Studien und Streit um eBooks

Es ist schon wieder passiert. Am Wochenende war die Leipziger Buchmesse und ich traf auf streitbare Besucher, die Bücher in Papierform verteidigten. Papier, Papier, Papier und zur Hölle mit den eBooks. Die Welt immer schön schwarz/weiß sehen, dann ist es einfacher. Und natürlich bringt die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) die richtige Studie auf Tablett: eBooks seien noch kein Massenmarkt. Die Papier-Freaks setzten noch eines drauf: Wir Deutschen mögen keine eBooks. Und ich sage: Das ist Quatsch.

Interessant ist das aus dem GfK-Ergebnis, dass die Verkaufszahlen von eBooks gering seien, sofort die Folge hatte, dass wir alle keine eBooks mögen. Hier die Fakten: In Deutschland sind elektronische Bücher hingegen noch ein Nischenprodukt. Laut Berechnungen der GfK Panel Services lag der Anteil von eBooks am gesamten deutschen Buchumsatz im Jahr 2010 bei 0,5 Prozent und erreichte ein Volumen von 21 Millionen Euro. Bisher bieten erst 35 Prozent der deutschen Verlage eBooks an, viele wollen allerdings in Kürze folgen.

Ich maul einfach mal: Die eBooks tun sich in Deutschland schwer, aufgrund der Buchpreisbindung. Musik ist online billiger als auf CD, Spiele sind preiswerter als auf Datenträger – bei Büchern gilt die Buchpreisbindung und eBooks kosten fast so viel wie gedruckte Bücher. Warum denn nur? Damit wir Verlage durchfüttern, die an Autoren verdienen – nicht der Autor verdient den Großteil an seinem Buch. Bei eBooks fallen keine Druck- und Papierkosten sowie Lagerkosten an und trotzdem soll ich für ein eBook fast soviel hinlegen, wie für ein gedrucktes Buch. Nee nee

Nach Jahren der Stagnation nimmt der Download-Markt auch in Deutschland langsam an Fahrt auf. Einkaufen in der Cloud ist schon ne coole Sache. Laut Berechnungen der GfK Panel Services wurden im Jahr 2010 bereits 5 Prozent der Gesamtumsätze mit Medienprodukten über die Download-Variante erzielt. Insgesamt 417 Millionen Euro setzte die Branche mit den Downloads von Musik, Hörbüchern, Software, Games, Videos oder eBooks um, und damit 54 Prozent mehr als noch im Jahr zuvor. Auch die Zahl der verkauften Dateien legte um 42 Prozent auf 98 Millionen Stück deutlich zu. Auf eBooks entfiel im gesamten Download-Markt allerdings nur ein Umsatzanteil von 5 Prozent.

Insgesamt 21 Millionen Euro gaben die Deutschen im vergangenen Jahr für
eBooks (ohne Schul- und Fachbücher) aus und kauften rund zwei Millionen Titel. Die Zahl der Käufer belief sich auf rund 540.000 Personen, wobei der typische eBook-Kunde männlich und im Alter zwischen 30 und 49 Jahren ist. Bei den Genres zeigt sich ein hoher Anteil an Belletristik, die knapp 60 Prozent aller bezahlten eBooks ausmacht, während ihr Umsatzanteil unter gedruckten Büchern nur 48 Prozent beträgt. Auch Ratgeber erfreuen sich in eBook Form mit einem Umsatzanteil von 24 Prozent im Vergleich zu 15 Prozent bei gedruckten Ausgaben höherer Beliebtheit. Kinder- und Jugendbücher sowie Reiseliteratur sind hingegen als eBook-Variante deutlich weniger gefragt.

Eine aktuelle Umfrage der GfK Panel Services im Auftrag des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels unter Verlagen und Buchhändlern zeigt, dass derzeit 35 Prozent der Verlage eBooks im Angebot haben. Für das aktuelle Jahr planen weitere 18 Prozent die Einführung von eBooks und im Jahr 2012 noch mal 7 Prozent. Unter den großen Verlagen liegt der Anteil derjenigen, die bereits heute eBooks anbieten, bei 67 Prozent.

Potenzial für eBooks wächst auch in Deutschland

Das Potenzial für eBooks steigt derzeit deutlich und dürfte sich mit einer Ausweitung des Angebots an deutschen Titeln noch intensivieren. Aktuell sind rund neun Millionen Deutsche an eBooks interessiert. Im Vorjahr lag der Wert noch bei rund sieben Millionen. Aus Sicht der Verbraucher, die bereits von eBooks gehört haben, bieten die elektronischen Varianten eine Reihe von Vorteilen. So halten knapp 60 Prozent eBooks für umweltfreundlicher als gedruckte Bücher und 56 Prozent denken, dass eBooks günstiger angeboten werden können. Hahaha und hier haben sie falsch gedacht: Buchpreisbindung, Buchpreisbindung, Buchpreisbindung Für knapp die Hälfte der Befragten wären sie eine Lösung für Platzprobleme in der eigenen Wohnung und 40 Prozent halten sie für modern und die neue Art des Lesens. Zu einer echten Konkurrenz für gedruckte Bücher werden sich die elektronischen Varianten allerdings in absehbarer Zeit nicht entwickeln. Aktuell bekunden 78 Prozent der Deutschen, dass sie Bücher nicht auf einem Bildschirm oder Display lesen wollen. Doch auch hier zeigen sich Potenziale für die elektronischen Varianten: im Jahr 2009 lehnten noch 83 Prozent das Bücherlesen am Bildschirm ab.

