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Robert Lebeck – Chronist der politischen Fotografie des 20. Jahrhunderts

4. Januar 2026

Robert Lebeck war einer jener seltenen Fotografen, die nicht nur Bilder machten, sondern ein Gefühl für eine ganze Epoche hinterließen. Als Vorsatz für 2026 habe ich vorgenommen, mich mehr mit Fotografie zu beschäftigen, aktiv und passiv. Ich bereite gerade ein kostenloses Seminar über diesen Chronisten der politischen Fotografie des 20. Jahrhunderts vor. Anmeldung hier.

Lebecks Arbeiten tragen die Zerbrechlichkeit der Nachkriegsjahre, die Sehnsucht nach Freiheit und den leisen Trotz derer, die sich eine neue Welt erträumen.In seinen Reportagen – von den Straßen der jungen Bundesrepublik bis zu den Momenten der Entkolonialisierung in Afrika – richtet sich der Blick immer zuerst auf den Menschen, nie auf die Pose. Da ist kein Zynismus, kein Spott, nur diese stille, wache Aufmerksamkeit, mit der er Würde selbst im verletzlichsten Augenblick sichtbar macht.

Die Ikonen, die aus seinen Bildern wurden, erzählen nicht von Glamour, sondern von Nähe: von Romy Schneider, die plötzlich weniger Star als junger, fragender Mensch ist; von Fremden auf der Straße, deren Gesichtsausdruck mehr über ein Land sagt als jede Schlagzeile. So wird Lebeck zum leisen Chronisten, der mit jeder Auslösung sagt: Du bist nicht übersehen, dein Augenblick zählt.

Die Bedeutung Robert Lebecks liegt darin, dass seine Fotografien Erinnerung in Gefühl verwandeln: Wer seine Bilder betrachtet, erinnert sich nicht nur an Geschichte, sondern spürt sie – in Blicken, Gesten, Zwischenräumen. Und vielleicht ist das das Größte, was ein Fotojournalist hinterlassen kann: eine Schule des Hinsehens, die bleibt, lange nachdem der Augenblick vergangen ist.

Ich habe mir vier Bücher über Lebeck in Ruhe angeschaut. Für Fotobegeisterten kann ich alle Bücher empfehlen.
Robert Lebeck: Fotoreporter aus dem Steidl-Verlag


1968: Die Fotos des Jahres 1968 aus dem Steidl-Verlag


Rückblenden – Erinnerungen eines Fotojournalisten aus dem Econ-Verlag


Robert Lebeck: Hierzulande aus dem Steidl-Verlag

Werdegang und Rolle als Chronist politischer Ereignisse
Für mich zählt Robert Lebeck (1929–2014) zu den bedeutendsten deutschen Fotojournalisten der Nachkriegszeit. Nach einem Ethnologie-Studium wandte er sich der Fotografie zu und arbeitete ab den 1950er-Jahren als Reporter für Illustrierte wie Revue und Kristall. 1966 wechselte er zum Hamburger Magazin stern, für das er – abgesehen von einem zweijährigen Intermezzo als Chefredakteur des neu gegründeten Magazins GEO 1977/78 – bis Mitte der 1990er Jahre als Fotograf tätig war. Über drei Jahrzehnte hinweg war Lebeck für den stern weltweit im Einsatz und wurde zum „Auge des stern“.

Mit seiner Kamera dokumentierte er wie kein anderer den Zeitgeist der jungen Bundesrepublik und zugleich politische Umbrüche rund um den Globus. Der stern würdigte ihn anerkennend als „charmanten Dieb des Augenblicks“ und als „größten Foto-Chronisten unserer Zeit“. Lebecks intuitive Fähigkeit, historisch bedeutsame Situationen im richtigen Moment einzufangen, machte ihn zum Chronisten politischer Ereignisse im In- und Ausland. Seine Fotografien – ob vom deutschen Wiederaufbau, vom Kalten Krieg oder von entlegenen Schauplätzen der Weltpolitik – haben Mediengeschichte geschrieben.

