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Filmtipp: Schloss des Schreckens

24. April 2012

Wer Lust auf einen gepflegten Schauerfilm hat, dem empfehle ich die digital überarbeitete Blu ray von Schloss des Schreckens. Der Film steht in der von mir verehrten Tradition der Spukhäuser und bietet 100 Minuten spannende Gruselunterhaltung. Der Film von Jack Clayton entstand 1961 und ist für mich einer der besten Filme der wandlungsfähigen Deborah Kerr. Die britische Schauspielerin spielt hier einfach wunderbar.

Wer Symbole liebt, der wird in diesem Film fündig. Eine Andeutung hier, ein Hinweis da. Das ist kein Wunder, denn kein geringerer als Truman Capote schrieb das Drehbuch. Er schrieb die Unsicherheit in den Film hinein, ob die Hauptdarstellerin nun besessen ist oder die zu beaufsichtigenden Zöglinge. Der Film bekam wegen seiner sexuellen Andeutungen seinerzeit ein strenges Jugendverbot.

Musik und Kostüme spielen in diesem Schwarzweißfilm tragende Rollen. Die Kostüme verändern sich, das Grauen kündigt sich mit der Melodie „“O Willow Waly“ von George Auric an. Das Szenenbild mit wehenden Vorhängen und flackernden Kerzen sind atmosphärisch dicht, vor allem in der technisch sehr aufwändig restaurierten Fassung. Hier kommt der subtile Horror glasklar zur Geltung. Das Märchenschloss wandet sich zum Spukhaus, die Psyche der Personen verändern sich. Wahnsinn greift um sich und es ist alles wunderbar inszeniert. Hier passt alles: Die Szene im Schilf, die geisterhaften Gestalten am Fenster, die aufgerissen Augen und dann das Finale umringt von Soldatenstatuen. Und hier bricht auch dann der ganze Horror herein. Der Kreis schließt sich: Die erste Einstellung des Films Schloss des Schreckens wird am Ende wieder aufgenommen und erklärt alles – und sie trifft bis ins Mark. Mich hat der Film nicht losgelassen.

Sehr nett ist die Zugabe des Hörspiels „die Unschuldsengel“ auf der Blu ray. Hier wäre mir zwar eine klassische CD lieber gewesen, scheiterte aber wohl aus Kostengründen, denn der Film Schloss des Schreckens wird nur Liebhaber erreichen. Da hilft es auch nichts, dem Cover einen modernen Anstrich zu geben. Gott sei Dank ist es ein Wendecover mit den historischen Coverentwürfen und ohne FSK-Button.

Filmtipp: Tanz der Totenköpfe (1973)

16. April 2012

Die deutsche Titelübersetzung von „The Legend of Hell House“ ist grausam, absolut daneben, doch der Film aus dem Jahre 1973 lässt den Zuschauer auch heute noch einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Es ist ein wunderbarer Spukhausfilm, ein Genre im Horrorfilmbereich, das alle paar Jahre seine Höhepunkte feiert. Ich habe den Film „Tanz der Totenköpfe“ neulich auf Blu ray wieder für mich entdeckt und möchte ihn ausdrücklich den Freunden von Geisterhäusern empfehlen.

Natürlich stehen Klassiker wie „Bis das Blut gefriert“ ganz oben auf der Beliebtheitsskala, dennoch hat der Farbfilm eine schöne Atmosphäre. Quietschende Türen, wehende Vorhänge, lange Schatten – alles was wir Spukfreunde im Geisterhaus so wollen. Der Film von John Hough mit Pamela Franklin, Roddy McDowall, Clive Revill, Gayle Hunnicutt, Roland Culver und Peter Bowles ist ein Zwitter zwischen dem traditionellem Gothic Horror und den Anfängen des Terror Films. Vor allem die beiden Darsteller Pamela Franklin und Roddy McDowall tragen den Film, die anderen Herrschaften sind mir zu theatralisch und affektiert. Die leichten Gore-Effekte von Tom Howard und Roy Whybrow sind vorhanden, es fließt ein wenig Blut, aber deswegen schaut man sich Spukfilme nicht an. Die FSK liegt wohl wegen des Blutes bei 16 Jahren. Der eingeschlagene Kopf einer Katze wirkt schließlich auch heute noch, während der Angriff der Katze besser vergessen gehört. Alles was zählt, ist eine umheimliche Geschichte und die Atmosphäre eines wunderbaren Geisterhauses. Und hier kann der „Tanz der Totenköpfe“ absolut punkten. Die literarische Vorlage schrieb Altmeister Richard Matheson, der u.a. mit der „Unglaublichen Geschichte des Mister C“ oder „Ich bin Legende“ zu Ruhm kam. Er ist ein Experte in Sachen Übersinnlichem, obwohl die Geschichte gegen Ende etwas hanebüchen wird. Matheson hat auch gleich das Drehbuch verfasst und konnte seine Geschichte wunderbar umsetzen. Allerdings musste er die Extremszenen des Buches im Filmdrehbuch weglassen, schließlich war es dann doch erst das Jahr 1973. Gedreht wurde übrigens in Blenheim Palace (unbedingt mal hinfahren), Woodstock und Oxfordshire – alles in England.

