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Wikipedia mit 25: Zwischen Stabilität und kulturellem Druck durch KI

25. Januar 2026

Wikipedia ist 25 Jahre alt geworden – und steht zugleich so stabil wie nie zuvor im Netz und doch unter einem neuen, subtilen Druck durch KI, der weniger technisch als kulturell ist. Die Plattform ist zum unsichtbaren Rückgrat der Wissensinfrastruktur geworden, während KI-Systeme beginnen, genau dieses Rückgrat zu überblenden und zu vereinnahmen.

Seit dem 15. Januar 2001 hat sich Wikipedia von einem anarchisch wirkenden Freiwilligenprojekt zu einer globalen Referenzmaschine entwickelt, auf die sich Schulen, Redaktionen, Suchmaschinen und längst auch große Sprachmodelle stützen. In über 300 Sprachen, mit mehr als 65 Millionen Artikeln, bildet sie eine Art evidenzbasiertes Grundrauschen, gegen das sich jede Behauptung im Netz zumindest gedanklich messen lassen muss. Dieser Erfolg ist paradoxerweise genau das Einfallstor für jene KI-Dienste, die ihren Nutzerinnen und Nutzern in Sekundenbruchteilen Antworten liefern, ohne noch sichtbar zu machen, dass in ihrem Schatten eine ehrenamtliche Infrastruktur aus Menschen steht, die seit Jahrzehnten Quellen prüfen, editieren, streiten, löschen, belegen.

Am 15. Januar 2001 startete Gründer Jimmy Wales an seinem Windows-Rechner nicht nur das Projekt selbst, sondern legte auch unmittelbar die ersten Einträge der Online-Enzyklopädie an. Bereits am ersten Tag entstanden Artikelseiten zu Begriffen wie WikiPedia, PhilosophyAndLogic und UnitedStates, und nur fünf Tage später waren schon mehr als 100 Einträge verfügbar. Eine Übersicht der ersten 100 über Wikipedia abrufbaren Seiten zeigt, wie rasant sich das Projekt entwickelte: Anfangs ausschließlich englischsprachig, folgte schon kurz darauf der erste Ableger in einer anderen Sprache. Nur zwei Monate nach dem Start der englischen Version ging am 16. März 2001 die deutsche Wikipedia als erste lokale Variante online. Ich habe auch meinen Beitrag geleistet und Artikel verfasst. Heute umfasst die englischsprachige Originalseite mehr als sieben Millionen Artikel, während die deutsche Wikipedia mit über drei Millionen Einträgen ebenfalls eine beeindruckende Informationsfülle bereithält. Ein zentraler Aspekt bleibt dabei die Finanzierung des Projekts: Neben den vertrauten Spendenaufrufen gibt es zum Jubiläum im Wikipedia Store eine Sonderkollektion, deren Erlöse die Arbeit an der Enzyklopädie unterstützen sollen.

In den Reaktionen auf das Jubiläum spiegelt sich die besondere Rolle, die Wikipedia im digitalen Alltag vieler Menschen einnimmt. Nutzerinnen und Nutzer gratulieren, bezeichnen die Plattform als bevorzugte Informationsquelle und hoffen, dass sie sich erfolgreich an neue Rahmenbedingungen anpassen wird. Zugleich tauchen in den Kommentaren auch kritische Stimmen auf, die von Zensur sprechen oder auf Filterblasen hinweisen, während andere dem widersprechen und die Moderation als notwendigen Teil der Qualitätssicherung sehen. Immer wieder wird betont, wie wichtig regelmäßige Spenden sind, um Wikipedia langfristig zu erhalten, und auf eine Easter-Egg-Seite zum Jubiläum hingewiesen. Denn wenn Menschen sagen, sie würden etwas „googeln“, landen sie meist – oft unbewusst – bei Wikipedia, sei es über die ersten Treffer in Suchmaschinen, über Instant Answers oder über Antworten von LLM-Chatbots, die ebenfalls auf diese Inhalte zurückgreifen. Fiele Wikipedia plötzlich weg, wüsste das Web spürbar weniger, lautet der warnende Unterton, verbunden mit dem Appell, zu spenden, bevor dieses Fundament des Wissens verschwindet.

