Highlands, Humor und Harrison: Wie Glenmorangie mit einem Amerikaner die Whisky-Welt Ã¼berrascht

29. Januar 2025

Kann ein Amerikaner ein Gesicht für eine schottische Whisky werden? Auf dieses dünnes Eis begibt sich derzeit Glenmorangie. Harrison Ford wird das Gesicht von Glenmorangie Single Malt Whisky und Puristen fallen einfach tot um.

Aber ich finde diesen neuen Weg interessant, wahrscheinlich weil ich ein Fan von beiden bin: Glenmorangie und Harrison Ford. In einer Episodenreihe unter der Regie von Joel Edgerton zeigt Ford seinen typischen, trockenen Humor, so verspricht uns zumindest Glenmorangie.

„Once Upon a Time in Scotland“ begleitet Harrison Ford auf seiner Reise in die Heimat von Glenmorangie. In den Highlands entdeckt er die Handwerkskunst, die in jede Flasche des komplexen und eleganten Whiskys einfließt. Der Schauspieler genießt das authentische Schottland – von den Besonderheiten des schottischen Akzents, der Kilt-Etikette bis zum Kennenlernen der Einheimischen bei einem Dram Single Malt. Bewusst wurden die Szenen unkonventionell im „Off-Script“ Stil gedreht.

Die Episoden zeigen die natürliche Schönheit der Highlands im Nordosten Schottlands: Die historische Destillerie in Tain, in der Glenmorangie seit über 180 Jahren gebrannt wird, das geschichtsträchtige Ardross Castle aus dem 19. Jahrhundert und die atemberaubende Landschaft rund um Loch Glass. Mit Harrison Ford spielt das Destillerie-Team unter der Leitung von Joel Edgerton sich selbst, während die Flaggschiff-Whiskys Glenmorangie Original 12 Years Old und Glenmorangie Infinita 18 Years Old, ebenfalls eine Hauptrolle übernehmen.

Die 12 Folgen und der Herofilm von Joel Edgerton werden durch Fotos von Modefotograf Lachlan Bailey ergänzt. Sie zeigen Harrison Ford, wie man ihn noch nie gesehen hat – in einem stylischen schottischen Kilt der Streetwear-Marke Palace.

Caspar MacRae, Präsident und CEO von The Glenmorangie Company sagt: „Harrison Ford ist ein echter Weltstar und wahrer Whisky-Liebhaber. Ein Traum wurde wahr, ihn für diese Kampagne zu gewinnen und in den Highlands willkommen zu heißen. Hier, in unserer Heimat, erfuhr er so viel über Glenmorangie. Er ist jemand, der sein Handwerk über Jahrzehnte hinweg verfeinerte. Deshalb schätzt er das tiefe Engagement und die Fähigkeiten unseres Destillerie-Teams. So wie wir hat er auch keine Angst, über sich selbst zu lachen – und ich denke, Joel hat seine authentische Herzlichkeit und seinen schelmischen Humor perfekt eingefangen. Wir hoffen, dass Whisky-Liebhaber weltweit die Episoden genießen und durch Harrison die echten Menschen und Orte hinter unseren Whiskys entdecken.“

Harrison Ford, Star in „Once Upon a Time in Scotland“, sagt: „Ich habe die Zusammenarbeit mit dem Team in der Destillerie sehr genossen – sie sind alle großartig. Der gesamte Dreh war von schönen Überraschungen geprägt: kleine unerwartete Momente. Dank Glenmorangies Sinn für Humor, mussten wir uns nicht ganz so ernst nehmen. Ich denke, was Joel produzierte, hat einen gewissen Charme, unprätentiös und einfach amüsant.“

Joel Edgerton, Regisseur von „Once Upon a Time in Scotland“, sagt: „Ständig sehe ich Werbespots, die einem gewohnten Muster folgen. Umso mehr gefällt es mir, wenn die Dinge stattdessen ein wenig disruptiv, lustig und frech sind. Wie schön, dass wir in der eher traditionell geprägten Whisky-Welt die Möglichkeit hatten, einen Blick hinter die Kulissen zu werfen. Es machte Spaß, die Ernsthaftigkeit, die oft in solche Werbekampagne einfließt, zu untergraben. Ich hoffe, dass die Leute den Kurzfilm und die Episoden in voller Länge ansehen – sie genießen und weiter teilen.“

Und wo lässt sich das Werk nun sehen? Once Upon a Time in Scotland wird seit dem 28. Januar 2025 weltweit auf Online Video Plattformen, im Connected TV, Out-of-Home, in experimentalen Werbeformen und auf Social Media veröffentlicht. Die sechs Episoden und Behind-The-Scenes sind in voller Länge auf Glenmorangie.com zu sehen, weiteres folgt im Laufe des Jahres. Bei YouTube sind die Sachen auch zu sehen.

Sammler: Corgi 65102: James Bond Toyota 2000GT

28. Januar 2025

Wenn ich an die Fahrzeuge von James Bond denke, dann kommen mir Aston Martin und Lotus in den Sinn. Aber im James-Bond-Film Man lebt nur zweimal (Originaltitel: You Only Live Twice, 1967) präsentieren uns die Produzenten auch einen Sportwagen der Extraklasse. Den Toyota 2000GT

Ich habe vor kurzem das Original von Corgi ergattern können, komplett und unbespielt. Er stammt aus der 2000er Auflage The Definitive James Bond Collection und trägt die Nummer 65102. Enthalten ist der weiße Sportwagen, die herausnehmbare James Bond Figur trägt einen blauen Smoking samt Fliege, was er in Film nicht trug. Der Raketenwerfer samt zwei Raketen im Heck des Autos ist vorhanden. Die japanische Agentin Aki sitzt am Steuer und trägt eine Art Kimono, was sie im Film allerdings auch nicht tat. Hier das Modellauto im Video:

Aber das Wichtigste ist das Auto: Der Toyota 2000GT, der im James-Bond-Film Man lebt nur zweimal (Originaltitel: You Only Live Twice, 1967) zu sehen ist, gilt als einer der ikonischsten Filmwagen der Reihe und ein Meilenstein in der Automobilgeschichte. Dieser elegante, seltene Sportwagen aus den 1960er-Jahren repräsentierte Japans Eintritt in die Welt der Hochleistungs-Sportwagen und wurde durch seinen Auftritt im Film international bekannt. Nur für diesen Film wurde ein spezielles Cabrio-Modell dieses Autos gebaut. Es ist ein Einzelstück, welches zusätzlich noch mit einer Videoanlage im Handschuhfach ausgestattet ist.

