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Konzertkritik: Neil Young in München, Olympiahalle 2019

7. Juli 2019

Ja, Neil Young war gut aufgelegt, trotz der persönlichen Rückschläge in jüngster Zeit. Der Kanadier zog in der Münchner Olympiahalle eine Show ab, die einfach gepasst hat: Laut, intensiv, melodiös – mal Punk, mal Folkie, mal Hardrock, genau wie ich es mir von dem musikalischen Chamäleon Neil Young gewünscht hatte. Ok, Jazz war nicht dabei, aber egal. Unterstützt wurde er dieses Mal nicht von Crazy Horse, aber die jungen Männer von Promise of the Real standen dem Meister perfekt zur Seite.

Das Bühnenset war wie bei den meisten Shows von Neil Young eher schlicht gehalten. Bei meinen letzten Konzert war es eher eine Country-Umgebung. Dieses Mal mal waren die Instrumente da und das wars. Neil Young – und ein Großteil seines gealterten Publikums  erinnert sich noch an die Zeiten des Röhrenfernsehers. Und so hingen die Monitorwände links und rechts von der Bühne in Verkleidung als Röhrenfernseher mit Neil Young-Testbild. Schöner Humor. 

Einziges Showelement am Ende des Konzerts war eine Art Engel, der sich in die Lüfte zu einem genialem Like a Hurrican schwebt. 

Schön ist, dass Neil Young auf ein umfangreiches Repertoire an Songs zurückgreifen kann, deren Hits er an einem Abend gar nicht alle spielen kann. So gibt es eine Auswahl aus vielen Perioden des grimmigen Herrn. Es begann mit Buffalo Springfield und ihrem Mr. Soul. Kein großes Geblubber wie „ich liebe dich München“ und so Zeug, sondern Licht aus, Musik an – los gehts. Und Neil Young kann es: Mit der „Old Black“, seiner legendären Les Paul, und der Gretsch „White Falcon“ zauberte er den typischen Neil Young Sound. Mit was er an dem Münchner Abend akustisch gespielt hatte, konnte  ich nicht erkennen. 

Die einen nennen es Krach, ich nenne es Musik, die Young und seinen Mannen da ihren Instrumenten entlocken. Und wenn schon beim zweiten Song Mansion on the Hill das gesamte Auditorium mitsingt und mitwippt, dann hat Neil Young etwas richtig gemacht. There’s a mansion on the hill – Psychedelic music fills the air – Peace and love live there still – In that mansion on the hill – und muss es sein und nicht anders. 

2014 wurde der nächste Song im Rolling Stone Sonderheft Neil Young als sein bester Song ausgezeichnet. Gemeint ist natürlich Powderfinger, 1979 auf Rust Never Sleeps zum ersten Mal öffentliche und immerfort ein extrem starker Song samt Text. Hätte Neil mal besser die Knarre nicht abgeschossen. 

Harvest Moon ist für mich persönlich eines der schönsten Lieder von Neil Young. Sehr schön interpretiert mit Mond und Love auf den Großbildmonitoren und der Bühne. Spätestens hier hat Neil Young sein Publikum in der Hand und sein Publikum weiß, dass sich der heftige Eintrittspreis gelohnt hat. Ein paar Songs spielte er Words (Between the Lines of Age), für mich einer der besten Songs von Harvest, der es aber nie richtig zur Berühmtheit gebracht hatte. 

Neil Young wurde als Papa des Grunge bezeichnet, was ich für Quatsch halte. Dennoch war Mirror Ball ein Album, dass der jungen Holzfällerhemd-Generation zeigte, wo der Hammer hängt. Throw Your Hatred Down interpretierte er einst mit Pearl Jam, heute mit seinen Mitmusikanten und es ist nachwievor ein intensiver Song. Hart und klar – so wollen wir das, danke Neil.

Fuckin‘ Up war immer mein Gassenhauer-Song von 1990 aus Ragged Glory neben Mansion on the Hill. Promise of the Real gingen ab wie ein Zäpfchen und schaukelten sich mit Neil Young in den Rock‘n Roll Himmel. Tolle, eindringliche Interpretation, wie ich meine. 

ok, dann ging es Schlag auf Schlag und Neil Young ließ uns keine Luft mehr. Cortez the Killer und später Cinnamon Girl. 

Und wer bei Rockin‘ in the Free World noch nicht weggedreht wahr, der ist bereits tot. Der Song kam aus einer Phase, in der Young nicht unbedingt wegweisend war, aber hier schuf er ein Meisterwerk. Die Halle sang mit und der Ohrwurm setzte sich für den Heimweg fest. Und schön, wie die Band mit dem Publikum spielte. 

Die Zugaben waren I’ve Been Waiting for You und Like a Hurricane mit dem Vocoder aus Trans von 1982, eines der unterschätzen Alben. Like a Hurricane ist der Live-Klassiker von Neil Young und ein wirklicher Abschluss eines eindrucksvollen Konzerts in München. In anderen deutschen Städten habe ich gemischte Kritiken von dortigen Kritiken gelesen, von München kann ich sagen. Obwohl Hey Hey, My My (Into the Black) nicht gespielt wurde, war es immer präsent: „it’s better to burn out than to fade away“

Hier nochmals die komplette Setlist:

Mr. Soul

Mansion on the Hill

Powderfinger

Harvest Moon

Winterlong

Walk On

Words (Between the Lines of Age)

Lotta Love

Throw Your Hatred Down

Milky Way

Fuckin‘ Up

Cortez the Killer

Cinnamon Girl

Change Your Mind

Rockin‘ in the Free World

Zugaben:

I’ve Been Waiting for You

Like a Hurricane