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Fankritik: Star Trek Starfleet Academy

24. Januar 2026

„Star Trek: Starfleet Academy“ ist eine glatt produzierte, aber extrem formelhafte Jugendserie im Star‑Trek‑Gewand, die eher für Paramounts Zielgruppe „Teens mit Handy in der Hand“ gebaut wurde als für Fans, die mit Kirk, Picard oder Sisko älter geworden sind. Gerade als langjähriger Trekkie fühlt man sich hier weniger angesprochen als höflich ausgeladen.

Worum es eigentlich geht
Die Serie spielt im 32. Jahrhundert, also in der fernen Zukunft der Discovery‑Ära, und begleitet die erste neue Klasse von Kadetten an der wiedereröffneten Sternenflottenakademie. Auf der USS Athena und dem Campus in San Francisco sollen sie nicht nur zu Offizieren geformt werden, sondern natürlich auch „Freundschaften, Rivalitäten, erste Liebe und einen neuen Feind“ durchstehen.

Im Zentrum steht Caleb Mir, ein junger Mann mit Kriminellen‑Backstory, der über einen Deal – Akademieplatz gegen Hilfe bei der Suche nach seiner Mutter – an die Sternenflotte gerät. Als moralische und institutionelle Gegenfigur fungiert Nahla Ake, eine ehemalige Richterin, die nach einem fragwürdigen Prozess zur Commandantin der neuen Akademie wird und damit gleichsam das beschädigte Ideal der Föderation verkörpert.

Die Klischeemaschine im Föderationsblau
„Starfleet Academy“ packt nahezu jedes YA‑Klischee in die Uniform. Ein YA-Klischee bezeichnet ein häufig wiederkehrendes, vereinfachtes oder vorhersehbares Handlungsmuster, eine Figurenkonstellation oder ein Motiv in der sogenannten Young-Adult-Literatur.
Da wären: Der rebellische Protagonist mit tragischer Kindheit, der „eigentlich ein gutes Herz“ hat.
Die bunte WG aus Zimmergenossen: der Außenseiter‑Klingone, der überhebliche Rich Kid, die Admiralstochter mit Leistungsdruck, das exotische Alien, das „anders denkt“.
Die obligatorische Mischung aus Schulhof‑Drama, Insta‑kompatiblen Romanzen und „explosiven Rivalitäten“, als hätte jemand „Euphoria light“ ins 32. Jahrhundert exportiert.
Selbst der Plot der Auftaktfolge – traumatische Vorgeschichte, Zeitsprung, Rekrutierung durch eine moralisch ambivalente Autorität, anschließender Angriff im Anflug auf die Akademie – wirkt wie ein Baukasten aus bekannten Coming‑of‑Age‑Mustern, an den nur die Hülle der Sternenflotte geschraubt wurde. Der „neue Feind“, der gleichzeitig die Akademie und die Föderation bedroht, erfüllt ebenfalls exakt die Funktion des saisonalen Big Bad, der primär den emotionalen Lernkurven der Kids Struktur gibt.

Der Ärger steckt weniger darin, dass die Serie Klischees benutzt – das haben auch TNG oder DS9 getan –, sondern darin, wie transparent sie dem Algorithmus der Gegenwart folgt: ein „Content Package“ mit Diversity‑Häkchen, Teen‑Identifikationsfiguren und gerade so viel Star‑Trek‑Lore, dass das Franchise‑Logo gerechtfertigt bleibt.

Momente, in denen Star Trek durchscheint
Trotzdem gibt es Momente, in denen der Geist von Star Trek kurz aufblitzt.
Die Grundidee, nach einem zerrütteten Jahrhundert wieder eine Akademie zu eröffnen und junge Menschen an das Ideal einer besseren, solidarischen Zukunft heranzuführen, trägt eine schöne, fast klassischen Trek‑Optimismus in sich.
Wenn die Kadetten im Piloten die USS Athena gemeinsam gegen den Piratenangriff verteidigen, blitzt etwas von jenem Teamgeist auf, der früher Brückencrews zusammengeschweißt hat – inklusive der Erkenntnis, dass Kooperation und kluge Improvisation wichtiger sind als Testnoten.

Auch die Besetzung älterer Figuren – etwa eine, von der Inszenierung deutlich als „Mentorenfigur“ angelegte Commandantin – verschafft der Serie gelegentlich Tiefe, die über Teen‑Dialoge und Hologramm‑Gags hinausweist. Man merkt in solchen Szenen, wie stark „Starfleet Academy“ sein könnte, würde es sich stärker für Ethik, Komplexität und Ambivalenz interessieren und weniger für das nächste Shipping‑Hashtag.

Dass ich mich als alter Star‑Trek‑Fan „zu alt“ für diese Serie fühle, liegt weniger an mir als an der Konstruktion des Formats.
Die emotionalen Konflikte sind fast ausschließlich auf das Level von Pubertät und frühem Erwachsenwerden kalibriert: erster Herzschmerz, Identitätskrisen, Leistungsdruck vor Prüfungen. Wer mit „In the Pale Moonlight“, „The Inner Light“ oder „Duet“ sozialisiert wurde, sucht hier vergeblich nach moralischen Grenzgängen, philosophischen Dilemmas oder politischer Tiefe.
Die Serie versteht sich explizit „nicht als Star Trek deiner Eltern“, wie Marketing und frühe Kritiken betonen – eine freundliche Umschreibung dafür, dass man die ältere Fanbasis bewusst zugunsten einer jüngeren Streaming‑Zielgruppe verschiebt.