Der Toyota 2000GT, der von Yamaha in Zusammenarbeit mit Toyota entwickelt wurde, zeichnet sich durch sein schlankes, aerodynamisches Design aus, das an europäische Klassiker wie den Jaguar E-Type erinnert. Mit seinen geschwungenen Linien, den markanten Klappscheinwerfern und der flachen Silhouette wirkt der Wagen sportlich und zeitlos elegant. Im Film wurde der 2000GT als weißes Cabriolet dargestellt – eine Version, die speziell für Man lebt nur zweimal angefertigt wurde, da Sean Connerys Körpergröße das Ein- und Aussteigen aus der regulären Coupé-Version erschwerte. Das Cabriolet ist einzigartig, da vom Toyota 2000GT offiziell keine offenen Modelle für den Markt produziert wurden. Die beiden im Film gezeigten Cabriolets wurden speziell für die Dreharbeiten umgebaut und sind heute absolute Raritäten, die von Automobilsammlern hoch geschätzt werden.

Der Toyota 2000GT war für die damalige Zeit ein technisches Meisterwerk. Der Wagen verfügte über einen 2,0-Liter-Sechszylindermotor mit drei Vergasern, der etwa 150 PS leistete und eine Höchstgeschwindigkeit von rund 220 km/h ermöglichte. Ein Fünfgang-Schaltgetriebe, eine Doppelquerlenkeraufhängung und Scheibenbremsen an allen vier Rädern machten den 2000GT zu einem der fortschrittlichsten Sportwagen seiner Zeit. Die Kombination aus technischer Raffinesse und hervorragender Straßenlage machte ihn zu einem starken Konkurrenten für europäische Modelle.

Auftritt im Film
Im Film dient der Toyota 2000GT als Fahrzeug von Aki (gespielt von Akiko Wakabayashi), einer Agentin des japanischen Geheimdienstes, die James Bond unterstützt. Der Sportwagen ist nicht nur ein Hingucker, sondern auch mit einigen nützlichen Gadgets ausgestattet, darunter ein Funkgerät, das Bond bei seiner Mission hilft. Die Szenen, in denen der Toyota durch die Straßen und malerischen Landschaften Japans fährt, unterstreichen den futuristischen und stilvollen Charakter des Wagens.

Der Auftritt des Toyota 2000GT in Man lebt nur zweimal war ein entscheidender Moment für die japanische Automobilindustrie. Der Film trug wesentlich dazu bei, die Marke Toyota und den 2000GT international bekannt zu machen. Obwohl von diesem Modell nur 337 Exemplare produziert wurden, gilt er heute als Symbol für japanische Ingenieurskunst und Design. Der 2000GT wird oft als der erste echte japanische Supersportwagen angesehen und genießt Kultstatus unter Automobilfans.

Im Kontext der Bond-Filme ist der Toyota 2000GT ein Paradebeispiel für die stilvolle Verbindung von Technologie, Eleganz und Abenteuerlust, die die Reihe auszeichnet. Sein ikonischer Auftritt in Man lebt nur zweimal bleibt ein Highlight der Filmgeschichte und ein Zeugnis dafür, wie ein Automobil zur Legende werden kann. Mehr Infos und Bilder gibt es bei Toyota.

Estland (18): Vorbild für Digitalisierung

27. Januar 2025

„Die Deutschen denken zuerst nach und handeln dann – nicht!“ Diesen Spruch hörte ich in Estland immer wieder. Natürlich ist der Ausspruch überspitzt, aber er trifft schon ins Schwarze. Drücken wir es mal diplomatisch aus: Digitalisierung hat bei uns noch Luft nach oben.

Ganz anders in Estland. Dieser baltische Staat ist Spitzenreiter der Digitalisierung in Europa. Natürlich ist das Estland von Größe und Bevölkerungszahl nicht mit der Bundesrepublik vergleichbar, aber der Spirit des Aufbruchs ist dort spürbar. Nicht bewahren, sondern verändern ist dort angesagt.

Fachkräftemangel
Das Problem der fehlenden Fachkräfte wird durch Service-Roboter gelöst und von den Gästen als völlig selbstverständlich angesehen. Gezahlt wird freilich meist mit eCash und nicht mit Bargeld. Und ich habe sehr viele Self-Scanning-Kassen gesehen, die eifrig genutzt wurden.

Das Nationalmuseum ist voll mit Technik. Die Schaubilder kommen als eInk, werden in verschiedene Sprachen übersetzt und die Texte können per Link mit nach Hause genommen werden.

Und natürlich hatte Estland eine andere Ausgangsposition. Das kleine Land wurde 1991 von der zerfallenden Sowjetunion unabhängig und konnte seine Strukturen neu aufbauen und sich auf eine neue Zeit einstellen.

Zum Abschluss meiner Estland-Reise besuchte ich das e-Estonia Briefing Center in Tallinn. Mitarbeiterin Johanna-Kadri Kuusk stellte in einem einstündigen Vortrag die Digitalisierungsstrategie des Landes und einer modernen estnischen Gesellschaft vor. Alles mit einer ID-Card: Personalausweis, Führerschein, Versicherungskarte, Ausweis für Bücherei, Treue-Karte im Supermarkt, Steuernummer und vieles mehr! Hier der Vortrag (auf Englisch) über die Digitalisierung der Gesellschaft. Ich kann jedem Politiker empfehlen dort einmal einen Termin zu machen und sich über die Fortschritt zu informieren.

Und damit beende ich meine Reihe über meine Reise nach Estland. Danke, dass Sie mir 18 Teile lang gefolgt sind.

Estland (17): Widerstand gegen Russland lohnt sich

26. Januar 2025

Wenn ich durch die Straßen von Tallinn spaziere, erkenne ich ein klares Statement der Esten zu ihren ukrainischen Nachbarn. Estland steht uneingeschränkt der Ukraine zur Seite.
Dies wird besonders am Freiheitsplatz deutlich.

Eine übergroße ukrainische Fahne weißt auf die ungebrochene Solidarität der Esten mit dem ukrainischen Volk hin. Kein Wunder, denn die Esten wissen was es heißt, von den Russen überfallen und unterdrückt zu werden. Zweimal marschierte die Sowjetunion in dem baltischen Staat ein und hielten gefälschte Wahlen ab. So lag die offizielle Zustimmung 1940 zur von Stalin eingesetzten Marionettenregierung zwischen 90 und 110 Prozent. Die Sowjets betrieben Wahlfälschung im großen Stil und verkündeten bereits die Endergebnisse obwohl die Wahllokale noch eine Stunde geöffnet waren. Die estnische Intelligenz wurde verurteilt und in Arbeitslager nach Sibirien deportiert, in den so genannten Gulag. Nur wenige kehrten davon zurück.

Viele Esten flohen, einige nahmen Fischerboote übe die Ostsee. Das kleine Land blutete als Vasall der Sowjetunion aus. Man war vor allem Lebensmittellieferant für Moskau.

