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50 Jahre Woodstock – mein Experiment

20. August 2019

Drei Tage Love, Peace und Happyness sind vorüber. Vor 50 Jahren endete Woodstock und der Mythos begann. Ich überlegte mir, wie ich dieses Festival in meinem Blog berücksichtigen könnte. Über die musikalische und gesellschaftliche Bedeutung haben viele andere bereits geschrieben, das braucht es weiteren Input von mir eher weniger.
Also entschloss ich mich zu einem Experiment. Ich wollte Woodstock nachleben. Zunächst dachte ich ans Zelten im Garten, doch bei dem Regen verließ mich der Mut. Die Hippies von damals waren standhafter als ich. Nun, so zog ich mich in mein Arbeitszimmer zurück und spielte ein kulturelles Woodstock nach. Drogen gab es nicht bis auf eine schöne Flasche Ardbeg Whisky. Und so machte ich es mir bequem und verbrachte drei Tage mit Musik und Lesen.

Der Woodstock-Film
Das erste Mal sah ich den Woodstock-Film in den Achtziger Jahren im Cinema-Kino in München. Ich hatte von den Musikfilm gehört und bin mit Schulfreunden in eine Vorstellung gegangen. Interessant war das sehr alternative Publikum um uns herum. Barfuß, langes Haar, Batikklamotte und Jutetasche – jedes Klischee wurde erfüllt. Ich saß brav da mit meinem Pullunder und Jeans und schaute interessiert den Film. Rückblickend war es wohl einer meiner ersten Konzertfilmen im Kino. Der Klang war prima und es war ziemlich laut. Ich denke, der Filmvorführer drehte voll auf. Das erlebte ich später an gleicher Stelle wieder bei dem Led Zeppelin Konzertfilmen „The Song remains the same“.

Woodstock als Film Woodstock als Film

Jahre später kaufte ich mir dann die DVD-Fassung des Woodstock-Films als Directors Cut von einer Krabbelkiste. Dann gab es immer neue obskures Zeug auf Video: Tagebücher, Mitschnitte, Langfassungen – ein paar Sachen hab ich noch im Archiv liegen. Dieser Tage lief viel Woodstock im Fernsehen. Jeder Sender hatte was beizutragen zum Fest der 400000.

Foto an der Wand
Das Filmplakat hing eine zeitlang an der Tür meines Jugendzimmers – unter dem Plakat des Tope Hooper-Films The Texas Chain Saw Massacre. Schöner Gegensatz, wenn ich heute so zurückdenke.
Auf einer Filmsammlerbörse kaufte ich mir ein paar Aushangfotos zum Film. Den ganzen Satz konnte ich mir als Schüler nicht leisten. Sie waren aus dicken Karton und machten was her. Ich habe aus dem Archiv ein Foto herausgesucht, was wohl eines der berühmtesten ist. Ein Paar steht eng ineinanderverschlungen in Decken auf einem Hügel, umringt von Zuschauern auf dem Boden. Links kommt ein Schmetterlingsdrachen ins Bild. Mir hat das Bild immer sehr gut gefallen. Auf dem Aushangfoto steht zu lesen: „woodstock 3 tage des friedens, der musik … und der liebe“. Das Bild wurde übrigens auch als Plattencover verwendet – wahrscheinlich hab ich es damals deswegen gekauft.

Die Musik von Woodstock
Wichtig ist bei Woodstock natürlich die Musik. Meine Vorlieben haben sich im Laufe der Jahre immer wieder verändert. Mit Melanie konnte sich sogar mal über ihren Auftritt sprechen als sie in Deutschland auf Tour war. Auch mit Avin Lee durfte ich ein Interview machen und sein Ausspruch „Going Home by Helicopter“ ist in meinen Sprachgebrauch übergegangen.

