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Die Toten von Waco vor 30 Jahren und Auswirkungen bis heute

21. April 2023

Nachdenklich wurde ich bei einem Online-Seminar, das ich zusammen mit meinem Kollegen Stefan Preis zum Thema zerrissenes Amerika gehalten habe. Mein Part war die Ereignisse von Jonestown (1978) und Waco (1993) zu rekapitulieren. Beide Ereignisse führten dazu, dass die USA ihre Regulierungen von religiösen Gruppen verschärft und einen größeren Fokus auf den Schutz von Menschenrechten und -freiheiten gelegt haben.

Die Ereignisse zu Waco Texas jähren sich jetzt zum 30. Mal. Ich hab die Ereignisse damals am TV verfolgt. Und wir wurde bewusst, wie sehr dass Misstrauen Teile der US-Bevölkerung gegenüber ihrer Regierung vorhanden sind. Und mir wurde bewusst, wie mit diesem Misstrauen gespielt wird. Trump zündelt wieder mal und seine Aktionen kommen an. Seine erste große Wahlkampfrallye für die kommenden Wahlen führte Trump Ende März nach Waco – also kurz vor dem 30. Jahrestag. Das Drama um die Davidianer sprach er nicht an. Aber er zeigte mit der Wahl des Ortes wohl doch, auf welche seiner Anhänger er nicht verzichten will.

Und mir wird vieles klar: Joe Biden, damals Senator, weist später alle Verantwortung der Regierung im Fall Waco zurück. Koresh und die Davidianer hätten sich selbst angesteckt und Selbstmord begangen. Das sei nicht die Regierung des demokratischen US-Präsidenten Bill Clinton gewesen.

Erinnern wir uns an Waco: Der Vorfall von Waco begann am 28. Februar 1993, als eine Einheit des Bureau of Alcohol, Tobacco, Firearms and Explosives (ATF) versuchte, eine Durchsuchungs- und Verhaftungsbefehl an der Ranch der Davidianer-Gruppe in der Nähe von Waco, Texas, zu vollstrecken. Die Davidianer waren eine religiöse Sekte, die von David Koresh geführt wurde, einem charismatischen Anführer, der sich selbst als den Messias bezeichnete. Die ATF-Beamten glaubten, dass die Davidianer illegal Waffen besaßen und möglicherweise terroristische Aktivitäten planten. Koresh behauptete, der Messias zu sein, und dass er von Gott auserwählt wurde, um die sieben Siegel der Offenbarung zu öffnen. Seine Anhänger glaubten, dass er übernatürliche Kräfte besaß und dass er der einzige Weg zur Erlösung war. Im Februar 1993 stürmte das FBI die Ranch der Branch Davidians in Waco, um Koresh und seine Anhänger wegen des Verdachts auf Waffenhandel und Kindesmissbrauch festzunehmen. Koresh, 33 Jahre alt, hält sich für einen Propheten. Seine Anhängerinnen und Anhänger hat er mit apokalyptischen Prognosen vom nahen Weltuntergang an sich gebunden. Alle Frauen der Gruppe reklamiert er für sich und schwängert sie – auch junge Mädchen.

Die Durchsuchung endete in einem blutigen Schusswechsel, bei dem vier ATF-Agenten und sechs Davidianer getötet wurden. Nachdem die ATF-Einheit besiegt wurde, belagerten FBI-Agenten das Anwesen und begannen einen 51-tägigen Konflikt mit den Davidianern. Während der Belagerung wurde das Anwesen mit lauten Musik und blendenden Lichtern beschallt, um die Davidianer zu desorientieren und zu erschöpfen. Am 19. April 1993 eskalierte die Situation, als das FBI beschloss, eine CS-Gas-Granate in das Anwesen zu werfen, um die Davidianer zur Aufgabe zu zwingen. Der Einsatz von CS-Gas ist umstritten, da es potenziell tödlich sein kann und die Davidianer Kinder im Gebäude hatten. Kurz nach dem Einsatz der Granate brach ein Feuer aus, das schnell das gesamte Gebäude erfasste. Insgesamt starben 76 Menschen bei dem Vorfall, darunter 25 Kinder und David Koresh selbst.

