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Filmtipp Gorky Park

30. März 2019

Gorky Park war anders als die meisten Thriller, die ich bis dahin im Kino gesehen hatte. Damals im Jahre 1983 spielten meine Krimis in New York oder Chicago, die deutschen Tatorts im Pott oder Derrick ermittelte in Grünwald. Der US-Film Gorky Park spielte in Moskau und zeigte Mordermittlungen aus der Sicht der sowjetischen Polizei. Im Kino hatte mir der Film gefallen und jetzt schickte mir die Agentur die DVD zur Rezension, nachdem der Streifen Gorky Park für DVD und Bluray aufgelegt wurde.

Nachdem ich in Erinnerungen hatte, dass Gorky Park mir damals gefallen hatte, zelebrierte ich den Filmabend. Ich legte russisches Knabberzeugs bereit, schenkte mir ein Glas russischen Wodka ein und los ging’s.

Um was gehts? Im Moskauer Gorky Park werden drei bis zur Unkenntlichkeit verstümmelte Leichen gefunden. Inspektor Arkady Renko übernimmt die Ermittlungen. Er ist fest entschlossen, die Toten zu identifizieren und den Mörder zu finden. Doch von verschiedenen Seiten wird er vor allzu intensiven Nachforschungen gewarnt. Trotzdem lässt er nicht locker und erhält zudem Hilfe von FBI-Agent William Kirwill. Prompt kommen die beiden einer brisanten Staatsaffäre auf die Spur. 

Es war eine spannende Inszenierung von Michael Apted mit William Hurt und Lee Marvin in den Hauptrollen. Und während des Films wurde mir bewusst, dass die Geschichte heute nicht mehr so erzählt werden könnte. Inzwischen wäre durch DNA-Analyse die Geschichte in Sekunden geklärt und auch das Thema Zobel als Wirtschaftsgut der UdSSR hat sich erledigt. Der Roman Gorki Park (mit i statt y) von Martin Cruz Smith läuft heute ins Leere.

Aber vielleicht macht gerade das den Reiz des Films aus. Es ist eine Zeitreise in den Kalten Krieg. Die Sowjetunion bestand 1983 noch. Und natürlich konnten die Amerikaner nicht in Moskau drehen – das war erst 1988 bei Walter Hills Red Heat der Fall. So wurde im Winter im schottischen Glasgow und Helsinki in Finnland gedreht. Die Details sind sehr genau und machen Spaß. Der Film vermittelt eine kalte Thriller-Atmosphäre und hat eine Erzählweise der Filme der Endsiebziger und Anfang Achtziger. Immer wieder kam bei mir durch Kamerastil und Plot die Atmosphäre eines Dirty Harry auf. Also für mich ist Gorky Park eine Filmempfehlung für einen unterhaltsamen Abend für eine erwachsene Welt. Jugendliche werden sich bei Gorky Park einfach nur langweilen. 

William Hurt spielt hervorragend, Lee Marvin ist mir persönlich zu übertrieben als geldgieriger böser Kapitalist. Die Musik von James Horner ist prima, reicht nicht an seine späteren Meisterwerke wie Brainstorm, Star Trek III, Aliens oder Titanic heran. 

Ich erinnerte mich noch im Kino damals 1983 an den Schluss des Films. Der Held geht zurück nach Moskau, die Heldin wählt die Freiheit in den USA. „Irgendwann sehen wir uns wieder, irgendwann.“ Im Kino dachte ich mir damals 1983 „träumt weiter“. Dann nur 6 Jahre später kam der Zerfall des Ostblocks, die Auflösung der Sowjetunion und die Deutsche Vereinigung. Wie sich die Zeiten ändern …