Die Bedrohung für die Reichweite von Wikipedia durch KI ist daher weniger ein plötzlicher Exodus der Leserschaft als eine schleichende Umleitung der Aufmerksamkeit: Wenn Chatbots Fragen direkt beantworten, entfällt der Klick auf die Quelle, und damit das, was die Wikipedia schlicht zum Leben braucht – die Begegnung zwischen Text und Leser. Erste Auswertungen deuten auf spürbare Rückgänge beim menschlichen Traffic hin, während der automatisierte Zugriff für Trainingsdaten und Scraping massiv zunimmt, also genau jener Zugriff, der keine Spenden generiert, keine neuen Autoren hervorbringt und keine Diskussionsseiten bevölkert. KI isst sich durch die Wissensbestände, an deren Pflege sie selbst nicht beteiligt ist, und verwandelt das mühselig Kuratierte in einen glattgebügelten, personalisierten Antwortstrom, in dem die ursprünglichen Kontexte, Konflikte und Korrekturen verschwinden.

In dieser Verschiebung liegt auch eine neue Dimension der Verlässlichkeit: Wikipedia hat nie behauptet, unfehlbar zu sein, aber sie ist strukturell überprüfbar – jede Version, jede Quelle, jeder Konflikt ist transparent dokumentiert und im Idealfall rückverfolgbar. Obwohl ich das Gefühl habe, die deutsche Ausgabe der Wikipedia ist zum Teil ideologisch.
Fehler sind hier nicht verborgenes Scheitern, sondern im Grunde Teil einer öffentlichen Lernkurve, die über Edits, Reverts und Diskussionsarchive nachgezeichnet werden kann; das System baut auf Misstrauen als produktiver Kraft, auf der ständigen Möglichkeit der Korrektur. KI-Systeme dagegen präsentieren ihre Ausgaben mit der glatten Souveränität eines fertigen Textes, dessen Herkunft sich bestenfalls in allgemeinen Modellkarten, nicht aber konkret im Satz nachprüfen lässt, und der sich zudem auf Trainingsdaten stützt, deren Lizenzlage und Aktualität häufig unklar bleiben.

Gerade hier verschränken sich Erfolg und Krise: Weil Wikipedia in vielen Bereichen eine der zuverlässigsten offenen Datenquellen geworden ist, fließt sie massenhaft in KI-Modelle ein, die ihr wiederum Nutzer abspenstig machen und einen Teil der Legitimität absorbieren, ohne den Aufwand der Qualitätssicherung zu teilen. Der Unterschied in der Verlässlichkeit ist deshalb nicht nur eine Frage der Fehlerquote, sondern der Verantwortungskette: Wikipedia institutionalisiert Zweifel und kollektive Aushandlung, KI institutionalisiert Plausibilität und Komfort – und je mehr sich die Öffentlichkeit an letzteres gewöhnt, desto größer wird die Gefahr, dass das sichtbare Ringen um Wahrheit, das Wikipedia ausmacht, unter einer Schicht von friktionslosen Antworten verschwindet. In diesem Sinn ist der 25. Geburtstag nicht nur ein Jubiläum, sondern auch eine Erinnerungsmarke: an ein Netz, in dem Wissen als Prozess sichtbar war – und an die Entscheidung, ob man diesen Prozess den Maschinen überlässt oder weiter öffentlich führt.

Nach Black Friday kommt das Weihnachtsgeschäft

26. November 2018

Ja ist denn schon Weihnachten ...

Ja ist denn schon Weihnachten …

Die Schlacht von Black Friday und die Cyber Monday-Woche ist geschlagen und schon hat der Einzelhandel ein neues Ziel vor den Augen: Weihnachten. Der Heilige Abend ist dieses Mal auf den 24. Dezember festgesetzt und bis dahin werden die Kassen im deutschen Einzelhandel klingen. Adobe sagt in seiner Studie ein umsatzstarkes Weihnachtsgeschäft voraus und belegt es auch gleich mit Zahlen.
Deutsche Konsumenten investieren in diesem Jahr durchschnittlich 674,- Euro in Weihnachtsgeschenke – das sind erneut über 100,- Euro bzw. rund 20 Prozent mehr als in 2017. Da liege ich gegen den Trend. Bei mir wird es dieses Jahr preiswerter, liegt aber daran, dass ich im Moment noch keine Ideen habe.
Noch nie haben die Deutschen mehr Budget für ihren Gabentisch eingeplant. Und dennoch sind sie die Xmas-Sparfüchse Europas: Im direkten Ländervergleich liegt Deutschland weit hinter Großbritannien (+5 Prozent auf 2.046,- £, umgerechnet nach aktuellem Wechselkurs: 2.344,- Euro) und Frankreich (+46 Prozent auf 730,- Euro). Dies ist das Ergebnis der aktuellen „Adobe Holiday Retail Survey 2018“, für die europaweit mehr als 3.000 Konsumenten befragt wurden (davon über 1.000 in Deutschland).

