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Zwischen Schutz und Wirklichkeit: Söder warnt vor vorschnellen Social-Media-Verboten

17. März 2026

Ein möglicher Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche sieht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder mit spürbarer Skepsis. Beim Auftritt im Internationalen PresseClub München machte er am Montag, 16. März 2026 deutlich, dass er zwar grundsätzlich Verständnis für mehr Kinder- und Jugendschutz im Netz habe, pauschale Verbotsforderungen aber für zu einfach halte. Alles, was derzeit diskutiert werde, müsse zunächst technisch sauber umsetzbar und in seinen Folgen durchdacht sein. Ich stellte ihm die Frage nach einem möglichen Social Media Verbot.

Söder verwies darauf, dass es bereits heute Altersbeschränkungen auf vielen Plattformen gebe, diese in der Praxis aber nur schwer kontrollierbar seien. Die entscheidende Frage sei deshalb, wie ein Verbot oder eine strengere Altersgrenze tatsächlich durchgesetzt werden solle. Wenn dafür etwa Personalausweise vorgezeigt oder digitale Identitäten hinterlegt werden müssten, stelle sich sofort die nächste Frage: Was geschehe dann mit den Daten von Kindern und Jugendlichen? Für Söder ist das ein Hinweis darauf, dass die Debatte komplizierter ist, als es manche politische Forderung vermuten lassen.

Zugleich warnte er davor, vorschnell mit starren Altersgrenzen oder Totalverboten zu arbeiten. Die Diskussion wirke auf ihn bislang „unterkomplex“, weil viele, die besonders laut über Social-Media-Verbote redeten, aus seiner Sicht selbst kaum in dieser digitalen Welt verankert seien. Söder kündigte an, mögliche Vorschläge in Ruhe prüfen zu wollen, verwies dabei aber auch auf internationale Erfahrungen. In Australien etwa zeige sich bereits, dass solche Regeln leicht umgangen werden könnten. Das könne am Ende sogar zu einem noch problematischeren Zustand führen, weil Verbote zwar auf dem Papier stünden, in der Lebenswirklichkeit junger Menschen aber kaum wirksam seien.

Besonders wichtig war Söder in diesem Zusammenhang der Hinweis auf die gesellschaftliche Funktion sozialer Medien. Sie seien längst nicht nur Freizeitplattformen, sondern auch Orte der Kommunikation, der Vernetzung und des Engagements. Gerade im Ehrenamt und bei der Nachwuchsgewinnung spielten sie eine wichtige Rolle. Deshalb dürfe man Social Media nicht allein als Problem betrachten, sondern müsse auch sehen, welche Bedeutung diese Kanäle heute für Vereine, Jugendliche und die gesellschaftliche Teilhabe hätten.

Insgesamt plädierte Söder für einen pragmatischen statt symbolischen Umgang mit dem Thema. Kinder- und Jugendschutz müsse ernst genommen werden, aber einfache Verbotsdebatten reichten nicht aus. Aus seiner Sicht braucht es Lösungen, die sowohl technisch realistisch als auch datenschutzrechtlich tragfähig sind und die digitale Lebenswirklichkeit junger Menschen nicht ignorieren.

Ein leises Ping, das mein Leben ordnet: Warum die E-Mail aus meinem Alltag nicht mehr wegzudenken ist

13. Dezember 2025

Ob Terminbestätigung für den nächsten Arztbesuch, die ersehnte Versandinfo vom Lieblingsshop oder der Login-Code für eine App, ohne den nichts mehr geht – E-Mails begleiten uns längst durch nahezu jeden Moment des Alltags. Was einst als nüchternes Kommunikationsmittel begann, ist heute ein stiller, aber unverzichtbarer Begleiter im privaten Leben geworden. Für die allermeisten Menschen gehören E-Mails nicht mehr nur zum Berufsalltag, sondern sind ein selbstverständlicher Teil der persönlichen Organisation, der kleinen Freuden und manchmal auch der großen Entscheidungen. Für mich ist das Mail-Postfach das Herz meiner Kommunikation, wo viele Kanäle zusammenlaufen.

