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Corona-Virus: Tag 41 der Ausgangsbeschränkung – Maisacher Maskenball

1. Mai 2020

Die Woche neigt sich dem Ende zu und die ersten Erfahrungen in Sachen Maskenpflicht liegen hinter uns. Mein subjektiver Eindruck: Die Maisacher machen mit.
Wenn ich bei der Ausgangsbeschränkung durch Corona das Haus zum Einkaufen verlasse, ist mein Ritual um einen Handgriff erweitert. Neben Smartphone, Geldbörse und Schlüssel gehört auch der Griff zur Maske dazu. Sie liegt in einem Plastikbeutel griffbereit. Ich habe mehrere Masken in meinem Besitz und Abends erfolgt das familiäre Ritual des Auskochen der ganzen Maske im Topf auf dem Herd. 5 Minuten Maskenauskochen und dann zum Trocknen aufhängen und anschließend bügeln. Als ob man noch nie etwas anderes gemacht hat.

Für mich als Brillenträge war das Atmen unter der Maske gewöhnungsbedürftig. Nicht weil ich nach Luft schnappe, sondern weil meine Brille beschlägt. Inzwischen habe ich aber die Technik raus und es funktioniert. Hier meine aktuelle Maskenauswahl:

Der Maisacher Einzelhandel hat entsprechende Hinweisschilder zur Maskenpflicht aufgehängt und ich habe von keinen Problemen gehört. Das Gemaule und Granteln gehören wohl dazu. Anfangs war der Blickkontakt in den Geschäften vielleicht noch etwas scheu, nach ein paar Tagen ist die Normalität des Maskentragens eingekehrt. Ein ungewöhnlicher Maskenball in Maisach.

Und es entwickelt sich ein Kennerblick. Welche Maske hat mein Gegenüber? Hat er/sie die Maske selbst gemacht oder gekauft? Ich habe eine Maske mit Beatles-Motiv gesehen und war schlagartig neidisch. Und natürlich gab es auch Masken mit blauweißer Raute, damit jedem klar ist, aus welchem Bundesland der Maskenträger ist.

Spende an die Maisacher Tafel
Auch die Maskenproduktion im Dorf schreitet voran. In meinem Blog habe ich ja Carmen Convent vorgestellt. Sie versprach mir, dass sie bei 500 Euro Einnahmen diese Summe der Maisacher Tafel spenden würde. Carmen Convent hat ihr Wort gehalten. Am Dienstag trafen wir uns – mit ausreichendem Abstand – bei der Maisacher Tafel vor dem Maisacher Rathaus zur symbolischen Scheckübergabe. Carmen Convent überreichte den Scheck an Normann Wenke von der Tafel sowie sein Stellvertreter Michael Fiedler. Es werden rund 250 Personen insgesamt durch die Tafel betreut, nicht nur aus Maisach, sondern auch aus dem Hinterland.

Corona-Virus: Tag 31 der Ausgangsbeschränkung – Schlange stehen will gelernt sein – Denkt an Maske und Abstand

21. April 2020

Die Corona Krise hat viel verändert – auch bei uns im Dorf. Die Hektik des Alltags ist aus unserem Leben gewichen. Es ist durch die Ausgangsbeschränkung zwangsläufig ruhiger in Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck geworden. Manche nennen es Demut. Und ich habe gelernt, mich in eine Schlange einzureihen. Schlange stehen kannte ich aus der DDR, jetzt lernte ich es auch in Maisach.
Ich höre viele Stimmen, die zur Vorsicht und Umsicht mahnen. Und natürlich habe ich die zweite Regierungserklärung des Ministerpräsidenten gestern im Web verfolgt. Ab nächste Woche gibt es eine Maskenpflicht oder formal ausgedrückt, eine Verpflichtung zu Mund-Nasenschutz in ÖPNV und Geschäften.

Vielleicht liegt es an meinem Tropenhut, aber die Leute schauen mich doof an.

Vielleicht liegt es an meinem Tropenhut, aber die Leute schauen mich doof an.