Meine Woodstock-Musik Meine Woodstock-Musik

Als Jugendlicher hatte ich mir die 3fach LP vom Festival gekauft und eine Zeitlang auf meinen Plattenspieler gehört. Dann wurde mir bewusst, dass es eine Fortsetzung als Doppel-LP gab, die ich freilich auch noch kaufte.
Im digitalen Zeitalter erwarb ich mir zum 40. Jubiläum die Box Woodstock-40 Years on: Back to Yasgur’S Farm. Die sechs CDs enthielten eigentlich alles, was ich vom Festival hören wollte – allerdings durften aus rechtlichen Gründen die Aufnahmen von Ten Years After, The Band und Keef Hartley Band nicht verwendet werden. Hauptgrund des Kaufes war damals, dass es nun die Auftritte von u.a. Grateful Dead, Creedence Clearwater Revival und Blood Sweat And Tears zu hören gab, wobei ich von meinen Dead komplett enttäuscht bin. Sie selbst haben später zugegeben, dass sie nicht bei der Sache gewesen waren.
Ich habe mir die Box jetzt drei Tage durchgehört und viele alte Bekannte im Ohr gehabt. Richtig cool waren Sly & The Family Stone und The Who, die die Hippies von damals aufgeschreckt haben. Soul, Funk und vor allem britischer Arbeiterrock passten nicht unbedingt zu den Hippies, aber machten dennoch gehörig Stimmung.
Im Archiv hatte ich noch die Einzelaufnahmen von Künstlern, die Jahre später ihr komplettes Set veröffentlichten. CCR, Janis Joplin (schwer betrunken), Jimi Hendrix, Jefferson Airplane (Volonteers mochte ich immer gerne), Johnny Winter, natürlich meine Rüpel von The Who und ganz besonders wieder Sly & The Family Stone. Warum dauerte es so lange, dass erst zum 40. Geburtstag des Festivals viele Künstler ihre Auftritte veröffentlichten? Ich hätte die Sachen gerne viel, viel früher gehört.
Die Aufnahmen von Joan Baez, Tim Harding und auch von Melanie habe ich mir nicht mehr gekauft.
Beim Durchhören der drei Tage habe ich gemerkt, dass der musikalische Zauber von Woodstock mich nicht mehr so stark infiziert hat. Die Sammlung Woodstock-Back to the Gardenmit zehn CDs werde ich mir nicht mehr antun. Sie sieht schön gemacht aus, aber der Mythos ist zu sehr gemolken worden. Ich lege mir nur noch irgendwann die Komplettaufnahme von The Band zu, die 2019 auf dem Markt kam. Als Dylan-Fan und Anhänger von The Band musste ich 50 Jahre warten, bis die Aufnahmen im April 2019 veröffentlicht wurden.
Die Woodstock-Organisatoren wollten einst Dylan auf ihre Bühne holen, doch HisBobness verweigerte sich, obwohl er in der Nachbarschaft wohnte. Er spielte zwei Wochen später in Großbritannien auf dem Isle of Wight Festival und mehrte seinen Ruhm. Dylan in Woodstock gab es erst 1994 und der Auftritt war laut Bootlegs richtig gut.

Literatur über Woodstock
Weil ich ja drei Tage Zeit hatte, hab ich allerhand über das Festival gelesen. Das Netz war ja voll mit den Geschichten. Ich selbst habe im Archiv gekramt und eine Life-Ausgabe von 1989 entdeckt, die ich schon vergessen hatte. Ein Schulfreund hatte sie mir damals aus den USA zum 20. Geburtstag von Woodstock mitgebracht. Die Berichterstattung war damals die gleiche wie heute. Die Reporter haben sich historische Fotos angeschaut und die Geschichten geschrieben, was aus den Typen heute geworden ist. Mein Woodstock-Paar hieß übrigens Nick und Bobbi Ercoline.
Sehr schön geschrieben war das Buch des Woodstock-Veranstalters Michael Lang mit dem Titel Woodstock: Die wahre Geschichte. Vom Macher des legendären Festivals.. Es ist keine große Literatur, gibt aber Einblicke in den Verlauf des chaotischen Festivals. Die Macher hatten das Glück, dass die Finanzen des Festivals durch Film, Schallplatte und Merch gerettet wurde. Aus dem Desaster wurde ein gutes Geschäft – Kapitalismus pur und der Grundstein für eine Legende gelegt. Michael Lang berichtet, was und wie es damals passierte, vielleicht ein wenig mit Hippie-Romantik, aber durchaus lesenswert. Die Geschichte aus erster Hand schreibt Michael Lang mit viel Humor.

Viel Literatur zu Woodstock Viel Literatur zu Woodstock

Das zweite Buch, was ich in den drei Tagen gelesen habe, war Woodstock: Chronik eines legendären Festivals. Dabei handelt es sich um einen Bildband mit einigen unveröffentlichten Fotos. Hinter und vor der Kulissen werden Fotos veröffentlicht und kleine Geschichten erzählt. Mir gefällt das Storytelling und die Chronologie des Ereignisses Woodstock. Das Buch erschien in den USA zum 40. Jubiläum von Woodstock, in Deutschland zum 50. Geburtstag.

