Archive for März 2026

Podcast: Eine Vision für ein gesünderes Morgen: Wie eine Idee Bewegung in eine ganze Gemeinde bringen will

3. März 2026

In der aktuellen Episode des Podcasts Dombo bewegt des Zentrums für Gesundheit Maisach spricht Norman Dombo mit Journalist Matthias J. Lange über den „Masterplan Prävention“ der bayerischen Staatsregierung und dessen mögliche Umsetzung auf lokaler Ebene. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie gesundheitliche Vorsorge und Bewegung stärker in den Alltag der Bevölkerung integriert werden können.

Dombo erläutert, dass der staatliche Plan auf steigende Gesundheitsrisiken wie Bewegungsmangel, Übergewicht und zunehmende Bildschirmnutzung – besonders bei jungen Menschen – reagiert. Ziel sei es, präventive Maßnahmen zu stärken und Akteure des Gesundheitswesens stärker zu vernetzen. Dazu zählten neben Fitness- und Trainingsangeboten auch Zahnmedizin, Ergo- und Logotherapie sowie weitere Gesundheitsberufe.

Für den Landkreis und insbesondere die Gemeinde Maisach skizziert Dombo eine eigene Vision: öffentliche Trainingsgeräte im Freien, die Bürger niedrigschwellig zu Bewegung motivieren sollen. Erste Gespräche mit Bürgermeister und Landrat hätten bereits stattgefunden; Entscheidungen lägen nun bei den zuständigen Gremien. Die Finanzierung könnte über Förderprogramme, Spenden oder Kooperationen erfolgen. Parallel plant Dombo, ein Netzwerk regionaler Gesundheitsanbieter aufzubauen, um gemeinsame Präventionsprojekte zu entwickeln.

Im Gespräch wird außerdem die Bedeutung individueller Initiativen angesprochen, etwa Fasten als persönlicher Gesundheitsimpuls. Beide Gesprächspartner betonen, dass strukturelle Maßnahmen und Eigenverantwortung zusammenspielen müssten. Abschließend ruft Dombo Zuhörer dazu auf, Ideen einzubringen und sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen.

Der Podcast verbindet Information über ein politisches Präventionsprogramm mit lokalem Engagement und persönlicher Initiative. Inhaltlich steht weniger konkrete Politik als vielmehr die praktische Umsetzung gesundheitsfördernder Maßnahmen vor Ort im Fokus.

Buchkritik – Carl Th. Dreyer (Museum of Modern Art New York, 1988)

2. März 2026

Einer meiner Lieblingsfilme ist Vampyr von Carl Theodor Dreyer, ein albtraumhafter Vampirfilm von 1932. Und seitdem ich diesen Streifen das erste Mal gesehen habe, bin ich ein Fan von diesem dänischen Regisseur. Vor kurzem fiel mir ein wunderbares Buch über ihn in die Hände. Das im Jahr 1988 vom Museum of Modern Art (MoMA) in New York veröffentlichte Buch Carl Th. Dreyer erschien anlässlich einer großen Retrospektive zum 100. Geburtstag des dänischen Regisseurs Carl Theodor Dreyer.

In einem Begleittext zum Ausstellungsprogramm beschreibt das MoMA Dreyer als „einen der Meister des Kinos“, dessen Werke durch eine universelle Darstellung der menschlichen Erfahrung geprägt seien. Die Publikation umfasst 96 Seiten und enthält Essays von Jytte Jensen, Carren O. Kaston und James Schamus sowie ein Vorwort von Ib Monty, dem damaligen Direktor des Dänischen Filmmuseums. Zu den Besonderheiten zählen eine englische Übersetzung von Dreyers Drehbuch Medea, eine Filmografie, eine ausgewählte Bibliografie und 60 schwarz‑weiße Produktionsfotos. Hier eine Sammlung von Dreyer Filmen.