Ich hoffe, dass sich die Maisacher daran halten. Im Moment habe ich das Gefühl, dass man noch wie ein Alien angeschaut wird, wenn man mit Maske ein Geschäft betritt, dumme Sprüche inklusive. Aber dies wird sich ändern – hoffentlich. Ich habe keine Lust auf eine Verlängerung des Lockdowns, der mich meine Aufträge gekostet hat.

Masken auch beim Edeka Leich.

Masken auch beim Edeka Leich.

Jetzt geht es für uns alle ans Masken kaufen – oder selbst produzieren. Die Stoffgeschäfte in Maisach und Fürstenfeldbruck haben wieder geöffnet und versorgen den Hobbynäher mit Nachschub. In Fürstenfeldbruck habe ich auf dem Weg zum Arzt eine lange Schlange vor Stoffe Egert gesehen.

Schlange vor Stoffe Ebert in FFB.

Schlange vor Stoffe Ebert in FFB.

In Maisach ist die Lage scheinbar entspannter. Der Schürzenmichl von Michaela Furthmann in der Bahnhofstraße 17 hat Stoffe. Seit 15. April hat das Geschäft eine Sondergenehmigung. „Wir haben Kurzwaren und Stoffe da, für alle die sich selbst eine Behelfsmaske nähen möchten“, heißt es auf der Website. Zudem näht man dort benötigte Behelfsmasken.


Beim Edeka Leich gibt es so genannte Community-Masken an der Kasse zu erwerben. Und Carmen Convent, die ich unlängst in meinem Blog vorgestellt habe, hat Masken und Stoffe in Racker‘s Patchwork „Nähwerkstatt“ in der Wiesenstraße 5a in Maisach. Die Masken können über Racker‘s Patchwork „Nähwerkstatt“ auf Facebook, per Email info@rackers-patchwork.de  und telefonisch geordert werden.

Und neben der Maskenpflicht gilt nach wie vor die Abstandsregelung. Das scheint bei vielen in Vergessenheit geraten zu sein. Nur weil man eine Maske trägt, gilt weiterhin Abstand halten. Am Wochenende hat es bei Albertos Eisdiele super geklappt. Das Wetter passte und die Menschen stellten sich brav an und hielten Abstand. „Ich bin begeistert, wie gut und vorbildlich sich unsere Kunden benommen haben und ich bin sicher, es bleibt so“, sagte mir Alberto.

Auch bei der Post in Fürstenfeld bildete sich eine lange Schlange vor der Hauptpost. Wer etwas brauchte, musste eine längere Wartezeit in Kauf nehmen.

Nachdem gestern die Bau- und Gartenmärkte geöffnet hatten, ging es dort diszipliniert zu. Das macht mir Mut, dass es nicht zu einem Rückschritt in Sachen Corona kommt. Beim Gartencenter Würstle kamen die Käufer schubweise – als ich vorbeischaute, war das Gelände besucht, aber die Käufer hielten den Abstand ein. Auch an der Kasse war entsprechend beschildert. Die Mitarbeiter des Gartencenters trugen Masken und hielten bei ihren Beratungsgesprächen den Abstand ein.

Auch beim Hagebau – familienintern Hasenbau genannt – ging es gesittet zu. Ordner achteten am Eingang darauf, dass sich keine Staus bildeten. Und Besucher durften nur mit Einkaufswagen den Markt betreten. Das vorbereitete Schild „Wegen hoher Kundenfrequenz vorübergehend geschlossen“ war bei meinem Vorbeischauen noch verdeckt.

