Posts Tagged ‘Zettl’

Kein Filmtipp: Zettl von Helmut Dietl

6. November 2017

 

Nein, Zettl ist kein guter Film und das ist schade.

Nein, Zettl ist kein guter Film und das ist schade.

Zeitweise habe ich mich geschämt, als ich mir Zettl angesehen habe. Der letzte Film von Helmut Dietl ist – Verzeihung – der letzte Mist. Entsetzt und voller Kopfschütteln habe ich mir endlich Zettl auf Blu ray angeschaut, weil ich den Dietl und seine Geschichten wirklich liebe. Bei Zettl kamen mir meine Zweifel, denn obwohl der Film zahlreiche sehr gute Ideen hat, sehr gute Einstellungen, sehr gute Darsteller, so war er doch ohne Liebe, ohne Herz.
Helmut Dietl ist für mich einer der ganz, ganz Großen des deutschen Films . Ich verehre den Monaco und Kir Royal, ich verehre seine Beobachtungsgabe und sein Interesse an Menschen, doch bei Zettl wirke alles leblos. Es kommt mir vor, dass Dietl seine Enttäuschung über Berlin filmisch verarbeiten musste.
Im Grunde ist Zettl eine Fortsetzung von Kir Royal in der Neuzeit. Aber lieber Herr Dietl: Ihre Zeit waren die 80er Jahre des vergangenes Jahrhunderts, die Zeit von Druckerpresse und Papierauflagen. Das Online-Zeitalter hat Dietl nicht verstanden und einen Film vor diesem Hintergrund zu drehen, ist einfach schwierig.
Bevor ich den Film gesehen habe, habe ich mir über Nacht das Drehbuch Zettl – unschlagbar charakterlos von Benjamin von Stuckrad-Barre reingezogen und immer wieder über die guten Einfälle gelacht. Von Stuckrad-Barre habe ich zuvor seine Autobiografie Panikherz gelesen und griff dann zu Zettl. So gut die Ideen in dem Drehbuch waren, so schlecht wurden sie filmisch umgesetzt. Und das tut mir weh dies zu schreiben, denn ich mag den Helmut Dietl. Seinen Tod habe ich betrauert und mir alles bis dahin angesehen, was er gedreht hatte. Bis auf Zettl – der hatte damals schlechte Kritiken bekommen. Immer wieder habe ich mir das Ansehen des Films erspart, vor mich hin geschoben, es gibt schließlich so viele Filme noch zu sehen. Tja und nun konnte ich nicht anders. Ich erwarb die Blu ray von Zettl und sah mir den Film an.
Michael „Bully“ Herbig spielt die Titelrolle eines bayerischen Chauffeurs Max Zettl, der um jeden Preis in Berlin Karriere als Chefredakteur eines Berliner New Yorkers „The New Berliner“ machen will. Die Berliner Gesellschaft aus TV- und Politik wird dabei gehörig durcheinander gewirbelt. Was den Charme bei Kir Royal ausmachte, ist in Berlin einfach nur noch langweilig. München passt nicht nach Berlin. Münchner Grant trifft Berliner Schnauze – das ging gehörig daneben. Und das tut mir wirklich leid. Gerne hätte ich Helmut Dietls letzten Film gelobt und empfohlen. Ich kann es beim besten Willen nicht. Es ist in Teilen ein toller Film geworden, als filmische Gesamtheit eine Katastrophe. Selten habe ich einen so leblosen Films eines Filmgenies gesehen. Schade, wirklich schade.

Helmut Dietl gab mir ein Autogramm auf mein iPad.

Helmut Dietl gab mir ein Autogramm auf mein iPad.

Mein Nachruf auf Götz George

27. Juni 2016

77 Jahre ist er alt geworden. Bereits am 19. Juni sagte Schimanski zum letzten Mal „Scheiße“. Götz George ist tot. Wie zu hören war, verstarb er nach kurzer Krankheit im Kreise seiner Familie und wurde in Hamburg beigesetzt.
Wenn ich an Götz George denke, dann sehe ich als erstes seinen Übervater Heinrich George vor mir. In seinem Schatten spielte sich Götz frei, musste sich freispielen, um überleben zu können. Heinrich George war einer der besten Schauspieler Deutschlands und sein Sohn Götz musste aus diesem Schatten treten.

Der Schatz im Silbersee - hier nahm ich Götz George zum ersten Mal wahr.

Der Schatz im Silbersee – hier nahm ich Götz George zum ersten Mal wahr.

Als Kind nahm ich Götz George in der schrecklichen Karl May Verfilmung Der Schatz im Silbersee wahr. Der Kerl hat mir gefallen. Erst Jahre später habe ich in als schnoddrigen Schimanski wieder auf der Mattscheibe getroffen. Er war der Anti-Held eines TV-Kommissars. Er fluchte, brüllte Scheiße und war nachlässig gekleidet. Ganz im Gegensatz zu den Serienhelden Derrick oder der Alte, die sonst die deutsche Krimiszene beherrschten. Ich fand Schimanski seltsam, den Ruhrpott als Gegend interessant und verstand erst Jahre später seine Rolle wirklich. Tatort war nie so richtig mein Fall, auch die späten Tatort-Filme mit ihm nicht.

Die Deutschen liebten Horst Schimanski im Tatort. Ich begriff erst Jahre später seine Rolle.

Die Deutschen liebten Horst Schimanski im Tatort. Ich begriff erst Jahre später seine Rolle.

Einmal Mitte der 80er Jahre traf ich ihn mal auf einem Filmfest als George den Film Zahn um Zahn präsentierte. Er stand auf der Bühne und ich war einer von vielen im Publikum. Näher kam ich ihm persönlich nicht. Zahn um Zahn war eine Art Tatort fürs Kino, der mir nicht gefallen hatte, genauso wenig wie seine Nachfolgefilme Zabou und die Katze.
Der beste George dieser Jahre war für mich der Film Abwärts, an den ich heute noch immer denken muss, wenn ich einen Fahrstuhl/Aufzug betrete.
Für mich die größte Leistung brachte Götz George unter der Regie von Helmut Dietl. Schtonk!, Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief und Zettl – damit spielte sich Götz George in mein Herz. Wobei mich seine Leistung in den Filmen Der Sandmann und Der Totmacher auch beeindruckten.
Und jetzt ist Götz George mit 77. Jahren verstorben. In YouTube habe ich mir den legendären Fight 1998 zwischen Thomas Gottschalks Publikum und Götz George angesehen. Auch das ist Vergangenheit.