Früher war ich so oft in diesem schönen Land und in den vergangenen Jahren nicht mehr. Daher lag es nah, eine Pressekonferenz im PresseClub München des Slowenisches Tourismusamts zu besuchen. Engagiert und mit viel Herz und Elan stellte Deutschland-Direktorin Rebeka Kumer Bizjak die aktuellen Strategien zur Positionierung Sloweniens als Kultur- und Naturreiseziel vor. Da war es passend, dass in München die Freizeitmesse free stattfand.

Rebeka Kumer Bizjak betonte die besondere Verbindung von Natur, Kultur und Nachhaltigkeit als Kern des slowenischen Tourismuskonzepts. Nachhaltigkeit sei im Land kein kurzfristiger Trend, sondern seit mehr als 15 Jahren Teil der strategischen Entwicklung. Ziel sei es, sowohl Gästen als auch Einheimischen Vorteile zu bieten. Zufriedene Einwohner seien Voraussetzung für authentische Gastfreundschaft und damit für langfristigen touristischen Erfolg. Slowenien setze bewusst nicht auf Massentourismus oder große Hotelanlagen, sondern auf qualitative Entwicklung vorhandener Infrastruktur. Statt punktueller Highlights wolle man das Land ganzjährig als Reiseziel präsentieren und Besucherströme besser verteilen.
Im Anschluss stellte Regionalvertreter Klemen Langus die Alpenregion Gorenjska (Oberkrain) als touristischen Schwerpunktraum vor. Die Region im Norden Sloweniens an der Grenze zu Österreich und Italien verzeichne rund vier Millionen Übernachtungen jährlich und damit etwa ein Viertel aller touristischen Nächte des Landes. Trotz dieser Bedeutung verstehe man Tourismus auch hier nicht als Massenprodukt, sondern als Lebensraum-Konzept, das Natur, Bevölkerung und Gäste gleichermaßen berücksichtige. Rund 65 Prozent der Fläche seien bewaldet, große Teile lägen über 1000 Meter Höhe. Herzstück der Region ist der Triglav‑Nationalpark, der als Modellregion für nachhaltige Entwicklung und Naturschutz gilt.
Landschaft und Naturraum
Die Region verfüge über ein dichtes Netz an Wander- und Radwegen sowie Wintersportmöglichkeiten. Beispiele seien der Fernwanderweg Juliana Trail, alpine Pässe für Radfahrer und zahlreiche Klettersteige. Nachhaltige Besucherlenkung, Verkehrsbeschränkungen in sensiblen Gebieten und regionale Lieferketten gehörten zu den konkreten Maßnahmen vor Ort.
Ein touristisches Aushängeschild sei der Kurort Bled, der bereits im 19. Jahrhundert Gäste aus Mitteleuropa anzog und 1903 auf einer Wiener Kurortausstellung ausgezeichnet wurde.
Historische Städte und Kulturerbe
Neben Naturangeboten hob der Referent die kulturelle Vielfalt hervor. Städte wie Kranj, Wirkungsort des Nationaldichters France Prešeren, oder Orte mit architektonischem Erbe des Architekten Jože Plečnik zeigten die historische Tiefe der Region. Besonders hervorgehoben wurde die mittelalterliche Stadt Škofja Loka, deren Passionsspiel aus dem frühen 18. Jahrhundert als eines der ältesten erhaltenen dramatischen Werke Europas gilt. Die Aufführung findet nur alle sechs Jahre statt und bindet hunderte Einwohner ein, wodurch Besucher Teil des Geschehens werden statt bloße Zuschauer zu bleiben. Da gab es im PresseClub auch eine kleine Kostprobe des Passionsspiels.

Das Passionsspiel von Škofja Loka zählt zu den ältesten erhaltenen Theatertraditionen Europas. Das religiöse Prozessionsspiel wurde 1721 von einem Kapuzinermönch verfasst und wird bis heute nur etwa alle sechs Jahre aufgeführt. Hunderte Mitwirkende aus der Region ziehen dabei in historischen Kostümen durch die Altstadt und stellen biblische Szenen dar. Gerade diese enge Beteiligung der Bevölkerung macht die Aufführung zu einem lebendigen Kulturerlebnis und zu einem bedeutenden Zeugnis slowenischer Volks- und Theatergeschichte. 2026 jährt sich das 300jährige Jubiläum der ersten Aufzeichnung des Passionsspiels. Dieses Jahr finden die Aufführungen am 21., 22., 28., 29. März und 6., 11. und 12. April statt. Vielleicht ein Grund, Slowenien mal wieder zu besuchen.
Sport spiele ebenfalls eine wichtige Rolle für die regionale Identität. Orte wie Kranjska Gora und Planica seien regelmäßig Austragungsorte internationaler Wettkämpfe etwa im Ski- und Wintersport. Diese Veranstaltungen würden jedoch als natürlicher Bestandteil der Landschaft verstanden und nicht als Fremdkörper.
Abschließend unterstrichen die Referenten, dass Slowenien seine touristische Zukunft vor allem in einer Balance aus Tradition, Naturerlebnis und moderner Kultur sieht. Authentische Begegnungen, regionale Gastronomie und eine enge Verbindung zwischen Bevölkerung und Besuchern sollen das Land weiterhin als nachhaltige und vielseitige Destination profilieren.