Bereits früh hielt Lebeck wichtige Szenen der Nachkriegsgeschichte fest. So fotografierte er etwa Konrad Adenauer 1952 in Baden-Baden und Winston Churchill 1956 in Bonn. Internationale Bekanntheit erlangte er dann 1960 mit seiner Reportage „Afrika im Jahre Null“, in der er die Unabhängigkeitsfeiern im Kongo dokumentierte. Von da an reiste Lebeck im Auftrag des stern auf alle Kontinente und berichtete über zahlreiche politische Brennpunkte. Gleichzeitig blieb er Beobachter der deutschen Politik: Er begleitete Bundeskanzler Willy Brandt in den 1970er-Jahren auf Wahlkampfreisen und bei Staatsbesuchen. Lebeck verstand sich nicht als tagesaktueller Nachrichtenfotograf, sondern als Erzähler in Bildern. Oft spürte er Stimmungen und gesellschaftliche Veränderungen auf, die über das unmittelbare Nachrichtengeschehen hinausgingen. Damit prägte er das visuelle Gedächtnis der Bundesrepublik Deutschland in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts maßgeblich mit. Seine Kamera war für die Deutschen ein „Tor zur Welt“ und seine einfühlsam eingefangenen Bilder wirken bis heute nach .

Reportagen und Fotostrecken: Meilensteine politischer Fotografie
Lebecks fotografisches Werk im Bereich der politischen Fotografie umfasst zahlreiche Reportagen und Bildessays, die zu zeitgeschichtlichen Dokumenten wurden. Im Folgenden werden einige seiner bedeutendsten politischen Fotostrecken – insbesondere jene, die im stern erschienen sind – vorgestellt, zusammen mit exemplarischen Fotos und deren Wirkung.

Afrika im Jahr Null: Kongo 1960 – das Ende der Kolonialherrschaft
Ein junger Kongolese entreißt am 30. Juni 1960 in Léopoldville (Kinshasa) König Baudouin I. von Belgien den Zeremonialdegen – Robert Lebecks ikonisches Foto vom Unabhängigkeitstag des Kongo.
Mit dieser Aufnahme schrieb Robert Lebeck Fotogeschichte. Im Sommer 1960 reiste er für die Reportage „Afrika im Jahre Null“ nach Zentralafrika, um die Emanzipation der Kolonien fotografisch festzuhalten. In Léopoldville gelang ihm der berühmte Schnappschuss eines einheimischen jungen Mannes, der dem belgischen König Baudouin während der Unabhängigkeitsfeierlichkeiten den Degen stahl und jubelnd davonlief. Lebeck drückte im Bruchteil einer Sekunde intuitiv auf den Auslöser und fing damit den “Höhepunkt ein, der den Augenblick zur Metapher für das große Ganze werden lässt: Kolonialherrschaft, Freiheitsdrang, Emanzipation”. Ohne sein Bild wäre dieser Vorfall wohl kaum bekannt geworden – erst die fotografische Beweisaufnahme machte den kühnen Degendiebstahl zum Symbol für das Ende der Kolonialära. Das Foto ging um die Welt und wurde – wie Lebeck selbst sagte – zu seiner fotografischen Visitenkarte. Rückblickend gilt die Aufnahme als „Jahrhundertbild“, da sie im Keim bereits den bevorstehenden Machtwechsel und die konfliktreiche Entkolonialisierung Afrikas erahnen ließ. Bis heute steht dieses Bild ikonisch für den Niedergang der europäischen Kolonialmächte in Afrika. Die Reportage Afrika im Jahre Null machte Lebeck schlagartig bekannt und begründete seinen Ruf als herausragender politischer Fotograf.

Fotografische Handschrift: Instinkt, Empathie und der „Dieb des Augenblicks“
Robert Lebecks fotografische Handschrift war geprägt von scharfem Instinkt, menschlicher Nähe und dem Gespür für den richtigen Moment. Technik und theoretische Konzepte stellte er bewusst in den Hintergrund – wichtiger war ihm, im Augenblick zu leben und spontan zu reagieren. Er fotografierte meist mit einer unauffälligen Leica-Kamera und bewegte sich beinahe unsichtbar durch das Geschehen, immer bereit, den Auslöser im entscheidenden Sekundenbruchteil zu drücken. Kollegen beschrieben ihn als „stilles Schlitzohr mit der Leica“, das mit Charme und Witz Zugang zu Menschen fand. Chefredakteure und Prominente lagen ihm „zu Füßen“, wie es halb scherzhaft hieß – tatsächlich gewann er das Vertrauen vieler seiner Motive und konnte so authentische Bilder einfangen. Lebeck selbst erklärte bescheiden, er habe „meistens einfach unverschämtes Glück“ gehabt. Dieses Glück bestand jedoch vor allem in seinem untrüglichen Bauchgefühl für Situationen: Er ahnte intuitiv, wann sich eine Szene zuspitzt oder ein Gesichtsausdruck das Wesentliche verrät.

