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Ludger Freese, der bloggende Metzger – Vorbild für Social Media im Handwerk

17. Januar 2014

Jetzt ist wieder die Zeit für die norddeutsche Spezialität Grünkohl und Pinkel. Und fällt mir natürlich mein Bloggerkollege Ludger Freese ein. Ludger, in Twitter @lusches genannt, ist Metzgermeister und hat heute unter anderem einen erfolgreichen Partyservice und Online-Shop, nachdem er im vergangenen Jahr seine Metzgerei schoss. In meinem Archiv habe ich einen Vortrag von ihm gefunden, den er beim Landesinnungsverband des bayerischen Bäckerhandwerks gehalten hat. Die Grundaussagen von damals gelten heute noch immmer.

Ludger Freese ist im Netz eine Berühmtheit. Ludger Freese ist der bloggende Fleischer und das Paradebeispiel eines Handwerkers, der mit Social Media-Werkzeugen hervorragend umgeht. Die Internet-Adresse ist http://www.fleischerei-freese.de

Begonnen hatte er im Jahr 2000, als seine erste Website online ging. Auf dieser Seite war ein kleines Forum eingebaut, in dem Kunden Fragen stellen konnten. “Wenn ich ehrlich bin, dann muss ich zugeben, dass das Forum überhaupt nicht lief und ganz schwach besucht war”, so Freese. Aber er hatte auf anderen Plattformen Erfolg. Er war Gastautor in verschiedenen Blogs, unter anderem auf dem Fleischerblog. Dort bekam er ein hervorragendes Feedback. Leute traten mit ihm in Kontakt. “Was liegt also näher, als einen eigenen Blog zu starten und die Themen der Leute aufzugreifen?” fragte er sich.

Grünkohl & Pinkle von @lusches - so wie das Foto auch.

Grünkohl & Pinkle von @lusches – so wie das Foto auch.

Zunächst hatte er aber Bedenken: “Wie ist das mit der Rechtschreibung?” “Schaffe ich es, regelmäßig Beiträge zu veröffentlichen?” “Finde ich genügend Themen, über die es zu schreiben lohnt?” Aber Freunde und Bekannte haben Ludger Freese Mut gemacht und er startete seinen Blog “Essen kommen” auf WordPress-Basis, die Adresse ist http://blog.fleischerei-freese.de/. Die Community hat das Engagement gewürdigt und seinen Blog weiterempfohlen. “Ich konnte es nicht glauben, was da passiert ist. Die Zugriffszahlen meines Blogs stiegen in die Höhe und vervielfachten sich.” Jetzt müssen die User bei Laune gehalten und regelmäßig mit Themen versorgt werden. Das regelmäßige Schreiben fiel ihm leichter als gedacht. “Es muss nicht täglich sein, aber wichtig ist ein dauerhaftes Engagement. Das kann auch ein Blogbeitrag einmal die Woche sein. Öfters ist aber sicher besser.”

Gleichzeitig trat Freese in Kontakt mit anderen. “Ich kommentiere in anderen Blogs und mische mich in Diskussionen ein. Ich zeigte Präsenz im Netz und zog mich nicht nur auf meine Website zurück.” Gerade der Vernetzungsgedanke ist bei Ludger Freese zu spüren. Er fing an, verschiedene Plattformen auszuprobieren. Heute ist Freese unter anderem auf Facebook, Twitter, Xing, Foursquare und vielen anderen Plattformen zu finden.

“Es ist ein riesiges Fenster, was da durch soziale Netze aufgeht”, so Freese. Es sei eine enorme Macht, die in sozialen Netzen liege, und gerade das Handwerk sollte die Chance erkennen. “Dabei geht es nicht vordergründig darum mehr zu verkaufen und höhere Umsätze zu erzielen, sondern es geht um den Kontakt mit den Leuten.” Die höheren Umsätze folgen ganz von alleine. Freese integrierte in seine Website einen Online-Shop und verschickt seine Waren innerhalb Deutschlands. Und es wird bestellt, vor allem, wenn es regionale Saisonwaren wie Grünkohl gibt. Es gibt zahlreiche eigene Wurstkreationen, wie verschiedene Grillwürste oder die legendäre world wide wurst.

Klassische Massenmedien wie Zeitungen und Fernsehsender berichten regelmäßig über die Fleischerei in Visbek und ihren bloggenden Chef. Das schafft neue Aufmerksamkeit und neue Kontakte, aus denen Kunden werden.

Und Ludger Freese hat eine enorme Freude daran und ist sich nicht zu schade, einen Spaß mitzumachen. “Auch wenn es meine Kinder schon kritisch sehen, was der Papa da so macht. Aber stolz sind sie auf ihren alten Herrn auch.” Freese weiter:  “Man muss schon über sich lachen können, das verstehen einige Kollegen überhaupt nicht.” Er dreht Videos und beantwortet dabei schon mal die Frage, wie man eine Bierflasche ohne Öffner aufbekommt – mit Suppenkelle und Fleischermesser. Ein Renner unter den YouTube-Videos. Das schafft Reichweite und Kultstatus.

Wichtig ist für Freese seine Kunden in Geschäftsentscheidungen miteinzubeziehen. Es wird regelmäßig in Votings gefragt, welche Mittagsgerichte beispielsweise in dem angeschlossenen Restaurant serviert werden sollen. “So was bietet sich für das Friseurhandwerk doch auch genial an”, so Freese, der Innungsmeister und stellvertretender Kreishandwerksmeister in seiner Region ist. “Es geht nicht darum perfekt zu schreiben, sondern es geht darum authentisch zu sein.”

