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Social Media: Kommunikation ist wie ein Orchester

17. März 2010
Bei vielen Gesprächen mit Kunden über Social Media-Aktivitäten ist es meine Aufgabe, den Leuten die Angst zu nehmen. Es ist interessant, wieviel Angst die Leute haben, Social Media einzusetzen. Diese Angst gilt es zu überwinden und in der Regel gelingt es.
Das erste Vorurteil ist in der Regel: „Was interessiert es die Leute, was ich zu mittag gegessen habe oder wem ich alles einen guten Morgen wünsche?“ Doch liebe Kunden, das kann interessant sein, muss es aber nicht. Das ganze Ding heißt Social Media und Social bedeutet Sozial. Wikipedia sagt: Das Wort sozial (von lat. socius‚ gemeinsam, verbunden, verbündet‘) bezeichnet wechselseitige Bezüge als eine Grundbedingtheit des Zusammenlebens, insbesondere des Menschseins (der Mensch als soziales Wesen). Und was machen wir im Falle Social Media? Wir kommunizieren mit Menschen. Wir treten in einen Dialog? Wir hören zu und wir geben eine Antwort.
Nur wer etwas von seiner Persönlichkeit anderen Preis gibt, der wird etwas zurückbekommen. Die Vorwürfe, ein gläserner Surfer zu werden, sind natürlich Blödsinn. Wir haben es selbst in der Hand es zu steuern. Wir selbst stellen Informationen zur Verfügung und das sind natürlich nicht alle Infos. Keiner zwingt jemanden über sein Mittagessen zu twittern, aber wenn es relevant ist.
Viel mehr Angst haben manche Kunden vor dem Dialog, der entsteht. Es war so schön in der Vergangenheit nur als Sender aufzutreten. Es war ein einseitig linearer Ansatz, wie es so schön hieß. Ich schütte oben was rein und die lieben Kollegen in den Medien haben darüber zu berichten und fertig. So einfach ist es im Social Media-Zeitalter nicht. Kommunikation ist keine Einbahnstraße. Kommunikation bedeutet Dialog. So sind dann auch die Kunden erstaunt, wenn man ihnen sagt: Twittern müssen Sie schon selbst, das kann Ihnen keine Agentur abnehmen, wenn es glaubhaft sein soll.
Hier twittert der Chef (selbst). Aber Strukturen (vor allem im Kopf) lassen dies nicht zu. Vorurteile sind: Dafür bin ich zu wichtig und hab für so Zeug keine Zeit. Und dennoch werden diese Herrschaften die Quittung bekommen, wenn sie die Sozialen Netzwerke kaum oder gar nicht betreuen.
Kommunikation ist wie ein Orchester und wenn klassische PR Trompete, Posaune und Schlagzeug sind, dann sind Social Media eben die Streicher und Triangeln. Natürlich kann ich sie weglassen, aber dann klingt es eben schief.

Journalist bringt Merkel in Bedrängnis

2. November 2009

Einen Grundlagenkurs in Kommunikation müssen unsere Bundeskanzlerin und einen Benimmkurs die Herren Seehofer und Westerwelle belegen. Das ist das Resultat, wenn man sich einen Ausschnitt aus der Bundespressekonferenz auf YouTube ansieht. Dort fragt der holländische Journalist Rob Savelberg die Kanzlerin, ob denn der neue Finanzminister Wolfgang Schäuble überhaupt geeignet sei. Schließlich habe Schäuble in der CDU-Spendenaffäre „vergessen, dass 100.000 Mark in seiner Schublade liegen.“ Angela Merkel antwortet: Schäuble habe ihr Vertrauen. Die Herren Seehofer und Westerwelle grinsen über die Frage und sind wohl glücklich, dass sie nicht gefragt wurden. Im Saal ist deutlich Gelächter zu vernehmen.

Auf diese Frage muss die Regierung vorbereitet sein und zeigt, wie schlecht es um Kommunikation in diesem Lande bestellt. Chapeau vor „De Telegraaf“-Mann Rob Savelberg, der die Frage stellte. Seine deutschen Kollegen hatten scheinbar die Spendenaffäre nicht mehr auf dem Schirm oder trauten sich nicht zu fragen. Auch das ist eine Krise des deutschen Journalismus. Mund aufmachen und nachfragen, so wie ihr es in euren Volo-Kursen gelernt habt. Schließlich geht es um das Geld von 82 Millionen Bundesbürgern.

Das Ganze wäre wohl nicht weiter bekannt geworden, wenn der mitgeschnittene Phoenix-Clip nicht auf YouTube aufgetaucht wäre. Innerhalb von ein paar Tagen hatte Minutenausschnitt über 800.000 Klicks. Die virale Kampagne war gestartet. Verantwortliche unterschätzen die digitalen Möglichkeiten. Neue Kommunikation ist gefragt. Schon mal etwas von Krisen-PR gehört. Gerne mache ich da ein Angebot.