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Der Schatz der Jakobikirche zu Lübeck

8. September 2019
St. Jakobi in Lübeck verdirbt einen interessanten Schatz.

St. Jakobi in Lübeck verdirbt einen interessanten Schatz.

Es hört sich an, wie eine Geschichte von Indiana Jones. Bei Restaurierungsarbeiten im Jahre 2016 wurde in der Jakobikirche in Lübeck eine überraschende Entdeckung gemacht. Ein Schatz aus Papier.
Kirchenführer Johann Heilmann machte mich bei einem Besuch im Gotteshaus auf diese Geschichte aufmerksam, die sich als wunderbares Storytelling entpuppte.

Der Schatz lag mehr als ein Jahrhundert fest verschlossen und verborgen in dem historischem Kastengestühl der Jakobikirche wurde ein papierener Schatz entdeckt. 2016 wurde das Kastengestühl restauriert, das in den Jahren 1611 bis 1634 in das Mittelschiff der Jakobikirche eingebaut worden war. Hier waren in einigen Bankreihen kleine Schränke für Bibeln oder Gesangbücher eingebaut, die aber mit einem Schloss verschlossen und übermalt waren. Als die Restaurierung mit dem Kästchen Nummer 27 begann, wurde ein historischer Schatz entdeckt.

Hier lag unter anderem der Schatz.

Hier lag unter anderem der Schatz.

Im Kastengestühl verbirgt sich der Schatz.

Im Kastengestühl verbirgt sich der Schatz.

Das Kästchen war mit Papier ausgekleidet, wie Schrankpapier. Es zeigte eine Darstellung von Maria mit dem Jesuskind. Das war eine Sensation. Der Fund wurde auf das frühe 17. Jahrhundert datiert. Das Papier war aufgrund des Luft- und Lichtabschluss im hervorragendem Zustand. Es handele sich um ein aus Lumpen gemachtes Hadernpapier, ohne Holzzusätze. Als Hadernpapier bezeichnet man eine Gruppe von Papieren, die aus Alttextilien oder textilen Faserrohstoffen hergestellt wurden und werden. Im bibliothekswissenschaftlichen Sprachgebrauch wird der Begriff für handgeschöpfte Papiere vor der Erfindung des Holzschliffpapiers in der Mitte des 19. Jahrhunderts verwendet. Und wenn in einem Kästchen so ein Schatz ist, dann ist vielleicht in den anderen 65 Kästchen ebensolche Schätze.

Maria mit de Jesuskind als Einlegepapier.

Maria mit de Jesuskind als Einlegepapier.

Mit einem Videoendoskop wurde durchs Schlüsselloch in die anderen Kästchen geschaut. In rund der Hälfte der Kästchen wurden die Forscher fündig, Sie waren mit Einblattdrucken ausgelegt. Bis 5. Juni 2018 wurden alle Kästchen geöffnet, die Blätter wurden gereinigt, dokumentiert und fotografiert und sie kamen wieder in ihre Kästchen.  „Die Bilder zeigen die tiefe Verwurzelung der beiden Konfessionen und auch den Wunsch der Gläubigen, das konfessionell Trennende zu verbinden“, so Johannes Heilmann.

Die Bilder gibt es als Buch.

Die Bilder gibt es als Buch.

Ab und zu werden bei besonderen Kirchenführungen durch St. Jakobi einzelne Kästchen geöffnet. Wer den Schatz in voller Pracht sehen will und auch eine historische Einordnung möchte, dem sei das ausgezeichnete Buch Frömmigkeit und Schrankpapier empfohlen. Das Buch von Michael Schilling gibt es auch im Shop von St. Jakobi, allerdings teurer als im Buchhandel.

Hier ein Rundgang durch die Kirche:

Und hier ein 360 Graf Rundgang durch die Kirche:

Was macht ein zerstörtes Rettungsboot in einer Kirche?

6. September 2019
Was macht ein zerstörtes Rettungsboot in der Kirche St. Jakobi in Lübeck?

Was macht ein zerstörtes Rettungsboot in der Kirche St. Jakobi in Lübeck?

Lübeck ist die Stadt der sieben (Kirchen-)Türme und das Gotteshaus St. Jakobi ist die Kirche der Seefahrer und Fischer. Und hier liegt in einem Seitentrakt ein zerstörteres Rettungsboot. Was verbirgt sich dahinter?

 

Im Norden der Stadt lebten seit der Zeit der Hanse nahezu alle, die zur See fuhren. Auch die Schiffe der Fernhandelskaufleute lagen hier, worauf Straßennamen wie Engelsgrube („Englische Grube“) hinweisen. So entwickelte sich St. Jakobi zur Kirche der Seefahrer, Bootsleute und Fischer. Wer die schöne Kirche besichtig, stößt auf eine ungewöhnliche Gedenkstätte in Form eines zerborstenen Rettungsbootes. Seit den 50er Jahren des 20. Jahrhunderts liegt in der nördlichen Turmkapelle das Rettungsboot 2 des 1957 untergegangenen Großseglers Pamir als ein Mahnmal.So wurde St. Jakobi in den Rang einer Nationalen Gedenkstätte der zivilen Schifffahrt erhoben.

Die Pamir-Katastrophe
Am 21. September 1957 kam zu einer Katastrophe. Es war das letzte große Unglück eines Großseglers – der außerdem der letzte gewesen ist, der Kap Hoorn umrundete. Die stolze Viermastbark Pamir sank südlich der Azoren. Von den 86 Mann Besatzung, darunter 68 Kadetten zwischen 16 und 18 Jahren, überlebten nur sechs Seeleute einen Hurrikan. Die 3100 BRT große Pamir war am 10. August 1957 aus Buenos Aires ausgelaufen. Am 21. September traf der Hurrikan Carrie auf das Schiff. Die Pamir lag ohne gesetzte Segel mit zunehmender Krängung auf Backbord-Bug. Die Situation des Schiffes ließ ein Zuwasserbringen der Boote, die ohnehin durch Seeschlag in ihren Halterungen stark beschädigt waren, nicht zu. Boot Nummer 6 war zuvor schon verloren gegangen. Viele Seeleute gingen über Bord oder wurden unter Wasser gedrückt. In Boot Nummer 5 überlebten nur fünf Seemänner, in Boot Nummer 2 nur ein Seemann. Ihre Namen: Karl-Otto Dummer, Klaus Fredrichs, Karl-Heinz Kraatz, Volkert Anders, Hans-Georg Wirth und Günter Haselbach. Am 23. September um 05:38 Uhr wurde vom New Yorker Dampfschiff Saxon eines der schwer beschädigten Rettungsboote mit fünf Überlebenden gefunden. Ein letzter Überlebender wurde nach 72 Stunden durch die US Coast Guard Absecon gerettet.

Die Kirche St. Jakobi beherbergt nun das leckgeschlagene Rettungsboot Nr. 2 der Pamir, von dem ein Überlebender gerettet wurde, sowie Informationen zum Unglück einschließlich Aufzeichnungen eines Überlebenden. Die Kapelle erinnert außerdem an den Verlust weiterer Lübecker Schiffe und ihre Besatzungen. An den Kapellenwänden hängen Kränze und Schleifen von deutschen und ausländischen Seeleuten und Abordnungen, die die Kapelle besuchten. Am 21. September 2007 wurde die Kapelle zur Nationalen Gedenkstätte der zivilen Seefahrt erklärt.