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Dracula im Film (30) Blacula

23. November 2022

Ich war vorgewarnt. Die Mitglieder der Facebookgruppe Erdbeben 1974 hatten mich bemitleidet, als ich die Disc des 1972 gedrehten Vampirfilm Blacula in den Player legte. Blacula ist eine Wortschöpfung aus Black und Dracula – der Film eine Blaxploitation-Interpretation der Bram Stoker-Geschichte.


Und was soll ich sagen? So schlecht wie alle behauptet haben, ist Blacula nicht, was aber nicht heißen soll, dass er im entferntesten gut ist. Er ist eine schwarze Version des alten Thema in cooler siebziger Umgebung mit siebziger Mucke und Frisuren.

Um was geht es? Nach einem Disput über den Sklavenhandel wird der afrikanische Prinz Mamuwalde (William Marshall) von Graf Dracula gebissen, selbst in einen Vampir verwandelt und in einem Sarg eingesperrt. Knapp zwei Jahrhunderte später, im Jahr 1972, befreien zwei schwule Innenarchitekten den durstigen Blacula in Los Angeles. Dieser geht fortan auf Beutezug durch die kalifornische Metropole, findet seine große Liebe und vernichtet sich selbst im Sonnenlicht.

1972 erhielt der Film den Saturn Award als Bester Horrorfilm, als ob es 1972 keine besseren Horrorfilme auf den Markt gegeben hat. Aber das Thema hat wohl damals die Juroren angesprochen. Nun, ich habe mir das auf 1000 Exemplare limitierte Media-Book für schmales Geld zugelegt und hab die Nummer 345, als ob der Film etwas Wert würde. Der Film lief mal im Privatfernsehen in der Reihe Schlechteste Filme aller Zeiten, aber damit tut man Blacula unrecht. So manche Einstellung macht wirklich Spaß und der Ehrgeiz bei der Interpretation seiner Rolle sieht man William Marshall durchaus an. Wer den Grafen Yorga mag, der mag Blacula auch, der in LA spielte. 1973 gab es sogar eine Fortsetzung – ähnlich wie bei Yorga. Der Film heißt Der Schrei des Todes unter der Regie von Bob Kelljan, allerdings hab ich ihn noch nicht gesehen. Bob Kelljan war auch der Mann, der den ersten Yorga-Film in Szene setzte. Unbedingt sollte man einen Blick auf die Vampire riskieren, die in ihrer Maske wunderbar trashig aussehen.

American International Picture war ja für preiswerte Produktionen bekannt. Ich durfte Samuel Z. Arkoff mal auf dem Filmfest München interviewen – ein großer Mann, wenn es um preiswerte Produktionen ging. Hammer holte Dracula 1972 aD ja ins Swinging London.
Und weil die Zielgruppe sich Blacula angeschaut hat, kam es auch mit Black Frankenstein zu eine Blaxploitation-Fassung von Frankenstein.

Dracula im Film (19): Junges Blut für Dracula

8. Dezember 2021

Bevor Hammer mit seinem Dracula jagt Mini-Mädchen den Grafen in die Gegenwart katapultierte, gab es schon zuvor einen erfolgreichen Versuch mit dem Vampir in der Neuzeit mit dem Film Junges Blut für Dracula. Der Streifen Junges Blut für Dracula aus dem Jahre 1970 kam unlängst ungekürzt auf Bluray heraus. Der Film war weder auf VHS noch auf DVD zu haben.

Nachdem es zwischen Hammer und den US-Vertrieb immer mehr kriselte, spielte American International Picture seine eigene Dracula-Karte in Form des Grafen Yorga. Das einst junge Hammer-Studio war im viktorianischen Zeitalter verhaftet. Was in den sechziger Jahren funktioniert, klappte am Ende des Jahrzehnts nicht mehr. Dracula war ein alter Hut. Also musste ein Ausflug in die Gegenwart her, um die Jugend wieder in die Kinos zu holen.

Eigentlich als Softporno geplant, wurde der Film Junges Blut für Dracula von Bob Kelljan zum erfolgreichen Vampirfilm mit ziemlich blutigen Einlagen. Dem Filmfan bleibt das zerrissene Kätzchen in Erinnerung. Der Vampir Yorga aus Bulgarien beißt sich durch Los Angeles der Hippie-Ära samt VW Bulli und bekam vom deutschen Verleih gleich mal den Namen Dracula verpasst. „Count Yorga, Vampire“ hieß der Film noch im Original und daraus wurde gleich mal „Junges Blut für Dracula“.

Es ist dem Hauptdarsteller Robert Quarry als Grafen gedankt, dass er keinen Softporno, sondern einen Horrorfilm drehen wollte. Dass haben vielleicht einige Hauptdarstellerinnen nicht ganz so mitbekommen, denn ihre Qualifikationen liegen nicht auf unbedingt auf der Schauspielerei. Robert Quarry, der einst mit Vincent Price vor der Kamera stand, sollte von API zum neuen Horrorstar und Nachfolger von Price aufgebaut werden – was letztlich misslang, obwohl Quarry seine Rolle gut machte. Er durfte noch 1971 den Yorga-Nachfolger Die 7 Pranken des Satans („The Return of Count Yorga“) drehen, den ich noch als Kurzfassung auf Super 8 habe. Er ist inzwischen auch bei Wicked-Vision Media auf Bluray erschienen, die Scheibe muss ich aber noch erwerben. Es war sogar ein dritter Teil geplant, der in der Kanalisation von LA spielen sollte, aber dazu kam es aufgrund des wirtschaftlichen Kollapses von AIP dann nicht mehr.

Um was geht es in Junges Blut für Dracula? Die junge Donna versucht mittels einer spiritistischen Sitzung, die ein mysteriöser Mann namens Graf Yorga leitet, Kontakt zu ihrer verstorbenen Mutter aufzunehmen. Dies geht reichlich schief, denn erstens ist Yorga kein Medium, sondern ein blutgierger Vampir, und zweitens ist Donnas Mutter ebenfalls eine lustige Untote. Donna fällt auf besagter Seance in einen Schockzustand und wird von Yorga hypnotisiert, anschließend scheint alles wieder normal zu sein und dann geht die blutige Beißerei weiter. Also schöner Dracula für Zwischendurch ist Junges Blut für Dracula