Die Retrospektive, für die das Buch konzipiert wurde, zeigte nicht nur die berühmten Werke The Passion of Joan of Arc (1928), Day of Wrath (1943), Ordet (1955) und Gertrud (1964), sondern auch Frühwerke wie Leaves From Satan’s Book (1919–21), The Parson’s Widow (1920), das pastorale Melodram The Bride of Glomdal (1925) und die Märchenadaption Once Upon a Time (1922). Damit sollte der ganze Bogen von Dreyers satirischem Humor bis zu seinen psychologischen Dramen sichtbar werden. Hier eine wunderbare Zusammenfassung:

Die drei Essays im Buch widmen sich unterschiedlichen Aspekten von Dreyers Schaffen. Jytte Jensen, Kuratorin der Ausstellung, zeichnet die Entwicklung des Regisseurs nach und betont die Konsequenz, mit der er seine Filme als intime „Kammerspiele“ konstruierte. Der Filmwissenschaftler David Bordwell spricht im Kontext von Dreyer von „chamber cinema“ – einem Kino, das sich auf purifizierte Innenräume konzentriert und unter engen räumlichen Bedingungen eine große emotionale Tiefe entwickelt . Bordwell weist darauf hin, dass Dreyer in frühen Filmen wie Mikael (1924) und Master of the House (1925) mit dieser Form experimentierte und sie in späteren Meisterwerken wie Vampyr (1932) oder Gertrud (1964) verfeinerte. Dreyers Strategie bestand darin, ein weitgehend funktionierendes Apartment‑Set zu bauen und durch bewegliche Wände und fließende Kameras bewegte „Rundumräume“ zu schaffen  – Elemente, die Jensens Essay laut Ankündigung des Buches beleuchtet.

Carren O. Kastons Beitrag richtet den Blick auf Dreyers Inszenierung von Glaube und Spiritualität. Die MoMA‑Retrospektive betonte, dass seine Filme zwischen satirischem Humor und „tief gehendem psychologischem Drama“ pendeln. Kaston untersucht, wie diese Pole vor allem in den 1940er- und 1950er‑Jahren (etwa in Day of Wrath und Ordet) verschmelzen und zu filmischen Meditationen über Schuld, Erlösung und die Macht der Liebe werden. Das Buch vermittelt dadurch, dass Dreyers scheinbar strenge Askese nicht kühl, sondern humanistisch motiviert ist.

Am theoretischsten ist James Schamus’ Essay Dreyer’s Textual Realism. Er analysiert Dreyers Umgang mit Quellen und weist nach, wie der Regisseur Texte in Bilder übersetzt. Bei Die Passion der Jungfrau von Orléans (1928) basierte Dreyer nicht auf einem fiktiven Drehbuch, sondern auf den historischen Protokollen des Jeanne‑d’Arc‑Prozesses. Der Regisseur selbst betonte, er habe „vor allem die Technik des offiziellen Berichtes“ verwendet und versucht, das Verfahren filmisch zu übertragen. Dieses sogenannte „textual realism“ zeigt sich auch in der starken Verwendung von Zwischentiteln, die als „wahrheitsgetreue Auswahl des historischen Dialogs zwischen Jeanne und ihren Richtern“ präsentiert werden. Schamus’ Analyse verknüpft diese dokumentarische Strategie mit Dreyers visuellen Mitteln – etwa dem engen Framing, das Gesichter isoliert und den Raum zu einem expressiven Umfeld macht, in dem der Zuschauer emotional mitleben kann.

Übersetzung des Drehbuchs „Medea“
Ein besonderes Merkmal des Buchs ist die englische Übersetzung von Dreyers Drehbuch zu Medea. Dreyer hatte in den 1960er‑Jahren eine eigenständige Adaption des Euripides‑Stoffs entwickelt, die er aber nicht mehr verfilmen konnte. Der dänische Regisseur Lars von Trier realisierte das Projekt 1988 als Fernsehfilm. Laut der Encyclopædia Britannica (Wikipedia) basiert sein Film auf Dreyer’s Adaption von Euripides’ Tragödie. Die Aufnahme des Skripts in die MoMA‑Publikation machte das Werk für ein breites Publikum zugänglich. Mit der Übersetzung eröffnet das Buch einen faszinierenden Einblick in Dreyers Arbeitsweise und bietet zugleich eine Vorlage, an der sich von Triers filmische Umsetzung messen lässt.

Fotografien, Filmografie und Bibliografie
Die Publikation enthält 60 schwarz‑weiße Produktionsfotos aus Dreyers Filmen. Diese Bilder veranschaulichen die in den Essays beschriebenen ästhetischen Strategien: die auf das Gesicht konzentrierte Bildgestaltung und die Reduktion des Raums auf wenige Objekte. Bordwell beschrieb Dreyers Methode, den Raum weitgehend leer zu lassen, sodass der Zuschauer „keine Hinweise auf die Distanz zwischen Figuren und Hintergrund“ erhält und der Film durch mangelnde Tiefeninformation einen eigentümlichen „exzentrischen Raum“ erzeugt. Die Fotobeigaben machen diese Beobachtung anschaulich. Eine Filmografie und eine Bibliografie runden das Buch ab und verweisen auf weiterführende Literatur.

