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Steve Hackett bei der SAE im Stream

23. Januar 2013

studio

Das Internet ändert alles! Natürlich ist es eine Binsenweisheit, aber ab und zu wird es mir schlagartig bewusst, was sich dramatisch verändert. So zum Beispiel als ich auf Einladung der SAE Alumni einen Livestream mit dem britischen Gitarristen Steve Hackett ansehen konnte. Hackett ist groß rausgekommen als er Bandmitglied von Genesis war – zu einer Zeit als Genesis mit Peter Gabriel noch richtig gute Musik machte.

Vor Jahren war es eine absolute Ehre, wenn man ein Interview mit einer der Rockgrößen machen konnte. Journalisten mussten sich akkreditieren lassen, wurden ausgewählt und bekamen großzügig von Plattenfirma oder PR-Agentur zeitlich enge Slots zugeteilt. Ich erinnere mich, dass ich für 15 Minuten Interview mit Pixar-Größen um die halbe Welt geflogen bin.

Und heute? Heute sitze ich mit einer Tasse Kaffee vor dem iPad und klinke mich in einem Livestream ein. In diesem Fall saß Steve Hackett in einem SAE-Studio in London und beantworte die Fragen des Moderators und der Gäste, die via Chat Fragen stellen konnten. Die Fans konnten wirklich fragen, was sie interessiert und nicht dass, was ein Journalist glaubt, dass die Fans interessiert. Hier liegt ein bedeutender Unterschied. Das Internet fördert die Demokratie.

Live am iPad zu Hause dabei.

Live am iPad zu Hause dabei.

Die Fragen aus dem SAE-Stream waren zum Teil technischer Natur, was wohl daran liegt, dass die SAE eine der größten Medienschulen der Welt ist und aus einer School of Audio Engineering hervorging. Aber es waren die Antworten eines sympathischen Steve Hackett, die es ausmachten. Der Kerl ist ein verdammt guter Gitarrist, aber er ist kein Techniker. Er nannte die „Gitarre ein Symbol der Freiheit“ und zu seiner Zeit klang eine Gitarre wie ein Synthesizer. Für ihn war die Kommunikation entscheidend – nicht nur die Kommunikation in einer Band, sondern auch mit dem Toningenieur oder den Produzenten. Sie alle seien Priester, Coach, Kritiker und dürften keine Ja-Sager sein – ehrliche Worte, darauf kommt es in der Musik an.

Interessant war auch, dass Hackett sein neuestes Album Genesis Revisited II mit neuem Equipment einspielte, obwohl es Genesis-Klassiker (und vier neue Songs) enthält. Flexibilität sei eben wichtig. Um den genauen technischen Fragen der Fans auszuweichen, glitt er immer wieder in die Vergangenheit ab. „Die sechziger Jahre waren die Gitarren-Ära, die siebziger die Ära der Keyboards und die achtziger Jahren waren die Drums-Ära!“ Als er nach dem Einsatz von Mikrofonen gefragt wurde, las er brav Sennheiser und Neumann ab, gab aber zu: „Ich bin glücklich zu lernen. Es gibt hier viele Leute, die mehr Ahnung davon haben, als ich.“ Ungefiltert und live kommt so eine Aussage bei den Fans an – das hätte es in alten Zeiten vor dem Internet nicht gegeben. PR-Strategen wären dazwischen gegangen und hätten das Image des Stars aufrecht erhalten. Weg mit dem Ego, weg mit dem Starrummel durch das Netz und so kommt ein Steve Hackett wunderbar herüber.

Als Kind der sechziger Jahre benannte Hackett auch sein prägendstes Album, obwohl er nach dem bestproduziertesten Album gefragt wurde: Bluesbreakers with Eric Clapton. Dieses Album gilt als eines der wichtigsten Blues-Alben überhaupt und war für Hackett „die Geburt des Feuers“, ebenso wie für die Gitarristen Steve Howe (Yes) und Brian May (Queen). Es sei die Geburtsstunde des Guitarheros gewesen. Als weitere Einflüsse nannte Hackett das Beatles-Album Revolver und – die Jugend staune – Johann Sebastian Bach mit seiner mathematischen Musik.

Nochmals großen Dank an die SAE für diesen Stream. Er soll in nächster Zeit als Video auf die SAE-Seite kommen. Dann können alle, die es versäumt haben, einen sympathischen Steve Hackett nochmals erleben.