Kerzen zum Fest können nicht falsch sein.

Kerzen zum Fest können nicht falsch sein.

Knapp ein Viertel des Weihnachtsbudgets landet bei Amazon & Co.
Knapp jeder zweite Deutsche (45 Prozent) startete seinen Weihnachtseinkauf bereits Mitte November. Ich habe für die Geschenke der Ehefrau schon früher angefangen. Bei den Kindern wird es wohl Dezember, weil die Stimmung immer wieder wechselt. Pubertät ist das Alter, wo die Eltern seltsam werden. Bis zum 15. Dezember wollen 86 Prozent alle Geschenke beisammen haben. Eingekauft wird dabei vor allem online: Mehr als die Hälfte des Weihnachtsbudgets (53 Prozent) wird im Internet ausgegeben (F: 49 Prozent, GB: 56 Prozent). Insbesondere die großen E-Commerce-Plattformen sind hier gefragt: Ein Viertel der Deutschen (26 Prozent) plant einen Großteil ihrer Geschenkebestellungen bei Big Playern wie Amazon, eBay & Co. Knapp ein Drittel (31 Prozent) wollen auch Aktionstage wie den Black Friday oder den Cyber Monday für ihren Weihnachtseinkauf nutzen. Kein Wunder: Neben dem stressfreien Einkauf (18 Prozent) und der großen Produktvielfalt der Online-Händler (17 Prozent) ist ein guter Preis (29 Prozent) der Hauptgrund der Deutschen, ihre Weihnachtsgeschenke bevorzugt im Internet zu kaufen. Last-Minute-Shopper schätzen online nicht zuletzt das Angebot einer schnellen 24-Stunden-Lieferung (59 Prozent) und die Möglichkeit, ihre online bestellten Geschenke nach dem „Click-and-Collect“-Prinzip direkt im stationären Handel abzuholen (31 Prozent).

Vielleicht eine große Sofortbildkamera zum Fest?

Vielleicht eine große Sofortbildkamera zum Fest?

Jeder Zweite kauft Geschenke über die Mobile App
Deutsche Konsumenten setzen im Weihnachtsgeschäft verstärkt auf ihr Smartphone: Rund jeder Zweite (48 Prozent, bei den Millennials: 60 Prozent) verfügt bereits über mindestens eine Mobile Shopping App (F: 50 Prozent, GB: 54 Prozent). Auf der Suche nach dem richtigen Geschenk nutzt mehr als jeder vierte Deutsche (27 Prozent) soziale Medien, um sich inspirieren zu lassen (50 Prozent), die Produktbewertungen der anderen Nutzer zu checken (38 Prozent) oder um mögliche Weihnachtswünsche der Freunde und Familie in den Profilen zu recherchieren (36 Prozent). Interessant ist, welche Wirkung Anzeigen in sozialen Netzwerke bei mir haben. Entweder ich bin komplett begeistert und kaufe es mir selbst oder es geht mir am … vorbei.
Neue Technologien wie Chatbots werden bei der Geschenkesuche von nur 11 Prozent als wirklich nützlich angesehen. Schon jetzt haben 48 Prozent der deutschen Konsumenten eine vage Idee, welche Geschenke passen könnten. Wirklich festgelegt haben sie sich aber noch nicht. Auf dem Weg zur perfekten Weihnachtsüberraschung macht sich ein Viertel der Deutschen (25 Prozent) zunächst eine konkrete Geschenkeliste und setzt sich Termine, bis wann die Einkäufe erledigt sein sollen. 27 Prozent von ihnen haben keinerlei Shopping-Strategie und kaufen die Geschenke ganz spontan, wenn sie etwas Passendes sehen. Insgesamt liegen Geschenke hoch im Kurs, die einen praktischen Nutzen versprechen (70 Prozent).