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Urlaub in Südtirol (8/10): Trip ins Mittelalter auf die Churburg

2. September 2009

Eingang zur Hofkapelle

Eine Reise ins Mittelalter verspricht ein Besuch der Churburg in Schluderns in Südtirol. Im 13. Jahrhundert errichtet, vom Grafen Trapp im 16. Jahrhundert zur schönsten Renaissance-Residenz Südtirols ausgebaut, gilt sie heute als eine der besterhaltenen Schlossanlagen. Leider gilt in der Burg ein Fotografier- und Filmverbot, denn die Familie des Grafen will noch ein paar Euro im Souvenirshop verdienen. Besonders sehenswert ist die bedeutendste private Rüstungssammlung der Welt. Die Rüstungen, Kettenhemden, Helme und Schilde sind sehr eindrucksvoll. Bis zu 60 Kilogramm wiegt eine Turnierrüstung. Eine Kinderrüstung liegt bei 20 Kilogramm. Daneben gab wenige Waffen des Mittelalters: Hellebarden, Schwerter, Armbrüste, Speere – was das Kriegsherz so begehrt. Eindrucksvoll: Ein zehn Kilogramm schweres Zweihänderschwert mit denen die Beine der edlen Ritterpferden abgeschlagen wurden, um so die schweren Panzerungen der stürzenden Ritter zu knacken.

Kanonenkugeln aus Lehm und Ton richten sich gegen Truppen, Kugeln aus Stein sollen Mauern beschädigen. Viele Stich- und Hiebwaffen sowie Feuerwaffen sind in der Burg nicht zu finden. Zu Zeiten der Freiheitskriege um Napoleon und Andreas Hofer wurden sie an die Landbevölkerung verteilt und kamen nie mehr in die Churburg zurück.

Mich haben neben den Wehrgängen und Räumen vor allem zwei Dinge nachhaltig beeindruckt: Der Büßermantel aus dem 16. Jahrhundert des Hausherren und eine Baldachin Orgel von 1559. Ritter Jakob VII Trapp hatte eine Pilgerfahrt gegen 1560 ins Heilige Land unternommen. Geblieben ist ein grauer Filzmantel. Darauf gestickt ein weißer Kreis und ein rotes Kreuz, das Zeichen der Kreuzritter. Sechs Monate war der edle Ritter unterwegs, um ins Heilige Land zu kommen. Ob er sein Seelenheil fand, ist nicht bekannt. Der Aufwand muss aber gewaltig gewesen sein, aus Südtirol ins Heilige Land zu pilgern. Welchen Kulturschock muss es für den Ritter Trapp gegeben haben?

Einen Wahnsinnsklang gibt die Baldachin Orgel aus dem Jahre 1559 von sich.1996 spielte Peter Waldner für den ORF eine sehr hörenswerte CD ein. Die CD gibt es im schlosseigenen Souvenirshop oder direkt beim ORF. Es ist eine nahezu vollständig erhaltene Kleinorgel aus dem 16. Jahrhundert, die weltweit einzigartig ist. Cooler Sound und wahre Klänge des Mittelalters, anders als das pseudo Mittelaltergeklimpere von Mittelalterbands der Neuzeit.

Lobenswert ist übrigens die Führung durch das Schloss, das 1253 von den Bischöfe von Chur errichtet wurde. Eine Familie bezahlt 17 Euro und bekommt die Räume, Bilder, Statuen und Möbel zu sehen. Dazu gibt es allerhand Anekdoten und Geschichten. Leider weiß ich den Namen unseres Fremdenführers nicht mehr, aber er machte es toll. Er ging besonders auf die Kinder in der Gruppe ein. Er übergab ihnen einen schweren Schlüsselbund des Schlosses. Damit die drängelnden Senioren charmant in die Schranken gewiesen wurden, holte er immer wieder die Kinder nach vorne und bezog sie in die Führung mit ein. Am Schluss gab es für die Kinder ein Bild zum Ausmalen. Großartig – so stelle ich mir Tourismus für die ganze Familie heute vor.