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Podcast: Entbürokratisierung muss spürbar werden – Kassenbon bei Bäckerei abschaffen

21. Januar 2026

In meinem Podcast „Aus der Backstube der Bäckerei-Konditorei Reicherzer“ spricht Martin Reicherzer, Bäckermeister aus Leidenschaft, ungewöhnlich offen über ein Thema, das viele Handwerksbetriebe seit Jahren beschäftigt: die Bonpflicht. Was politisch als Maßnahme gegen Steuerbetrug gedacht war, empfindet Reicherzer im betrieblichen Alltag vor allem als unnötige Belastung.

Die Einführung der Bonpflicht habe ihn überrascht, sagt Reicherzer – nicht wegen der Regelung an sich, sondern wegen ihres tatsächlichen Ausmaßes. Erst im laufenden Betrieb sei deutlich geworden, wie viel Papier täglich anfällt. Bei jedem Verkauf, selbst bei einer einzelnen Breze oder Semmel, wird automatisch ein Kassenbon ausgedruckt, den nach seiner Erfahrung kaum ein Kunde haben möchte. Die Bons müssten dennoch ausgegeben, gesammelt und am Ende des Tages entsorgt werden – ein Verwaltungsakt ohne erkennbaren Mehrwert. Hier der Podcast zum Anhören.

Besonders kritisch sieht Reicherzer die Umwelt- und Kostenfrage. Das verwendete Thermopapier ist nicht recyclingfähig und muss im Restmüll entsorgt werden. Jede Rolle kostet Geld, verursacht laufende Ausgaben und produziert Abfall, der aus seiner Sicht vermeidbar wäre. Kunden, die tatsächlich einen Beleg benötigen – etwa Firmen oder größere Einkäufe – könnten diesen jederzeit bekommen, auch nachträglich. Für den täglichen Kleinstverkauf hält er die Pflicht jedoch für vollkommen unverhältnismäßig.

Einen echten Nutzen der Bonpflicht kann der Bäckermeister nicht erkennen. Moderne Kassensysteme verfügten bereits über mehrere Sicherungsmechanismen, jede Buchung sei digital nachvollziehbar. Der zusätzliche Papierbeleg ändere daran nichts. Stattdessen sieht Reicherzer darin ein weiteres Beispiel für ausufernde Bürokratie und wachsende Kontrollstrukturen, die Betriebe Zeit und Geld kosten, ohne einen spürbaren Beitrag zur Wertschöpfung zu leisten.

Die Bonpflicht ist für ihn dabei nur ein Symptom. Mindestens ebenso belastend empfindet er die umfangreichen statistischen Meldepflichten, etwa vierteljährliche Angaben zum Mehlverbrauch und zum damit erzielten Umsatz. Den Sinn dieser Erhebungen könne ihm niemand erklären, Ergebnisse seien für die Betriebe nicht einsehbar. Für Reicherzer erinnert dieses System eher an Planwirtschaft als an eine praxisnahe Wirtschaftspolitik.

Insgesamt summiert sich der bürokratische Aufwand in seinem Betrieb auf rund zehn Stunden pro Woche – Zeit, die weder dem Handwerk noch den Kunden zugutekommt. Es ist Zusatzarbeit, die er selbst leisten oder seinen Mitarbeitern bezahlen muss. Sein Appell an die Politik fällt daher deutlich aus: Weniger Schlagworte, mehr Taten. Entbürokratisierung müsse spürbar werden – gerade für das Handwerk, das ohnehin unter Fachkräftemangel, steigenden Kosten und wachsendem Druck steht.

Ich habe den Blogpost an die Bundesregierung in das Portal https://einfach-machen.gov.de gepostet.

Grundschüler lernen Marktwirtschaft

2. Oktober 2016

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In einer Grundschule im unterfränkischen Poppenlauer habe ich im interessantes Konzept entdeckt, um Kinder mit Marktwirtschaft vertraut zu machen. Seit drei Jahren wird der Pausenverkauf von den Grundschülern selbst organisiert und durchgeführt. In Teams zu drei Schülern werden die Waren eingekauft, präsentiert und an Schüler verkauft. Es gibt die Jobs Verkäufer, Lagerist und Kassierer. So lernt der Schüler bereits in der Grundschule den Umgang mit Geld. Außerdem können die Grundschüler den Unterschied zwischen Umsatz und Gewinn – eine Eigenschaft, die manche Erwachsene nicht beherrschen.

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Eingekauft wird vor allem Süßkram beim Lebensmitteldiscounter. Obst gibt’s schon auch, wird aber von der jungen Zielgruppe weniger geordert. Außerdem gibt es Getränke. Über den Einkauf wird streng Buch geführt. Die Kassenbons werden in ein Schulheft geklebt und die Einkaufssumme vermerkt.

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Dann beginnt in der Pause der Warenverkauf. Zuvor werden die Waren von den Grundschülern in Szene gesetzt. Die Schüler haben gelernt, die Waren müssen den Käufern richtig präsentiert werden. So werden Süßigkeiten in einem Korb gelegt, die Getränke schön aufgereiht.

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In dem Verkaufsraum gibt es – für den Käufer nicht sichtbar – drei Plakate mit der Aufgabenverteilung. Der Verkäufer muss die Waren präsentieren, die Kunden beraten, Kunden bedienen und er muss freundlich sein. Der Lagerist dagegen muss den Warenbestand überwachen, Waren vernünftig lagern, Nachbestellungen machen und neue Waren entgegen nehmen. Der Kassier muss die Zahlung entgegennehmen, Geld herausgeben, Kassenbestand überwachen und überprüfen. Zur Unterstützung des Teams gibt es eine klare Preisliste.

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Am Ende des Verkaufstages wird die Kasse gemacht und die Aufträge für die Bestellungen zusammengestellt. Ich muss zugeben, dass ich diese Aktion bemerkenswert finde. Hier zeigt sich: In der Schule lernt man fürs Leben, nicht für die Schule.

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