Freiheitskampf
Zuvor wurde das Gebiet von Estland vom russischen Zar besetzt. 1710 erklärte Zar Peter der Große nach der Besetzung „Jetzt sollen sie alle Russen werden“. Und diese Angst hält bis heute an.
Widerstand gegen Russland lohnt sich, dass zeigte das geschichtliche Beispiel der Finnen gegenüber den Intervention der Sowjetunion. Und diese Einstellung haben die Esten heute noch und unterstützen den Freiheitskampf der Ukrainer gegen die russische Besatzung.

1991 kam es zur Unabhängigkeit. Für die Esten ist Jelzin der große Mann. Michael Gorbatschow wird in Estland kritisch gesehen. Seine Truppen des Innenministeriums griffen im Baltikum hart durch. Die Esten antworteten 1991 mit einer Menschenkette durch das ganze Land als eindrucksvolles Symbol. Der Putsch gegen Gorbatschow und die Machtergreifung durch Jelzin war die Rettung für Estland.

Russische Minderheit
In Estland gibt es bis heute eine starke russische Minderheit. In Tallinn gibt es ein Stadtviertel mit gewaltigen Hochhausbauten aus der Sowjetzeit und in diesen Wohnsilos wohnt diese russische Minderheit. Bei den Wahlen beträgt der Stimmenanteil über 10 Prozent der gesamten Stimmen. Ein Stadtteil mit russischer Minderheit kann bei den Wahlen in Estland wahlentscheidend sein. Bedenklich für viele Esten: Die Minderheit ist seit über 40 Jahren im Land und kann kaum die estnische Sprache. Die russische Minderheit ist vom Militärdienst befreit, darf aber bei den Kommunalwahlen die Stimme abgeben. Putin lockt diese Minderheit mit der russischen Staatsbürgerschaft.

Estland (16): Kino auf dem Geburtsort einer Nazi-Größe

25. Januar 2025

Ich bin ein Kinofan und schaue mir in aller Welt gerne Kinos und Filmtheater an. So auch in Estland. Dort gab es Multiplex-Kinos wie bei uns und auch kleine Arthouse-Kinos. Und es gibt das Sõprus in Tallinn. Das Sõprus (Estnisch für „Freundschaft“) ist das Kino der Altstadt für Filmbegeisterte und zeigt die Filme aus dem internationalen Festivalgeschehen. Die Filme werden meist in der Originalsprache mit estnischen und/oder russischen Untertiteln gezeigt. Aber es ist auch ein Ort schwieriger Vergangenheit.

Das Cinema Sõprus wurde 1955 eröffnet und spiegelt die sowjetische Architektur und Ideologie jener Zeit wider. Der Name „Sõprus“, was auf Estnisch „Freundschaft“ bedeutet, ist ein Relikt aus der sowjetischen Ära und sollte die Idee der Freundschaft zwischen den sozialistischen Staaten symbolisieren.

Das Gebäude wurde im Stil des sozialistischen Klassizismus erbaut, einer Mischung aus monumentaler Architektur und dekorativen Elementen, die die sowjetische Macht und den kulturellen Anspruch der damaligen Zeit widerspiegeln sollten. Die prächtige Fassade mit ihren Säulen und dekorativen Details zeigt, dass das Kino als kulturelles Aushängeschild der Stadt dienen sollte. Es war eines der modernsten Kinos in Tallinn und ein wichtiger Treffpunkt für Filmfreunde.

Im Inneren verfügte das Kino über einen großen, luxuriös gestalteten Saal, der sowohl für Filmvorführungen als auch für kulturelle Veranstaltungen genutzt wurde. Es war ein Ort, der nicht nur Filme präsentierte, sondern auch die sowjetische Kulturpolitik förderte, indem er vor allem Filme aus dem sozialistischen Block zeigte.

Wandel nach der Unabhängigkeit
Nach der Wiedererlangung der estnischen Unabhängigkeit im Jahr 1991 erlebte das Cinema Sõprus, wie viele Institutionen aus der Sowjetzeit, einen Wandel. Die Nutzung des Gebäudes veränderte sich, und es wurde zunehmend ein Ort für ein breiteres Publikum. Der Fokus verlagerte sich von der Propaganda hin zur Präsentation internationaler Filme, unabhängig von politischen Agenden.

Das Kino wurde restauriert, wobei der historische Charme des Gebäudes erhalten blieb. Es entwickelte sich zu einem Zentrum für Cineasten, das besondere Filme abseits des Mainstreams zeigt, darunter Arthouse-Produktionen, Retrospektiven und internationale Festivalhits.

Geburtsort von Alfred Rosenberg
Aber der Ort hat auch eine Vergangenheit des Nationalsozialismus. Der spezifische Standort des Cinema Sõprus, an der Kreuzung von Vana-Posti und Suur-Karja, war im frühen 20. Jahrhundert von Wohn- und Geschäftshäusern geprägt, die jedoch während des Zweiten Weltkriegs insbesondere durch die Bombardierungen im März 1944 stark beschädigt wurden. Viele dieser Gebäude wurden entweder im Krieg zerstört oder später während der sowjetischen Besatzung abgerissen, als Tallinns Stadtbild im Rahmen der sowjetischen Ideologie teilweise modernisiert wurde.

Dort stand auch das Geburtshaus von Alfred Rosenberg, einer der ideologischen Architekten des Nationalsozialismus. Er wuchs in der Nähe des heutigen Standorts des Cinema Sõprus in Tallinn auf. Rosenberg wurde am 12. Januar 1893 in Reval (dem heutigen Tallinn) geboren und verbrachte seine Kindheit in einem Haus in der Suur-Karja-Straße, die sich unweit des heutigen Kinos befindet.

Das Wohnhaus, in dem Rosenberg aufwuchs, stand in einem Viertel, das damals von der deutschbaltischen Oberschicht geprägt war. Tallinn (damals Reval) war ein kulturelles Zentrum der Deutschbalten, und Rosenbergs Herkunft und Erziehung in dieser Gemeinschaft prägten seine späteren Überzeugungen und Ideologien.

Das Gebäude, in dem er aufwuchs, existiert heute nicht mehr, da viele Gebäude in der Umgebung während des Zweiten Weltkriegs beschädigt oder zerstört wurden. Der heutige Standort des Cinema Sõprus wurde nach dem Krieg neu bebaut, sodass keine sichtbaren Spuren von Rosenbergs früherem Wohnhaus mehr vorhanden sind.

Die Verbindung von Alfred Rosenberg mit Tallinn ist jedoch ein historischer Aspekt, der in der Stadt wenig thematisiert wird, da seine späteren Rollen und Ideologien in der nationalsozialistischen Bewegung von großer historischer Kontroverse geprägt sind.

