Posts Tagged ‘Gemeindebücherei Maisach’

Tim Pröse – Ein Chronist der Erinnerung: Geschichten, die uns nie loslassen

14. Februar 2025

Bereits zum vierten Mal war Spiegel-Bestsellerautor Tim Pröse in unserer Gemeindebücherei Maisach zu einer Lesung. Was für eine Ehre, wenn ein Mann, der ganze Hallen bei seinen Lesungen füllt, zu einer kleinen Bücherei in den Westen von München kommt und begeisterten Zuhörern seine Werke präsentiert. Ich gebe zu, ich bin ein absoluter Tim Pröse-Fan und freue mich, wenn ich diesen charismatischen Autoren treffe und sprechen kann. Ich mag den Typen einfach in seiner Art, journalistisch bewundere ich seine Schreibe, seinen Stil und seine Themen.

Tim Pröse ist ein deutscher Journalist und Autor, der sich in den vergangenen Jahren insbesondere durch seine Werke über Zeitzeugen des 20. Jahrhunderts einen Namen gemacht hat. Seine Bücher verbinden historische Aufarbeitung mit emotionalen Porträts und zeigen, dass Erinnerung nicht nur ein intellektueller Prozess, sondern auch eine zutiefst menschliche Angelegenheit ist. Pröse gibt denjenigen eine Stimme, die Geschichte erlebt und geprägt haben – oft Menschen, die sonst nicht im Rampenlicht stehen, aber deren Schicksale uns bis heute berühren und prägen. Tim Pröses journalistische Wurzeln liegen in der Porträtkunst. Er schrieb unter anderem für den Focus und bewies dort sein Gespür für persönliche Geschichten hinter den großen Ereignissen. Diese Fähigkeit, Historie durch individuelle Biografien greifbar zu machen, zieht sich durch all seine Bücher. Seine Werke sind nicht bloß historische Abhandlungen, sondern erzählen Geschichte durch die Menschen, die sie erlebt haben. Nach der Lesung führte ich ein Interview mit diesem Künstler.

In Maisach hat er Auszüge aus seinem Buch „Wir Kinder vom 20. Juli“ präsentiert. Ein wichtiges Buch, gerade vor der bevorstehenden Bundestagswahl. In „Wir Kinder des 20. Juli“ (2024) widmet er sich den Nachkommen der Widerstandskämpfer des Hitler-Attentats von 1944. Das Buch zeigt eindrucksvoll, wie die Ereignisse von damals in den Familien weiterwirken und welche Verantwortung die nachfolgenden Generationen tragen. Hier setzt Pröse auf eine neue Perspektive: Nicht die Zeitzeugen selbst, sondern ihre Kinder erzählen von Schuld, Trauma, aber auch von Stolz und Pflichtbewusstsein.

Mir wurde bei seiner emotionalen Lesung wieder bewusst: Tim Pröse ist kein neutraler Chronist, sondern ein Autor mit einer klaren Haltung. Er stellt sich gegen das Vergessen, gegen das Verharmlosen von Verbrechen und gegen die Relativierung der Geschichte. Dabei bleibt er aber stets auf der Ebene der Erzählung, ohne sich in politische Diskussionen zu verstricken. Seine Bücher sind ein Plädoyer für das Erinnern – nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern durch die Kraft der persönlichen Geschichte.
Ein herausragendes Merkmal von Pröses Schreibstil ist seine Fähigkeit, historische Fakten mit lebendigen Erzählungen zu verbinden. Er schreibt klar, anschaulich und ohne akademische Distanz. Die Schicksale, die er schildert, sind oft erschütternd, aber er verfällt nie in Sensationslust oder übermäßige Dramatik. Vielmehr lässt er seine Protagonisten für sich sprechen und schafft es, ihren Geschichten Tiefe und Gewicht zu verleihen.

Und ich bin wirklich stolz, dass so ein Autor bei uns in der Gemeinde zu Gast war.

Lesung in der Gemeindebücherei: Felix Leibrock und der Mord auf dem Königssee

1. Juli 2024

Also, erzählen kann er, was aber kein Wunder ist. Felix Leibrock war in unserer Gemeindebücherei in Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck und stellte seinen neuen Roman “Mord auf dem Königssee: Ein Berchtesgaden-Krimi” vor. Felix Leibrock ist Pfarrer und hat in München einen gewissen positiven Ruf. Zum einen ist er Polizeiseelsorger bei der Bayerischen Bereitschaftspolizei, zum anderen arbeitet er für Antenne Bayern.

Ach ja, und er ist ein recht erfolgreicher Buchautor und hat mit “Mord auf dem Königssee” seinen dritten Roman der Krimireihe bei Servus Krimi herausgebracht. Und daher ist es ein Genuss, der Lesung von Felix Leibrock zu lauschen, denn erzählen kann der Mann – als Pfarrer hat er es schließlich gelernt.

Der Roman wechselt in der Zeit, was immer eine Herausforderung ist. Einmal springt Leibrock in die Zeit der Hexenprozesse und legt die Brutalität jener Zeit dar, dann springt er wieder in die Gegenwart, als sechs tote Priester in Ruderbooten auf dem Königssee treiben. Simon Perlinger, Polizeibergführer und Leiter der Kripo Berchtesgaden, muss ran und diesen mysteriösen Fall lösen. Leibrock verknüpft gekonnt historische Fakten, Mystizismus von abseitigen katholischen Bruderschaften und klassischen Krimistoff. Dazu ist das Buch natürlich ein bayerischer Regionalkrimi und eine lesenswerte Urlaubslektüre für Bergfreunde. Für Urlauber des Berchtesgadener Lands sollte der 368-seitige Roman Pflichtlektüre sein, denn Leibrock beschreibt Land und Leute sehr sorgsam. Das Berchtesgadener Land ist durch seine geografische Lage eine abgeschlossene Gegend mit eigenen Regeln.

Und weil Felix Leibrock eben ein Pfarrer ist und erzählen kann, berichtet er auch immer wieder von Erlebnissen seiner Recherchearbeit. So passt es ideal, wenn in dem Buch über katholische Bruderschaften berichtet wird und aktuell die Priesterbruderschaft St. Pius X. wieder medial in Erscheinung tritt. So informiert er, dass die Priesterbruderschaft St. Pius X. weiterhin gegen die Lehren des Zweiten Vatikanischen Konzils verstößt und Bischof Voderholzer Priesterweihen in Zaitzkofen untersagt. Die Piusbruderschaft missachtet die notwendigen rechtlichen Bedingungen der römisch-katholischen Kirche für die Weihe (can. 1017 CIC). „Durch dieses Verhalten sehe ich mich erneut genötigt, die Ordnung der Kirche zu schützen und als Ordinarius loci die unerlaubten Weihespendungen wie auch in den vergangenen Jahren für den Bereich der Diözese Regensburg zu untersagen“, so Bischof Voderholzer in seinem Brief.

Ein anderes Beispiel, das er den Zuhörern in der Gemeindebücherei Maisach berichtete, war der versunkene VW-Käfer im Königssee. Am 28. Januar 1964 brach der Käfer mit Fahrer auf dem gefrorenen See ein und versank. Seitdem liegt der Käfer und der Tote in einer Tiefe von 120 Metern. Hier ein Video vom Fahrzeug (ohne Leiche). Auch dieses Ereignis passt wunderbar zum Buch “Mord auf dem Königssee” von Felix Leibrock.