Kritische Würdigung
Das MoMA‑Buch Carl Th. Dreyer erfüllt trotz seines geringen Umfangs mehrere Funktionen. Als Begleitpublikation führt es in Leben und Werk eines Regisseurs ein, der Kino als moralische und spirituelle Kunstform verstand. Die Essays zeigen, dass Dreyers Askese keine formale Manieriertheit, sondern eine Folge seiner Suche nach der „universellen menschlichen Erfahrung“ ist. Die Beiträge von Jensen, Kaston und Schamus ergänzen sich: Sie beleuchten die Entwicklung vom satirischen Frühwerk zum transzendentalen Spätwerk, analysieren Dreyers Inszenierung von Glaube und Psychologie und untersuchen die Verbindung zwischen Text und Bild. Durch Bordwells Konzept der „Kammerkunst“ erhält der Leser einen zusätzlichen Schlüssel zu Dreyers Raumverständnis, das auch im Bildteil sichtbar wird.

Schamus’ Essay beeindruckt besonders, weil er Dreyers dokumentarisches Vorgehen entschlüsselt. Dass Dreyer sich bei Die Passion der Jungfrau von Orléans auf die historischen Protokolle stützte und das Verfahren mit Zwischentiteln als „offiziellen Bericht“ inszenierte, erklärt die hypnotische Wirkung des Films: Der Zuschauer wird in einen „exzentrischen Raum“ versetzt, der durch enge Bildausschnitte, fehlende Tiefeninformationen und eine flächige Dekoration entsteht, sodass er ständig zwischen Identifikation und Distanz schwankt.

Kritisch kann man einwenden, dass die Publikation mit 96 Seiten relativ knapp ausfällt. Für Leser, die eine vollständige analytische Monografie erwarten, dürfte die Tiefe der Essays nicht ausreichen; viele Themen – etwa Dreyers Verhältnis zur dänischen Kultur, seine Rezeption oder seine Rolle im europäischen Autorenkino – werden nur angerissen. Zudem bleibt unklar, wie stark das Buch auf die frühen dänischen Stummfilme eingeht, da der Schwerpunkt meist auf den kanonischen Werken liegt. Dennoch macht die Kombination aus kompakten, gut lesbaren Texten, einer selten zugänglichen Drehbuchübersetzung und hervorragenden Bilddokumenten die Publikation zu einem wertvollen Einstieg in Dreyers Universum.

Carl Th. Dreyer (MoMA 1988) ist weniger eine umfassende Filmmonografie als eine liebevoll gestaltete Hommage an einen der radikalsten Regisseure des 20. Jahrhunderts. Die Essays vermitteln anschaulich, wie Dreyer mit knappen filmischen Mitteln universelle Themen wie Glaube, Schuld und Erlösung verhandelt und wie sein „Kammerkino“ Spannung aus räumlicher Beschränkung erzeugt. Das beiliegende Drehbuch Medea erweitert den Blick auf seine unverwirklichten Projekte und stellt eine Verbindung zu Lars von Triers späterer Verfilmung her. Für Filmhistoriker und Studierende der Filmwissenschaft ist die Publikation ein nützliches Nachschlagewerk, für interessierte Laien bietet sie einen sorgfältig kuratierten Einstieg in Dreyers Werk.

Meine Vinyl-Käufe im Februar

1. März 2026

Der Februar war ein ruhiger Monat. Ich musste/durfte viel Arbeiten und hörte Musik. Aber beim Kauf von Vinylplatten habe ich mich im Monat Februar zurückgehalten. Hier meine Auswahl.

Lofi: City Pop 2
„Lofi City Pop 2“ ist eine entspannte Klangreise, die den nostalgischen Charme des japanischen City-Pop der 70er- und 80er-Jahre mit modernen Lo-Fi-Beats verbindet. Warme Synthesizerflächen, weiche Basslinien und zurückgelehnte Rhythmen schaffen eine atmosphärische Mischung aus Retro-Groove und chilliger Studioproduktion. Die Stücke wirken wie musikalische Postkarten aus einer neonbeleuchteten Großstadtnacht und eignen sich perfekt zum Abschalten, Arbeiten oder nächtlichen Durchstreifen gedanklicher Großstadtlandschaften.