Fazit: Der Geist von Woodstock fasziniert mich weiterhin, hat aber an Kraft verloren. Viele der Musiker von damals sind verstorben und die Mythen leben weiter. Wie hieß es doch so schön im Filmklassiker von John Ford „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“: “When the legend becomes fact, print the legend!” (Wenn die Legende zur Wahrheit wird, druck die Legende!) – in der deutschen Synchro hieß es: „Unsere Legenden wollen wir bewahren. Sie sind für uns wahr geworden.“

Ein Bob Dylan-Album, das die Fans nicht brauchen

9. Februar 2014

Gehen dem Meister die Ideen aus? Gerade lese ich als Dylan-Fan, dass his Bobness Ende Februar 2014 sein Album The 30th Anniversary Concert Celebration wieder auf den Markt bringen will. Dazu erscheint eine Doppel-DVD und eine Blu ray? Aber warum nur? Es wird wohl die erste Dylan-CD sein, die ich nicht kaufen werde.

Brauch ich (leider) beides nicht - Dylan was soll das?

Brauch ich (leider) beides nicht – Dylan was soll das?

Wir erinnern uns – am 16. Oktober 1992 feierte Bob Dylan seinen 30jährigen Plattenvertrag mit Columbia einem fetten Konzert in New York vor rund 18000 Fans. Ich war via Fernsehen live dabei. Zahlreiche Gratulanten trugen Dylan-Songs zu diesem Abend bei: Johnny Cash zusammen mit June Carter Cash, Lou Reed, The Clancy Brothers, Richie Havens, Johnny Winter, Roger McGuinn, Tom Petty & the Heartbreakers, Stevie Wonder, Willie Nelson, Kris Kristofferson, Neil Young, Eric Clapton, Ron Wood, Chrissie Hynde, The O’Jays, Eddie Vedder und eine überschätzte Sinéad O’Connor, Tracy Chapman und auch George Harrison. Der Beatle war nach 18 Jahren zum ersten Mal wieder auf einer US-Bühne zu sehen. Am Schluss kam der sichtlich angeschlagene Bob Dylan auf die Bühne und sang ein paar Lieder und stimmte ein beim großen Finale. Es war ein wirklich großartiges Konzert.

Musikalisch waren einige geniale Highlights dabei: Genannt seien nur die Auftritte von Neil Young, Eric Slowhand Clapton und Lou Reed. Ein paar Monate später veröffentlichte Comubia das Konzert auf Doppel-CD und Video. Leider war der wichtigste Song  des Abends nicht dabei: Song to Woody wurde laut Columbia nicht nicht aufgenommen. Von technischen Problemen war die Rede. Wahrscheinlich ist der Tontechniker von damals noch immer auf Jobsuche.

Jetzt kommt die Neuauflage des Konzerts. Gut, es liegt einiges neues Bildmaterial von den Proben vor. Allerdings wer bei YouTube dannach suchte, der hatte die Proben schon lange in seinen Besitz. Und als aktiver Dylan-Fan hatte man die entsprechenden Bootlegs der Veranstaltung – übrigens mit einem optimalen Song to Woody. Versteh es, wer es will.

Das im August 1993 veröffentlichte Album 30th Anniversary Concert Celebration 1993 unterscheidet sich kaum von dem neuen 30th Anniversary Concert Celebration 2014– außer im Preis, der doppelt so hoch ist. Das alte Album ist weiterhin im Handel erhältlich. So richtig neu sind eigentlich nur die Proben von  Sinéad O’Connor – I Believe In You (from sound check – previously unreleased) und von Eric Clapton – Don’t Think Twice, It’s Alright (from sound check – previously unreleased) und der War-Auftritt von Sinéad O’Connor. Das Zeug war allerdings schon auf zahlreichen Bootlegs zu hören.

Ich sage es nur ungerne. Aber diese Veröffentlichung von Bob Dylan werde ich mir nicht kaufen. Nochmals: Ein geniales Konzert und wer es nicht kennt, sollte zuschlagen. Der wahre Fan hat es bereits und bekommt sogar noch weniger als 1993.

Zum Vergleich die beiden Alben:

Die alte Version des Konzerts.