Natürlich reagieren seine Umgebung und manche seiner Kollegen skeptisch über so viel neue Kommunikation. “Das ist keine Spielerei, sondern Arbeit, die Spaß macht.” Freese ist auf zahlreichen Kongressen unterwegs und stellt seine Social Media-Aktivitäten vor, wie unlängst beim Kommunikationskongress in Berlin. Aber auch bei der Handwerkskammer in Oldenburg oder kleinen Guerilla-Seminaren seiner Kreishandwerkerschaft wird Ludger Freese nicht müde, sein Konzept zu erläutern. Ich hab ihn bereits mehrmals getroffen und erlebt. So such beispielsweise beim Landesinnungsverband des bayerischen Bäckerhandwerks. Dort habe ich seinen Vortrag für YouTube mitgeschnitten.

Wichtig sei es, natürlich zu bleiben und keine Werbung zu machen. Es gibt keinen Post nach dem Motto “100 Gramm Salami für 1,10 Euro”. Ehrlichkeit und Natürlichkeit – das zähle im Netz und schlage sich auch in den Zahlen nieder. Die Website habe durchschnittlich 3000 Besucher pro Tag. Seit März 2007 hat Freese 1300 Artikel in den Blog eingestellt und über 7000 Kommentare erhalten.

“Ich sehe in sozialen Netzwerken wie Blogs, Facebook und Twitter eine riesige Chance für das Handwerk, denn Kunden informieren sich heute im Netz. Also muss das Handwerk ins Netz. Es geht um Kunden und um den Dialog mit Kunden – so einfach ist das”, so Ludger Freese.

Dies ist ein Auszug aus meinem Buch Social Media für Friseure. Dort gibt es Ausführungen zu Social Media und einige Fallbeispiele. Ludger Fresse ist eines davon. Das Buch gibt es gerade reduziert beim Landesinnungsverband des bayerischen Friseurhandwerks. Ich helfe viele Handwerker bei ihren Schritten in soziale Netzwerke.

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Urlaub in Südtirol (5/10): Abwiegen beim Bäcker

28. August 2009

Bäckerei in Südtirol

Wie viel kosten sechs Semmeln (für Franken und Preußen: Brötchen, Schrippen, Stullen)? Eigentlich kein Problem, sollte man meinen. Bei meinen Urlaub in Burgeis in Südtirol fand ich ein drohendes Unheil der EU-Verwaltung heraus.

Hier wiegt die Bäckereifachverkäuferin die Backwaren ab und errechnet dann den Preis. Wie blöd ist denn das? Es ist ja genau wie beim Metzger/Fleischer? Mal kosten damit drei Semmeln 80 Cent, dann wieder 96 Cent. Das ist doch ein Blödsinn. Die Vorteile eines solchen Vorgehens leuchten mir nicht ein. Klar, jetzt kann ich vergleichen, ob die dicken Semmeln in der Bäckerei A im Verhältnis billiger sind, als in die nicht so dicken Semmeln in der Bäckerei B. Drei Semmeln für 75 Cent geht dann künftig nicht mehr, wenn sich diese EU-Unsitte bei uns durchsetzt. In Südtirol fand ich diese Regulierungswut störend.

Vergleichen wir mal

7. August 2008

Jeder möchte für seine Leistungen richtig bezahlt werden. Ich denke, darauf können wir uns einigen. Der Markt bestimmt Angebot und Nachfrage. Soweit so gut. Als ich neulich auf einem Seminar war, fragte mich ein Unternehmer, was denn Pressetexte und PR-Fotos so kosten würden. Er betreibt eine Autowerkstatt und will auch noch einen Flyer machen. Ich machte ihm ein Angebot, (das er nicht ablehnen konnte – frei nach dem Paten). Im Ernst: Ich kalkulierte meine Zeit und nannte ihn den Betrag. Er riss die Augen auf, schüttelte den Kopf und sagte: „Viel zu teuer dieser Stundensatz für Texte und Bilder – das kann doch jeder!“ Als ich ihn fragte, wie hoch der Stundensatz bei ihm in der Werkstatt sei, musste ich schlucken. „Was so hoch?“ Aber er entgegnete mir: „Das ist richtige Arbeit. Da brauchen Sie Wissen, eine Ausbildung, die richtigen Werkzeuge.“ Aha. Ich klärte den guten Mann auf, dass Know-how im PR- und Pressebereich nicht vom Himmel fallen würde, dass der Brief an die Oma und Presse-Texte sowie Urlaubsfotos und Pressefotos nicht dasselbe seien, dass sich Nikon und Apple ihre Hardware sehr gut bezahlen ließen und überhaupt. Nur weil jeder einen Computer zu Hause hat, ist er noch lange kein Experte der Druckvorstufe und PR-Genie. Ich erinnere mich an einen Metzger/Fleischer vor einigen Jahren für den ich während meiner Tageszeitungszeit ein so genanntes Anzeigenkollektiv schreiben sollte. Das sind PR-Texte und Fotos um eine Anzeige herum. Er gab mir lang und breit vor, wie ich was zu schreiben hatte, wusste alles über den Aufbau des Textes. Irgendwann erklärte ich ihn höflich, dass ich zwar gerne ein gutes Steak essen würde, aber keine Ahnung hätte, wie ein Rind geschlachtet würde. Er könne zwar schreiben, hätte aber doch keine Ahnung, wie ein PR- oder journalistischer Text aufgebaut sei. Ich mische mich beim Schlachten nicht ein. Das leuchtete ihm ein. Ach ja, mit meiner Autowerkstatt kam ich dann auch noch ins Geschäft.