Posts Tagged ‘Nationalsozialismus’

Besuch in Hitlers Arbeitszimmer – der Ort des Münchner Abkommens

5. Mai 2015
Vor diesem Kamin wurde das Münchner Abkommen ausgehandelt.

Vor diesem Kamin wurde das Münchner Abkommen ausgehandelt.

Irgendwann wurde ich mir die Geschichte des Raums in dem ich saß schlagartig bewusst. Ich hörte auf einmal den Vortrag von Dr. Alexander Krause nicht mehr. Krause ist Kanzler der Hochschule für Musik in der Münchner Arcisstraße 12. In dem Gebäude befand sich der Führerbau, hier residierte Adolf Hitler. Mir wurde bewusst, wo ich hier war und was hier in diesem Raum geschehen ist.

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Dr. Alexander Krause dozierte in einem Hörsaal im ersten Stock des Gebäudes vor Mitgliedern des Münchner PresseClubs. Im Laufe des Vortrags wurde es mir schlagartig bewusst, wo ich mich befand. Es war nicht mehr ein einfacher Hörsaal mit Stühlen, Tischen und Klavier. Es war ein Raum, der Geschichte atmet. Es war das ehemalige Arbeitszimmer von Adolf Hitler.

Das historische Foto vom Münchner Abkommen.

Das historische Foto vom Münchner Abkommen.

In diesem Raum, im so genannten Führerbau an der Arcisstraße 12 in München, unterzeichnete der britische Premier Neville Chamberlain, der französische Premierminister Edouard Daladier, der italienische Diktator und Ministerpräsident Benito Mussolini und der deutsche Diktator Adolf Hitler am 30. September 1938 das so genannte Münchner Abkommen über die unverzügliche Abtretung des Sudentengebietes an das Deutsche Reich. Die westlichen Staatsmänner glaubten, durch diese Konzession einen Krieg abgewendet zu haben. Doch schon im März 1939 brach der Gröfaz diese Vereinbarung, ließ deutsche Truppen in Prag einmarschieren und proklamierte das Protektorat Böhmen und Mähren. Dieser Gewaltakt erwies sich im Rückblick als entscheidender Schritt zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs.


Nachdem die Vorlesung von Dr. Krause vorbei war, streifte ich durch diesen historischen Raum. Ich berührte Gegenstände, den Kamin und ich ging auf den Balkon des Gebäudes. Den Blick auf die Arcisstraße nahm ich nicht wahr, sondern ich sog die Atmosphäre des Raumes auf. Ich schauderte. Auf dem Balkon hatte ich die Straße im Rücken und schaute mir den Bau im Dunkel an. Der Reichsadler samt Hakenkreuz ist freilich nicht mehr da, vor meinem geistigen Auge sah ich das Symbol des Nationalsozialismus auftauchen.

Dr. Alexander Krause hatte einige historische Fotos aus seinem hervorragenden Buch Arcisstraße 12 dabei, die die historische Situation von damals zeigten. Für mich ein Lehrbeispiel von historischer Vermittlung für die ich dankbar bin. In wenigen Metern Entfernung eröffnete das NS-Dokuzentrum am Königsplatz in unmittelbarer Nähe zum ehemaligen Führerbau. Das werde ich mir nun ansehen.

Persönlicher Nachruf zu Otfried Preußler

20. Februar 2013

Die kleine Hexe und der Räuber Hotzenplotz tragen Trauer – so treffend beschrieb mein Twitter-Kollege Marcus Bölt den Tod von Otfried Preußler. Am Montag, 18. Februar, starb der 89jährige Kinderbuchautor in Prien am Chiemsee. Jedes Familienmitglied bei uns war ein Preußler Fan und trauert nun.

Hotzenplotz

Es begann mit meiner Mutter. Sie wollte mir eine Freude machen, als ich als Kind krank im Bett lag. Meine Mutter schenkte mir damals eine Langspielplatte vom Räuber Hotzenplotz und ich weiß, wie ich als kleiner Bub die Kasperl-Geschichte mochte. Ich lag auf meinem Bett, hörte immer wieder die Schallplatte und studierte das Plattencover mit dem Gartenzaun, den Räubergesellen und am meisten beeindruckte mich der Hut mit einer langen Feder. Vielleicht wurde da meine Vorliebe für Hüte gelegt. Erst nach der Schallplatte bekam ich die Bücher zu Weihnachten und viel später verzauberte mich der Film mit dem großartigen Gert Fröbe.

