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Eins, zwei, drei – Matinee am Sonntag, 14. September im Scala FFB

12. September 2025

Billy Wilders Film „Eins, zwei, drei“ aus dem Jahr 1961 ist eine spritzige Politkomödie, die zugleich als temporeiche Satire auf den Kalten Krieg gilt. Ich zeige diesen Film als Matinee am Sonntag 14. September im Scala Kino Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Mit atemberaubendem Dialogtempo, bissigem Witz und pointierter Gesellschaftskritik gelingt es Wilder, die politischen Spannungen der damaligen Zeit zwischen Ost und West in eine rasante Handlung zu kleiden.

Der Film spielt im geteilten Berlin und erzählt die Geschichte des Coca-Cola-Managers C. R. MacNamara, brillant verkörpert von James Cagney, der sich unvermittelt in einer Kette chaotischer Verwicklungen wiederfindet, als die Tochter seines Chefs sich in einen jungen ostdeutschen Kommunisten verliebt.

Besonders bemerkenswert ist, wie Wilder mit sprachlicher Präzision und perfektem Timing arbeitet: Die Dialoge sind scharfzüngig, voller Doppeldeutigkeiten und lassen kaum eine Atempause zu. Gleichzeitig gelingt es ihm, die Groteske des Kalten Krieges offenzulegen, indem er die politischen Gegensätze karikiert und die Absurditäten auf beiden Seiten entlarvt. Das macht „Eins, zwei, drei“ nicht nur zu einer Komödie, sondern zu einer bitterbösen Satire mit zeitloser Relevanz.

Auch filmhistorisch hat das Werk einen besonderen Rang. James Cagney, der für seine dynamische Darstellung bewundert wurde, lieferte hier eine seiner letzten großen Kinoleistungen, bevor er sich vorübergehend von der Schauspielerei zurückzog. Das Tempo des Films, die Mischung aus Slapstick, Screwball-Elementen und politischem Kommentar sind ein Paradebeispiel für Wilders Meisterschaft, Unterhaltung und Tiefgang miteinander zu verbinden.

„Eins, zwei, drei“ ist damit mehr als nur eine leichte Komödie – es ist ein brillantes Stück Zeitgeschichte in filmischer Form, das die Absurditäten der Blockkonfrontation ebenso entlarvt wie die Oberflächlichkeit des westlichen Konsumdenkens. Wilder gelang mit diesem Film eine seltene Kombination aus politischer Satire, künstlerischer Raffinesse und purem Kinospaß.
Vortrag und Film am Sonntag, 14. September um 10:45 Uhr im Scala Fürstenfeldbruck. Karten gibt es hier.

Kein Spaß mit Gewalt – warum Erdinger bei mir durchgefallen ist

22. Mai 2025

Die Sitten verrohen im Netz und es ist schon interessant, welche Beschimpfungen einhergehen, wenn Kritik geübt wird. Ich kommentierte unlängst einen Instagram-Post von Erdinger Weißbier.

Die Brauerei veröffentlichtes ein auf Instagram Werbevideo zur Personalgewinnung was als verharmlosend gegenüber Gewalt gegen Frauen empfunden wurde. In dem inzwischen gelöschten Clip präsentierte eine junge Frau die Vorzüge ihres Arbeitsplatzes, während mehrere Hände bedrohlich Gegenstände wie einen Hammer, eine Bierflasche und einen Flaschenöffner um ihren Kopf positionierten. Die Szene suggerierte, dass unzureichendes Lob für das Bier Konsequenzen haben könnte.

Ich kritisierte unter diesem Post, dass ich Folter ablehne und daher auch auf den Genuss des Gerstensafts der Brauerei verzichten werde. Es entzündete sich unter meinem Post eine Debatte und ein Shitstorm gegen mich war die Folge. Mein Kommentar bekam viele Like und viele Beschimpfungen. Linksgrünversifter Troll als Kommentar war nur eine Bemerkung. Andere wurden deutlicher. Es zeigte mir, welches Niveau im Netz herrscht.

Nun sicherlich nicht wegen meiner Anmerkung zog Erdinger Weißbier nun den Spot zurück, sondern weil der Instagram-Account „Safe Space Chemnitz“ darauf einstieg und eine richtige Welle lostrat. Die Organisation kritisierte das Video scharf und warf der Brauerei vor, das Leid von Frauen für humoristische Zwecke zu instrumentalisieren. In Reaktion auf die öffentliche Empörung entfernte Erdinger das Video und betonte, es sei satirisch gemeint gewesen und habe niemanden verletzen sollen.
Die Brauerei ist um Schadensbegrenzung bemüht und betonte, dass man viel positives Feedback bekommen habe. Auf Folter und Frauenfeindlichkeit ein positives Feedback? Gehts noch?

Das Unternehmen ist auf eine Welle aufgesprungen ohne nachzudenken und ohne die Folgen zu beachten. Erdinger kündigte an, zukünftige Inhalte sorgfältiger zu prüfen, um ähnliche Vorfälle zu vermeiden. Ob die Marke Erdinger Schaden genommen hat, wird sich zeigen. Allerdings als Social Media-Fuzzi wurde mir klar, wie schnell ein Post nach hinten losgehen kann. Ich selbst überlege mir genauer, was ist poste und kommentiere, denn das Netz kennt keine Gnade und im Falle Erdinger zu recht.