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Hobby Aquarium: Das Einfahren Teil 3

30. September 2009

Das Aquarium noch ohne Wasser

Ein neues Aquarium in Betrieb zu nehmen nennt sich „Einfahren“. Meine Frau hat mich auf dieses Fachwort hingewiesen, das sie stilsicher benutzte. Ich sprach die ganze Zeit von Inbetriebnahme des Beckens oder platt: Aquarium flott machen – um im maritimen Sprachgebrauch zu bleiben. Aber nein, beim Aquarium heißt die Vorbereitung bis der Fisch ins Wasser kommt eben „einfahren“. Ich geb zu, in meiner Naivität hab ich mir dieses Einfahren leichter und etwas schneller vorgestellt. Aber wer ein wenig nachdenkt, versteht warum so ein Einfahren bis zu zwei Wochen dauert. Und das mir, dessen zweiter Vorname Geduld ist.

Zunächst habe ich das leere 84 Liter Becken auf die Terrasse getragen. Ich prüfte, ob das Teil mit seinem 5 mm dicken Glas überhaupt dicht ist. Nichts wäre blöder, als wenn das Becken im Wohnzimmer leckt und das kostbare Mobiliar versaut. Aber ich kann nicht einfach einen Eimer aus der Garage mit Wasser zum Auffüllen nehmen. Nein, sonst kämen ja böse Bakterien ins Becken. Also eine Metall-Ikea-Schüssel aus der Küche genommen, aufgefüllt und etliche Male zwischen Küche (Wasserhahn) und Terrasse (Aquarium) gependelt. Wir hatten Glück. Das Becken ist dicht und nun folgte der Schritt zwei.

Wir haben uns im Zoofachgeschäft mit Kies, Wurzeln und Pflanzen eingedeckt. Als erstes gilt es den Kies zu waschen. Ein Haushaltsieb hilft dabei. Für unser 84 Liter Becken mit 80x35x30 brauchen wir knapp 20 kg Kies. Bevor es ans Modellieren des Bodens geht, sollte eine Zeichnung gemacht werden, wie man sich das fertige Aquarium vorstellt. Malen ist nicht unsere Stärke, vielleicht schaff ich es mit Vue oder Bryce eine 3D-Animation zu generieren, aber bis ich den Rechner anhatte, war die Ehefrau bereits zur Tat übergegangen. Der Boden des Beckens wurde mit 3 bis 5 Zentimeter Kies bedeckt. Hinten links kommt eine hohe Erhebung, hinten rechts eine leichte – so eine Art Berg und Tal Landschaft stellen wir uns vor. Dann kommt eine Art Nährstoff für die Pflanzenwelt und dann wieder eine Schicht Kies. Anschließend positionieren wir einen schönen Stein mit zwei Löchern und eine Wurzel im Becken. Die Wurzel in einem großem Topf auskochen, damit keine Bakterien ins Becken kommen.

Dann haben wir die Geräte eingebaut, Pumpe und Heizung. Beide kamen in die hinteren Ecken. Weil sie nicht so schön aussehen, werden sie nun von Pflanzen verdeckt. Spezielle Wasserpflanzen gibt es beim OBI oder Zoofachgeschäft für Fische. Hier unterscheidet man zwischen drei verschiedenen Pflanzentypen (nicht biologisch, sondern planerisch). Vorne die kleinen, in der Mitte die Mittleren und oh Wunder hinten die Großen Pflanzen. Auf den Abstand zueinander achten und nicht zu dicht pflanzen. Der Fisch soll sich zwar verstecken können, aber ein Aquarium ist auch kein Dschungel. Anschließend kommen noch Ausstattung ins Becken, wie Schiffe, Tempel oder Burgen – wer es denn mag. Mir gefällt der Kitsch.

Jetzt kommt das Wasser hinzu. Aber nicht einfach mit Schwung Reinkippen. Die Wucht des Wassers würde die feine Kieslandschaft aufwühlen und zerstören. Wir haben eine Untertasse reingelegt und das Wasser darüberlaufen lassen. So bleibt die Szenerie erhalten. Dann Strom an und Pumpen anwerfen und es kann losgehen.

Leider aber noch nicht mit Fischen. Im Aquarium muss sich ein Biotop bilden. Das System muss leben und das braucht seine Zeit. Die Literatur spricht von 10 bis 14 Tagen – so lange. Wir haben noch Mittelchen, so eine Art Dünger, ins Becken gegeben. Darin sind Bakterien, die den Prozess beschleunigen. Jeden Tag einen Spritzer Bakterienkonzentrat aus der Pumpflasche. Dann nach ein paar Tagen einen Teil des Wassers wechseln und warten, warten, warten.