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Freshtorge live in München Circus Krone

20. November 2022

Funktioniert ein YouTube-Star im Real Life? Vor dieser Herausforderung stand ich beim Besuch eines Live-Auftritts von Freshtorge im Münchner Circus Krone. Trotz des sympathischen und engagierten Einsatzes des millionenfach geklickten Entertainers, dessen Videos ich regelmäßig genieße, war ich von der Show in mancher Hinsicht enttäuscht.

Ich war überrascht, wie viele Kinder Eintrittskarte für Freshtorge hatten bei einem Preis von etwas unter 50 Euro. Um dieser kindlichen Zielgruppe gerecht zu werden, senkte Freshtorge das Niveau seines Auftritts deutlich. Die gesellschaftlichen Spitzen, die vieler seiner Videos ausmachen, waren im Live-Programm kaum vorhanden. Zurück blieb Klamauk, der das Potential des Video-Künstlers absolut nicht ausschöpft. Da geht mehr lieber Freshtorge und das schreibe ich als Fan.

Zudem war das Programm ziemlich gestreckt und Anheizer Klaus wollte durch Plattitüden das Publikum anheizen. Es gab Quizfragen mit Geschenken an das Publikum, wie in billigen US-Shows. Das streckt schön Zeit damit weniger für die Show übrig bleibt, langweilt aber ziemlich. Das mag in kleinen Clubs funktionieren, aber nicht in einer etwas größeren Halle wie dem Circus Krone. Auch das Umschmeicheln des Publikums war zu dick aufgetragen und hat wieder etliche Minuten gekostet, in denen ich lieber eine Show gesehen hätte. Und als dann noch Freshtorge und Klaus die uralte Rudi Carrell-Show Herzblatt von 1987 mit drei Zuschauern aufführten, sollte sich Freshtorge fragen, warum die Carrell Show im Jahre 2005 abgesetzt wurde. Vielleicht weil sie aus der Zeit gefallen ist.

Und dann gab es wiederum grandiose Momente, die vor allem bei Marianne und Helga (Bist du da Helga?) aufblitzten. In der ersten Runde wurde Marianne alias Freshtore in vorgefertigten Video zugeschaltet und man trällerte gemeinsam ein Liedchen, wobei die PA sich überschlug. Nach der Pause wurde eine Dame aus dem Publikum ausgewählt, die Marianne in Originalkostüm samt Perücke spielen dufte. Hier gelang ein Glücksgriff, denn die Publikumsmarianne hatte mit einem Caipirinha schon leicht einen im Tee und spielte ihre Rolle hervorragend. Das war für mich der Höhepunkt des Abends.

Für mich steht fest: Eine Show mit Feshtorge ist nett, ein YouTube-Video mit ihm gibt mir deutlich mehr.

Übrigens noch ein Wort zum Veranstaltungsort Circus Krone, dem Ort in dem die Beatles, Bob Dylan und Johnny Cash gespielt haben: Wie kann man so ignorant sein und keine Kartenzahlung für Getränke und Bratwurst 5 Euro) anbieten. Haben die Betreiber durch Corona nichts gelernt?

Bryan Ferry in München 2015

16. September 2015

Bryan Ferry im Münchner Circus Krone - toller Auftritt.

Bryan Ferry im Münchner Circus Krone – toller Auftritt.

Irgendwie war er immer da. Er war nie im Fokus meiner Aufmerksamkeit, aber er lief immer so mit und seine Musik war immer präsent: Gemeint ist Bryan Ferry. Der Dandy des Rock’n Roll gastierte jüngst in München. Der elegante Brite ließ sich im vollbesetzten Circus Krone Bau von seinen zumeist älteren Fans feiern und bedankte sich dafür mit einer fulminanten Show.
Und verdammt, der alte Womanizer kann es immer noch. Im vergangenen Jahr musste er seine Tour aufgrund von Stimmprobleme abbrechen, aber 2015 ist Bryan Ferrys Stimme wieder voll da. Hey und der Knabe ist bald 70 Jahre alt – seinen Geburtstag am 26. September wird er in Berlin feiern.