Die alte Version des Konzerts.

Die Version 30th Anniversary Concert Celebration 1993:

Like A Rolling Stone – John Mellencamp

Leopard-Skin Pill-Box Hat – John Mellencamp

Introduction By Kris Kristofferson – Kris Kristofferson

Blowin‘ In The Wind – Stevie Wonder

Foot Of Pride – Lou Reed

Masters Of War – Mike McCready;Eddie Vedder

The Times They Are A-Changin‘ – Tracy Chapman

It Ain’t Me, Babe – June Carter Cash;Johnny Cash

What Was It You Wanted – Willie Nelson

I’ll Be Your Baby Tonight – Kris Kristofferson

Highway 61 Revisited – Johnny Winter

Seven Days – Ron Wood

Just Like A Woman – Richie Havens

When The Ship Comes In – The Clancy Brothers;Tommy Makem;Robbie O’Connell

You Ain’t Goin‘ Nowhere – Shawn Colvin;Mary-Chapin Carpenter;Rosanne Cash

Just Like Tom Thumb’s Blues – Neil Young

All Along The Watchtower – Neil Young

I Shall Be Released – Chrissie Hynde

Don’t Think Twice, It’s All Right – Eric Clapton

Emotionally Yours – The O’Jays

When I Paint My Masterpiece – The Band

Absolutely Sweet Marie – George Harrison

License To Kill – Tom Petty

Rainy Day Women #12 & 35 – Tom Petty

10. Mr. Tambourine Man – Roger McGuinn

It’s Alright, Ma (I’m Only Bleeding) – Bob Dylan

My Back Pages – Bob Dylan;Roger McGuinn;Tom Petty;Neil Young;Eric Clapton;George Harrison

Knockin‘ On Heaven’s Door – Everyone

Girl from the North Country – Bob Dylan

Dylan2

Das neue Album 30th Anniversary Concert Celebration 2014 aus dem Jahre 2014 umfasst

Like A Rolling Stone – John Mellencamp

Blowin‘ In The Wind – Stevie Wonder

Foot Of Pride – Lou Reed

Masters Of War – Eddie Vedder/Mike McCready

The Times They Are A-Changin‘ – Tracy Chapman

It Ain’t Me Babe – June Carter Cash/Johnny Cash

What Was It You Wanted – Willie Nelson

I’ll Be Your Baby Tonight – Kris Kristofferson

Highway 61 Revisited – Johnny Winter

Seven Days – Ron Wood

Just Like A Woman – Richie Havens

When The Ship Comes in – The Clancy Brothers and Robbie O’Connell with special guest Tommy Makem

War – Sinead O’Connor

Just Like Tom Thumb’s Blues – Neil Young

All Along The Watchtower – Neil Young

I Shall Be Released – Chrissie Hynde

Love Minus Zero, No Limit – Eric Clapton (Track Only Available on DVD/Blu-Ray Format)

Don’t Think Twice, It’s Alright – Eric Clapton

Emotionally Yours – The O’Jays

When I Paint My Masterpiece – The Band

You Ain’t Goin‘ Nowhere – Mary Chapin Carpenter/Rosanne Cash/Shawn Colvin

Absolutely Sweet Marie – George Harrison

License To Kill – Tom Petty & The Heartbreakers

Rainy Day Women #12 & 35 – Tom Petty & The Heartbreakers

Mr Tambourine Man – Roger McGuinn

It’s Alright, Ma – Bob Dylan

My Back Pages – Bob Dylan/Roger McGuinn/Tom Petty/Neil Young/Eric Clapton/George Harrison

Knockin‘ On Heaven’s Door – Everyone

Girl Of The North Country – Bob Dylan

CD Audio bonus tracks:

Sinéad O’Connor – I Believe In You (from sound check – previously unreleased)

Eric Clapton – Don’t Think Twice, It’s Alright (from sound check – previously unreleased)

Dylan3

Neben 20 Minuten Proben gibt es auf der Blu ray 30th Anniversary Concert Celebration folgende Bonus Tracks:

Leopard-Skin Pill-box Hat – John Mellencamp

Boots Of Spanish Leather – Nancy Griffith with Carolyn Hester

Gotta Serve Somebody – Booker T. & The M.G.’s

Love Minus Zero, No Limit – Eric Clapton (Track Only Available on DVD/Blu-Ray Format)