Und ihre Bedeutung wächst weiter. Im Durchschnitt landen heute bereits 13 private Nachrichten pro Tag im Mailpostfach von Internetnutzern. Noch vor zwei Jahren waren es im Schnitt zehn – ein deutlicher Anstieg, der zeigt, wie sehr sich unser Alltag weiter in die digitale Welt verlagert. Diese Zahlen stammen aus einer repräsentativen Befragung von 1.002 Personen ab 16 Jahren in Deutschland, durchgeführt im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Unter ihnen befanden sich 928 aktive Internetnutzer, deren Antworten ein klares Bild zeichnen: Die private E-Mail ist aus dem Leben der Menschen kaum mehr wegzudenken.

Ich begann selbst vor Jahren mit einer Compuserve-Adresse, dann kam ein AOL-Postfach dazu. Heute sind es viele Accounts, die über Apple-Mail bei mir auf Rechner, Smartphone, Tablet und Co zusammenlaufen – und täglich administriert werden (müssen).
Bin ich mal eine Woche offline, dann laufen die Postfächer voll und ich brauche mindestens einen Tag, um meine Mails zu ordnen und zu sortieren – und auch um zu antworten. So habe ich für mich eine tägliche Mailroutine erarbeitet, an die mich einigermaßen halte.

Dabei ist die Menge der täglichen Nachrichten durchaus unterschiedlich verteilt. Rund jede und jeder Fünfte erhält lediglich ein bis vier private E-Mails am Tag, bei 19 Prozent sind es fünf bis neun. Der größte Anteil, nämlich 28 Prozent, bekommt täglich zehn bis 19 Nachrichten, und bei mehr als einem Viertel – stolze 26 Prozent – füllen sogar 20 oder mehr E-Mails pro Tag das private Postfach. Jede dieser Nachrichten erzählt eine kleine Geschichte: von Bestellungen, Verabredungen, Verträgen oder Erinnerungen, die unser Leben strukturieren. Viel Zeit nimmt bei mir die Ablage in Anspruch: Wird sie in ein Unterpostfach verschoben oder kann ich sie löschen oder muss ich sofort darauf reagieren?

„Obwohl sich die digitale Kommunikation ständig weiterentwickelt, bleibt die E-Mail für viele ein zentraler Bestandteil ihres Alltags“, betont Dr. Sebastian Klöß, Leiter Märkte & Technologien beim Bitkom. Ihre Stärke liege in ihrer Einfachheit und Verlässlichkeit – und darin, dass sie unabhängig von einzelnen Plattformen oder Messengerdiensten funktioniert. Gerade weil die private E-Mail-Adresse häufig auch als Login- oder Identifikationsmerkmal für zahlreiche andere Dienste dient und sensible Informationen wie Vertragsunterlagen oder persönliche Daten enthält, sei es umso wichtiger, das eigene Postfach gut zu schützen. Ein sicheres Passwort ist damit längst mehr als eine technische Kleinigkeit – es ist ein Schlüssel zur digitalen Identität.

Bemerkenswert ist zudem, dass die E-Mail quer durch alle Altersgruppen eine ähnliche Rolle spielt. Junge Menschen zwischen 16 und 29 Jahren erhalten im Durchschnitt 14 private E-Mails täglich. Bei den 30- bis 49-Jährigen sind es 13, bei den 50- bis 64-Jährigen rund 12 Nachrichten pro Tag. Und selbst bei den 65-Jährigen und Älteren liegt der Wert wieder bei 13 E-Mails täglich. Die E-Mail verbindet Generationen – leise, zuverlässig und oft unterschätzt.

Fast schon eine Randnotiz wirkt vor diesem Hintergrund die Tatsache, dass lediglich ein Prozent aller Internetnutzernutzer in Deutschland nach eigenen Angaben über keine private E-Mail-Adresse verfügt. Für alle anderen ist sie längst zu einem festen Bestandteil des Alltags geworden – ein digitaler Briefkasten, der jeden Tag ein Stück Leben widerspiegelt.