Posts Tagged ‘Lebensmittel online’

Lebensmittel online – da ist Luft nach oben

15. März 2021

Es tut mir in der Seele weh. Deutschland ist in manchen Bereichen noch digitales Entwicklungsland. Zur digitalen Bildung brauch ich nichts mehr schreiben. Jetzt zeigt sich, dass aber auch das Thema Lebensmitteleinkauf durchaus ausbaubar ist.

In der Corona-Zeit haben viele mit eFood experimentiert, aber doch richtig in Schwung ist es nicht gekommen. 21 Prozent der Deutschen haben im vergangenen Jahr mindestens einmal Lebensmittel bestellt. Wie ein internationaler Vergleich aufzeigt, ist die Quote äußerst gering – in Großbritannien sind es sogar 45 Prozent. Wie aus einer Infografik von Block-Builders.de hervorgeht, ist das Branchenwachstum massiv, allerdings auch hart umkämpft.

Und es zeigt sich, dass auch fragwürdige Methoden eingesetzt werden. Die größte deutsche Plattform für Essensbestellungen Lieferando gerät wegen seiner Methoden zur Umsatzsteigerung in die Kritik. Wie BR-Recherche herausgefunden hat, betrieb der Konzern Just Eat Takeaway, zu dem Lieferando gehört, Zehntausende Webseiten, deren Internetadressen denen von Restaurants ähneln. So werden Bestellungen über sogenannte Schattenwebseiten von Lieferando abgewickelt und nicht – wie Kunden auf den ersten Blick vermuten könnten – direkt über die Restaurants. Auf diese Weise müssen die Restaurants eine Vermittlungsgebühr an den Konzern bezahlen. Lieferando selbst bezeichnet die Webseiten als Service für die Restaurants. Kunden, die eigentlich lokale Gastronomen durch Webbestellungen unterstützen wollten, fühlen sich getäuscht. Das wirft ein schlechtes Licht auf die Branche.

Gefühlt: Müllberge steigen im zweiten Lockdown
Mein Gefühl ist, dass im ersten Lockdown sich die Deutschen mit Lebensmitteln eingedeckt haben. Es kam zu Hamsterkäufen von Reis und Nudeln. Man hat zu Hause gekocht. Im zweiten Lockdown wollten viele von uns die örtliche Gastronomie unterstützen, von denen viele aufgrund falsche Preiskalkulation schwer getroffen waren. Man bestellte unter anderem online und die Konsequenz waren bei uns zu Hause große Müllberge an Verpackungsmaterial. Das ist nur mein Gefühl – feste Zahlen habe ich nicht.

Online-Lebensmittelmarkt wird boomen
Knapp die Hälfte der Bundesbürger hat bereits online Lebensmittel gekauft, oder kann sich dies in Zukunft vorstellen. Wie die Infografik aufzeigt, könnte sich der Anteil von E-Food am Gesamtumsatz mit Lebensmitteln bis 2030 mindestens verfünffachen. Aber wenn nicht in einer Pandemie, wann dann? Und sind die Produzenten in Deutschland auf diesem Trend überhaupt vorbereitet?

Dabei zeigt die Infografik, dass auch der Lebensmittelmarkt als solcher wächst. Wurden in Deutschland im Jahr 2018 etwa 180 Milliarden Euro umgesetzt, waren es im vergangenen Jahr bereits 200 Milliarden Euro. Prognosen zufolge soll der Umsatz in den nächsten 5 Jahren um weitere 20 Milliarden wachsen.
Die Investitionen in Lebensmittellieferdienste sind 2020 gegenüber dem Vorjahr um 32 Prozent angestiegen – doch der Markt ist umkämpft, und Branchenvertreter wie „Gorillas“ und „Flink“ halten sich was die Außendarstellung anbelangt noch bedeckt – aus Furcht, von Mitbewerbern kopiert zu werden.
Neben reinen Lebensmittel-Lieferdiensten befinden sich auch vergleichbare Unternehmen im Aufwind – ein Blick auf das Börsenparkett macht dies deutlich. So stiegen die Hello Fresh Aktien binnen des vergangenen Jahres um 191,3 Prozent. Bei den Delivery Hero Aktien schlägt der Zugewinn hingegen mit 51,9 Prozent zu Buche. Im selben Zeitraum erhöhte sich die Notierung des DAX lediglich um 7 Prozent.Der Lieferdienst Deliveroo nimmt einen der größten Londoner Börsengänge seit drei Jahren in Angriff. Im Raum steht eine Bewertung von bis zu 7 Mrd Dollar. Noch in der ersten Jahreshälfte will Deliveroo seinen Börsengang mit zwei Aktiengattungen starten.