Corona-Virus: Tag 25 der Ausgangsbeschränkung – Bis zu 50 Masken pro Tag

15. April 2020
Foto: Carmen Convent Foto: Carmen Convent

Ein Frachtflugzeug hat vor kurzem acht Millionen Schutzmasken aus China nach Bayern gebracht. Diese sollen vor allem an Krankenhäuser, Altenheime und Pflegeeinrichtungen verteilt werden. Gewaltige Zahlen. Kleinere Brötchen backen die Näherinnen und Näher in Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck. Eine von den engagierten Näherinnen ist Carmen Convent von Racker‘s Patchwork „Nähwerkstatt“ in Maisach.
Die Mutter von drei Kindern produziert während der Ausgangsbeschränkung im Idealfall bis zu 30 Behelfsmasken pro Tag für Arztpraxen, Firmen und Privatpersonen. „Ja, ich bin seit der Corona-Krise fleißig am Masken nähen“, erzählt sie. 2015 hat sie mit Racker‘s Patchwork „Nähwerkstatt“ ihr Hobby zum Beruf gemacht, nachdem sie von Zeitverträgen genug hatte. Es begann mit einer Patchwork-Decke für eine Freundin zum Geburtstag. Die Decke kam so gut an und die Nachfrage stieg. Neben Näharbeiten bietet Carmen Convent auch Reparaturen und Änderungen an. Kreativ ist sie beim Upcycling. So fertigte sie zum Beispiel aus 60 Krawatten eindrucksvolle Kissenbezüge. Seit Jahren ist sie auch regelmäßig beim „Kunst im Stadl“ in Anzhofen dabei.
Seit März 2020 produziert sie im Moment, neben den Patchworkdecken, Kleidung und anderen Auftragsarbeiten, fast ausschließlich nur noch Masken. „Ich habe im Netz gelesen, dass ein riesiger Bedarf besteht und habe angefangen Masken zu nähen“, erzählt sie. Die Patchwork- und Quiltstoffe kommen aus ihrem umfangreichen Stofflager. Sie verwendet ausschließlich eine hohe Stoffqualität. Der Stoff ist dichter gewebt und gleichzeitig ist es ein leichter Stoff, der gut zu tragen ist. Dabei hat sie das Schnittmuster der Essener Maske modifiziert und sich dabei mit verschiedenen Ärzten beraten. Die Masken liegen gut an und lassen sich gut reinigen. Carmen Convent stellt nur Behelfsmasken mit Bändern an, da diese für jeden passen.

„Ich halte das Bändchen auch für hygienischer. Man braucht die Behelfsmaske nicht am Mundteil anfassen.“ Sie ist gegenüber Billigstoffen sehr misstrauisch. „Viele billige Stoffe haben Ausdünstungen und wenn man diese die ganze Zeit vor Mund und Nase tragen muss, dann ist das sicher kontraproduktiv.“
Verärgert ist sie über Abmahnungen von Juristen wegen der Bezeichnung Schutzmasken. „Sie haben den Ernst der Lage nicht wirklich verstanden und es ist jetzt auch nicht die Zeit, die Situation so auszunutzen.“ Bei den Behelfsmasken, wie sie Carmen Convent näht, handelt es sich nicht um eine Atemschutzmaske. Der medizinische MNS (Mund-Nasen-Schutz) wird beispielsweise bei Operationen vom medizinischen Personal getragen, damit keine Keime in die offene Wunde gelangen. Auch Pflegepersonal in Senioreneinrichtungen nutzt sie.
Die Behelfsmaske vermindert die Verbreitung von Flüssigkeitströpfchen aus Mund und Nase des Trägers. Wer eine solche Maske trägt, schützt also andere.
Die Behelfsmasken hat sie zum Selbstkostenpreis von 5 Euro pro Stück abgegeben. Ein sehr fairer Preis, wie ich finde. Dabei verwendet sie keine dunklen Stoffe. „Ich mag fröhliche Farben.“ Daher haben u.a. auch Kinderarztpraxen bunte Masken bei ihr geordert.
Übrigens: Die Masken können über Racker‘s Patchwork „Nähwerkstatt“ auf Facebook, per Email info@rackers-patchwork.de  und telefonisch geordert werden. Und nicht nur Masken. Dienstag, Mittwoch und Donnerstag hat sie ihre Werkstatt in der Wiesenstraße 5a in Maisach normalerweise zum Verkauf geöffnet. Carmen Convent hofft, dass die Beschränkungen durch die Corona-Krise bald wieder gelockert werden und sie ihre Kunden wieder persönlich begrüßen kann.