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Wenn Algorithmen zu blühen beginnen: Ein digitales Wunder in der Kunsthalle München – Nicht verpassen

28. Februar 2026

Unbedingt noch bis zum 1. März 2026 in München ansehen. Ein absolutes Muss: „Digital by Nature“ in der Kunsthalle München tpräsentiert die bislang größte Einzelausstellung des franco-mexikanischen Medienkünstlers Miguel Chevalier in Europa und macht den Computer als künstlerisches Medium in all seinen Facetten erfahrbar.

Auf rund 120 Arbeiten – von frühen Computerbildern bis zu jüngsten, KI-gestützten Projekten – entfaltet sich ein Parcours, der digitale Bildwelten konsequent mit analogen Bezügen zur Kunst- und Naturgeschichte verschränkt. Skulpturen und Zeichnungen, die mithilfe von 3D-Druck und Robotik entstehen, stehen neben Videos, maschinell produzierten Stickereien und großformatigen Projektionen und veranschaulichen, wie sehr Chevalier die Formfindung an Software, Algorithmen und automatisierte Fertigungsprozesse auslagert. Die räumlich angelegten, immersiven Installationen bilden das Zentrum der Schau: Hier generieren eigens entwickelte Programme in Echtzeit immer neue Bildkonstellationen, deren Ablauf zwar auf klar definierten Code-Strukturen beruht, aber bewusst mit Zufallsparametern arbeitet.


Besucher greifen mit ihren Körpern unmittelbar in diese digitalen Ökosysteme ein – Sensoren erfassen Bewegungen im Raum, die Software reagiert darauf, verändert Formen, Farben und Bewegungsrichtungen der Projektionen und macht so das Zusammenspiel von System und Zufall ästhetisch sichtbar.
Auch der Katalog Miguel Chevalier – Digital by Nature ist absolut lohenswert.

Technisch setzt die Ausstellung auf ein Zusammenwirken verschiedener digitaler und analoger Komponenten: Hochauflösende Projektionssysteme und große, teilweise wandfüllende Screens erzeugen die visuelle Umgebung, während Tracking-Technologien, Kameras und Bewegungssensoren die Position und Gestik der Besucher in Datenströme übersetzen, die von den zugrunde liegenden Algorithmen verarbeitet werden. In den generativen Arbeiten laufen diese Algorithmen permanent im Hintergrund und produzieren Bildsequenzen, die nie exakt wiederkehren und damit eher einem lebendigen Prozess ähneln als einem fixierten Kunstobjekt. Bei den plastischen Werken kommen 3D-Drucker und robotische Zeichenarme zum Einsatz, welche die am Computer entworfenen Formen Schicht für Schicht in physische Objekte überführen und so den Übergang von der reinen Datenstruktur in den materiellen Raum markieren. Besonders deutlich wird das Zusammenspiel aus Software, Interface-Design und räumlicher Inszenierung in „In Vitro Pixel Flowers“: Hier entwerfen Besucher über eine digitale Oberfläche eigene virtuelle Pflanzen, die serverseitig verarbeitet und anschließend als Teil eines ständig wachsenden, projizierten „Gewächshauses“ in der Kunsthalle sichtbar werden. Ergänzt durch naturhistorische Objekte wie Kristalle oder Unterwasseraufnahmen reflektiert die Ausstellung insgesamt die Nähe zwischen biologischen Wachstumsprozessen und algorithmisch erzeugten Mustern und thematisiert damit sowohl die Faszination digitaler Simulation als auch die Eingriffe des Menschen in seine Umwelt.

Zu den interaktiven Highlights von „Digital by Nature“ in der Kunsthalle München zählen vor allem die raumgreifenden, generativen Installationen, die auf Körperbewegungen reagieren. Besucherinnen und Besucher bewegen sich durch projizierte Bildwelten, während Sensoren ihre Position registrieren und die Algorithmen daraufhin Farben, Formen und Bewegungsrichtungen der digitalen Muster verändern – jede Bewegung schreibt so die Bildsequenz ein Stück weit neu.