The Wild Bunch – Western-Matinee am Sonntag, 26. Januar im Scala FFB

24. Januar 2025

Sam Peckinpahs Westernklassiker The Wild Bunch aus dem Jahr 1969 gilt als eines der bedeutendsten und zugleich kontroversesten Werke der Filmgeschichte. Der Film, der sich durch seine ungeschönte Gewalt und seine komplexe narrative Struktur auszeichnet, hat das Genre des Western nachhaltig geprägt und bleibt bis heute ein Meisterwerk, das intensive Diskussionen auslöst. Ich bespreche und zeige diesen Klassiker in der Western-Matinee im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Handlung
Die Geschichte spielt im Jahr 1913, einer Zeit des gesellschaftlichen und technologischen Umbruchs. Eine Gruppe von alternden Gesetzlosen unter der Führung von Pike Bishop (William Holden) plant einen letzten großen Coup, bevor sie sich zur Ruhe setzen wollen. Doch der Plan geht schief, und die Bande findet sich auf der Flucht vor skrupellosen Kopfgeldjägern wieder, die von Deke Thornton (Robert Ryan) angeführt werden, einem ehemaligen Verbündeten von Pike. Die Gruppe flieht nach Mexiko, wo sie sich mit dem ebenso gefährlichen wie manipulativen General Mapache einlässt. Letztendlich führen Loyalität, Verrat und Gewalt zu einem finalen Showdown, der als eine der blutigsten und eindrucksvollsten Schlachten der Filmgeschichte gilt.

Stil und Inszenierung
Peckinpah inszeniert The Wild Bunch mit einer für die damalige Zeit revolutionären Technik und einem radikal neuen Ansatz für das Western-Genre. Besonders markant ist der Einsatz von Zeitlupe in den Gewaltszenen, der eine fast choreografische Qualität erzeugt und die Brutalität zugleich ästhetisiert und reflektiert. Die Schnitttechnik, die schnelle Wechsel zwischen verschiedenen Perspektiven und Handlungen erlaubt, trägt zur Intensität der Action bei.

Die Kameraarbeit von Lucien Ballard fängt die raue Schönheit der mexikanischen Landschaft ebenso ein wie die dreckige, brutale Realität des Lebens der Protagonisten. Der Soundtrack von Jerry Fielding unterstreicht die emotionale Tiefe und die epische Dimension des Films, ohne jemals sentimental zu wirken.

Charaktere und Schauspiel
Die Figuren in The Wild Bunch sind keine typischen Helden. Sie sind moralisch ambivalent, gezeichnet von einem Leben voller Gewalt und Entbehrungen. William Holden liefert als Pike Bishop eine nuancierte Darstellung eines Mannes, der von Schuld und Nostalgie geplagt wird. Robert Ryan als Deke Thornton bietet ein Gegenstück zu Pike, ein Mann, der gezwungen ist, gegen seinen Willen zu handeln, um zu überleben.

Besonders beeindruckend ist die Dynamik innerhalb der Gruppe, gespielt von Ernest Borgnine, Warren Oates, Ben Johnson und Edmond O’Brien. Jede Figur bringt ihre eigene Geschichte und Persönlichkeit ein, was die Bande sowohl glaubwürdig als auch tragisch macht. Sie sind nicht nur Gesetzlose, sondern Männer, die mit ihrer eigenen Vergänglichkeit und der Unausweichlichkeit des Wandels konfrontiert werden.

Thematische Tiefe
The Wild Bunch ist mehr als ein Actionfilm; er ist eine Reflexion über Loyalität, Verrat und die Konsequenzen von Gewalt. Der Film hinterfragt die Idealisierung des amerikanischen Westens und präsentiert stattdessen eine Welt, in der es keine klaren Grenzen zwischen Gut und Böse gibt. Die Mitglieder der „Wild Bunch“ sind keine Helden im klassischen Sinne, sondern Antihelden, die versuchen, in einer sich rapide verändernden Welt zu überleben.

Ein zentraler Aspekt des Films ist die Darstellung von Gewalt. Peckinpah zeigt sie nicht als glorreich oder heldenhaft, sondern als brutal, chaotisch und oft sinnlos. Gleichzeitig wird die Gewalt stilisiert, was den Zuschauer dazu zwingt, über seine eigene Faszination und Abscheu nachzudenken.

Kontroversen und Einfluss
Bei seiner Veröffentlichung löste The Wild Bunch heftige Kontroversen aus. Viele Kritiker und Zuschauer waren von der expliziten Darstellung von Gewalt schockiert. Doch gerade diese Kompromisslosigkeit machte den Film zu einem Wendepunkt in der Filmgeschichte. Er beeinflusste zahlreiche Filmemacher, darunter Martin Scorsese, Quentin Tarantino und John Woo, und gilt heute als ein Schlüsselwerk des modernen Kinos.

Peckinpahs Vision eines sterbenden Westens ist zugleich brutal und poetisch, ein Film, der den Zuschauer herausfordert und lange nachwirkt. Karten für diesen außergewöhnlichen Film gibt es hier.

Die Macht der Bilder – Politische Fotografien und ihre Fotografen – Gedanken zur Geschichte der Pressefotografie

23. Januar 2025

Im Moment arbeite ich an einer Seminarserie „Die Macht der Bilder – Politische Fotografien und ihre Fotografen“. Ich beginne mit Lee Miller, gefolgt von Robert Capa und weiteren. Wer eine Einladung zu den Seminaren braucht, bitte hier in meinem Newsletter. Die erste Veranstaltung ist am 27. Januar.

Politische Fotografien haben die Kraft, unsere Wahrnehmung der Welt zu formen, oft mehr als Worte es je könnten. Durch die Linse von Fotografen wurden Momente eingefangen, die nicht nur dokumentieren, sondern aufwühlen, zum Nachdenken anregen und ein tiefes Mitgefühl wecken. Diese Bilder sind Zeugnisse von Kriegen, Protesten, sozialer Ungerechtigkeit und Menschlichkeit in Extremsituationen – Momente, die sich in das kollektive Gedächtnis brennen. In einer Welt der Schnelllebigkeit bleiben politische Fotografien ein kraftvoller Appell für das Bewusstsein und die Erinnerung. Doch woher kommt diese Art der Fotografie?

dpa-Fotograf Anas Alkharboutli (32) in Syrien getötet / Weiterer Text über ots und http://www.presseportal.de/nr/8218 / Die Verwendung dieses Bildes für redaktionelle Zwecke ist unter Beachtung aller mitgeteilten Nutzungsbedingungen zulässig und dann auch honorarfrei. Veröffentlichung ausschließlich mit Bildrechte-Hinweis.

