Bis zum 31. März 2026 läuft im Kulturhaus Abraxas in Augsburg die Vernissage der Ausstellung „Vergessene Welten – Lost Place Art“ von Agnes Hörter. Die Schau bietet einen intensiven Einblick in die faszinierende Welt verlassener Orte und räumt den Betrachtern viel Raum für eigene Empfindungen ein.
Das Kulturhaus Abraxas in Augsburg ist ein kulturelles Zentrum der Stadt und befindet sich im Stadtteil Kriegshaber auf dem Gelände der ehemaligen Reese-Kaserne. Es wurde 1995 vom Kulturamt der Stadt Augsburg eröffnet und ist in einem früheren Offizierskasino der Somme-Kaserne untergebracht, das in den 1930er-Jahren errichtet wurde und später von der US-Armee genutzt wurde. 
Die Ausstellung vereint einzigartige Fotografien mit Kunstwerken auf Fundstücken und zeigt die vergessenen Spuren vergangener Zeiten in höchst atmosphärischen Bildern. 
Agnes Hörter, eine lang in Augsburg lebende Fotografin und Autorin, widmet sich seit vielen Jahren der visuellen Dokumentation von verlassenen Gebäuden. Ich habe mit ihr früher schon mal ein ausführliches Interview gemacht und ihre Ausstellungen besucht. Ihr Blick richtet sich auf das, was oft unbeachtet bleibt: verlassene Fabrikhallen, alte Werkstätten, leere Wohnhäuser und stillgelegte Anlagen. In ihren Arbeiten verschmilzt sie verfallene Strukturen mit einer eigenen künstlerischen Handschrift, die den Betrachter dazu einlädt, die Geschichte dieser Orte nachzuempfinden. 
Die Ausstellung bietet nicht nur spannende Motive aus der Welt der Lost Places, sondern verknüpft Fotografie mit Objektkunst und lädt dazu ein, die Schönheit im Verfall zu entdecken. Für viele Besucher ist dies eine Einladung, die oft unbeachteten Spuren unserer gebauten Umwelt mit neuen Augen wahrzunehmen und die Geschichten hinter den Mauern zu erahnen.
Was mich besonders freut: Einige Aufnahmen entstanden in der Brauerei Seelmann. Mit deren Betreibern bin ich seit Jahren bekannt. Die Brauerei Seelmann ist eine kleine, traditionsreiche Braustätte im Bamberger Land, genauer im Ort Zettmannsdorf bei Bamberg. Ihre Wurzeln reichen bis ins Jahr 1608 zurück, wodurch sie zu den historischen Brauereien der Region zählt. Über Jahrhunderte blieb der Betrieb in Familienbesitz und bewahrte viele originale Anlagen wie Sudhaus, Gärkeller und Abfülltechnik. Die historische Anlage mit ihren erhaltenen Maschinen und Räumen gilt als eindrucksvolles Zeugnis fränkischer Braukultur und als idealer Foto-Hotspot.
Zur Ausstellung ist auch ein Katalog mit Bildern und Erklärungen erschienen, der sich ebenso wie ihre Bilder über die Künstlerin Agnes Hörtner beziehen lässt.
Es gibt Momente, die sind zu schön, zu flüchtig, um sie einfach nur auf dem Handy zu speichern. Momente, die nach etwas Greifbarem verlangen – nach einem Bild, das man in der Hand halten, an die Wand pinnen oder einem geliebten Menschen mitgeben kann. Genau hier beginnt für mich die Magie der Polaroid-Fotografie. In einer Welt, in der alles digital, perfekt bearbeitet und sofort geteilt ist, wirkt ein Polaroid-Foto wie ein kleiner Schatz. Unperfekt, ehrlich, einmalig. Und vielleicht ist es genau diese Unmittelbarkeit und Einmaligkeit, die uns so tief berührt.
Meine beiden Polaroid SX-70 Besonders faszinierend wird diese Art der Fotografie, wenn ich meine beiden Kameras Polaroid SX-70 in den Händen halte. Sie sind mehr als nur ein technisches Gerät – sie sind für mich ein Kunstobjekt, ein Stück Designgeschichte, ein Fenster in eine andere Zeit. Ich habe die Version 2 und 3 in schwarz.
Die SX-70 war bei ihrer Einführung in den 1970er Jahren eine Revolution: Die erste Sofortbildkamera, die sich zusammenklappen ließ, mit einem Sucher zum Durchblicken, einem Autofokus, der für seine Zeit bahnbrechend war, und einem Auswurfmechanismus, der das Bild wie durch Zauberhand in die Welt entließ. Man faltet sie auf, hört das leise Klicken beim Spannen des Mechanismus, sieht durch den Sucher, drückt den Auslöser – und dann geschieht etwas beinahe Magisches: Das Bild gleitet aus der Kamera, noch ganz grau, noch unklar. Und dann beginnt das Warten.
Diese Minuten, in denen das Foto langsam entsteht, sind fast schon meditativ. Es ist, als würde sich die Erinnerung in Zeitlupe auf Papier legen. Kein Filter, keine Vorschau, keine zehn Versuche. Ein Schuss, ein Moment, ein echtes Bild. Die Farben wirken weicher, die Kontraste rauer, das Licht lebendiger. Es sind diese kleinen Fehler – Unschärfen, Farbstiche, Schatten – die das Polaroid so charmant machen. Sie geben dem Bild eine Seele.
Originale in einer Welt der Kopien Vielleicht liegt die Faszination auch darin, dass jedes Polaroid ein Original ist. Es gibt keine Kopie, kein Duplikat. Was du da in der Hand hältst, gibt es nur ein einziges Mal auf der Welt – so wie den Moment, den es festhält. Und genau das macht es so kostbar. In Zeiten der endlosen Bilderflut auf Social Media wirkt ein Polaroid wie ein Gegenpol. Es zwingt uns, achtsamer zu sein. Überlegter. Bewusster. Es erinnert uns daran, dass Erinnerungen nicht perfekt sein müssen, um schön zu sein. Sie müssen nur echt sein.
Die Polaroid SX-70 ist für mich nicht einfach eine Kamera. Sie ist ein Erlebnis. Eine Einladung, die Welt wieder mit anderen Augen zu sehen – und sie so festzuhalten, wie sie wirklich ist: unperfekt, vergänglich und wunderschön. Ich übe jetzt ein bisschen und werde sie dann in meinem Jahresurlaub mitnehmen (und meine Gattin nerven).
The Polaroid Book Und weil es mich so fasziniert, hab ich mich nach einem interessanten Buch umgesehen und The Polaroid Book gefunden. Nach einer Woche auf dem Sofa ist für mich The Polaroid Book aus dem renommierten Taschen Verlag weit mehr als ein reines Fotobuch – es ist eine Liebeserklärung an ein ikonisches Medium und eine Hommage an die Magie des Moments. Mit über 250 ausgewählten Polaroid-Aufnahmen aus der Sammlung der Polaroid Corporation bietet das Buch einen Überblick über die künstlerische Bandbreite, die dieses Format hervorgebracht hat. Die seit mehr als 50 Jahren bestehende Fotosammlung der Polaroid Corporation ist das weltweit größte Portfolio von Polaroid-Bildern. Die Sammlung, einst begonnen von Polaroid-Firmengründer Edwin Land und dem Fotografen Ansel Adams, enthält zur Zeit rund 23.000 Bilder von fast 2.000 Fotografen aus aller Welt, darunter Berühmtheiten wie David Hockney, Andy Warhol und Jeanloup Sieff. Der Band enthält über 250 Fotos aus der Polaroid-Sammlung, einen Essay von Polaroid-Kuratorin Barbara Hitchcock über die Anfänge und die Geschichte der Sammlung, sowie einen technischen Anhang mit dem Verzeichnis der verschiedenen Typen von Polaroid-Kameras.
Stimmung der Polaroids Ich habe mir die preiswerte Ausgabe zum 40. Geburtstag von Taschen gekauft. Schon beim Durchblättern spürt man die besondere Stimmung, die Polaroids ausstrahlen. Es sind intime, spontane und oft überraschend poetische Bilder, die in ihrer Unmittelbarkeit berühren. Ob Porträts, Stillleben, abstrakte Experimente oder Momentaufnahmen aus dem Alltag – jedes Foto erzählt eine eigene kleine Geschichte. Und genau darin liegt der Reiz: Die Bilder wirken nie inszeniert, sondern nahbar und ehrlich.
Vielfalt Besonders beeindruckend ist die Vielfalt der Künstler, die im Buch vertreten sind. Von weltbekannten Namen wie Andy Warhol, David Hockney oder Helmut Newton bis hin zu unbekannteren Fotografen – die Sammlung zeigt, wie unterschiedlich das Sofortbild interpretiert und genutzt wurde. Auch die Tatsache, dass das Buch sowohl professionelle als auch amateurhafte Aufnahmen zeigt, unterstreicht die demokratische Natur der Polaroid-Fotografie: Jeder konnte mitmachen, jeder Moment konnte zum Kunstwerk werden.
Optisch und haptisch ist das Buch – ganz TASCHEN-typisch – ein Genuss auch wenn es sich nur um die Volksausgabe von Taschen handelt. Die Verarbeitung, das großzügige Layout und die liebevolle Gestaltung machen es zu einem Sammlerstück für alle, die Fotografie lieben. Es eignet sich wunderbar zum Verschenken, aber eigentlich möchte man es gar nicht mehr aus der Hand legen. Wem sollte ich das Buch auch verschenken? Ein Muss für alle Fotobegeisterten, Nostalgiker und Freunde des Unperfekten.