Screen

ORF-TVthek: Die ersten 100 Tage

26. Februar 2010

ORF-Onlinedirektor Thomas Prantner ist mit der ORF-TVthek zufrieden.

Durch Web 2.0 lassen sich die User nicht mehr vorschreiben, wann sie sich vor die Glotze zu setzen haben. Der User will Content on Demand. Er will fernsehen, wann er Lust dazu hat und nicht, wann die Rundfunkanstalten ihr Programm ausstrahlen.

Unter anderem aus diesem führten die Sender bei uns die Mediatheken auf deren Websites ein. Ich nutze selbst sehr oft die ZDF-Mediatehek und das Online-Angebot von Arte. Ein neues Angebot unserer Nachbarn- feierte dieser Tage das 100tägige Bestehen. Die ORF-TVthek.

Seit 16. November 2009 stehen für das Publikum unter TVthek.ORF.at ca. 70 ORF-TV-Sendungen regelmäßig als Video-on-Demand sowie zahlreiche Livestreams bereit. Die erste Bilanz nach 100 Tagen „Fernsehen wo und wann Sie wollen“ fällt mit 17,3 Mio. abgerufenen Video-Files positiv aus. Die ORF-TVthek gilt als das zentrale multimediale Projekt der ORF-Direktion für Online und neue Medien. ORF-Onlinedirektor Thomas Prantner: „Ich bin außerordentlich zufrieden mit den ersten 100 Tagen ORF-TVthek. Wie richtig wir damit liegen, dem Publikum zeit- und ortsunabhängig nutzbare TV-Contents anzubieten, zeigen die anhaltend hohen Zugriffszahlen.“

Die Zahlen etwas genauer:  In den ersten 100 Tagen wurden insgesamt 17,3 Mio. Video-Files über TVthek.ORF.at abgerufen (Video-on-Demand und Livestreams), im Schnitt wurden damit seit dem Start täglich 173.000 Mal Videos genutzt. Bisheriger Rekord-Monat war der Januar 2010 mit insgesamt 5,3 Mio. Video-Zugriffen.

Die am meisten abgerufene Video-on-Demand-Sendung der ORF-TVthek ist „Thema“ vom 16. November 2009 (Kampusch-Interview), gefolgt vom „Club 2“ am 3. Februar 2010 (Reformschub oder Rechtsruck – was brachte uns Schwarz-Blau) und „Eco“ am 19. November 2009. Weiter in den Top-30 finden sich acht „Report“-Sendungen, acht Mal die „Zeit im Bild um 19.30 Uhr“, drei Mal „Universum“, zwei Mal die „Zeit im Bild 2“, der „Silvesterstadl“, eine weitere „Eco“-Sendung sowie je ein Mal Ausgaben von „Newton“, „Schauplatz Gericht“, „Im Zentrum“ und „Heute in Österreich“. Die zum allergrößten Teil weltweit verfügbaren Angebote der ORF-TVthek werden auch außerhalb Österreichs intensiv genutzt, die meisten Zugriffe aus dem Ausland gibt es aus Deutschland, den USA und Großbritannien. Filmregisseur Robert Dornhelm meint dazu: „Als Weltenbürger mit österreichischen Wurzeln ist die ORF-TVthek ein wichtiges Instrumentarium, das mir die Verbindung zur Heimat aber auch zur Welt erleichtert.“ Aus dem fernen Russland sagt Boris Nemsic, Chef von VimpelCom:  „Die ORF-TVthek ist für mich die perfekte Plattform, um auch im Ausland über alles, was sich in Österreich tut, am Laufenden zu bleiben. Ich bin ein interessierter Beobachter des wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Geschehens in Österreich, jeder Abend in Moskau – oder wo auch immer ich gerade bin – endet meist damit, dass ich durch Österreichs Medienportale surfe.“

Die Verantwortlichen in der Alpenrepublik werden das Programm ausbauen.  In den nächsten Wochen wird dieses mit der EU-Kommission vereinbarte „Startpaket“ durch ORF-TV-Shows und -Comedys komplettiert.

Nach Vorliegen entsprechender rechtlicher Rahmenbedingungen ist geplant, bis Ende 2010 weitere Eigen- und Auftragsproduktionen des ORF, für die der ORF Onlinerechte hält, in die Videoplattform aufzunehmen.