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200. Jahre Karl Marx – meine Gedanken zu seinem Geburtstag

5. Mai 2018

Heute hat der Mann mit dem Rauschebart seinen 200. Geburtstag. Bärte sind wieder in, ist es Marx auch? Der deutsche Philosoph Karl Marx feiert seinen Geburtstag und ich erinnere mich an ihn. Mit seinem Kapital hat er die Welt verändert und die Interpretationen von Duo Marx/Engels haben Unglück über die Menschheit gebracht. Sozialismus, Kommunismus, Unterdrückung, Massenmord – all das waren die Folgen der Interpretationen von Karl Marx.

Das Kapital von Karl Marx

Als ich mit meinen Eltern unsere Verwandtschaft in der damaligen DDR besuchte, Mitte der siebziger Jahre, gab es einen Zwangsumtausch im realexistierenden Arbeiter- und Bauernstaat. Die starke D-Mark wurde gegen die wertlose Ost-Markt getauscht und es gab kaum etwas, was ich in der DDR davon kaufen konnte. Ich besorgte mir Orwo-Filme, Orwo-Fotopapier und ich kaufte mir hervorragende Fachbücher über Mathe und Chemie. Und in einem Buchladen sah ich eine große Ecke mit Schriften von Karl Marx und Friedrich Engels sowie Übersetzungen von Lenin. Ich erwarb das Kapital und das kommunistische Manifest (Ein Gespenst geht durch Europa …) und blätterte meine Bücher durch. Als Jugendlicher verstand ich die Ideen von Marx nicht, reduzierte und verkürzte, interpretierte die Thesen über die Entfremdung der Arbeit, die Macht von Produktionsmitteln und vieles mehr. Ich bin mir sicher, Marx wurde falsch verstanden und ins Unkenntliche verdreht, was in den Massenmord eines Pol Pots und anderen endete. Das hat der alte Karl Marx nicht verdient.

Begegnungen mit Karl Marx in Berlin

Als ich vor kurzem mal wieder durch Berlin streifte, begegnete mir immer wieder Karl Marx. Ich schaute in der Karl-Marx-Buchhandlung vorbei und sah, dass der Marx zumindest noch in Buchform vorhanden ist und gekauft wird. Der Sozialismus der DDR ist Gott sei Dank gescheitert und hinterließ tiefe Spuren in der Stadt und in den Menschen, auch in unserer Familie. 

Natürlich traf ich auf das Marx-Engels-Forum. Es ist eine in den 1980er Jahren errichtete Denkmalanlage in Berlin-Mitte und besteht aus zehn Tonnen Bronze. Das Denkmal wurde am 27. September 2010 an den Rand der Grünfläche zur Liebknechtbrücke hin versetzt. Wo das Denkmal am Ende enden wird, müssen die Berliner entscheiden. Aber das Gezerre um den Standort zeigt das gespaltene Verhältnis zu Marx und Engels. Ich war vom jetzigen Standort begeistert, denn das Denkmal ist ein schöne Pokestop für Pokémon Go. Pervers, die Geistesgrößen als Pokestop zu verwenden. Kommunismus trifft auf Kommerz. Aber Karl Marx macht auch Spaß. Touristen aus aller Welt besteigen die Statuen immer wieder und machen – wie ich auch – Selfies vor Marx. Der Respekt vor Marx und Engels ist verloren gegangen. Andere legen Blumen nieder, je nach Weltbild. 

Interessant ist die Interaktion bei dem Denkmal. Dort ist eine Plakette von Talking Status Berlin mit Webadresse und QR-Code angebracht. Den QR-Code mit dem Smartphone gescannt und es erfolgt ein Anruf von Gregor Gysi, der die Geschichte der Theoretiker erzählt. Ich finde es eine nette Idee einer Stadtführung und obwohl ich Gregor Gysi politisch nicht mag, ist er ein schillernder Politiker unserer Zeit.

Karl Marx bei Reclam 

Zum 200. Geburtstag wurde es für mich Zeit, mich wieder ernsthafter mit Karl Marx zu beschäftigen. Die Bände des Kapitals liegen noch immer bei mir im Keller und ich habe nicht den Nerv und die Zeit die Wälzer zu lesen. Und da kommt das Buch Karl Marx. 100 Seiten von Dietmar Dath Karl Marx 100 Seiten gerade recht.

Gut geschrieben auf 100 Seiten. Karl Marx bei Reclam.