 

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2 Antworten to “Studien und Streit um eBooks”

  1. Boris Karnikowski Says:

    Der Anteil von Druck-, Papier- und Lagerkosten am Buchpreis ist viel geringer, als viele denken – er liegt bei ca. 20% des Nettopreises (was wiederum die Hälfte des Ladenpreises ist, nach Abzug von Händlerspanne und MwSt.). Die restlichen 80% gehen auf Satz- und Korrekturkosten, Betriebskosten des Verlages (er erbringt ja auch die Entwicklungskosten (Lektorat), Marketing und Vertrieb etc.) und natürlich das Autorenhonorar. Und ja, ein Profit für den Verlag (als Wirtschaftsunternehmen) ist auch noch dabei. Alles gerechnet, s.o., von der Hälfte des Ladenpreises.
    Das ist bei eBooks übrigens nicht anders – auch hier gibt es die Händlerspannen, Kosten für die Distribution und das Marketing, Entwicklungskosten und Autorenhonorare. Momentan sind eBooks zwar noch teilfinanziert durch die „physischen“ Bücher, aber die Verlage haben zur Erschließung des Marktes auch hohe Initialkosten zu stemmen. Sobald der Anteil von eBook-Verkäufen signifikant hoch und der Anteil gedruckter Bücher entsprechend kleiner wird (anderes Thema: wird es dank eBooks mehr Leser geben?), fällt auch diese Querfinanzierung weg.
    Also Buchpreisbindung hin oder her – ich gehe davon aus, dass Leser auch in Zukunft sorgfältig entwickelte, d.h. inhaltlich/fachlich korrekte und formal ansprechende Inhalte lesen wollen. Und die müssen entwickelt, bereitgestellt und als wirtschaftlich sinnvolle Produkte gepreist werden. In diesem Sinne sehe ich selbstverlegte eBooks bei Lulu.com etc. eher gelassen. Oder in Abwandlung eines Mottos aus einer ganz anderen Branche: Was Verlage können, können nur Verlage:). Auch wenn sie in fünf Jahren anders aussehen und funktionieren werden als heute.

  2. Franz Neumeier Says:

    Das Problem ist aus meiner Sicht, dass immer alles über einen Kamm geschoren wird.

    „Bücher“ müssen immer extrem hohen Qualitätsanorderungen genügen, ausführlich lektoriert, begutachtet, und was-weiss-ich-nicht-noch-alles werden. Völlig in Ordnung. Aber doch nicht für alles, was auf dieser Welt publiziert wird!

    Und genauso wenig sind eBooks die Heilbringer der Zukunft für alles und jeden. Aber der eBook-Markt ist noch am Anfang und da gibt es viel zu entdecken und auszuprobieren. Wer da nicht mitspielt, wir am Ende irgendwie verlieren.

    Nur ein Beispiel dafür, warum eBooks einfach etwas Anderes sind als klassische Bücher: Als fachkundiger Autor könnte man oft mal schnell ein eBook zu einem Nischenthema veröffentlichen, ohne diesen ganzen Verlags-/Buch-Overhead. Für 5 Euro Verkaufspreis oder noch weniger. Dafür mit ein paar Abstrichen beim Layout, vielleicht mit ein paar Tippfehlern (die heutzutage selbst in Tageszeitungen in Massen zu finden sind), aber dafür schnell, aktuell, direkt. Ohne ISBN-Nummer, die allein schon einen zweistelligen Prozentsatz des Umsatzes eines solchen Mini-Projektes verschlingt und für einen nicht-klassischen Vertriebsweg (nämlich z.B. via Website oder Facebook-Account des Autors) auch völlig überflüssig ist.

    Klar können Verlage solche Phänomene wie Lulu und Co gelassen sehen, das ist nämlich einfach eine andere Welt. So wie das T-Online-Portal nichts mit Facebook zu tun hat. Wie man ideologisch beurteilt, ob klassische Verlags-Bücher oder schnell selbst publizierte eBooks die Zukunft sind – das überlasse ich anderen. Ich bin überzeugt, dass es beides geben wird.

    Den Bereich eBook mit seinen ganz eigenen Gesetzen zu ignorieren halte ich aber für einen großen Fehler. Wie gut (bzw. schlecht) das Ausbremsen neuer Techonologien funktioniert, hat der Musik-Bereich glaube ich schon einmal deutlich gezeigt …

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