Und die Fotografie fordert Opfer. Vor kurzem wurde der dpa-Fotograf in Syrien getötet. Fotograf Anas Alkharboutli dokumentierte den Bürgerkrieg in Syrien in einer einzigartigen Bildsprache. Er wurde durch den Angriff eines Kampfflugzeugs in der Nähe der syrischen Stadt Hama getötet. Anas wurde nur 32 Jahre alt. Anas Alkharboutli kam 2017 als Fotograf zur dpa im Nahen Osten. Vor allem berichtete er aus dem syrischen Bürgerkriegsgebiet. Gerade in den vergangenen Monaten waren seine Fotos weltweit zu sehen, denn Anas berichtete über den wieder intensiv aufgeflammten Bürgerkrieg und den Vorstoß der Rebellenallianz Haiat Tahrir al-Scham (HTS).

Von den Anfängen bis zur Gegenwart
Die Pressefotografie ist ein wesentlicher Bestandteil des modernen Journalismus und hat sich seit ihren Anfängen im 19. Jahrhundert zu einem unverzichtbaren Instrument der Berichterstattung entwickelt. Die Entwicklung der Pressefotografie ist eng mit der technischen Evolution der Fotografie selbst verbunden, aber auch mit gesellschaftlichen und politischen Veränderungen, die das Bedürfnis nach visueller Dokumentation und Vermittlung von Nachrichten verstärkt haben.

Die frühen Anfänge: Daguerreotypie und erste Bildberichte
Die Geschichte der Pressefotografie beginnt in den 1830er Jahren mit der Erfindung der Daguerreotypie durch Louis Daguerre. Diese Technik ermöglichte es erstmals, Bilder dauerhaft festzuhalten, und fand schnell Anwendung in der Porträtfotografie. Die ersten Versuche, Fotografie im journalistischen Kontext zu nutzen, waren jedoch stark limitiert durch die langen Belichtungszeiten und die Schwierigkeit, diese Bilder zu vervielfältigen. In München wurde dieses Jahr das älteste Foto gefunden und der Öffentlichkeit präsentiert, es zeigt die Frauenkirche. Eine Münchner Wissenschaftlerin hat ein Lichtbild aus dem Jahr 1837 entdeckt. Zwei Jahre, bevor Louis Daguerre seine Erfindung öffentlich machte. Vier mal vier Zentimeter groß und ziemlich blass sieht die Aufnahme von der Münchner Frauenkirche mit ihren Zwiebeltürmen aus – und dennoch belegt sie, dass das Zeitalter der Fotografie in Deutschland zwei Jahre früher als bisher angenommen begonnen hat. Das folgende Foto ist ein Repro: Deutsches Museum

Ein bedeutender Schritt in Richtung moderner Pressefotografie erfolgte während des Krimkriegs (1853-1856). Der britische Fotograf Roger Fenton dokumentierte als einer der ersten Kriegskorrespondenten die Konflikte vor Ort. Seine Bilder, obwohl technisch anspruchsvoll und künstlerisch wertvoll, waren aufgrund der zeitaufwändigen Produktion und der begrenzten Reproduzierbarkeit nicht in der Lage, eine breite Öffentlichkeit zu erreichen.

Die Etablierung der Pressefotografie: Fortschritte im 19. Jahrhundert
Mit der Entwicklung der Fototechnik im späten 19. Jahrhundert, insbesondere der Erfindung des Gelatine-Trockenplattenverfahrens, wurde es möglich, Bilder schneller und effizienter aufzunehmen und zu verbreiten. Diese technische Innovation ermöglichte es, Fotografie als ein Mittel der Massenerzählung zu etablieren. Die erste massenhaft reproduzierbare Fotografie in einer Zeitung erschien 1880 in der New York Daily Graphic, was den Beginn der modernen Pressefotografie markierte.

Während des amerikanischen Bürgerkriegs (1861-1865) setzte der Fotograf Mathew Brady die Fotografie ein, um die Schrecken des Krieges zu dokumentieren. Seine Arbeiten gelten als ein Meilenstein, da sie die Macht der Fotografie zur Dokumentation von Ereignissen und zur Beeinflussung der öffentlichen Meinung demonstrierten. Diese Bilder, die erstmals das Ausmaß von Krieg und Zerstörung einem breiten Publikum zugänglich machten, legten den Grundstein für die Rolle der Fotografie im Journalismus.

Das goldene Zeitalter der Pressefotografie: 1920er bis 1950er Jahre
Die Zeit zwischen den 1920er und 1950er Jahren wird oft als das goldene Zeitalter der Pressefotografie bezeichnet. In dieser Epoche erlebte die Fotografie eine beispiellose Blütezeit, angetrieben durch technische Fortschritte wie die Erfindung der Kleinbildkamera, insbesondere der Leica in den 1920er Jahren. Diese Kameras ermöglichten es Fotografen, schneller und flexibler zu arbeiten und spontane, ungestellte Aufnahmen zu machen.

In den 1930er Jahren wurde die Fotografie durch Illustrierte wie Life und Picture Post weltweit populär. Diese Magazine setzten stark auf Fotoreportagen, die durch ihre visuelle Kraft ganze Geschichten erzählten. Fotografen wie Henri Cartier-Bresson, Robert Capa und Dorothea Lange wurden zu Ikonen der Pressefotografie, indem sie bedeutende historische Ereignisse und gesellschaftliche Realitäten mit ihren Bildern einfingen.

Besonders prägend war die Rolle der Fotografie während des Zweiten Weltkriegs. Robert Capas berühmtes Foto der Landung in der Normandie oder Joe Rosenthals Bild des Hissens der amerikanischen Flagge auf Iwo Jima wurden zu Symbolen des Krieges und prägten das kollektive Gedächtnis. Die Pressefotografie hatte sich als unverzichtbares Mittel der Kriegsberichterstattung etabliert, das die öffentliche Meinung maßgeblich beeinflusste.

Die Pressefotografie im digitalen Zeitalter
Mit dem Aufkommen des digitalen Zeitalters in den 1990er Jahren erlebte die Pressefotografie erneut eine tiefgreifende Transformation. Digitale Kameras revolutionierten die Art und Weise, wie Fotografen arbeiten, indem sie die Möglichkeit boten, Bilder sofort zu überprüfen und zu bearbeiten. Dies führte zu einer Beschleunigung des Nachrichtenzyklus und ermöglichte es, Bilder nahezu in Echtzeit zu verbreiten. Ich habe dazu ein Interview mit dem Leica-Fotografen Herbert Piel geführt.