Typisch für Lebeck ist der respektvolle, aber ungefilterte Umgang mit Macht und Menschlichkeit. Er inszenierte die Mächtigen nicht künstlich, sondern beobachtete sie geduldig, bis ein ehrlicher Moment zum Vorschein kam. So gelang es ihm, in den Mienen von Politikern oder Würdenträgern das Menschliche hervorzuheben – Zweifel, Freude, Trauer, Zuversicht. Seine Porträts berühmter Personen zeichnen sich durch eine seltene Intensität und Intimität aus . Dabei hat Lebeck nie im paparazzihaften Sinne „aufgelauert“. Vielmehr schuf er mit Empathie eine Atmosphäre, in der selbst weltbekannte Persönlichkeiten die Maske fallen ließen. Dieses einfühlsame Herangehen spürt man etwa in der genannten Aufnahme Brandts, der vor Lebecks Kamera die Last der Verantwortung erkennen ließ, oder in den Bildern von Jackie Kennedy in stiller Trauer, die Würde und Schmerz gleichermaßen transportieren.

Lebecks fotografischer Stil ist insgesamt dokumentarisch und von klarer, ungekünstelter Bildsprache. Er bevorzugte Schwarzweiß-Fotografie, reduzierte Ablenkungen auf ein Minimum und setzte ganz auf die Aussagekraft des Augenblicks. Oft erzählen schon kleine Details oder Gesten in seinen Bildern ganze Geschichten – ein Kinderblick im Tumult, eine Geste der Erschöpfung auf der politischen Bühne. Diese Reduktion aufs Wesentliche verleiht seinen Aufnahmen Zeitlosigkeit. Zahlreiche seiner Fotos wurden zu Sinnbildern, weil sie universelle menschliche Emotionen in einem politischen Kontext verdichten. Dafür wurde Lebeck mit renommierten Preisen ausgezeichnet, u.a. dem Dr.-Erich-Salomon-Preis 1991 und als erstem Fotografen überhaupt mit dem Henri-Nannen-Preis für das Lebenswerk 2007 . Doch wichtiger als jede Auszeichnung ist die unverwechselbare Handschrift, mit der er der Fotoreportage seinen Stempel aufdrückte: ein Meister des flüchtigen Augenblicks, der mit Herz und Verstand die Wahrheit hinter der Oberfläche suchte.

Bedeutung für die visuelle politische Kultur Deutschlands
Robert Lebecks Werk hat die visuelle Kultur der Bundesrepublik im 20. Jahrhundert nachhaltig geprägt. In einer Zeit, als illustrierte Magazine wie stern für breite Bevölkerungsschichten ein Fenster zur Welt waren, formten Lebecks Fotografien maßgeblich die Wahrnehmung politischer Ereignisse und Personen. Viele seiner Bilder sind bis heute im kollektiven Gedächtnis verankert. Sie helfen uns, uns an historische Momente zu erinnern, und zwar in lebendiger, emotionaler Weise. Zum Beispiel denken viele beim Stichwort „Kongo 1960“ sofort an den triumphierenden Degen-Dieb – ein einzelnes Foto, das komplexe geopolitische Veränderungen symbolisiert. Ebenso ruft das Bild des ernsten Willy Brandt von 1974 sofort die Stimmung jener politischen Zäsur ins Gedächtnis. Lebecks Porträts berühmter Menschen haben unsere Vorstellungen von diesen Persönlichkeiten mitgeformt. Manche seiner Fotografien sind zu wahren Ikonen geworden, die über ihren ursprünglichen Kontext hinaus Bedeutung erlangt haben.