Hinzu kommt der Ton: Wo früher Debatten über die Prime Directive geführt wurden, stehen jetzt Dialoge, die wie polierte Social‑Media‑Captions wirken und selten über den Moment hinausreichen. Als Zuschauer, der Jahrzehnte mit dem Franchise verbracht hat, merkt man, dass hier zwar derselbe Kanon zitiert wird, aber ein anderes emotionale Betriebssystem geladen ist: weniger Staunen, weniger Neugier, mehr Selbstbespiegelung.

Am Ende sitze ich vor „Starfleet Academy“ wie ein ehemaliger Kadett, der heimlich auf den Campus zurückkehrt und feststellt, dass zwar noch dieselben Gebäude stehen, aber eine andere Generation mit anderen Codes und anderen Problemen die Flure füllt. Nicht ich bin „zu alt“ für Star Trek – diese Serie ist schlicht nicht mehr für die Star‑Trek‑Version gemacht, mit der ich erwachsen geworden bist.

Star Trek: Langes Warten auf Into Darkness

6. Dezember 2012

startrek

Bis Mai 2013 müssen wir Trekkies noch auf den neuen Star Trek warten. Regisseur J.J. Abrams hat den Start immer wieder verschoben, weil er noch nicht zufrieden war. Die Erwartungen an den neuen Film sind bei uns Trekkies sehr hoch. Der Titel lautet Star Trek Into Darkness. Es wird eine direkte Fortsetzung zum ersten Abrams-Werk werden Star Trek – Die Zukunft hat begonnen. Der Filmstart wurde von 16. auf 9. Mai vorverlegt.

Was keiner für möglich gehalten hat, ist J.J. Abrams gelungen. Er hat dem etwas verstaubten Star Trek-Thema neues Leben eingehaucht. Die Darsteller des ersten Teils sind wieder mit von der Partie, allen voran Zachary Quinto, Simon Pegg, Karl Urban, Zoe Saldana und Anton Yelchin.

So richtig viel ist über den Film noch nicht bekannt. Paramount veröffentlichte Ende November die erste Inhaltsangabe: Die Mannschaft der Enterprise wird nach Hause zurückgerufen; doch was sie dort vorfinden ist schrecklich. Eine unaufhaltsame Kraft des Terrors, die auch noch aus den eigenen Reihen ihrer Organisation kommt, wütet auf dem Planeten und ist für die Zerstörung der Sternenflotte verantwortlich. Die Welt befindet sich in der Krise. Captain Kirk (Chris Pine) ist auf Rache aus und hat noch eine offene Rechnung zu begleichen, deswegen macht er sich zusammen mit seinen Leuten auf den Weg in eine von Krieg umgebende Welt. Dort sucht er nach der Massenvernichtungswaffe und seinen Benutzer, um ihn gefangen zu nehmen. Die tapferen Helden werden in ein episches Schachspiel um Leben und Tod gerissen: Dabei wird nicht nur ihre Liebe und Freundschaft auf eine harte Probe gestellt, sondern Opfer müssen gebracht werden für die einzige Familie, die Kirk noch bleibt: seine Crew. Warten wir es ab – schließlich ist die optische Umsetzung genauso wichtig wie die Story.

StarTrek_Art

Bis es soweit ist, schaue ich mir in Ruhe Star Trek – Die Zukunft hat begonnen noch einmal an. Und weil es so schön ist, lese ich mal wieder Star Trek: The Art of the Film . Filmautor Mark Cotta Vaz widmet sich optisch ausführlich der Produktion des ersten Star Trek-Films von J.J. Abrams. Wer an der technischen Produktion des Films interessiert ist, wird begeistert sein. Zu sehen sind unveröffentliche pre-production paintings, concept sketches, Kostüm- und Designsets, Stand- und Setfotos und finale Renderings. Es macht Spaß durch die Welt von Gene Roddenberry in der Interpretation von J.J. Abrams zu wandeln. Im Grunde wurde das Set der sechziger Jahre ins 23. Jahrhundert übertragen. Die Brücke orientiert sich an 2001. Die Uniformen sind ein eigener Mikorkosmos. Kritiker haben das neue Star Trek-Design als weißes iPod-Design verächtlich bezeichnet, aber mir hat es gefallen. Und auch die Beleuchtungseffekte und Kameraspiegelungen haben auch ihren Charme, obwohl ich mich an die Kameraarbeit erst einmal gewöhnen musste.

Textlich kommt im Buch natürlich nicht viel rüber, dafür optisch um so mehr. Im Grunde ist das Buch ein besonderes Bilderbuch für Trekkies jeden Alters. Anhand von unterschiedlichen Bildmaterial wird u.a. die USS Kelvin, die Sternenflottenakademie, die Uniformen, die Aliens, die Vernichtung von Vulkan und natürlich die USS Enterprise dargestellt. Für Fans ist das Buch ein absolutes Muss. Leider ist die Auflage von Star Trek: The Art of the Film restlos ausverkauft und wer es noch nicht hat, muss sich im Second Hand-Handel umschauen. Aber es wird sich lohnen und wir Trekkie-Fans wissen, dass es eine Wertanlage unter Fans ist.

Update: Gerade ist ein Trailer vom neuen Film veröffentlicht worden: