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Goldcar in Mallorca – Unnötige Zusatzversicherungen bei Mietautos

31. Mai 2016

Eine Woche Mallorca – eine Woche im Mai 2016 auf einer wunderschönen Insel, um zu entspannen und ein paar Freunde und Geschäftspartner zu treffen. Zwar ist die Insel nicht groß. Aber einen mobilen Untersatz brauchen wir dann doch.
Also noch zu Hause nach einem Mietwagen Ausschau gehalten, der vier Personen samt Gepäck durch die Gegend schaukeln kann.

Coole Werbung von Sixt am Flughafen München - lahme Gurke.

Coole Werbung von Sixt am Flughafen München – lahme Gurke.

Sixt macht zwar die beste Werbung, aber die muss vom Kunden auch teuer bezahlt werden. Also wählten wir einen kleineren Mietwagenverleih und unsere Wahl fiel auf Goldcar.
Wir waren im Vorfeld schon von den Praktiken dieses Verleihers gewarnt worden. Über die Online-Plattform, die Mietwägen verschiedener Anbieter für Mallorca anbietet, wurden wir extra darauf hingewiesen, dass die Herrschaften ihren Kunden weitere Versicherungen aufschwätzen würden.

Lange Schlangen am Schalter von Goldcar am Flughafen Palma.

Lange Schlangen am Schalter von Goldcar am Flughafen Palma.

Da waren wir gespannt. Am Flughafen in Palma gelandet, waren alle Mitwagenverleiher im Ankunftsterminal leer – bis auf Goldcar. Vor dem grünen Stand war eine extrem lange Schlange zu finden. Wir reihten uns ein und beobachteten. Zunächst machten wir unserer Witze über die Situation, weil es extrem langsam voran ging. „Die Leute wollen wohl ein Auto kaufen, statt es zu mieten“, meinte ich neunmalklug. Nein, das war nicht der Fall: Der Grund für die lange Schlange und die Verzögerung waren die Diskussionen am Schalter von denen zwei besetzt waren. Erst nach 9 Uhr kamen zwei weitere Damen hinzu, die im Schneckentempo ihren Counter öffneten.

Die Mietwagenplattform warnte uns vor weiteren Versicherungen.

Die Mietwagenplattform warnte uns vor weiteren Versicherungen.

Endlich waren wir an der Reihe: Buchung, Führerschein, Reisepass – alles klar. Kreditkarte war gezückt und die Dame am Schalter rechnete uns vor, dass wir das Benzin bezahlen und eine extra Versicherung abschließen müssten. Ha, da war es also der üble Trick. Benzin ist klar, aber Versicherung nein, die wollten wir nicht. „Doch, doch, doch“ insistierte die Dame von Goldcar. Wir hätten das Kleingedruckte lesen sollen. Hatten wir und wir hatten sogar von unserer Mietwagenplattform einen Ausdruck auf spanisch und katalanisch dabei, dass wir die Zusatzversicherung von rund 45 Euro nicht benötigten. Jetzt war die Dame sichtlich beleidigt und erzürnt, doch wir blieben hart. Wir riefen sogar vom Counter nochmals in Deutschland unsere Notfallnummer der Verleihplattform an, die unser Verhalten bestärkten. Zudem waren wir mit (deutschen) Ausdrucken von der Verbraucherzentrale ausgestattet.

Allerlei Argumente und Zettel wurden von Goldcar aufgewendet, um uns zu überzeugen.

Allerlei Argumente und Zettel wurden von Goldcar aufgewendet, um uns zu überzeugen.

Jetzt probierte es die Dame von Goldcar mit neuen Argumenten. Die Versicherung gelte nicht bei Vandalismus, der ja in Mallorca weit verbreitet sei. Blödsinn. Sie kringelte wie wild Passagen auf dem Vertrag ein und mahnte eindringlich die Versicherung abzuschließen. Hinter uns ist die Schlange nochmals länger geworden, weil wir uns so wenig kooperativ anstellten. Doch wir blieben hart und die deutsche Sprache kann hart klingen.
Am Ende gingen wir als Sieger vom Platz. Wir bezahlten das Benzin, aber nicht die Zusatzversicherung und marschierten ins Parkhaus, um unseren Mietwagen zu holen – eine Fiat-Kiste, ein schreckliches Auto.

Bei diesem Auto werde ich kein Freund von Fiat. Viel zu groß für Mallorca.

Bei diesem Auto werde ich kein Freund von Fiat. Viel zu groß für Mallorca.

Also preislich ist Goldcar in Mallorca voll in Ordnung. Aber die Idee, die niedrigen Mietpreise durch Zusatzversicherungen ergänzen und so den Preis hochzutreiben, halte ich für nicht statthaft. Ich kann nur jeden Mallorca-Reisenden und Goldcar-Kunden davor warnen, die Zusatzversicherungen abzuschließen, und ich kann raten, hier hart zu bleiben. Lasst euch von diesen Leuten nicht erweichen und sei die Schlange hinter euch noch so lang.
Wir haben vor der Abfahrt im Parkhaus unser Auto genau mit dem Smartphone fotografiert und gefilmt, um Beweismaterial über den Zustand des Fiats zu haben, falls es doch noch Ärger mit Goldcar auf Mallorca gibt.

Weiterverkauf von eBooks verboten

21. April 2015
Das Hanseatische Oberlandesgericht verbietet den Weiterverkauf von eBooks (Az.: 10 U 5/11).

Das Hanseatische Oberlandesgericht verbietet den Weiterverkauf von eBooks (Az.: 10 U 5/11).

Trotz meiner Begeisterung für digitale Medien kommt das Thema digitales Buch in Deutschland nicht richtig voran. Getreu dem Motto von Nicholas Negroponte „Don’t move Atoms, move Bytes“ aus seinem Buch Total digital müsste der Markt für digitale Bücher anziehen. Tut er auch, aber nicht bei uns. Jetzt wieder ein Rückschlag: Das Hanseatische Oberlandesgericht verbietet den Weiterverkauf von eBooks (Az.: 10 U 5/11). Mit einer Entscheidung des Hanseatischen Oberlandesgerichts (OLG) vom 24. März 2015 wurde zum dritten Mal eine Klage der Verbraucherzentrale Bundesverband rechtskräftig abgewiesen. Damit ist es jetzt klar: eBooks dürfen in Deutschland nicht weiterverkauft werden.
Die Konsequenz wird sein, dass eBooks sich schwerer verkaufen lassen. Gedruckte Bücher kann ich am Flohmarkt, bei eBay, bei Amazon Marketplace oder sonst wo weiterverkaufen, wenn ich sie gelesen habe, den Platz brauche oder aus welchem Grund auch immer. Dann kann ich aus dem gedruckten Buch noch ein paar Euro machen. Beim eBook geht das nicht. Ich kann das Buch löschen und das war es dann auch. In den AGB der Verlage wird der Weiterverkauf von eBooks ausgeschlossen.
Diese und andere Fragen werde ich auf meinem nächsten Seminar diskutieren. Am nächsten Wochenende habe ich wieder ein Seminar zum Thema digitale Bücher. Wer teilnehmen will, bitte Mail an mich.
Als Fan der Verbraucherzentrale hatte ich gehofft, dass sich die Verbraucherschützer gegen die Buchverlage durchsetzen würden. Dies hat nicht geklappt. Die Verbraucherzentrale Bundesverband sah in dem Ausschluss des Weiterverkaufs eine Einschränkung des Verbrauchers. Zu recht, wie ich der Meinung bin. Die Verbraucherschützer hatten jeweils gegen Online-Buchhändler geklagt, die per AGB den Weiterverkauf von eBook- bzw. Hörbuch-Downloads ausschlossen. In allen drei Fällen schlossen sich die Gerichte der Position der Buchhändler an.
Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels dagegen jubelt. Sie werten das Urteil als Bestätigung ihrer Lobbypolitik. „Die Hamburger Entscheidung ist ein Erfolg für die gesamte Buchbranche. Zum wiederholten Mal haben sich die Richter der Position der Rechteinhaber und Anbieter von digitalen Büchern angeschlossen, dieses Mal mit besonderer Deutlichkeit. Das ist ein wichtiges Zeichen. Digitale Bücher können praktisch unendlich vervielfältigt und weitergegeben werden, ohne sich jemals abzunutzen. Der Primärmarkt für eBooks und Hörbücher würde komplett zerstört werden, wenn es einen legalen ‚Gebrauchtmarkt‘ gäbe. Für Verlage und Händler wäre es unmöglich, weiter gemeinsam an nachhaltigen und kundenfreundlichen Download-Modellen für Bücher zu arbeiten Darunter würden letztlich vor allem die Verbraucher leiden“, sagt Prof. Dr. Christian Sprang, Justiziar des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.
Noch unklar ist die Entwicklung auf europäischer Ebene. Ein niederländisches Gericht hat dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vor wenigen Tagen einen Fall zur Vorabentscheidung vorgelegt, in dem es auch um die Vereinbarkeit von Verkäufen „gebrauchter“ eBooks mit europäischem Urheberrecht geht.
Jetzt mobilieren Verlage und ihr Verband ihre Lobbyisten. Beim Börsenverein heißt es: „Die Entscheidung des EuGH ist von großer Bedeutung, da sie unmittelbar auf die Rechtslage in Deutschland durchschlägt. Wir erwarten von der deutschen Bundesregierung, dass sie sich an dem EuGH-Verfahren beteiligt und klar Stellung zugunsten der Urheber von eBooks bezieht. Es wäre ein Schlag für die gesamte Kultur- und Kreativwirtschaft, wenn es gesetzlich erlaubt würde, digitale Inhalte weiterzuverkaufen.“
Ich bin gespannt, wie die Richter am Europäischen Gerichtshof (EuGH) die Sache sehen.