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K.G. Kölsche Figaros e.V.: Karnevalistische Sitzung 2013 im Tanzbrunnen

12. Februar 2013
Richtig Stimmung mit der Dance Fauth Company.

Richtig Stimmung mit der Dance Fauth Company.

Für mich als Bayer ist es schon etwas besonderes, wenn ich ins Rheinland in die Hochburg des Karnevals fahre. Wer etwas über die fünfte Jahreszeit verstehen will, muss sich ins Getümmel werfen in Köln, Düsseldorf, Mainz und wie die Städte nördlich der Donau so alle heißen. Formen des Karnevals gibt es viele: Straßenkarneval, Umzug, der alternative Karneval, Sitzungen und vieles mehr. Aber es gibt nur eine Sitzung der Friseure zu Karneval. Ich besuchte die Prunksitzung der K.G. Kölsche Figaros e.V. von 1950.

Die Gattin ging als Huhn und ich als Sternenoffizier.

Die Gattin ging als Huhn und ich als Sternenoffizier.

Die Vereinigung von Friseuren kam im Theater am Tanzbrunnen zu ihrer Sitzung zusammen. Das war bei meinem Besuch 2012 so und war auch 2013 die richtige Location. Während sich die Ehefrau komplett als Huhn verkleidete (worin sie aber keiner erkannte), ging ich traditionell als Sternenflottenoffizier der Enterprise, schließlich habe ich noch eine offizielle Convention-Ausstattung. Los ging die Sitzung um 16 Uhr und zum Start genehmigte ich mir gleich ein paar Kölsch, um mich an die geballte Ladung Frohsinn zu gewöhnen, die in den nächsten Stunden über mich hereinbrechen sollte. Nach meinen Erfahrungen 2012 wusste, was auf mich zukommt: Frohsinn, Stimmungsmusik und auch rührseeliges Liedgut über Köln. Immer wieder wurde auch die desolate Lage des 1. FC Köln beklagt, was mich als sporadischer FC Bayern-Anhänger nicht so direkt betraf.

Das Motto des Karnevals lautet „Fastelovend em Blot, he un am Zuckerhot“ – frei übersetzt „Karneval im Blut, hier und am Zuckerhut.“ Dienstrangmäßig die wichtigste Erscheinung war Ralf Görres als Prinz Ralf III (im Zivilberuf Vertriebsleiter West der Sparda-Bank). An seiner Seite der Kölner Bauer Dirk Königs (im Hauptberuf Personalchef bei RTL) und die Jungfrau Katharina, dargestellt von Axel Busse.

Auch Et Rumpelstielzche hatte seinen Auftritt und feuerte seine Spitzen ab. Leider wurde dieses Jahr weniger getanzt als ein Jahr zuvor. Der erste Teil des Abends war ein wenig förmlich, vor allem als Markus Ritterbach, Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, mit dem Ehrenbürger der Stadt Köln Prof. Neven-Dumon die Bühne betrat. Dreimal Kölle Alaaf und ab von der Bühne.

Die Dance Fauth Company sorgte für Stimmung, ebenso Bernd Stelter mit seinen Songs wie „Ich hab´ drei Haare auf der Brust ich bin ein Bär“.

Sehr schön war der Auftritt der Bläck Fööss, die Stars zum Abschluss der Sitzung. Sie drückten sehr auf die Sentimentalitätsdrüse – sehr schön, aber ich hätte mir einen fetzigeren Abschluss wie im vergangenen Jahr gewünscht.

Großes Lob an alle Beteiligten, vor allem an Harald Esser als Sitzungspräsident. Er hat seine Sache hervorragend gemacht. Als Twitterer hat mich vor allem die Mettbrötchen gefreut (Insider) und lasst euch sagen: Kölner, vergeht euch nicht am Schweinsbraten – das könnt ihr einfach nicht. Alles in allen war es eine feine Sitzung bei denen ich viele Bekannte getroffen habe. Einen hätte ich allerdings gerne übersehen und ggf ein Bier über den Deppen ausgeschüttet. Aber egal.

Mettbrötchen - na klar als Twitterer.