Als klar hervorgehobenes „Signature Piece“ gilt das digitale Gewächshaus „In Vitro Pixel Flowers“ beziehungsweise „Pixel Flowers“: Über eine Online-Plattform und Terminals vor Ort entwerfen Erwachsene und Kinder eigene virtuelle Blumen, die anschließend als Teil eines leuchtenden, projizierten Gartens im Ausstellungsraum erscheinen. Dieser virtuelle Garten wächst während der Laufzeit der Schau kontinuierlich weiter und macht die kollektive Beteiligung des Publikums sichtbar. Ein weiteres zentrales interaktives Erlebnis ist die Installation „Meta-Nature AI“, in der KI-gestützte, florale und landschaftsartige Strukturen den Raum füllen und sich durch Algorithmen permanent verändern, während zugleich die Bewegungen der Besucher die Atmosphäre der Projektionen

Miguel Chevalier, 1959 in Mexiko-Stadt geboren, ist ein franco-mexikanischer Medienkünstler und gilt international als Pionier der digitalen und virtuellen Kunst. Seit Ende der 1970er-Jahre nutzt er den Computer als zentrales künstlerisches Werkzeug und entwickelt großformatige, oft immersive Installationen, die Themen wie Natur versus Künstlichkeit, Datenströme und urbane Räume erforschen.

Er lebt und arbeitet überwiegend in Paris, wo er an renommierten Kunsthochschulen studierte und seit den 1980er-Jahren kontinuierlich neue Technologien – von Echtzeit-Software bis hin zu KI – in seine Arbeit integriert. Chevalier hat seine Werke weltweit in Museen, im öffentlichen Raum und auf Festivals präsentiert und zählt heute zu den prägenden Figuren der internationalen digitalen Kunstszene.

3D-Konferenz: animago AWARD kommt nach München

3. April 2016

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Endlich, endlich ist es soweit. Der wichtigste europäische Preis für 3D-Animation, der animago AWARD, wird dieses Jahr 20 Jahre alt und was noch wichtiger ist, der Preis wird am 27. Oktober im Münchner Gasteig verliehen. Die animago CONFERENCE findet am 27./28. Oktober in München statt.
Ich freue mich sehr und bin auch stolz. Als Chefredakteur der DIGITAL PRODUCTION habe ich mich zu meiner aktiven Zeit versucht, den Preis nach München zu bekommen. Die Mühlen der Entscheidungsträger mahlen langsam, ganz langsam. Jetzt ist es soweit und ich gratuliere dem heutigen Team von ganzem Herzen.
Zusammen mit meinen damaligen Team haben wir Ministern, Amtsleitern, Cluster-Geschäftsführern, Lobbyisten, Messevertretern, Hochschulprofessoren und andere Multiplikatoren besucht und für den animago fett Werbung gemacht. Was haben wir uns den Mund fusselig geredet. Diese Vorarbeit zahlt sich jetzt aus. Die Ernte wird eingefahren und das ist prima. Der animago in Bayern – das zeigt, wie wichtig der Freistaat für die 3D-Branche ist.
Der Preis hat eine lange Reise durch Deutschland hinter sich. Vor langer Zeit war er in Stuttgart bei der fmx angesiedelt, dann ein kurzer Abstecher nach Karlsruhe in der Nähe des ZKM, dann ging es für mehrere Jahre nach Berlin Babelsberg, gefördert durch das Medienboard Berlin-Brandenburg. Als Chefredakteur habe ich die Standorte Karlsruhe und Berlin aktiv mitgemacht und stand als Rampensau auf der Bühne. Das hat Spaß gemacht. Ich halte es als Chefredakteur für wichtig, den Abend selbst zu moderieren, denn ich war eine Marke in der Branche. Im Februar 2010 bin ich von der DIGITAL PRODUCTION ausgeschieden und habe mich selbstständig gemacht. Jetzt kommt Preis und Konferenz nach München und ich als Bayer finde das gut. Es handelt sich übrigens um das 20jährige Jubiläum des animago AWARDs.