Der Vorfall von Waco löste in den USA und weltweit eine intensive Debatte über die Rolle der Regierung bei der Regulierung von Sekten, religiösen Gruppen und Waffengesetzen aus. Mit den Waffengesetzen hat sich ja nichts getan. Einige kritisierten die ATF- und FBI-Einsätze als übermäßig und unverhältnismäßig, während andere argumentierten, dass die Davidianer eine Bedrohung darstellten und dass die Regierung das Recht hatte, ihre Bürger zu schützen. Einige glaubten, dass die Belagerung und der Einsatz von CS-Gas ein vorsätzlicher Versuch waren, die Davidianer zu töten und zu vertuschen, was tatsächlich geschah. Es wurde auch behauptet, dass die Regierung die Davidianer wegen ihrer religiösen Überzeugungen verfolgte und dass dies ein Verstoß gegen die Religionsfreiheit darstellte. Für den Vortrag hab ich im Netz recherchiert und war erschrocken, welche Rolle Waco noch spielt. Ultrarechte Regierungskritiker, Anhänger des Rechts auf Waffenbesitz und andere selbsternannte Patrioten interpretieren für sich. Für sie war und ist Waco ein Aufruf, gegen die Regierung zu den Waffen zu greifen.

Die Folgen waren heftig: Timothy McVeigh, ein junger Ex-Militär, zündete am zweiten Jahrestag der Tragödie von Waco Bomben vor einem Regierungsgebäude in Oklahoma City. 168 Menschen starben, darunter viele Kinder. Und auch beim Sturm auf das Capitol spielte Waco eine Rolle. Neueste Ereignisse sind die Pentagon Leaks zur Ukraine: Leaker war Jack T.. Der Verräter ist gerade mal 21 Jahre alt. Der Nationalgardist, der US-Geheimdokumente geleakt haben soll, sei ein religiöser Waffenfan – einer, der der Regierung nicht traue, heißt es nach seiner Verhaftung. Sein Misstrauen sei durch ein Ereignis geprägt worden, das Jahre vor seiner Geburt stattfand: die blutige Erstürmung einer Ranch bei Waco in Texas durch die Regierung vor 30 Jahren.

Streaming-Tipp: Bei Netflix gibt es eine interessante Waco-Doku.

Rückschau: Online-Seminar zum 81. Geburtstag von Bob Dylan

2. Juni 2022

Jedes Jahr feiere ich den Geburtstag eines meiner musikalischen Helden Bob Dylan. Dieses Jahr hatte ich an seinem 81. Geburtstag am 24. Mai eine besondere Ehre. Ich durfte zusammen mit meinem Kollegen Stefan Preis ein Online-Seminar zu Bob Dylan halten.

Bereit für Dylans Geburtstag – neben mir ein Stapel CDs.

Ich habe meinen Vortrag mit einer externen Kamera aufgezeichnet, damit es zu keinen Problemen wegen Persönlichkeitsrechte-Verletzungen kommen konnte. Auch neu war dieses Mal, dass ich keine Keynote-Präsentation erstellt habe, sondern nur mit ein paar Notizen bewaffnet meinen Vortrag hielt. Freies Reden war angesagt. Ich wollte mal schauen, ob ich das genauso kann und bei einem Thema wie Bob Dylan fühlte ich mich sicher (obwohl sich der eine oder andere kleine Fehler eingeschlichen hat).

Nach einer allgemeinen Einführung zum Thema Dylan mit entsprechender Würdigung und persönlicher Herangehensweise stellte ich das Werk des Meisters anhand seiner veröffentlichen Alben vor. Ich habe die meisten offiziellen Bob Dylan-Alben auf CD dabei und zeigte sie mit einer Dokumentenkamera dem Publikum. Das Switchen zwischen den Hauptkameras und der Dokumentenkamera erfolgte über das ATEM von Blackmagic.

Ich bewertete und bezog Stellung in dem Vortrag, ließ zumeist die Bootlegs aber weg. Zwar vorbereitet, aber aus Zeitgründen weggelassen habe ich Literatur wie die Autobiografie oder die Zeichnungen sowie die Sammelbände mit Songtexten. Eigentlich wollte ich als Schlussgag noch eine Flasche Whisky von Dylan öffnen und auf den Geburtstag vor laufender Kamera anstoßen, entschied mich aber am Ende doch dagegen.