Ferry verlässt sich in München auf Bewährtes: Das gilt für Singmaterial und Band. Die Band bestand aus alten Recken wie Paul Beard Piano & Keyboards, Jacob Quistgaard Lead Guitar, Neil Hubbard Rhythm Guitar, Luke Bullen Drums, Jimmy Sims Bass, Lucy Wilkins Violin, Jorja Chalmers Sax & Keyboards, Fonzi Thornton Backing Vocals, Bobbie Gordon Backing Vocals und Rhianna Kenny Backing Vocals. Vor allem die Multiinstrumentalistin Jorja Chalmers im kurzen Rock (klar Bryan Ferry) hatte es dem Münchner Publikum angetan. Die coole, hübsche Australierin wurde vom Meister immer wieder in den Mittelpunkt gestellt.


Immer wieder schloss ich die Augen, lauschte auf die perfekt arrangierte Musik und der coolen Stimme von Bryan Ferry – schlagartig wurde mir bewusst, wie lange mich die Musik von ihm schon begleitet. In meiner Jugend hatte man entweder das Avalon-Album und war dabei – oder man blieb außen vor. Wie oft schaute ich mir als Jugendlicher die Covers von Roxy Music-Schallplatten vom Landleben an – die Insider wissen, was ich meine. Und auch Jerry Hall war einst eine hübsche Siren-Frau, noch vor Mick Jagger.
Bryan Ferry war ein solider Solokünstler, aber er war sich nicht zu fein, die Werke anderer Künstler zu interpretieren. Immer wieder nahm er Klassiker auf und hauchte ihnen ein neues Leben ein. Auf dem Münchner Konzert durften Bob Dylan Songs wie Bob Dylan’s Dream und Don’t Think Twice It’s All Right dabei nicht fehlen, nachdem Ferry mit Dylanesque ein Album mit Dylan-Covers vorlegte.

Auch die Lightshow hat in München bei Bryan Ferry gepasst.

Auch die Lightshow hat in München bei Bryan Ferry gepasst.

Die Songs in München war eine Best-Of-Show des Meisters. Avonmore – Driving Me Wild – Slave To Love – Ladytron –  Bob Dylan’s Dream – Don’t Think Twice It’s All Right – Smoke Gets In Your Eyes – Bete Noire – Zamba – Stronger Through The Years – Tara – Take A Chance With Me – One Night Stand – Midnight Train – More Than This (Full band version) – Avalon – Love Is The Drug – Virginia Plain – Do The Strand – für mich persönlich der Höhepunkt Jealous Guy – Editions Of You. Schade, schade, dass er Let’s stick together nicht gespielt hat, wie in anderen Orten. Und leider ließ Ferry seine Jazz-Phase komplett aus. Ich hätte gerne den Sound der 20er Jahre von ihm live gehört. Nicht Jazz, sondern Synthi waren angesagt. Früher war es mir zu viel Gefühlsduselei, aber heute gefällt mir es. Auch ich werde im Alter weiser und ruhiger. Wie sehr Bryan Ferry mich durch die Jahre begleitete, stellte ich fest, als ich fast jeden Songs mitsingen konnte. Und ich bin wahrlich kein ausgesprochener Bryan Ferry-Fan. Der Mann schreibt einfach gute, sehr gute Songs oder interpretiert fremde Songs einzigartig. Ein bisschen Tanzen hier, ein wenig Träumen da und am Ende jedes Songs die übliche Verbeugung als ob er mit einem imaginären Federhut grüßt. Die ganze Show war würdevoll, ja so würde ich es bezeichnen: Einfach würdevoll – keine hektischen Bewegungen, alles fließt und Bryan Ferry hatte mit kleinen Gesten, Augenzwinkern und Verbeugungen die Fäden in der Hand.


Übrigens, großen Eindruck machte auch die Vorband Femme Schmidt aus Berlin auf mich. Ich kannte die Dame und ihre Band vorher nicht. Vorbands haben einen undankbaren Job als Einheizer für den großen Star zu fungieren. Femme Schmidt machte einen hervorragenden Job und spielte sich mit ihrer Musik in die Herzen des Publikums. Noch im Circus Krone bestellte ich ihre CD Femme Schmidt. Toll fand ich auch, dass Bryan Ferry die Leadsängerin Elisa Schmidt nochmals in seiner Show erwähnte. Das kommt nicht oft vor. Vielleicht liegt es daran, dass der alte Schwerenöter die 25jährige Berliner Sängerin einfach unterstützen will.