Posts Tagged ‘Murder Most Foul’

Musiktipp: Rough and Rowdy Ways von Bob Dylan

20. Juni 2020

Acht lange Jahre mussten wir warten, bis Meister Bob Dylan neues, eigenes Material seit seinem 2012 erschienen Werk Tempest vorlegte. Nun ist sein 39. Studioalbum Rough and Rowdy Ways erschienen und ich bin wie vom Donner gerührt. Das Album wurde nachts sofort bei Apple Music geladen, am Tag kann dann die CD von Amazon. Mitte Juli folgt dann die Vinyl-Ausgabe von Rough and Rowdy Ways.
Es ist ein Doppelalbum geworden, ein Album mit dem ich mich mit dem Kopfhörer zurückziehe und es alleine genieße. Und es ist ein geschichtlicher Abriss geworden, der die volle Aufmerksamkeit erfordert. So locker nebenbei geht das Album nicht ins Ohr. Hier das Unboxing-Video:

Die Veröffentlichungspolitik von Rough and Rowdy Ways war für Dylan schon bemerkenswert. Drei Songs wurden vorab veröffentlich, quasi verschenkt. Darunter das 17minütige Hauptwerk „Murder Most Foul“ mit Gedanken über Kennedy und die Folgen für die USA.
Das Album ist dunkel, es ist die Arbeit eines Sehers, eines Geschichtenerzählers und eines Betrachters, der die Veränderung der Welt sieht und seine Schlüsse zieht. Es wird Wochen, Monate und vielleicht Jahre dauern, bis die Chiffren des Albums entschlüsselt sind. Der Sprechgesang führt uns durch eine sich wandelnde Welt voller Symbole. Persönliches gibt es von his Bobness auf den ersten Blick kaum. Bis auf eine Zeile: Vielleicht leidet Dylan noch immer darunter von seinen Fans vereinnahmt zu werden. „I opened my heart to the world and the world came in“ klingt nicht gerade euphorisch. Der 79jährige Song and Dance-Man geht weiter seinen Weg und wir dürfen ihn (hoffentlich) noch lange begleiten. Rough and Rowdy Ways ist wieder eine hervorragende Wegzehrung für diesen Weg. Klare Kaufempfehlung.

Alles Gute zum 79. Geburtstag Bob Dylan

24. Mai 2020

Heute feiert die lebende Legende Bob Dylan seinen 79. Geburtstag. Aufgrund Corona wurde die US-Tour des Sängers abgesagt, aber für uns Fans kommt am 19. Juni das neue Album Rough and Rowdy Ways. Darauf enthalten ist neues Material und kein American Songbook. Seit dem 2012 erschienen Album Tempest gab es kein selbstgeschriebenes Material des Meisters. Bisher sind drei Songs aus dem neuen Doppelalbum veröffentlicht, wobei der Song Murder Most Foul besonders bemerkenswert ist. Dylan befasst sich (einmal wieder) mit Kennedy und den Auswirkungen und dies fast 17 Minuten lang – genial.Aber zum 79. Geburtstag von Bob Dylan will ich nicht auf den Musiker, den Autoren, den Radiosprecher oder den Filmemacher eingehen. Ich möchte über den Maler Bob Dylan sprechen. Zur Jahreswende 2016/2017 besuchte ich zufällig die Kunst-Ausstellung A beaten Path in London und war schlichtweg hin und weg. Die Bilder von Dylan in London beschrieben den amerikanischen Traum. Zuvor hatte ich mal in Chemnitz eine erste Kunstausstellung The Drawn Blank Series von Dylan besucht und war schon damals fasziniert. In London sah ich bei a beaten Path eine Ausstellung mit Zeichnungen, Acryl- und Wasserfarbenmalereien sowie Schmiedearbeiten. Die Schmiedearbeiten wirkten sich später bei der Veröffentlichung des Whiskey Heavens Door aus.

Donut Shop für 175.000 GBR

Die Arbeiten von a beaten Path zeigen ein Amerika fernab von Hightech und Industrie. Wenn Dylan aus seinen Tourbus blickt, sieht er in Kleinstädten Tankstellen, Hotels, Diners, Donutshops und Kinos. „Für die Ausstellung wollte ich Bilder schaffen, die weder von mir selbst noch jemand anderem falsch interpretiert oder missverstanden werden können“, erklärt Dylan in dem Essay zur Ausstellung. Ich hab mir den Katalog gekauft und in diesem Video vorgestellt. Ein Originalbild von Dylan war mir allerdings zu teuer, leider. 175.000 Britische Pfund ist einfach nicht möglich.