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Mein Paris: Besuch im Kaffee

9. November 2010
Das Straßencafe - ich liebe es.

Das Straßencafe - ich liebe es.

Zugegeben: Paris hat nicht die Kaffeehauskultur wie Wien oder Italien, aber Pariser Cafes sind ein Hort der Einkehr mit weniger Auswahl an Kaffee aber einer Menge von Geistesfreiheit. Bei meinem Kollegen Thomas Gerlach habe ich neulich etwas über den dritten Ort gelesen und das geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Das Cafe ist der Ort zum Nachdenken, zum Lesen, zum Zur-Ruhe-Kommen. Zu Hause ist Hektik, Waschmaschine oder Kochen, in der Arbeit ist der Chef ein Berserker, da bleibt für das Ich nur der dritte Ort. Bei uns erfüllen Starbucks und Co diese Funktion, in Paris sind es die kleinen Cafes.

Dort angekommen, genieße ich meinen café au lait (Michkaffee) und un grand café noir (Schwarz wie die Nacht),un express, une Noisette (nicht die Milka-Schoko, sondern ein schwarzer Kaffee mit einem Schuss Milch). Zum Essen gibt es in den klassischen Cafes auch etwas einfaches: In der Regel Baguette, Sandwich oder Croissants.In den Cafe-Restaurants oder Bistros gibt es auch warmes Essen und vollwertige Mahlzeiten.

Regel Nummer eins und mit Abstand die wichtigste Regel für die Paris Gastronomie: Setzt dich zu niemanden an den Tisch.

Stundenlang kann ich in einem Straßencafe oder Bistro die Zeit totschlagen und einfach nur Leute anschauen. Leute, die vorbeieilen oder Leute, die auch im Cafe sitzen.Jeder hat seine Geschichte. Und oft zeigt er seine Geschichte durch sein Auftreten. Der Tourist mit Reiseführer in der Hand, die jüngeren mit einer iPhone App von Paris. Die einen elegant – und Paris hat wahrlich elegante Einwohner, die anderen eher casual. Die Businessfraktion mit Anzug und Hemd ohne Krawatte, die lässigen in T-Shirt und Jeans – alle gehen ein und aus.

Damit es trotz November nicht zu kalt wird im Straßencafe gibt es die Heizpilze, die Nürnberg war verboten hat, die Pariser in ihrer Stadt aufstellen: Umwelt hin oder her. Trotz Regen oder Wind lässt sich im Straßencafe Ruhe finden und den dritten Ort genießen. Wenn es doch zu ungemütlich wird, dann geht man eben ins Cafe hinein. An der Theke blättert man in Zeitungen. WLAN ist in der Regel Fehlanzeige, also nimmt man wieder Papier zur Hand. Le Monde ist da beliebt, die Zeitung, die gerade erst von der Pleite gerettet wurde. Gezahlt wird übrigens an der Theke. Die Bedienung kommt zwar den Tisch für die Bestellung, zum Abkassieren bleibt sie hinter ihrer Kasse. Das Trinkgeld bleibt am Tisch liegen oder kommt auf ein extra Tellerchen. Die deutsche Manier, das Trinkgeld direkt zu überreichen, kennen die Franzosen nicht, nehmen aber das Geld trotzdem.

Zeitungslesen gehört dazu.

Zeitungslesen gehört dazu.

Und das Cafe ist ein Ort des Träumens. Schön meine Beobachtung einer jungen Frau. Sie kam mit einem Stapel Hefte in das Cafe und blätterte immer wieder in Zettel. Dann schrieb sie in ein Büchlein fein säuberlich einen Text. Sie versank in ihren Text und nahm das Treiben im Cafe gar nicht mehr wahr. Vielleicht habe ich eine künftige Bestsellerautorin bei der Arbeit beobachtet, vielleicht aber nur eine Studentin beim Ordnen ihrer Mitschriften. Die Idee mit der Bestsellerautorin gefällt mir aber weitaus besser. Solche Gedanken hab ich nur am dritten Ort.

Eine Bestsellerautorin oder doch nur eine Studentin?

Eine Bestsellerautorin oder doch nur eine Studentin?

Zum Tode von Mr. Dino: Michael Crichton

10. November 2008

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Mit Trauer habe ich vergangene Woche den Tod von Autor Michael Crichton vernommen. Der Bestseller-Autor und promovierte Mediziner verstarb im Alter von 66 Jahren in LA an Krebs. Was bedeutete Michael Crichton für mich? Klar, ich habe viele seiner 26 Romane gelesen, die zum großen Teil verfilmt wurden. Zum ersten Mal war ich mit Crichton in meiner Jugend konfrontiert. Als glühender Science-Fiction-Fan las ich sein Buch „Andromeda, “. Das Buch haute mich vom Hocker und der Film ließ mich schaudern. Ich hatte richtig Angst. Dabei kam die Angst nicht vor irgendwelchen Monstern aus dem fernen Transsilvanien, sondern sie kam von den fiesen Viren um uns und in uns. Ich hatte nie die Absicht, Wissenschaftler zu werden, doch Buch/Film sollte sich jeder angehende Naturwissenschaftler reinziehen. Im Keller suchte ich nach dem Tode des Autoren das Taschenbuch von damals hervor und musste lachen. Ich habe eine Ausgabe von 1981 und zwar eine Sonderausgabe von Knaur, die für den Pharmakonzern Pfizer („Mehr Wissen über Antibiotika“ herausgegeben wurde. Der Untertitel der Reihe lautete „Vibravenös-Bibliothek für den Nachtdienst“. Cool, welchen Humor die Pharmaindustrie damals hatte.

Crichtons technikskeptischen Wissenschaftsthriller waren populär und folgenreich. Wenn Crichton 1990 über Dinos schrieb, dann begann die Hollywood-Maschinerie mit der Dino-Produktion. Spielberg erkannte sofort den Marktwert von Crichton Dinos. Diese wirken bei uns bis heute nach. Das Kinderzimmer meines Sohnes ist vollgestopft mit Dinos aller Art. Und ich als Papa wartet bis heute auf die Blu ray-Veröffentlichung von „Jurassic Park“. Crichton sei Dank.

Gerne habe ich seine Bücher gelesen. „Beute“ brachte mir die Ideen der Nano-Technologie näher, „Der große Eisenbahnraub“ war ein Abendteuerroman im besten viktorianischen Stil, „Schwarze Nebel“ war ein feines Wikingergemetzel, „Westworld“ war ein starker SF-Western bei dem der Autor selbst Regie führte. „Coma“ prangert den Raub von Organen an. Und es gab so viele Bücher und Filme. Seit Wochen beschäftigt Crichton unsere Familie: Wir haben uns die komplette  Serie von „ER – Emergency Room“ gekauft. Zug um Zug ziehen meine Frau und ich uns abends die elf DVDs rein. Crichton hatte die Grundlage zur Serie („Fünf Patienten“ geschrieben und war ausführender Produzent der TV-Serie. Hier wird eine Vielzahl von Handlungssträngen mit großer Virtuosität verschlungen. „ER“ war Auslöser für die gesamten Ärzte-Serien im Fernsehen. Vielen Dank Mr. Crichton für angenehmen Stunden, die ich mit Ihren Werken verbracht habe. Und meine ausgesprochene Hochachtung vor Ihren Gedanken, die mich zum Nachdenken angeregt haben.