Das Internet und soziale Medien haben die Verbreitung von Pressefotos weiter verändert. Plattformen wie Facebook, Twitter und Instagram haben es möglich gemacht, dass Fotografien global und ohne Verzögerung verbreitet werden. Gleichzeitig haben diese Entwicklungen die Rolle des professionellen Pressefotografen herausgefordert, da nun jeder mit einem Smartphone potenziell zum Bildberichterstatter werden kann.

Diese Demokratisierung der Fotografie hat jedoch auch ethische und qualitative Herausforderungen mit sich gebracht. Die Authentizität von Bildern ist zu einem zentralen Thema geworden, insbesondere in einer Zeit, in der digitale Bildbearbeitung leicht zugänglich ist und die Verbreitung von Fehlinformationen ein ernsthaftes Problem darstellt.

Die Zukunft der Pressefotografie
Die Pressefotografie steht heute vor neuen Herausforderungen und Chancen. Während technologische Fortschritte weiterhin die Arbeit von Fotografen verändern, bleibt die zentrale Aufgabe der Pressefotografie unverändert: die visuelle Dokumentation und Interpretation von Ereignissen, um die Öffentlichkeit zu informieren und zu sensibilisieren.

Die Rolle des Pressefotografen entwickelt sich weiter in einem Umfeld, das durch ständigen Wandel und technologische Innovationen geprägt ist. Doch trotz der Herausforderungen, die das digitale Zeitalter mit sich bringt, bleibt die Kraft eines einzelnen Bildes, das eine Geschichte erzählt, ungebrochen. Die Zukunft der Pressefotografie wird weiterhin von ihrer Fähigkeit abhängen, in einer zunehmend visuellen Kultur relevant zu bleiben und gleichzeitig die ethischen Standards des Journalismus zu wahren.

Für mich bleibt die Pressefotografie ein unverzichtbares Element der modernen Berichterstattung, das durch seine einzigartige Fähigkeit, Momente einzufangen und Emotionen zu vermitteln, tief in das kollektive Bewusstsein eingreift und die Art und Weise prägt, wie wir die Welt um uns herum verstehen. Ich habe mir vorgenommen, mehr Schwarzweiß in diesem Jahr zu fotografieren. Mit SW habe ich angefangen und ich kann dir Wirkung meiner Bilder besser steuern. 2024 war ich in Prag und dieses Jahr in Estland und habe mit der Fujifilm X100VI meine Fotos in SW geschossen. Ein paar Farbbilder mit dem iPhone waren aber auch dabei.

Bücher über die Geschichte der Pressefotografie gibt es viele. Im Moment lese ich das Buch Die Erfindung der Pressefotografie aus der Sammlung Ullstein 1984-1945. Also ein klarer Tipp mit vielen Bildern deutscher Fotografen, von denen man etwas lernen kann.

Auch super interessant ist das Buch: Das Buch „Licht – Bild – Experiment“ von Cornelia Kemp enthüllt: Franz von Kobell machte die erste Aufnahme der Frauenkirche zwei Jahre früher als bisher angenommen. Als Geburtsjahr der Fotografie gilt das Jahr 1839, als Louis Jacques Mandé Daguerre seine Erfindung in Paris öffentlich machte. Die ältesten Aufnahmen aus Deutschland stammen von Franz von Kobell und werden in den Sammlungen des Deutschen Museums aufbewahrt. Cornelia Kemp hat die Bilder jetzt untersucht und herausgefunden, dass das älteste auf März 1837 datiert ist. Es zeigt die Frauenkirche in München. Mit ihrem neuen Buch „Licht – Bild – Experiment. Franz von Kobell, Carl August Steinheil und die Erfindung der Fotografie in München“ ergänzt die Wissenschaftlerin die Frühgeschichte dieser Bildtechnik um ein neues Kapitel.

Estland (15): Kulinarisches Tagebuch meiner Estland-Reise

22. Januar 2025

Wer ins Ausland fährt, der sollte das kulinarische Angebot seines Gastlandes probieren und auch mal über den buchstäblichen Tellerrand schauen. Das hab ich in Estland gerne gemacht, denn die Küche des Landes bietet Abwechslung und ein gutes bis hohes Niveau. Fastfood scheidet aus und so standen wohlschmeckende Speisen (und Getränke) auf meinen Speiseplan in Estland. Hier eine Art kulinarisches Tagebuch meiner Estland-Reise mit einigen Restaurant-Tipps.

Angekommen in Tallinn am Flughafen nachdem man einige Stunden auf den Beinen war und ging es ab mit dem Bus zum Hotel. Ein kleines Essen stand dort auf dem Programm, um wieder zu Kräften zu kommen.

Hotel Palace, Tallinn
Im Hotel Palace in der Altstadt, ein frisch renoviertes Hotel aus dem Jahr 1937 gab es erst einmal ein Bier Saku, der Klassiker der Biere in Estland. Neben vielen modernen Stilen wie IPA, Pale Ale oder Sour Ale gibt es eine traditionelle Vorliebe für dunkle Bierstile wie Porter und Stout. Ein charakteristischer Bierstil für estnische Brauereien ist das Baltic Porter.

Kurz das Zimmer beziehen und dann ab ins Restaurant. Hier mal ein Blick in mein Hotelzimmer im Hotel. In dem historischen Bau nächtigen auch mal Alice Cooper und Gary Moore. Was für den großen Alice gut ist, ist auf jeden Fall gut für mich.

Aber jetzt endlich zum Essen. Zur Vorspeise gab es Ziegenkäse mit Rote Beete.

Der Hauptgang bestand aus Schweinefilet mit Kraut und Kartoffelpüree. Schweinefleisch wird in Estland gerne serviert. Rind ist oft zu teuer. Estland ist ein Land des Schweinefleisches.

Olde Hanse, Tallinn
Zum Warmwerden nach dem einsetzenden Schneefall besuchten ich den Touristenhotspot Olde Hanse, eine Art Ritteressen auf Estnisch. Über drei Stockwerke, der Service im Mittelalter-Look, dazu Live Mittelaltermusik macht die Atmosphäre Laune. Alle Gerichte auf der Speisekarte – darunter viele Wildgerichte –, werden nach Originalrezepten des 15. Jahrhunderts gekocht und gebacken. Jeden Abend – außer montags – treten mittelalterliche Musikanten auf. Es gab für uns sowohl Kräuter- als auch Zimtbier, nicht unbedingt mein Fall, aber die Atmosphäre war ausgezeichnet, wenn man einen guten Platz bekommt.

Restaurant Väike Rataskaevu 16, Tallinn
Abends ging es in Restaurant Väike Rataskaevu 16 in der Altstadt. Das Väike Rataskaevu 16 ist ein sehr kleines Restaurant mit nur zwei Räumen. Die Tische stehen dicht beieinander, und die Atmosphäre ist eher süditalienisch oder spanisch geprägt als die oft zurückhaltend-estnische Stimmung, die man in vielen anderen Orten findet. Der Ort ist gemütlich und heimelig, und die Gerichte sowie der freundliche Service zeigen, dass jeder Gast herzlich willkommen ist.
Zum Start gab es eine ausgezeichnete Lammsuppe, mein klarer Favorit.

Der Hauptgang war Fisch, nicht schlecht, aber auch nicht die Offenbarung.

Nachspeise war eine Schokobombe, aber ich bin grundsätzlich kein Fan von Nachspeisen.

Frühstück im Hotel Palace, Tallinn
Kurz zum Frühstück im Hotel Palace. Das Buffet war reichhaltig und abwechslungsreich. Persönlich freute ich mich über eine reiche Fischauswahl zum Frühstück: Lachs und verschiedene Heringsvarianten. Enttäuscht, besser entsetzt, war ich über die Semmeln/Brötchen: Steinhart und Industriebackware – einfach peinlich für so ein Haus. Das Brot war dagegen sehr gut.

Restaurant Ülo, Tallinn
Ein Hauch asiatisch waren die Speisen im empfehlenswerten Restaurant Ülo. Mit einem leicht altmodischen estnischen Männernamen versehen, ist Ülo ein angesagtes vegetarisches Restaurant, dessen Speisekarte auch etwas für Fleisch- und Fischliebhaber bereithält. Die Gerichte zeichnen sich durch reine Aromen und überraschende nn neue Kombinationen aus, wobei der Schwerpunkt auf veganer und vegetarischer Küche liegt. Das Innendesign des trendigen Restaurants ist schlicht und farbenfroh gestaltet.

Wir starteten mit Süßkartoffeln mit Kimchi sowie Kräutermayonnaise, knusprige Zwiebeln und Kressesprossen.

Als Hauptgericht gab es eine langsam gegarte Entenkeule, dazu Apfel- und Selleriecreme, karamellisierte schwarze Rote Bete, Brombeeren und Salbei-Rotweinsauce.

Restaurant Vilde ja Vine, Tartu
Es ging in die Universitätsstadt Tartu ins Restaurant Vilde ja Vine. Vor dem Lokal eine Skulptur der beiden Wildes: Oscar und Edward Wilde. Vilde ja Vine ist ein Weinrestaurant, das in einem alten Backstein-Druckereigebäude untergebracht ist und die schönen Dinge des Lebens miteinander verbindet. Hier treffen Kunst, Wein, köstliche Speisen und gute Gesellschaft aufeinander.

Die Vorspeise war eine deftige Tomatensuppe.

Die Hauptspeise war Lachs.

Und zum Nachtisch gab es ein Schoko-Fondat.

Grillrestaurant Sarvik, Rakvere
„Für uns bleiben nur Klauen und Schwänze.“ Als Sowjetrepublik wurden die Lebensmittel vor allem Schweinefleisch in Estland erzeugt und in die Sowjetunion verschifft. Heute ist Schweinefleisch in Estland beliebt, so dass die Gegend sogar Schweinefleischfresser heißt. Daher lohnt sich der Besuch im Grillrestaurant Sarvik. Die Bevölkerung und die Besucher von Rakvere (dt. Wesenberg) haben lange darauf gewartet, ein gutes Grillrestaurant zu besuchen, in dem besonders aus estnischen Zutaten hergestellte Fleisch- und Fischgerichte im Mittelpunkt stehen, die auf dem Holzkohlegrill im Restaurant zubereitet werden.


In der Küche von Sarvik befindet sich ein einzigartiger Holzkohlegrill – es handelt sich um eine Kombination von Grill und Ofen in moderner technologischer Form. Der Holzkohlegrill verschafft die Möglichkeit, echte und frische Grillgerichte in einer Profiküche zuzubereiten, direkt vor den Augen der Gäste.

Zur Vorspeise gab es ein zauberhaftes Roastbeef.

Der Hauptgang war ein Schweine-Tomahawk.

Restaurant Leendav Maaler, Tallinn
Lendav Maaler ist ein georgisches Restaurant, das moderne georgische Küche und eine exklusive Auswahl an georgischen Weinen anbietet. Zur Vorspeise gab es eine eorgische Snack-Auswahl mit georgischer Käse, Lace-Phali, Auberginenröllchen, Hüttenkäse-Sauce mit grüner Adschika, Chips,Maisbrot und Gurke. Zudem georgischer Salat mit gerösteten Walnüssen sowie Imeruli Chatschapuuri, das ist ein flaches Brot mit Käse gefüllt.


Hauptgericht war Shkmeruli, das ist ein grilltet Hähnchen in Knoblauchsauce und Ajapsandali (Gemüseeintopf).

Zur Nachspeise gab es eine Passionsfrucht-Erdbeertorte.

Restaurant Pegasus, Tallinn
Ein modernes europäisches Restaurant im Herzen der Altstadt von Tallinn. Das Restaurant Pegasus, das 1962 eröffnet wurde, ist zweifellos ein Ort zum Speisen mit der besten Aussicht und der gemütlichsten Atmosphäre in der gesamten Harju-Straße. Das Restaurant beeindruckt mit einem vielseitigen und faszinierenden Design, das sich über drei Etagen erstreckt und Platz für Gruppen unterschiedlicher Größe bietet. Das großzügige Restaurant wirkt altmodisch-charmant, serviert jedoch international beliebte Gerichte, die von der jeweiligen Saison inspiriert sind. An Wochentagen gibt es spezielle Mittagsangebote. Die Hauptzutaten sind lokal und von hoher Qualität.
Zum Einstand gab es einen Martini.

Die Vorspeise war ein Gorgonzola-Tart.

Die Hauptspeise war ein sehr guter gegrillter Kürbis.

Am Flughafen Tallinn mit Flug über Riga nach München wurden alkoholische Getränke zu sich genommen. Zudem gab es ein Kochbuch mit estnischer Küche.

Und dann am Flughafen München noch die Gepäckausgabe.

Estland (14): Der Jägala-Wasserfall – Ein magisches Naturwunder Estlands

21. Januar 2025

Der Jägala-Wasserfall ist mehr als nur ein Ort – er ist ein Stück Poesie inmitten der rauen und unberührten estnischen Natur. Etwa 30 Kilometer von Tallinn entfernt, nahe der Mündung des Flusses Jägala ins Meer, entfaltet sich dieses beeindruckende Schauspiel, das zu den größten und schönsten Wasserfällen Estlands gehört. Mit einer Höhe von rund 8 Metern und einer Breite von etwa 50 Metern bietet der Jägala-Wasserfall ein unvergessliches Erlebnis für jeden, der seine Magie spüren möchte.

