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Weltpremiere: „War Horse“ ritt live in 4K über die Kinoleinwand

8. März 2014

In Kooperation mit Sony setzte National Theatre Live neue technische Maßstäbe in der Live-Unterhaltung und übertrug erstmals ein Theaterstück in 4K-Auflösung direkt ins Kino. Gerne hätte ich die Sache gesehen, aber ich konnte nicht dabei sein. Dennoch ist es eine technische Meisterleistung, was sich bei „War Horse“ abspielte. Die auf Michael Morpurgos Roman basierende Geschichte „War Horse“ („Gefährten“) schrieb ein neues Kapitel: Zum weltweit ersten Mal wurde das vielfach preisgekrönte Bühnenstück live in 4K-Qualität übertragen. Am 27. Februar 2014 brachte National Theatre Live (NT Live) „War Horse“ live vom New London Theatre aus ins Kino.

Die Übertragung in Sony 4K war im Curzon Cinema in Chelsea zu sehen . Um den Zuschauern dort das bestmögliche 4K-Erlebnis zu bieten, zeigte das Kino die Aufführung mit einem Projektor von Sony. Für spätere Vorführungen in 4K-Kinos wird das Stück außerdem als 4K DCP erhältlich sein.

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Der Workflow im Hintergrund

Die Produktionsfirma von NT Live, Creative Broadcast Solutions (CBS), arbeitet mit NEP Visions, langjähriger Partner von NT Live bei Außenübertragungen, und Sony zusammen, um das Theaterstück hinaus in die Welt zu schicken. Dazu setzt die Produktion Super-CineAlta-Kameras PMW-F55 von Sony mit Fujinon Cabrio-Objektiven ein. Für die technische Infrastruktur und den Kamera-Satelliten-Transfer der 4K-Inhalte zeichnet sich NEP Visions verantwortlich, die außerdem eine HD-Version des Stücks aufzeichnen und ausstrahlen.

Die Kameras speisen die 4K-Inhalte in Glasfaseradapter BPU4000 von Sony ein, die gleichzeitig 4K- und HD-Signale generieren. Anschließend gelangen die Feeds weiter zu einem 4K-fähigen Bildmischer, der aus den sechs Kamera-Feeds eine Live-Mischung erzeugt. Darüber hinaus werden Grafiken und Untertitel (nur für die HD-Version) hinzugefügt. Voraufgezeichnete Programminhalte zur Ergänzung liegen auf einem Medien-Server von Sony bereit und werden von dort eingespielt. Die Live-Mischung wird dann an den Satellitenservice-Betreiber Links Broadcast weitergeleitet.

Aufgezeichnet wird der gemischte Feed mit einem Sony MasterDeck. Er kann so archiviert und zu einem 4K-DCP-Master verarbeitet werden, den anschließend Kinos überall auf der Welt nutzen können. Auf zwei zusätzlichen MasterDecks von Sony zeichnet NEP Visions außerdem 4K-ISO-Versionen für den späteren Gebrauch auf. Parallel zur 4K-Präsentation stellt NEP Visions einen HD-Feed bereit, den Links Broadcast im Rahmen des bestehenden Programms von NT Live an mehr als 1.000 Kinos rund um den Globus sendet.

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4K-Übertragung ins Curzon Cinema in Chelsea

Links Broadcast realisierte die Satelliten-Up- und -Downlink-Funktionen und stellte so die 4K-Signalübertragung vom New London Theatre in das Curzon Cinema in Chelsea sicher. Die 4K-Uplink-Verbindung von Links Broadcast wurde parallel zu dessen HD-Uplink-Verbindung betrieben und ermöglichte die Codierung der eingehenden 4K-Inhalte. Mit vier synchron arbeitenden Encodern des Typs Adtec EN-100 wurde das Eingangssignal über einen Multiplexer DTA3050 von Adtec zu einem einzelnen Transport-Stream kombiniert. Eine 1,5-m-Antenne leitete den Stream vom 4K-Uplink-Wagen von Links Broadcast aus weiter.

Um innerhalb des modulierten 4K-Transport-Streams die bestmögliche Videodatenrate zu erreichen, erfolgte der Uplink des 4K-Signals zum Satelliten SES Astra 3B mit einer Kapazität von 36 MHz.

Per Downlink wurde das eingehende Signal über eine 1,8-m-Empfangsantenne von Links Broadcast an das Curzon Cinema in Chelsea übertragen. Dort leiteten Empfangsdecoder des Typs Adtec RD70 das Signal weiter an das 4K-Kinosystem von Sony. Die decodierten 4K-Bilder gingen direkt an den Sony-Projektor im Curzon Cinema, der im Vergleich zu 2K oder herkömmlichen HD-Fernsehbildern viermal so viele Details abbildet. Sony 4K führte Zuschauer in unerreichte Dimensionen mitreißender Detailfülle und Realitätstreue.

Das Wichtigste war aber, dem Publikum hat es gefallen und sie haben nichts von dem technischen Aufwand mitbekommen. Und ich muss zugeben: Gerne wäre ich bei dem Event dabei gewesen.

Musiktipp: Lincoln von John Williams

21. Februar 2013

Immer wenn Steven Spielberg einen neuen Film ins Kino bringt, dann ist John Williams nicht weit. So auch bei dem neuen Spielberg-Streifen Lincoln. Der Haus- und Hofkomponist Williams legt seinen Soundtrack vor und er ist für Fans eine Offenbarung. Eingespielt von Chicago Symphony Orchestra ist dieser Score mit 17 Stücken ein Sinnbild für symphonische Filmmusik.

Lincoln

Allerdings wird Williams auch nicht jünger. Vorbei sind die Zeiten der großen Paukenschläge, wie Star Wars, Superman, weißer Hai, Jurassic Park oder Indiana Jones. Ein Soundtrack dieser Lautstärke ist Lincoln nicht. Aber das muss nicht schlecht sein, auf keinen Fall. Williams ist ruhiger geworden, aber keinesfalls schlechter. Was sich beim vorangegangenen Soundtrack von War Horse angekündigt hat, wurde von Williams bei Lincoln optimiert. Es ist ein wunderbarer Score.

Williams ist mit seinen 81 Jahren reifer geworden (er hatte am 8. Februar Geburtstag), so wie Spielberg mit dem er seit rund 40 Jahren seit 1974 Sugerland Express zusammenarbeitet. Interessant ist, dass Williams in den vergangenen Jahren nur noch Soundtracks für Spielberg geschrieben hat und auch der nächste Soundtrack wird wieder für Spielberg sein. Als ich das erste Mal Lincoln anhörte, erkannte ich Klänge von Duell am Missouri von 1976 wieder. Mein Gott, wie habe ich die Musik zu diesem Spätwestern von Arthur Penn damals geliebt, obwohl er im Kino gefloppt ist. Brando und Nicholson spielten zur Musik von Williams. Und bei Lincoln hatte ich dieses ähnliche Gefühl. Das soll aber nicht heißen, dass sich der Meister selbst kopiert. Williams spielt mit den Themen des Westens, setzt auf traditionelle Formen wie Südstaatenbluegrass. Auch ein zünftiger Marsch ist darunter. Klarinetten und Holzbläser geben dem Soundtrack eine wunderbare Wärme. Aber vor allem das Piano-Finale With Malice toward none hat es in sich. Obwohl Lincoln ein patriotischer Film ist, hat der Soundtrack keinen Pathos. Freunde von John Williams werden sich dieses Spätwerk sowieso kaufen, was spätestens seit der Oscar- Nominierung von Lincoln klar sein sollte.