Zauberwort eFood – die nächste Online-Welle kommt

23. November 2016

Der Einkauf im Internet gehört für viele Deutschen zur Normalität. Im anstehenden Weihnachtsgeschäft werden die Deutschen dieses Jahr insgesamt erstmals mehr als 75 Milliarden Euro ausgeben (75,6 Mrd.) – 2,0 Prozent mehr als im Vorjahr (74,1 Mrd. Euro). Der E-Commerce-Anteil – der Teil der Einkäufe, die online über Computer und mobile Endgeräte getätigt werden – steigt dabei von 18,9 Prozent (2015) der Gesamteinnahmen auf 21,0 Prozent in diesem Jahr an. Im deutschen Weihnachtsgeschäft wird demnach mehr als jeder fünfte Euro online ausgegeben. Die nächste große Welle ist bereits am Horizont auszumachen: eFood – der Verkauf von Lebensmitteln über das Internet. Zum Thema eFood fand einen ganzen Tag ein Verbraucherseminar im Konferenzzentrum München der Hanns Seidel Stiftung statt. Dort stellte ich die aktuellen Zahlen und Entwicklungen vor.

Zauberwort eFood - so lautete ein Seminar von mir.

Zauberwort eFood – so lautete ein Seminar von mir.

Wenig Geld für Lebensmittel
Es erschreckt mich, wie wenig die Deutschen für Lebensmittel ausgeben. Durchschnittlich 300 Euro im Monat gab ein privater Haushalt in Deutschland im Jahr 2013 für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren aus. Wie das Statistische Bundesamt weiter mitteilt, entfiel der größte Teil dieser Ausgaben mit 225 Euro (75 %) auf Nahrungsmittel. Die Ausgaben für alkoholfreie Getränke lagen mit 32 Euro (11 %) leicht über den Ausgaben für alkoholische Getränke mit 26 Euro (9 %). Für Tabakwaren wurden durchschnittlich 17 Euro (6 %) im Monat ausgegeben.
Die Ausgaben für Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren stiegen mit der Anzahl der Personen im Haushalt, allerdings nicht proportional. Während Alleinlebende im Schnitt 174 Euro für diesen Bereich ausgaben, hatten 2-Personen-Haushalte mit 338 Euro im Monat (169 Euro pro Person) nur knapp doppelt so hohe Ausgaben. 3-Personen- und 4-Personen-Haushalte verwendeten durchschnittlich 412 Euro (137 Euro pro Person) beziehungsweise 478 Euro (120 Euro pro Person) im Monat für diesen Bereich. Haushalte mit 5 und mehr Personen kauften für durchschnittlich 557 Euro im Monat Nahrungsmittel, Getränke und Tabakwaren.
Bei den Nahrungsmittelausgaben entfiel der größte Anteil mit durchschnittlich 22 % (50 Euro im Monat) auf Fleisch und Fleischwaren. 18 % (41 Euro im Monat) der Ausgaben für Nahrungsmittel machten Brot und Getreideerzeugnisse aus. Knapp 17 % (37 Euro im Monat) betrug der Anteil für Molkereiprodukte und Eier.

Aufmerksame Zuhörer

Aufmerksame Zuhörer

Die nächste Welle
Weltweit interessieren sich immer mehr Verbraucher für den Online- Kauf von Lebensmitteln. Das Interesse der Verbraucher am Lebensmitteleinkauf im Internet ist seit 2010 weltweit um fast die Hälfte (44 Prozent) gestiegen, ergab eine Nielsen-Studie von 2012. Überraschend: In Deutschland, wo das Online-Shopping von Elektroartikeln, Büchern und Mode sehr verbreitet ist, besteht bisher wenig Bereitschaft zum Lebensmittelkauf im Internet. Bis jetzt. Ich sage massive Umsatzsteigerungen voraus. Der Anteil des Segments „Lebensmittel und Drogerieartikel“ am gesamten Online-Umsatz des Handels werde sich bis 2025 von acht auf 16 Prozent verdoppeln, zitierte ich eine Studie mit dem Titel „E-Commerce – Wachstum ohne Grenzen?“,
Rund 28 Prozent aller Online-Shopper haben demnach bereits Lebensmittel oder Getränke im Internet gekauft. 43 Prozent von ihnen haben dabei Online-Shops von Supermärkten, die auch stationären Handel betreiben, gewählt, zum Beispiel rewe.de oder bringmeister.de. 38 Prozent von ihnen haben bei reinen Online-Lebensmittelhändlern mit umfassendem Sortiment wie mytime.de oder emmas-enkel.de geordert. Weitere 18 Prozent der Online-Lebensmittel-Käufer haben bei einem Online-Händler für spezielle Warengruppen wie Wein oder Süßigkeiten eingekauft. Und 15 Prozent haben bei einem klassischen Online-Versandhandel oder einer Auktionsplattform (Amazon oder Ebay) bestellt.
Der Anteil der Online-Shopper, die auch Lebensmittel oder Getränke im Netz bestellen, ist von 10 Prozent im Jahr 2012 auf derzeit rund 28 Prozent gestiegen. Bei den 30- bis 49-Jährigen beträgt der Anteil sogar schon 33 Prozent. 87 Prozent der Online-Shopper von Lebensmitteln haben haltbare Lebensmittel wie zum Beispiel Nudeln oder Mehl gekauft, immerhin 31 Prozent frische Lebensmittel wie Obst und Gemüse. 18 Prozent derjenigen, die schon einmal Lebensmittel online gekauft haben, tun das regelmäßig, 39 Prozent manchmal, 33 Prozent selten und 9 Prozent haben dies bisher erst einmal getan.