Schon der Weg zum Wasserfall führt durch eine malerische Landschaft. Dichter Wald und weite Felder säumen den Fluss Jägala, dessen ruhige Strömung sich plötzlich zu einem tosenden Sturz verwandelt. Das Geräusch des fallenden Wassers kündigt die Nähe des Wasserfalls an, bevor sich der Blick auf die schäumenden Wassermassen öffnet, die über die Felskante in die Tiefe donnern. Es ist ein Moment, der einen innehalten lässt – ein Augenblick, in dem die Kraft der Natur spürbar wird. Ich löste mich von meiner Reisegruppe und nahm mir Zeit für mich selbst.

Im Frühling und Herbst, wenn die Schneeschmelze oder Regenfälle den Wasserstand erhöhen, soll sich der Jägala-Wasserfall seine wildeste Seitezeigen. Ich habe den Wasserfall aber im Winter besucht: Und auch da stürzen die Wassermassen mit voller Wucht hinab, während Nebel und Gischt die Luft erfüllen.

Doch der Jägala-Wasserfall ist nicht nur ein Ort von spektakulärer Schönheit, sondern auch von historischer und geologischer Bedeutung. Die Felsen, über die das Wasser stürzt, erzählen eine Geschichte, die Millionen von Jahren zurückreicht. Sie sind Teil der geologischen Formation des baltischen Glint, einer Kalksteinklippe, die sich entlang der Küste Estlands erstreckt. Diese Schichten tragen die Spuren vergangener Zeiten und machen den Wasserfall zu einem Ort, an dem Naturgeschichte greifbar wird.

Der Unterlauf des Flusses Jägala – vom Wasserfall bis zur Mündung – ist für die Fischerei einer der am wertvollsten in Estland. Hier gibt es große Forellen- und Lachsbestände.

Neben seiner natürlichen Pracht ist der Jägala-Wasserfall auch ein Ort der Legenden. Eine alte estnische Sage erzählt von Feen, die in den Nebeln des Wasserfalls tanzen und die Schönheit des Ortes bewachen. Vielleicht sind es diese Geschichten, die dem Wasserfall seine mystische Aura verleihen und jeden Besuch zu einem Erlebnis machen, das Herz und Seele berührt. Ich habe allerdings keine Feen gesehen.

Für Fotografen, Wanderer und Naturliebhaber ist der Jägala-Wasserfall ein wahres Paradies. Ob man die tosende Kraft des Wassers beobachtet, die Ruhe der umliegenden Natur genießt oder einfach die Seele baumeln lässt – dieser Ort hat die einzigartige Fähigkeit, Menschen in seinen Bann zu ziehen. Er erinnert uns daran, wie klein wir inmitten der Größe der Natur sind und wie wertvoll es ist, solche Wunder zu bewahren.

Der Jägala-Wasserfall ist mehr als nur ein Reiseziel – er ist ein Ort der Inspiration, der Stille und der Verbindung mit der Natur. Jeder Besuch hier hinterlässt Spuren im Herzen, als hätte der Fluss selbst etwas von seiner uralten Weisheit mitgeteilt. Es ist ein Ort, der bleibt – in Erinnerungen, in Bildern und vor allem im Gefühl, ein Stück der ursprünglichen Schönheit unserer Welt erlebt zu haben.

Estland (13): Sitten und Eigenheiten in der Unistadt Tartu

20. Januar 2025

Jede Unistadt hat seine eigenen Sitten und Gebräuche. Das ist im Baltikum nicht anders. Die älteste Universität des Estlands steht in Tartu und ist über die gesamte Stadt verstreut.

Karzer und Uhr
Im Hauptgebäude der Universität in dessen Dachgeschoss befinden sich noch fünf Karzer. Der Karzer war bis ins frühe 20. Jahrhundert eine Arrestzelle in Universitäten. Leider konnte ich diese bei meinem Besuch in Estland nicht besichtigen. Im Erdgeschoss im Eingangsbereich gibt es noch eine historische Uhr. Das ist ein beliebter Treffpunkt der Studenten. Paare treffen sich unter der Uhr, damit keine behaupten kann, man wisse nicht, wieviel Uhr es ist.

Gesang von den zwei Brücken
Gesungen wird in Estland sehr viel – auch in Tartu und ich meine nicht das Studium des Gesangs. So treffen sich die Studenten auf zwei Brücken im Park. Die einen auf der Teufelsbrücke, eine Steinbrücke, und die anderen auf den gelben hölzernen Engelsbrücke und sie singen gegeneinander an. Eine Art von Sängerkrieg, den ich gerne einmal hören würde.

Balancieren über die Bogenbrücke
Zu den studentischen Sitten in Tartu gehört es, einmal im Studium über die Bogenbrücke zu balancieren. Das ist zwar eigentlich verboten, doch gemacht wird es trotzdem. Das Erklimmen der Brücke ist vergleichsweise einfach. Viel schwieriger ist der Abstieg von dem gebogenen Geländer. So mancher Student ist in en darunter fließenden Fluss gefallen.

Die Polizei ahndet diese Ordnungswidrigkeit. Wenn den Studenten bei ihrer Flucht vor der Polizei auf den etwas höheren Eingangsbereich der Universität gelingen, dann greift ein althergebrachtes Uni-Recht: Die Studenten unterstehen dann der „Gerichtsbarkeit“ des Universitätsrektors und die Polizei darf die Übeltäter nicht festnehmen. Es ist kein Fall bekannt geworden, dass die Universität die Studenten für das Erklimmen der Bogenbrücke bestraft.

Konflikt mit Lenin
Einen besonderen Humor hatten die Studenten von Tartu schon immer – auch als man unter sowjetischer Herrschaft stand. So hatten die verhassten Sowjets in den achtziger Jahren ein Denkmal eines sitzenden Lenins ersetzt durch einen stehenden Lenin. Unter den Studenten hieß es dann: „Jetzt steht er, bald geht er!“ Sie hatten Recht. 1991 wurde Estland wieder selbstständig und der steinerne Lenin wurde abgebaut.

Blick vom Turm
Unter den Jugendlichen von Tartu gab es eine gefährliche Mutprobe. Es gab zur Sowjetzeit einen hohen Turm der katholischen Kirche. Unter Lebensgefahr und bei strengem Verbot wurde der Turm bestiegen. Auf dem Turm war ein Blick auf den sowjetischen Miltärflughafen möglich und die aufsteigenden und landeten MIGs konnten beobachtet werden. Dass wurde in sowjetischer Zeit als Spionage geahndet, denn offiziell gab es diesen Miltärflughafen nicht und war sowjetisches Sperrgebiet. Heute liegt auf dem ehemaligen Flugfhafengelände das estnische Nationalmuseum. Den Turm der katholischen Kirche gibt es heute noch immer. Er wurde allerdings befestigt.