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Frost/Nixon: Lehrstück in Sachen Interviewjournalismus

6. April 2010
Präsident Richard Nixon im Frost-Interview.

Präsident Richard Nixon im Frost-Interview.

Wer sich für politischen Journalismus interessiert, kommt an Richard Nixon natürlich nicht vorbei. Der republikanische Präsident, der 1994 an einem Herzinfakt starb, bewegte die Gemüter. Über Ostern beschäftigte ich mich wieder mit ihm und schaute mit die legendäre Verfilmung der David Frost-Interviews an. Ich nahm mir einen Nachmittag Zeit, sah mir erst das Originalfernsehduell Frost/Nixon – Das Original-Interview zur Watergate-Affäre an und anschließend die Verfilmung Frost/Nixon [Blu-ray] von Ron Howard.
Absolut kongenial umgesetzt bringt die Verfilmung der heutigen MTV-Generation das Thema Nixon näher. Aber wahrscheinlich schaltet sie nach den ersten 15 Minuten ab, denn außer Dialoge ist nichts zu sehen. Es wird nichts erklärt, sondern vorausgesetzt: Wer nicht weiß, dass Nixon zwar enorme außenpolitische Erfolg hatte, aber durch Watergate als erster Präsident zurücktreten musste. Ohne Action, aber voll emotionalen Sprengstoff gelingt es diesem 117minütige Politkammerspiel mich voll in seinen Bann zu packen. Es zeigt den Showmaster, der dem abgebrühten Politikmenschen Nixon die Statements entlockt, wozu Staatsanwalt oder Politikjournalisten nie in der Lage waren. Nixon gesteht seine Fehler in Watergate ein und bedauert, dass amerikanische Volk betrogen zu haben. Im Original und in der Verfilmung eine Wahnsinnsleistung. Was ist geblieben? Der Film bringt es auf den Punkt. Die Macht des Fernsehens wird reduziert auf ein Bild. Das Bild eines verzweifelten, zerstörten, gepeinigten Richard Milhouse Nixon. Frank „Dracula“ Langella als Nixon ist grandios, sogar besser als Anthony Hopkins in der Verfilmung von Oliver Stone. Aber natürlich ist dieser Film Hollywood und einige Sachen sind frei erfunden, sie das nächtliche Telefonat Nixon mit Frost. Auch die Reihenfolge der Interviews sind historisch falsch, aber egal, so passt es besser in einen Spannungsbogen einer Hollywoodverfilmung.
Jeder angehende Journalismus sollte sich die Originalinterviews ansehen und dann prüfen, ob er in diese Branche wirklich einsteigen will. Die Bänder von 1977 sind ein wichtiges Zeitdokument. Leider habe ich nie die kompletten Tapes gesehen, sondern nur die 100minütige Zusammenfassung auf einer DVD. Vielleicht bekomme ich Frost/Nixon – The Complete Interviews [UK Import] ja mal zum Geburtstag. Dennoch: Eine Lehrstunde in Sachen Journalismus, in Sachen Politik und in Sachen Ethik.