Posts Tagged ‘Gesellschaft für Konsumforschung’

Digitaler Wachstumsmarkt: Musik, Games, Filme und eBooks

3. Oktober 2012

Die Welt verändert sich schneller als so mancher es wahrhaben mag. Ich gebe viele Seminare und gehe dabei auch auf die digitale Spaltung der Gesellschaft ein. Während ein Teil meiner Zuhörer in der digitalen Welt angekommen ist und sich dort zurechtfindet, lebt ein anderer Teil in der analogen Welt. Das ist nicht schlimm. Schlimm ist nur, dass mehr und mehr beide Teile übereinander statt miteinander reden.

Dabei muss es gar nicht um so Dinge wie das Nutzen von sozialen Netzwerken drehen, es sind oft banale Vorgänge, wie das Einkaufen im Netz. Mein Lieblingsvisionär Nicholas Negroponte hat recht, wenn er sagt: Alles, was digital vertrieben werden kann, wird künftig digital vertrieben. „Don‘t move atoms, move bytes!“ Und aktuelle GfK-Zahlen geben dem ehemaligen Leiter des MIT Negroponte wiederum recht. Downloads gewinnen in allen Entertainment-Bereichen klar an Bedeutung. Laut GfK-Berechnungen anlässlich der Frankfurter Buchmesse stieg der Download-Umsatz von Musik, Games, Software, Filmen und Büchern im ersten Halbjahr 2012 auf 392 Millionen Euro. Ein deutliches Plus von fast 60 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Auf E-Books entfallen 11 Prozent der Umsätze, insgesamt 44 Millionen Euro.

Digital und analog in der New York Stadtbücherei

Digital und analog in der New York Stadtbücherei

Besonders interessant finde ich die Entwicklung bei Büchern. Der Absatz von E-Books steigt, trotz Buchpreisbindung und höherer Mehrwertsteuer von 19 Prozent (anstelle wie bei Papier 7 Prozent).

Bücher stehen hoch in der Gunst der Deutschen. Im gesamten Entertainment-Markt, bestehend aus  Musik, Games, Software, Kino, Video und Bücher dominiert der Buchmarkt mit einem Umsatzanteil von 39 Prozent.  Betrachtet man nur den Download-Markt, auf den mittlerweile rund 10 Prozent aller Entertainment-Umsätze entfallen, dann ist Musik weiterhin das mit Abstand größte Segment. Die rasanteste Entwicklung weisen jedoch E-Books auf. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verdoppelte sich ihr Umsatzanteil. Damit haben E-Books die Download-Anteile der Bereiche Video und Hörbuch überholt. Weitere Zuwächse versprechen die erfahrungsgemäß stärkeren letzten beiden Quartale des Jahres.

Mit dem wachsenden E-Book-Markt steigt auch die Nachfrage nach E-Readern. Mit unterschiedlichen Technologien, Designs und Marken überzeugen die Hersteller die Konsumenten. Das merke ich auch in diesem Blog. Einer der meistgelesenen Artikel sind meine Ansichten, ob der Kindle oder das iPad der bessere E-Reader ist. Laut GfK besitzen bereits  2,2 Millionen Deutsche einen E-Reader. Knapp die Hälfte davon ist in der Altersgruppe von 30- bis 49-Jahren. Besonders Frauen favorisieren E-Reader, Männer hingegen lesen E-Books bevorzugt auf Tablet-PCs oder beispielsweise Smartphones.

Studien und Streit um eBooks

21. März 2011

Es ist schon wieder passiert. Am Wochenende war die Leipziger Buchmesse und ich traf auf streitbare Besucher, die Bücher in Papierform verteidigten. Papier, Papier, Papier und zur Hölle mit den eBooks. Die Welt immer schön schwarz/weiß sehen, dann ist es einfacher. Und natürlich bringt die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) die richtige Studie auf Tablett: eBooks seien noch kein Massenmarkt. Die Papier-Freaks setzten noch eines drauf: Wir Deutschen mögen keine eBooks. Und ich sage: Das ist Quatsch.

Interessant ist das aus dem GfK-Ergebnis, dass die Verkaufszahlen von eBooks gering seien, sofort die Folge hatte, dass wir alle keine eBooks mögen. Hier die Fakten: In Deutschland sind elektronische Bücher hingegen noch ein Nischenprodukt. Laut Berechnungen der GfK Panel Services lag der Anteil von eBooks am gesamten deutschen Buchumsatz im Jahr 2010 bei 0,5 Prozent und erreichte ein Volumen von 21 Millionen Euro. Bisher bieten erst 35 Prozent der deutschen Verlage eBooks an, viele wollen allerdings in Kürze folgen.

Ich maul einfach mal: Die eBooks tun sich in Deutschland schwer, aufgrund der Buchpreisbindung. Musik ist online billiger als auf CD, Spiele sind preiswerter als auf Datenträger – bei Büchern gilt die Buchpreisbindung und eBooks kosten fast so viel wie gedruckte Bücher. Warum denn nur? Damit wir Verlage durchfüttern, die an Autoren verdienen – nicht der Autor verdient den Großteil an seinem Buch. Bei eBooks fallen keine Druck- und Papierkosten sowie Lagerkosten an und trotzdem soll ich für ein eBook fast soviel hinlegen, wie für ein gedrucktes Buch. Nee nee

Nach Jahren der Stagnation nimmt der Download-Markt auch in Deutschland langsam an Fahrt auf. Einkaufen in der Cloud ist schon ne coole Sache. Laut Berechnungen der GfK Panel Services wurden im Jahr 2010 bereits 5 Prozent der Gesamtumsätze mit Medienprodukten über die Download-Variante erzielt. Insgesamt 417 Millionen Euro setzte die Branche mit den Downloads von Musik, Hörbüchern, Software, Games, Videos oder eBooks um, und damit 54 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Auch die Zahl der verkauften Dateien legte um 42 Prozent auf 98 Millionen Stück deutlich zu. Auf eBooks entfiel im gesamten Download-Markt allerdings nur ein Umsatzanteil von 5 Prozent.

Insgesamt 21 Millionen Euro gaben die Deutschen im vergangenen Jahr für
eBooks (ohne Schul- und Fachbücher) aus und kauften rund zwei Millionen Titel. Die Zahl der Käufer belief sich auf rund 540.000 Personen, wobei der typische eBook-Kunde männlich und im Alter zwischen 30 und 49 Jahren ist. Bei den Genres zeigt sich ein hoher Anteil an Belletristik, die knapp 60 Prozent aller bezahlten eBooks ausmacht, während ihr Umsatzanteil unter gedruckten Büchern nur 48 Prozent beträgt. Auch Ratgeber erfreuen sich in eBook Form mit einem Umsatzanteil von 24 Prozent im Vergleich zu 15 Prozent bei gedruckten Ausgaben höherer Beliebtheit. Kinder- und Jugendbücher sowie Reiseliteratur sind hingegen als eBook-Variante deutlich weniger gefragt.

Eine aktuelle Umfrage der GfK Panel Services im Auftrag des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels unter Verlagen und Buchhändlern zeigt, dass derzeit 35 Prozent der Verlage eBooks im Angebot haben. Für das aktuelle Jahr planen weitere 18 Prozent die Einführung von eBooks und im Jahr 2012 noch mal 7 Prozent. Unter den großen Verlagen liegt der Anteil derjenigen, die bereits heute eBooks anbieten, bei 67 Prozent.

Potenzial für eBooks wächst auch in Deutschland

Das Potenzial für eBooks steigt derzeit deutlich und dürfte sich mit einer Ausweitung des Angebots an deutschen Titeln noch intensivieren. Aktuell sind rund neun Millionen Deutsche an eBooks interessiert. Im Vorjahr lag der Wert noch bei rund sieben Millionen. Aus Sicht der Verbraucher, die bereits von eBooks gehört haben, bieten die elektronischen Varianten eine Reihe von Vorteilen. So halten knapp 60 Prozent eBooks für umweltfreundlicher als gedruckte Bücher und 56 Prozent denken, dass eBooks günstiger angeboten werden können. Hahaha und hier haben sie falsch gedacht: Buchpreisbindung, Buchpreisbindung, Buchpreisbindung Für knapp die Hälfte der Befragten wären sie eine Lösung für Platzprobleme in der eigenen Wohnung und 40 Prozent halten sie für modern und die neue Art des Lesens. Zu einer echten Konkurrenz für gedruckte Bücher werden sich die elektronischen Varianten allerdings in absehbarer Zeit nicht entwickeln. Aktuell bekunden 78 Prozent der Deutschen, dass sie Bücher nicht auf einem Bildschirm oder Display lesen wollen. Doch auch hier zeigen sich Potenziale für die elektronischen Varianten: im Jahr 2009 lehnten noch 83 Prozent das Bücherlesen am Bildschirm ab.