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Im Comic: Diagnose: Brustkrebs!

3. Juli 2013

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Ich lese Comics zur Unterhaltung und auch mal zur Inspiration. Neulich bekam ich ein Comic-Buch in die Hände, das mich sehr nachdenklich gemacht hat, weil es von meiner üblichen Comic-Leidenschaft abweicht: Alicia – Im wahren Leben. Das Buch dreht sich um das Thema Brustkrebs.

Unlängst sorgte Angelina Jolie mit einer prophylaktischen Brustamputation für Schlagzeilen, nachdem ihr eine Genanalyse ein massiv erhöhtes Brustkrebs-Risiko bescheinigt hatte. Das Thema ging durch klassische und soziale Medien rauf und runter. Anders, ruhiger, aber nicht weniger wichtig und sehr eindringlich arbeitet die soeben bei Panini erschienene Graphic Novel Alicia – Im wahren Leben, das Thema auf. Es ist eine Erzählung mit autobiografischem Hintergrund über den Umgang mit Brustkrebs, Amputation und das Leben danach.

Brustkrebs ist ein Schicksal, das viele Frauen betrifft, sei es unmittelbar am eigenen Körper oder im nahen Freundes- und Familienkreis. Allein 75.000 Neuerkrankungen im vergangenen Jahr in Deutschland machen die Krankheit zu einer ganz und gar realen Bedrohung und zur häufigsten bösartigen Tumor-Erkrankung bei Frauen. Dennoch war das Thema stets ein gesellschaftliches Tabu. Dabei ist es wichtig, dass darüber, über die Behandlungsmethoden und das Leben danach geredet wird, um die Gesellschaft zu sensibilisieren und Betroffenen und ihrem Umfeld zu helfen und Hoffnung zu geben.

Das Buch hat mich sehr gefesselt:  Die unkonventionelle Journalistin Alicia ist ständig latent überarbeitet und versucht dazu noch ein kompliziertes Beziehungsleben zwischen zwei Frauen zu meistern. Die Diagnose Brustkrebs reißt sie aus ihrem vollgepackten Alltag und konfrontiert sie mit der ganzen Bandbreite des Kampfes gegen den Krebs. Die Amputation ihrer linken Brust, die aggressiven Therapien, deren Nebenwirkungen und Begleiterkrankungen sind Gegenstand der Graphic Novel.

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Ohne Pathos

Die spanische Autorin und Gewinnerin des Premio Terenci Moix de Literatura LGBT 2012, Isabel Franc, beschreibt die Leidensgeschichte von Alicia direkt und glaubwürdig, aber ohne überzogenen Pathos. Sie hatte sich nach ihrer eigenen Brustkrebserkrankung dem Thema angenommen, als sie von Freundinnen gebeten wurde, das traumatische Erlebnis mit einem Augenzwinkern anzugehen, um es für ein größeres Publikum erlebbar zu machen. Gemeinsam mit der Künstlerin Susanna Martín schuf sie mit Alicia – Im wahren Leben eine Graphic Novel, die die reale Bedrohung durch Brustkrebs schonungslos beschreibt, gleichzeitig aber einfühlsam und selbstironisch ist. Das Buch soll aufklären und unterhalten, ist aber auch dafür gedacht, Betroffenen Mut zu machen – ein Grund, warum sie das Comic-Format wählten, da die Bebilderung das Lesen während der anstrengenden Chemotherapie erleichtern sollte.

Autobiografisch eingefärbt liefert Alicia Einblicke in ein Leben mit Brustkrebs, in denen Betroffene und deren Angehörige sich häufig wiederfinden werden. Gut gemeinte Ratschläge, die Suche nach alternativen Heilmethoden und Gefühle von Machtlosigkeit gegenüber dem medizinischen Apparat bestimmen Alicias Leben. Dass das Ende der Behandlung nicht auch das Ende des Leidenswegs bedeutet, thematisieren Franc und Martín ebenfalls: Sich mit dem veränderten Körper anzufreunden, Zukunftspläne zu schmieden und eine neue Liebe stellen weitere Herausforderungen dar. Am Ende steht für Alicia aber die Erkenntnis: „Das Leben nach dem Krebs ist anders, aber noch längst nicht vorbei!“

Hier gibt es eine nette Leseprobe, allerdings nur im unpraktischen Flashformat.

Buchkritik: Dracula – die Graphic Novel von Leah Moore/John Reppion

12. März 2012

Ich taste mich langsam in die Welt der Comics vor. Nachdem ich als Kind die Hefte verschlang, herrschte bei mir lange Jahre komplette Comic-Abstinenz. Aber jetzt bin ich wieder im Comic-Fieber und als Dracula-Fan erwarb ich den Panni-Comic Dracula: Die Graphic Novel. Nach dem Roman von Bram Stoker erzeugten Leah Moore und John Reppion sowie Zeichner Colton Worley ihre Interpretation des berühmten Vampirromans. Ich war skeptisch, sehr skeptisch – doch die Graphic Novel überzeugte mich auf der ganzen Linie. Ich war überrascht, wie dicht sich das Autorenehepaar an das Original von Stoker hielten. Es sind zahlreiche Originalzitate verwendet. Zum Glück wurde das viktorianische Englisch nicht in einer konforme Neusprache verwandelt. Natürlich wurde hier und da gekürzt, doch entfernte sich das Autorenduo nicht weit vom Original.

Und so wurde das prüde England in die Neuzeit gerettet zusammen mit den zahlreichen sexuellen Anspielungen. Ich kann das pubertäre Gejaule von New Morning-Fans nicht mehr hören, wie sexy der Vampir doch sei. Leute, greift zum Original und wenn ihr es aufgrund der Sprache nicht mehr lesen könnt, dann nehmt diesen Comic.

Die Spannung steigt Seite für Seite, die Erotik und Angst gehen Hand in Hand. Die grafische Interpretation des einstigen Werbegrafikers ist Colton Worley gelungen. Schriftbild, Typografie, die gedeckten Farben, Linienführung – hier passt alles zusammen.

Diese Adaption Dracula: Die Graphic Novelvon Bram Stokers Stoff ist gelungen und jedem Dracula-Fan ans Herz gelegt.