Fotografie: Detailaufnahmen in der Brauerei Maisach

21. April 2018

Seit längerer Zeit bin ich Mitglied in einer Facebook Foto-Gruppe im Landkreis Fürstenfeldbruck. Der Administrator Claus hatte eine Fotosession in der Brauerei Maisach organisiert. Das Angebot habe ich dankend angenommen. Obwohl ich die Brauerei aus alten Zeiten sehr gut kenne, wollte ich die Chance nutzen und ein paar Fotos machen. Die Brauerei hat einen neuen Besitzer und zieht das Business anders auf. 

Zurück zur Fotografie: Welche Ausrüstung soll ich mitnehmen? Diese Frage stellt man sich als Fotograf natürlich ganz am Anfang. Bei mir liegen viele Kameras herum und aufgrund von Bequemlichkeit greife ich oft zum iPhone X. Das kann ich bei einer Fotogruppe natürlich nicht machen. Aber ich habe keine Lust die Nikon D3x mit Festbrennweiten und Stative durch die Gegend zu schleppen. Also entschied ich mich für die klassische Reportagekamera, meine Fujifilm X100F. Ich habe zwar die Wechselobjektive dabei gehabt, mich aber on Location für die Festbrennweite 23 mm entschieden. Also kein Gefummle mit Zoom, sondern Abbild der Wirklichkeit. Mit f 2,0 hat das Objektiv genügend Lichtstärke für eine dunkle Brauerei. Und mit den alten Fotografenregeln „wenn Sonne lacht, nimmt Blende 8“ – oder „einmal hoch, einmal quer – was will man mehr“ zog ich los zum Treffen. 

Angekommen suchte ich nach bekannten Gesichtern. Außer Claus, den ich einmal im RL beim Edeka im Dorf getroffen hatte, kannte ich niemanden. Viele habe ich allerdings in Facebook gesehen und es war schön, sie im wahren Leben mal zu treffen. Die meisten waren mit größerem Equipment angerückt: Taschen, Rucksäcke, Stative, Blitze – da war ich quasi nackt mit meiner Reportagekamera. Aber ich dachte an eine Regel, die mir Peter Hartmann beigebracht hat. Peter Hartmann gehörte einst der Fotogruppe an und ist vergangene Woche leider verstorben. Ich habe lange Jahre mit ihm gearbeitet. Er war einst Fotograf bei der BILD und Abendzeitung und hatte u.a. mit Michael Graeter gearbeitet. Ich durfte mit ihm bei Merkur arbeiten und hab seine Geschichten genossen. Eine Regel von ihm war die alte Fotografenweisheit: Ein gutes Foto entsteht nicht in der Kamera, ein gutes Foto entsteht im Kopf. Ich hoffe, dass mein Kopf und mein fotografisches Auge funktioniert. 

Anbei eine Auswahl von Fotos von diesem Foto-Event in der Brauerei Maisach. Danke an die Brauerei Maisach und an Claus von der Fotogruppe für diesen Event. Für mich steht fest: Ein Teil meiner Bucket-List: Mehr fotografieren – hab ich hier wieder erfüllt. Wer mehr über die Geschichte der Brauerei wissen will, der kann hier in meinem Blog nachlesen und Videos schauen. 

 

Die Magie des Kontaktbogens – Fotoausstellung Magnum . Contact Sheets

12. Januar 2015

Aufmacher

Noch bis zum 16. Januar läuft im Berliner Amerika Haus C/O Berlin Foundation eine der besten Fotoausstellungen, die ich seit langem besucht habe: Magnum . Contact Sheets. Es geht um Fotomagie – es geht um die richtige Auswahl aus einem Kontaktbogen.

Voller Ehrfurcht besuche ich die Ausstellung im Berliner Amerika Haus.

Voller Ehrfurcht besuche ich die Ausstellung im Berliner Amerika Haus.