Für einen Kunden darf ich immer wieder verschiedene Online-Seminare zur Populärkultur halten. Wer darüber informiert sein möchte, dem bitte ich, meinen kostenlosen E-Mail-Newsletter zu abonnieren.

Was die Bienen mit KI zu tun haben?

14. Juli 2021

Ein Hightech-Bienenstock sammelt Umweltdaten auf dem Dach des bayerischen Digitalministeriums. In dem mit Sensoren vernetzten Bienenstock befinden sich rund 15.000 Insekten. Mittels künstlicher Intelligenz werden die hochsensiblen Biosensoren der kleinen Tiere unter anderem dazu genutzt, Vorhersagen über Unwetter, Trockenperioden oder andere Wetterextreme zu machen.

Ministerin Judith Gerlach (Mitte), Wolfgang Schwirz (r.) und ich links im Digitalministerium vor interessanter Tapete.

Die bayerische Staatsministerin für Digitales Judith Gerlach stellte sich in einem Online-Seminar den Fragen von Wolfgang Schwirz, Referatsleiter Landwirtschaft, Umweltschutz, Energie, Verbraucherschutz bei der HSS und mir. Es war eine hybride Veranstaltung. Die Teilnehmer des Seminars waren online über ein iPad zugeschaltet.

„Klimaschutz ist eine Generationenfrage“, so Judith Gerlach. Das Bienenprojekt sei ein kleines Projekt und stehe symbolhaft für Nachhaltigkeit. Wichtig sei das Generieren der KI-Daten durch die Bienen. Bei dem vom Digitalministerium unterstützten Projekt des Unternehmens we4bee in Kooperation mit der Julius-Maximilians-Universität Würzburg werden mit Hilfe eines Netzwerks digital überwachter Bienenstöcke Informationen über die Bedürfnisse der Bienen zum Schutz unserer Umwelt gesammelt. Da Bienen außerdem hochsensible „Biosensoren“ sind, können Datenauswertungen mittels Künstlicher Intelligenz sogar für Vorhersagen über Unwetter, Trockenperioden und andere Naturkatastrophen genutzt werden. „Die digitale Beobachtung der Bienen und KI-gestützte Auswertung der Daten liefern wertvolle Erkenntnisse über Umweltereignisse.

Insgesamt erfasst das Projekt inzwischen Daten aus mehr als 100 Bienenstöcken weltweit, darunter Standorte in Österreich, Liechtenstein, Luxemburg, Italien, Ungarn und Mexiko. Mithilfe von Big-Data-Analysen und Prognosemethoden für maschinelles Lernen werden die Daten ausgewertet. Ziel sei es, Erkenntnisse über die Bienen und ihre jeweiligen Lebensbedingungen zu gewinnen, so Judith Gerlach. Mit Hilfe gleichzeitig erhobener Wetterdaten sollen künftig auch Umweltereignisse wie beispielsweise Unwetter oder Trockenperioden prognostiziert werden können.

Das zeigt einmal mehr: Digitalisierung ist eine große Chance für den Klima- und Umweltschutz.“ Es sei eine schöne Verbindung zwischen dem Umweltgedanken und den Gedanken der Digitalisierung. „Ich versuche immer das Technikthema in die Diskussion mitreinzunehmen“, so die Ministerin, die Werbung für die HighTech-Agenda machte. Sie sieht die die Chance durch Innovation den Klimaschutz vorantreiben und dadurch Wertschöpfung für die Wirtschaft zu genieren. „Da ist sehr viel Potenzial, das wir noch nicht abschöpfen.“
„Im Digitalbereich machen wir uns oft nicht Gedanken über Nachhaltigkeit und Energieverbrauch“, so Schwirz. „Wir haben einen Ressourcenverbrauch“ bei seltenen Erden und einen hohen Energieverbrauch von Rechenzentren. „Aber wir dürfen es nicht nur einseitig sehen, sondern müssen schauen, wo wir Digitalisierung nutzen können, um einen Vorteil für Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu generieren“, so die Ministerin.

Die ganze Veranstaltung gibt es auch als VR 360 Video