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Ab sofort können Kreative aus der ganzen Welt wieder ihre Arbeiten rund um 3D-Animation, Still, visuelle Effekte und Visualisierung für den internationalen Wettbewerb des animago AWARD 2016 einreichen. Insgesamt zwölf Kategorien in allen Disziplinen der CGI sind ausgeschrieben. Die Teilnahme ist kostenfrei und bis 30 Juni 2016 möglich. Also los und Beiträge einreichen.
Die „Beste Nachwuchsproduktion“ ist erneut mit 3.000 Euro Preisgeld von der DIGITAL PRODUCTION dotiert. Anlässlich 20 Jahre animago AWARD wird ein besonderer „Jubiläumspreis“ vergeben, Nominierte und der Gewinner werden via Publikumsvoting gesucht.
Die heutige animago-Projektleiterin Jana Freund freut sich. „Wir sagen herzlichen Dank für das uns entgegengebrachte Vertrauen über einen so langen Zeitraum in einer sich so rasant verändernden Branche.“ Ich schließe mich als ehemaliger Projektleiter an. „Gut gemacht und willkommen in München.“

Der animago AWARD 2016 ist in folgenden zwölf Kategorien ausgelobt:
– Beste Visual Effects
– Bester Kurzfilm
– Bester Charakter
– Bestes Game Cinematic
– Bestes Motion Design
– Beste Werbeproduktion
– Beste Visualisierung
– Beste Nachwuchs-Produktion (3.000 € Preisgeld von der DIGITAL PRODUCTION)
– Bestes Still (Publikumsvoting)
– Sonderpreis der Jury
– Architektur-Sonderpreis, presented by DETAIL
– Jubiläumspreis (Publikumsvoting)

 

Viel Lob, viel Ehr
Bayerns Medienministerin Ilse Aigner: „Mit der international renommierten Veranstaltung animago AWARD & CONFERENCE konnte ein Veranstaltungsschwergewicht der VFX-Branche für den Standort Bayern gewonnen werden. Dies zeigt, dass Bayern im Bereich der digitalen Medien ein sehr attraktiver Standort ist. Wir wollen nun durch eine langfristige Zusammenarbeit mit dem ‚animago AWARD & CONFERENCE‘ auch internationale Sichtbarkeit erzeugen“. Recht hat sie die Ilse.

„Mit animago AWARD & CONFERENCE setzt München einen weiteren kultur- und kreativwirtschaftlichen Meilenstein. München als herausragender Standort für Kultur- und Kreativwirtschaft, Medienkunst und deren technische Umsetzung freut sich, mit animago noch eine bedeutende Veranstaltung zur Diskussion künstlerischer Innovationen im Animations- und Visual Effects-Bereich gewinnen zu können. Darüber hinaus verstärkt der animago AWARD die Sichtbarkeit der lokaler Digitalkünstlerinnen und -künstler. Ich freue mich auf ein vielversprechendes, neues Branchen-Meeting an der Schnittstelle von Medienkunst, Kreativwirtschaft und technischer Realisierung“, erklärt Dr. Hans-Georg Küppers, Kulturreferent der Landeshauptstadt München.

„Wir freuen uns besonders, dass es dank der Förderung durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie sowie durch das Kulturreferat der Stadt München gelungen ist, unsere Veranstaltung animago AWARD & CONFERENCE nach München, der Stadt unseres Verlagssitzes, zu holen.“, so Karin Lang, Geschäftsführerin des Münchner Fachverlags, ATEC Business Information GmbH. „Dass animago parallel zu den Münchener Medientagen stattfindet, wird bei allen Medienbegeisterten auf großen Zuspruch stoßen und wir versprechen uns von dem attraktiven Standort im Gasteig in München noch höhere Teilnehmerzahlen.“