Ramones – Live at CBGB, 1977
Das Vinyl „Live at CBGB, 1977“ der Ramones ist ein eindrucksvolles Zeitdokument aus der Frühphase des Punkrock und fängt die rohe Energie der legendären Auftritte der Band im New Yorker Club CBGB ein. Die Aufnahme transportiert die ungeschliffene Direktheit, für die die Ramones berühmt wurden: rasend schnelle Songs, minimalistische Akkordfolgen und Joey Ramones markante Stimme, die zwischen Melodie und rotziger Attitüde pendelt. Anders als spätere, technisch perfektere Liveproduktionen lebt dieses Album gerade von seinem rauen Klangbild – man hört das Publikum, das Dröhnen der Verstärker und die dichte Atmosphäre des kleinen Clubs, in dem der Punk praktisch geboren wurde.

Das Konzert zeigt die Band in Höchstform, als sie noch am Beginn ihres Mythos stand und Songs wie „Blitzkrieg Bop“, „Beat on the Brat“ oder „Now I Wanna Sniff Some Glue“ mit kompromissloser Geschwindigkeit durchjagte. Gerade für Sammler und Vinyl-Liebhaber besitzt diese Pressung besonderen Reiz, weil sie nicht nur Musik enthält, sondern ein akustisches Stück Musikgeschichte: den Sound einer Band, die mit drei Akkorden und Lederjacken eine kulturelle Revolution auslöste.

„Der Traum Von Asgard“ von Reinhard Lakomy

Mit dem Album „Der Traum Von Asgard“ schuf Reinhard Lakomy ein vielschichtiges Werk zwischen Rock, elektronischen Klängen und erzählerischem Konzept. Das Album entfaltet eine märchenhaft-fantastische Atmosphäre, die von poetischen Texten und sorgfältig arrangierten Kompositionen getragen wird. Lakomy verbindet eingängige Melodien mit experimentellen Elementen und schafft so eine Klangwelt, die gleichermaßen verspielt wie nachdenklich wirkt.
Besonders hervorzuheben ist die dichte Produktion: Synthesizerflächen, rhythmische Passagen und ruhige Zwischentöne greifen ineinander und erzeugen einen fast cineastischen Eindruck. Die Stücke wirken wie Kapitel einer zusammenhängenden Geschichte und laden zum konzentrierten Hören ein. Dabei gelingt Lakomy der Spagat zwischen künstlerischem Anspruch und emotionaler Zugänglichkeit.

„Der Traum Von Asgard“ ist weniger ein Album für nebenbei als vielmehr ein atmosphärisches Gesamterlebnis. Es zeigt Reinhard Lakomy als kreativen Grenzgänger, der musikalische Fantasie und erzählerische Tiefe überzeugend verbindet. Reinhard Lakomy war ein deutscher Musiker, Komponist und Entertainer, der vor allem durch seine vielseitigen Werke zwischen Rock, Elektronik und Kinderliedern bekannt wurde. Er prägte die Musikszene der DDR mit experimentellen Konzeptalben ebenso wie mit beliebten Hörspielen und Kinderproduktionen. Lakomy galt als kreativer Grenzgänger, der musikalische Fantasie mit erzählerischem Anspruch verband und bis heute als einflussreicher Künstler erinnert wird. „Der Traumzauberbaum“. ist eines der bekanntesten Kinderalben von Reinhard Lakomy und erschien 1980. Die Mischung aus Liedern und Hörspiel machte es zu einem Klassiker der deutschsprachigen Kindermusik, der bis heute generationenübergreifend beliebt ist.

Oxymoreworks von Jean-Michel Jarre
Mit Oxymoreworks erweitert Jean-Michel Jarre das Klanguniversum von „Oxymore“ um eine Reihe von Remixen und Neuinterpretationen. Das Album versteht sich als offenes Projekt, bei dem verschiedene Produzenten Jarres elektronische Motive aufgreifen und in cluborientierte, teils experimentelle Richtungen weiterdenken.

Im Mittelpunkt stehen treibende Beats, klare rhythmische Strukturen und eine moderne elektronische Ästhetik. Die Remixe verleihen den ursprünglichen Kompositionen zusätzliche Energie und verschieben den Fokus stärker auf Tanzbarkeit und Sounddesign. Gleichzeitig bleibt die charakteristische Atmosphäre von Jarres Vorlage erhalten.

„Oxymoreworks“ ist weniger ein klassisches Album als eine kreative Plattform für elektronische Variationen. Es richtet sich vor allem an Hörer, die zeitgenössische Club- und Elektronikmusik schätzen, und zeigt, wie flexibel Jarres Klangideen interpretiert werden können.