Gut geschrieben auf 100 Seiten. Karl Marx bei Reclam.

Es ist auf der einen Seite ein persönliches Buch von Diemtar Dath über Marx geworden, auf der anderen Seite bringt er mir als Leser die Theorien des Denkers näher. Die 100 Seiten mit ein paar Abbildungen sind schnell gelesen und brachten mir Karl Marx zum 200. Geburtstag näher. Ich kann immer noch nicht sagen, dass ich ein Fan von Karl Marx bin, aber genauso wenig bin ich ein Fan von Ludwig Feuerbach oder Georg Friedrich Hegel. Ich halt es einfach mit dem Philosophie Song der großen Monty Python. 

 

25 Jahre Deutsche Einheit – Unboxing einer Kiste nach 25 Jahren mit DDR-Konsumgütern

3. Oktober 2015
25 Jahre lag diese Kiste mit DDR-Konsumwaren in meiner Garage. Jetzt öffne ich sie.

25 Jahre lag diese Kiste mit DDR-Konsumwaren in meiner Garage. Jetzt öffne ich sie.

Große und kleine Reden gibt es zum heutigen 3. Oktober 2015 – dem 25. Jahrestag der Deutschen Einheit. Ich will den Jahrestag mit einer persönlichen Geschichte würzen und öffne einen Karton, den ich im April 1990 mit Waren aus der damaligen DDR befüllt habe. Warum ich den Karton überhaupt gepackt habe, weiß ich nicht mehr. Vielleicht war es eine persönliche Geste mit der DDR abzuschließen, vielleicht waren es persönliche Erinnerungen. Wenn es eine große Geschichte dahinter gegeben hat, dann hab ich sie vergessen. So groß kann die Geschichte dann doch nicht gewesen sein.

Also mache ich ein klassisches Unboxing zum 25. Jahrestag der Deutschen Einheit. 25 Jahre stand die Kiste dort, den Inhalt hatte ich vergessen. Der Karton war in der Garage auf einem Regal untergebracht. Er ist ziemlich verstaubt und auch schon eingedrückt. Ein Teil der alten Küche hat auf dem Karton gelegen. Die sozialistischen Waren haben die Beeinträchtigung allerdings recht gut überstanden. Die DDR ist zäh.

Cola Flaschen verpackt finden sich in der Kiste.

Cola Flaschen verpackt finden sich in der Kiste.

Ich ging ans Auspacken. Zunächst kamen zwei historische Coca Cola Flaschen aus Ungarn zu Tage. Die Form der Flaschen mag ich noch heute. Eingewickelt waren die Flaschen in Zeitungspapier. Auf einen befanden sich Ratschläge für den Kraftfahrer in der DDR – irgendwie skuril. Die dritte Flasche war dann eine Ost-Cola. Cola Hit (0,65 Mark) nannte sie sich und war mit Coke oder Pepsi nicht zu vergleichen.

Cola hit - war die DDR-Variante von Coca Cola.

Cola hit – war die DDR-Variante von Coca Cola.

Auch kam das Scheuermittel ATA (0,13 Mark)  und das Waschmittel Spee (2 Mark) hervor. Schön die Verpackungen der VEB-Kombinate. In der Kiste waren noch zahlreiche Orwo-Filme, das war ein Schwarzweiß-Negativfilm aus der DDR. Den setzte ich für meine journalistische Arbeit ein und der Film war robust und ließ sich gut im Heimlabor handhaben. Es gab noch zahlreiche Verpackungen, ein DDR-Autoaufkleber, ein Schallplattenreinigungstuch (1,80 Mark) sowie Mauerreste, denn ich war ja auch mal als Mauerspecht tätig. Toll ein Beleg der Staatsbank der DDR. Ich tausche 150 DM in 450 Ostmark zum Kurs 1:3.

DDR-Autoaufkleber waren auch dabei.

DDR-Autoaufkleber waren auch dabei.

Sehr interessant war ein Tischkalender von 1989. Schon damals notierte ich mir akribisch meine Termine, um nicht den Überblick zu verlieren. Am 9. November 1989 besuchhte ich übrigens ein Supercharge Konzert und der Rest ist Geschichte.
Viel Spaß mit dem Video, es ist eine Reise in meine Vergangenheit und ja, ich bin froh um die Deutsche Einheit.

Zeitungen aus der DDR - hier die Junge Welt.

Zeitungen aus der DDR – hier die Junge Welt.