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Gedanken zur Trauerfeier von Robert Enke

16. November 2009

 

Bild.de und Robert Enke

Keine Frage: Der Selbstmord des Nationaltorhüters Robert Enke ist tragisch. Depression ist eine Krankheit, die behandelt werden muss. Vielleicht ändert sich durch den Freitod des Fußballers der Umgang mit Krankheiten in unserer Gesellschaft. Viele Menschen verzweifeln aufgrund ihrer Depressionen oder stürzen ihre Familien ins Unglück. Wenn sich durch den Tod von Enke und die öffentliche Diskussion darüber darin etwas ändert, ist das gut.

Die Familie Enke hatte ihre Probleme und sie hat sie für sich behalten. Das war ihre Entscheidung und muss respektiert werden. Großen Respekt für Frau Enke, die das Klischee der doofen Spielerfrau grundlegend revidierte. Teresa Enke ist eine starke Ehefrau und Partnerin, chapeau.

Was auch klar wurde: Der Tod des Nationaltortüters ist Medienereignis erster Güte. Dennoch: Für mich haben die Medien die Verhältnismäßigkeit in ihrer Berichterstattung am Volkstrauertag verloren. Bei allem Respekt: Er war ein Torhüter, ein Sportler, sicherlich ein großartiger Mensch. Zwar waren die Kollegen anders als bei Michael Jackson zurückhaltender in ihrer Berichterstattung. Doch aus der Trauerfeier im Stadion von Hannover 96 ein mediales Massenereignis zu machen, halte ich falsch. Die Pressekonferenz und die Trauerfeier in der Marktkirche zu Hannover hätten gereicht.

Musste diese Trauerfeier aus dem Stadion wirklich sein?

Die ARD und ntv übertrugen die Trauerfeier live aus dem Stadion. 40.000 waren in Hannover dabei. Die Zeremonie war würdig, Reinhold Beckmann moderierte zurückhaltend. Bild.de ging einen Schritt weiter, nutze alle Möglichkeiten von Web 2.0: Es wurde die ganze Woche über den Tod von Enke berichtet. Am Sonntag kam dann ein Live-Stream aus Hannover auf die Website. Hinzu wurde „You´ll never walk alone“ als Audiofile eingespielt. Bei Facebook konnten die Fans bei Bild kondolieren, wobei einige Trottel wieder die Würde mit ihren Bemerkungen störten.

Der Tod als Medienereignis und alle machen mit, auch Volltrottel. Der FacebookFeed riss nicht ab. Viele Menschen wollten ihre Gefühle mitteilen. Und das Mitgefühl ist unglaublich. Es ist eine eindrucksvolle Anteilnahme.

Fest steht: Fußball ist nicht alles. Wir müssen unsere Wertvorstellung von Leistung und Erfolg ändern, dann gehen nicht so viele Menschen daran kaputt. Die Welt ist nicht im Lot. Erfolg ist nicht das Wichtigste im Leben. Wer schwach ist, muss Angst vor der Öffentlichkeit haben. Wer seine Angst zeigt, der ist nicht schwach: Der ist stark.