Im Netz lese ich von zahlreichen enttäuschten Kritiken. Da haben wohl einige jüngere Filmfreunde  „Tanz der Totenköpfe“ mit „Tanz der Teufel“ verwechselt, dessen Stärken eindeutig nicht im Gruselbereich liegen. Sie hätten die Chance, sich einen Spukhaus-Klassiker anzusehen, halten es aber wohl nicht durch. Die Fähigkeit, sich auf eine Geschichte einzulassen und die Gruselgeschichte sich entwickeln zu lassen, gehört wohl nicht unbedingt zu den Eigenschaften von modernen Filmzuschauern.

Für mich steht fest: Durch den Film zieht sich die wunderbare Kameraarbeit von Alan Hume. Nahaufnahmen mit Weitwinkel, verspielte Details und dann Gegenschnitt in Totalen  sind wohl seine Spezialität und durch den Einsatz von Farbmaterial entsteht eines schönes Szenenbild – zeitweise erinnerte es mich sogar an „Wenn die Gondeln Trauer tragen“. Der Film  „Tanz der Totenköpfe“ liegt jetzt in einer Remastered Version von Koch Media vor, die deutlich an Schärfe gegenüber meiner DVD aus dem Jahre 2002 gewinnt. Also ansehen und gruseln.

ZDF-Vorspann „Der phantastische Film“

14. November 2008

Als Jugendlicher entwickelte sich meine Liebe zu klassischen Science-Fiction- und Horror-Filmen. Es bedurfte langen Diskussionen mit meinen Eltern, dass ich mir entsprechende Filme im familieneigenen Grundig-Fernseher ansehen durfte. Mein Vater nannte diese Art von Filmen immer „Spökel-Filme“ und lehnte sie grundsätzlich ab. Na ja, aber ich setzte mich durch und durfte mir am Freitag Abend im ZDF die Reihe „Der phantastische Film“ ansehen. Meine Eltern gingen nach dem Aktuellen Sportstudio ins Bett und ich hatte zu vorgerückter Stunde den Fernseher für mich. Mit Chips und Mineralwasser bewaffnet machte ich es mir in den Wohnzimmersesseln bequem. Eine Decke hatte ich immer am Mann. Zum einen wegen der nächtlichen Kälte, zum anderen als Notbehelf für den Kopf, wenn der Film doch grusliger war als gedacht. Im nachhinein waren die Filme doch recht harmlos, aber allesamt große Klassiker: „King Kong“, die Dracula-Reihe mit Christopher Lee (letzter Teil war der unsägliche „die Herren Dracula“). Eindruck machte auf mich „Ich folgte einem Zombie“, „Fluch der Mumie“ oder „Rosemaries Baby“. Richtig Angst hatte ich aber vor allem bei dem ZDF-Teaser „Der phantastische Film“. Wenn ich diesen Vorspann überstanden hatte, dann war der anschließende Film gar nicht mehr so schlimm. Das war wirklicher Horror: Da verwandelte sich ein Mann in einen Werwolf, ein Kopf brannte, Hörner wuchsen, Fledermäuse flogen und ein Kopf explodierte – alles in Zeichentrickmanier. Dazu eine moderne Schauermusik von Heinz Edelmann, wirklich zum Gruseln. Bevor der Film losging, hatten noch die adretten ZDF-Ansagerinnen ihren Auftritt. Damals gab es noch Ansagerinnen. Sie hatten Vampirzähne im Mund oder waren maskiert. Was waren das für Zeiten?