Ablehnende Gründe
Wer noch keine Lebensmittel online gekauft hat, gibt dafür unterschiedliche Gründe an: 60 Prozent sagen, dass sie nicht auf eine Lieferung warten wollen. 59 Prozent haben Zweifel an der Frische der Lebensmittel. Die Versandkosten sind für zirka 32 Prozent ein Hinderungsgrund, lediglich 7 Prozent haben Datenschutzbedenken.

Die Online-Wende kommt
Derzeit kaufen Verbraucher mit 26 Prozent mehrheitlich abgepackte Lebensmittel wie Tiefkühlgerichte, Mehl oder Müsli im Internet. Erst 5 Prozent der Nutzer bestellen online auch frische Waren wie Milch, Eier oder Obst. Angeboten wird die Online-Bestellung von Lebensmitteln sowohl von klassischen Supermärkten als auch von spezialisierten Webshops. Neben gängigen Produkten finden Verbraucher im Internet zum Beispiel auch Delikatessen, die im stationären Handel eher schwer zu bekommen sind. Die Lieferung frischer Waren ist bislang vor allem in Ballungsräumen verbreitet.

Bestellung von Lebensmitteln live im Seminar
Und genau das wollte ich im Seminar ausprobieren. Online bestellte ich bei dem Amazon Lieferdienst Amazon Prime Now eine Reihe von Lebensmitteln für die Seminarteilnehmer, darunter Äpfel, Sushi, Landjäger. Bestellt wurde mit der entsprechenden Amazon Prime Now App via Smartphone. Live konnten die Seminarteilnehmer die Bestellung verfolge. Innerhalb von zwei Stunden verspricht Amazon die Lieferung. Nach bereits einer Stunde war es dann soweit. Per SMS kündigte sich der Versand per Fahrradkurier an. Die Route des Radlers zur Hanns Seidel Stiftung konnten die Teilnehmer per GPS verfolgen.

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Das Eintreffen des Fahrradkuriers wurde mit Applaus begrüßt. Amazon Fresh hat einwandfrei funktioniert. Die Qualität der Waren war ausgezeichnet. In München kooperiert Amazon Prime Now zudem mit der Bäckerei Rischart für frische Backwaren.

Praktiker kamen zu Wort
Am Nachmittag gab es zwei Impulsreferate. Metzgermeister Claus Böbel aus dem fränkischen Rittersbach betreibt eine der erfolgreichen deutschen Online-Metzgereien umdiewurst.de Seine Kunden bestellen aus der ganzen Republik und darüber hinaus. Böbel berichtete vom Aufbau seines Shops und dem umfangreichen Sortiment. Dieses bewirbt er online über seine Website und auch über einen eigens gedruckten Wurstkatalog. Er hat durch zahlreiche Seminare und Wurstevents sein Unternehmen zu einer starken Marke im Internet ausgebaut und macht einen beachtlichen Teil seines Unternehmensumsatz mit dem Versand von frischen, hochwertigen Wurst- und Fleischwaren.

Claus Böbel bei seinem Vortrag.

Claus Böbel bei seinem Vortrag.

Direktvermarkterin Erika Sauer aus Moosbach in der Oberpfalz betreibt die Zucht von Rotem Höhenvieh. Diese Rasse ist in der Oberpfalz angesiedelt. Erika Sauer, die ihre Tiere nicht über das Internet vermarktet, diskutierte die Chancen für Mutterkuhbetriebe. Sie forderte von der Politik mehr Unterstützung für kleine heimische Betriebe, unter anderem Hilfe beim Aufbau einer Bestell- und Vertriebsplattform im Internet. Erika Sauer ist auch Vorsitzende des Fleischrinderverband Bayern e.V. und sie warb für Rindfleisch aus bäuerlicher Produktion. Während des Zentralen Landwirtschaftsfestes konnten sich die Besucher einen Eindruck von den Tieren machen.

Erika Sauer (l) und Claus Böbel (r) mit mir.

Erika Sauer (l) und Claus Böbel (r) mit mir.