hexe

K2 liebt dagegen die kleine Hexe- Sicher liegt es daran, dass ihre Großmutter sie immer als kleine Hexe bezeichnet. Tagelang schmökerte K2 in ihrer Ausgabe der kleinen Hexe und es war das erste Buch, dass K2 den stolzen Eltern komplett allein vorlas. Abends lag die Familie im Bett und K2 zückte die kleine Hexe und las Kapitel für Kapitel laut vor. Erst Buchstabe für Buchstabe, dann Wort für Wort und schließlich Satz für Satz. Eigentlich sollte es ja umgekehrt sein. Eigentlich sollten Eltern den Kindern etwas vorlesen, aber im Fall der kleinen Hexe war es genau anders herum. K2 übte an der Geschichte ihre Lesefähigkeiten und wurde von Kapitel für Kapitel besser. Unsere kleine Hexe wollte uns beweisen, dass sie lesen kann. Das war der ehrgeizige Wunsch von K2. Im 1957 erschienenen Roman war es der sehnlichstes Wunsch der kleinen Hexe, mit den großen Hexen auf dem Blocksberg zu fliegen. Ich bin mal gespannt, ob der nächste Wellensittich bei uns zu Hause auf den Namen Abraxas getauft wird. Carlos Santana würde sich sicher freuen.

krabat

K1 dagegen widmete sich mit mir in den vergangenen drei Monaten der Preußler Geschichte Krabat. Er musste im Deutschunterricht die Geschichte lesen. Ein eindrucksvoller Roman, den ich aber erst als Erwachsener richtig begriffen hatte. Die sorbische Volkssage ist voller Anspielungen auf die Verführungen des Nationalsozialismus. Mein Sohn mochte die Geschichte, um die Zauberei, die schwarze Mühle und der Sieg des Guten über das Böse. Wir haben zusammen für die Deutschschulaufgabe die Geschichte gelesen, analysiert und interpretiert. Ich habe mir den Film angesehen, nachdem mein fantastischer 3D-Kollege Alex Lemke die Tricks der fliegenden Raben geschaffen hatte. Zum Tode von Otfried Preußler werden wir wohl die 3fach CD Krabatmit einer Lesung von Krabat durch Otfried Preußler heraussuchen und sie noch einmal anhören.

Lieber Otfried Preußler, du hast unserer Familie viel Spaß bereitet. Vielen Dank für deine Ideen, deine Einfälle, deinen Zauber und deine Fantasie. Du hat Generationen meiner Familie geprägt und ich hoffe, dass meine Kinder deine Bücher an ihre Kinder irgendwann weitergeben. Du hast alle möglichen Preise für dein Werk erhalten: Verdienstorden, Jugendbuchpreise, Literaturpreise, Bundesverdienstkreuz – aber vor allem hast du das Wertvollste bekommen: Unser Lachen und unsere Freude, die meiner gesamten Familie.

Hakenkreuze in Spiele

7. Oktober 2009

Wolfenstein ist aus dem Programm genommen

Eine interessante Frage stellte mir neulich ein Bekannter: Warum muss aus Spielen jedes einzelne Hakenkreuz entfernt werden, wenn man es in Deutschland verkaufen will? Aktuelles Beispiel ist der Egoshooter „Wolfenstein“. Activision Blizzard hat die Händler Ende September aufgerufen, ihr Spiel aus den Regalen zu nehmen, weil bei der Überprüfung ein Hakenkreuz durchgerutscht sei.

Nur damit keine Zweifel aufkommen. Ich brauche keine nationalsozialistischen Symbole und hab auch nix mit dem alten oder neuen Nazi-Pack am Hut. Dennoch ist die Frage des Kollegen richtig: Warum muss aus Spielen jedes einzelne Hakenkreuz entfernt werden, wenn man es in Deutschland verkaufen will? Während hingegen ein Spielfilm durchaus Symbole des Nationalsozialismus enthalten kann, ein Beispiel dafür ist der Film „Operation Walküre“.

Ein Blick in die Rechtsliteratur besagt: Erlaubt ist in Deutschland eine Hakenkreuzdarstellung nach § 86 Absatz 3 StGB nur, wenn sie „der staatsbürgerlichen Aufklärung, der Abwehr verfassungswidriger Bestrebungen, der Kunst oder der Wissenschaft, der Forschung oder der Lehre, der Berichterstattung über Vorgänge des Zeitgeschehens oder der Geschichte oder ähnlichen Zwecken dient“.

In einem PC-Spiel wie Wolfenstein werden aber keine geschichtlichen Zusammenhänge dargestellt, sondern es geht um reine Unterhaltung. Insofern kann ein Hakenkreuz hier leicht als den Nationalsozialismus verherrlichendes Symbol gewertet werden. Spielehersteller gehen dieser Diskussion aus dem Weg und entfernen die entsprechenden Symbole, wie unlängst bei Activision Blizzard geschehen. In Deutschland ist das Hakenkreuz aus gutem Grund verboten, im Ausland nicht, deshalb gibt es in den USA das Spiel mit den Nazi-Symbolen.

Im Fernsehen sieht man Hakenkreuze im Zusammenhang mit Dokumentationen oder mit der Darstellung der deutschen Geschichte. Auch Filme werden genau geprüft, wie sie mit dem Hakenkreuz umgehen. Grundsätzlich gilt bei Filmen aber der Kunstbegriff.

Interessant ist aber die Weiterentwicklung des Kulturbegriffs. So sind von einigen Videogames als Kulturgut offiziell anerkannt. Gelten dann für Spiele und Filme die gleichen Maßstäbe? Ich bin gespannt, wie die Debatte weitergeht.