Voller Erfurcht betrachtete ich einige der wichtigsten Fotodokumente des Fotojournalismus, die von Fotografen der legendären Agentur Magnum stammen. Fotos, die wir alle kennen, die sich in unser kollektives Fotogedächtnis eingebrannt haben. Ich sah die berühmten Bilder von Robert Capa, Henri Cartier-Bresson, David (Chim) Seymour, Werner Bischof, George Rodger und Elliott Erwitt, über Inge Morath, René Burri, Eve Arnold, Leonard Freed, Thomas Hoepker, Josef Koudelka und Gilles Peress bis hin zu Martine Franck, Martin Parr, Jim Goldberg, Trent Parke, Jonas Bendiksen, Bruno Barbey, Paolo Pellegrin und Alec Soth. Und ich sah, dass diese Meister Profis ihres Fachs waren. Sie schossen nicht nur ein, zwei Fotos, sondern eine ganze Serie von Bildern. Und dann kam die Arbeit, die jeder Fotograf vom Amateur bis zum Profi kennt: Die richtige Auswahl – die Entscheidung den richtigen Schuss zu finden. In der analogen Zeit gab es dafür den Kontaktbogen. Die Negativstreifen wurden auf ein DIN A4-Fotopapier gelegt, belichtet und entwickelt. Meist mit Fotolupe begann dann die Auswahl: Was ist das beste Bild? Welches Bild drückt die Stimmung, den Augenblick, die Atmosphäre am besten aus?

Diese Wahl war schwierig und hier trennt sich die Spreu vom Weizen. Der Profi trifft die richtige Auswahl, sieht das zu entstehende Kunstwerk auf dem Kontaktbogen. Im Kopf entsteht aus dem kleinen (Vorschau-)bild des Kontaktbogens dann das große Werk, oftmals beschnitten.

Am Eingang der Ausstellung steht ein Zitat des großen Henri Cartier-Bresson, das mich beeindruckt hat: „Ein gelungenes Bild aus einem Kontaktbogen herauszuholen ist so, wie in den Keller zu gehen und mit einer guten Flasche Wein zurückzukehren, die man dann gemeinsam leert.“ Wunderbar die Arbeit damals im Fotolabor oder heute am Photoshop beschrieben – tolles Zitat.
Und diesen Prozess der Auswahl, die Entscheidung über ein Bild lässt sich wunderbar in der Ausstellung Magnum . Contact Sheets nachvollziehen. Der entscheidende Augenblick – in der Fotografie ist dieser alles bestimmend. Ich empfehle diese Ausstellung im Berliner Amerika Haus ausdrücklich allen, die mit Fotos zu tun haben: Volontären, Redakteuren, aber auch allen Bloggern.

Und ich bin der Fotoagentur Magnum dankbar für diesen ungewöhnlichen Schritt, diese Kontaktbögen zu zeigen. Als Bildjournalist verschwinden eigentlich die Kontaktbögen vor den Augen der Öffentlichkeit. Man zeigt den Ausschuss eigentlich keinem Menschen. Aber in dieser Ausstellung wird durch das Zeigen des fotografischen Ausschusses der Weg zum perfekten Foto klar und eindeutig. „Mit dieser totalen Transparenz und Entblößung seiner Arbeitsmethode macht sich der Fotograf angreifbar. Er riskiert, die Aura des Einzelbildes zu brechen und den kreativen Prozess zu entzaubern. So entsteht auch beim Betrachten des Kontaktbogens die Faszination, einerseits unmittelbar am Geschehen teilzunehmen und dem Fotografen über die Schulter zu sehen, andererseits damit etwas Verbotenes zu tun – wie in ein fremdes Tagebuch oder einen fremden Kleiderschrank zu blicken“, heißt es vom Amerika Haus und sie haben Recht.

In chronologischer Reihenfolge zeigt diese absolut sehenswerte Ausstellung leidenschaftlich engagierte Reportagen aus dem Zweiten Weltkrieg, Straßenszenen des Prager Frühlings, Ikonen wie Che Guevara, Mohammed Ali und Malcom X, Balkankrieg und Blutigen Sonntag, Brennpunkt Nahost, Porträts der japanischen, brasilianischen und britischen Gesellschaft sowie zahlreiche, weltweit historische Ereignisse mehr. Anhand dieser einzigartigen Zusammenstellung der Kontaktbögen werden in der Ausstellung drei unterschiedliche Ebenen sichtbar: Die jeweiligen politisch-sozialen Inhalte der Fotografien an sich, die allgemeine Historie der Reportagefotografie sowie die Entstehungsgeschichte der einzelnen Bilder.
Zu der Ausstellung ist ein kiloschwerer Katalog Magnum Contact Sheets erschienen, den ich absolut empfehlen kann. Ich werde über diesen 508 seitigen Katalog separat bloggen.