Mettbrötchen – na klar als Twitterer.

 

Jedem Figaro sing Pappnas – Karneval bei den Kölsche Figaros

20. Februar 2012

Beruflich durfte/musste/sollte ich als praktizierender Faschingsmuffel in die Hölle auf Erden: In den Karneval nach Köln. Wir hatten Karten zu einer Sitzung der Kölsche Figaros von 1950. Eine komplett neue Welt für mich. Als erstes lernte ich, dass es nicht Saison heißt, sondern Session und als zweites war klar, dass ich den Abend der Kostüm- und Prunksitzung nicht nüchtern überstehen konnte – beides kein Problem für mich. Die Kölsche Figaros von 1950 sind ein Zusammenschluss von Friseuren um den amtierenden Präsidenten/Schatzmeister Harald Esser, der auch durch den Festabend führte. Wichtigstes Thema unter dem versammelten Fußvolk im Theater am Tanzbrunnen: In diesem Jahr wird man  am Rosenmontagszug teilnehmen. Jeck Esser dazu: „Wir werden jede Minute die besondere Stimmung und das ausgelassene Treiben der Jecken genießen.“ Die Kamelle von mehreren Hundert Kilogramm sind bereits angeschafft. Das Motto des Abends war übrigens: „Jedem Figaro sing Pappnas“. Eine Pappnass hatte ich nicht dabei, dafür war ich als Captain Kirk mit Original-Convention-Uniform bekleidet. In verzweifelten Momenten dachte ich dabei an Scotty, der mich aus der Veranstaltung beamen könnte.

Als ehemaliger Militärberichterstatter bei verschiedenen Tageszeitungen war ich über das Treiben von Garden, Soldaten, Offizieren schon etwas erstaunt. Der Spaß ist befohlen, oder ich versteh es nicht. Der Karneval geht auf den Protest gegen preußische und französische Besatzung zurück. Also kann ich damit pauschal behaupten, das Karneval eine großangelegte Demo ist? Wo sind denn dann die Guy Fawkes-Masken?

Auf jeden Fall war die Sitzung der Figaros eine Besonderheit. Es wurde nicht nur Wein angeboten (wie sonst in Sitzungen), sondern es gab auch frisches Kölsch in den putzigen kleinen Gläschen. Und die Stimmung war nicht bieder, wie ich es aus manchen Sitzungen aus der Glotze kenne, sondern hier ging die Post ab. Die Friseure und ihr Gefolge können feiern, singen und lustig sein. Ich lernte nebenbei die wichtigsten musikalischen Vertreter Kölns kennen wie die Räuber, Brinks und die Höhner. Und wenn ich ehrlich bin – es ist nicht meine Musik und die Dialekttexte versteh ich auch nicht. Egal, nach dem xten Kölsch sang ich einfach mit und es merkte keiner.

Hut ab vor den Tanzdarbietungen der Akteure, die allesamt große Klasse waren. Die Luftflotte, FC-Cheerleader sowie das Kölner Dreigestirn und die Prinzengarde der Stadt Köln. Allerdings zog ich es vor, nach dem Ausrollen der 1. FCK-Fahne bei den großartigen FCK-Cheerleaders schnell den Saal zu verlassen, um als Bayer nicht in die Verlegenheit einer Sympathiebekundung für den Verein zu kommen. Das hab ich aus der Politik gelernt: Wenn es ans unangenehme Abstimmen geht, verlässt man den Raum Richtung Toilette.

Eindeutig protestieren muss ich gegen die Kostümierung einiger Zeitgenossen als Bayern – oder was sie darunter verstehen. Landhaus, Dirndl, Lederhosn, Gamsbart – das ist keine Karnevalskostümierung, sondern so laufen die Leute bei uns wirklich herum. Das ist nicht witzig, auch wenn es Nordrhein-Westfalen glauben.

Den Abschluss bei der Sitzung der Kölsche Figaros machte Tim Toupet mit seinem Gassenhauer „du hast die Haare schön“  – ich sag dazu nix, außer ein dreifaches Kölle Alaaf! Nächstes Jahr bin ich wieder dabei.