artur Brauner kenne ich nicht. Ich hab noch einiges nachzuholen in Sachen Adlon.