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Filmkritik: Cold Storage – Apokalypse auf Probe

11. Februar 2026

„Cold Storage“ ist ein herrlich altmodischer Genre-Spaß: ein Sci-Fi-Horrorfilm über einen mutierenden Pilz, der in einem Selfstorage-Komplex ausbricht – und dabei erstaunlich leichtfüßig, witzig und ansteckend kurzweilig bleibt. Für mich eine Version von Andromeda tödlicher Staub aus dem All auf Ecstasy, ohne natürlich die Tiefe des Klassikers zu erreichen.

Ausgangspunkt ist ein scheinbar banaler Nachtschicht-Job in einem Lagerhaus, das praktischerweise auf einem ehemaligen US-Militärstützpunkt errichtet wurde. Tief darunter lagert ein hochgefährlicher, mutierender Pilz, der einst als zu riskant für die Vernichtung eingestuft und einfach „eingefroren“ wurde./ Er kam mit dem Skylab auf die Erde und wütete in Australien. Als steigende Temperaturen das Sicherheitssystem aus dem Gleichgewicht bringen, entweicht der Erreger, breitet sich rasend schnell aus und verwandelt die Nacht in eine groteske Überlebensfarce.

Dabei findet der Film eine reizvolle Balance: Er ist blutig und „goopy“, scheut sich nicht vor Körperhorror à la Cronenberg, spielt das Szenario aber mit einem deutlich spürbaren Augenzwinkern als Horror-Komödie durch. Das Resultat ist weniger deprimierender Pandemiethriller als vielmehr ein spaßiges Creature-Feature, das auf gemeinsame Reaktionen im Kinosaal zielt – Schrecken, Gelächter, angewidertes Keuchen. Filmfreunde finden immer wieder kleine Anspielungen auf Genrebeiträge wie Dawn of the Dead oder Return of the Living Dead.

Im Zentrum stehen Travis „Teacake“ Meacham (Joe Keery) und Naomi Williams (Georgina Campbell), zwei eher niedere Angestellte der Anlage, deren Nacht plötzlich zur Apokalypse auf Probe wird. Keery legt seinen Teacake als charmanten Großmaul-Protagonisten an, dessen vorlaute Energie den Horror rhythmisiert und den Humor glaubwürdig aus der Figur heraus entstehen lässt. Campbell kontert ihn mit einer geerdeten, klugen Naomi, die als moralischer und emotionaler Ruhepol dient und der eskalierenden Absurdität ein menschliches Gewicht verleiht.

Liam Neeson stößt als Robert Quinn dazu, ein in den Ruhestand gedrängter Bioterror-Experte mit Rückenschmerzen, der die Vorgeschichte des Pilzes kennt und als gezeichnete, aber handfeste Autoritätsfigur den Plot in Richtung größerer Bedrohung öffnet. Um sie herum versammelt der Film ein Ensemble aus starken Nebendarstellerinnen und -darstellern – darunter Lesley Manville, Sosie Bacon, Vanessa Redgrave und weitere –, das jedem Auftritt einen Hauch von Charakter und Eigenheit gibt, selbst wenn die Screentime begrenzt ist.

Regisseur Jonny Campbell erzählt eine bewusst einfache, geradlinige Geschichte, die eher auf Tempo und Setpieces als auf komplexe Verschwörungsplots setzt. Die klaustrophobische Architektur des Selfstorage-Komplexes – Gänge, Türen, unterirdische Ebenen – wird zu einer Art Horrorspielplatz, in dem sich Suspense-Momente, slapstickhafte Eskalationen und drastische Schockbilder abwechseln. Dass der Film seine eigene Künstlichkeit kennt und lustvoll überzeichnet, macht ihn gerade reizvoll: Er will nie das ultimative Statement zum Thema Pandemie sein, sondern eine „wildeste Nachtschicht aller Zeiten“, durchgespielt bis zur Extinktion als Party-Gag.

Die Effekte setzen stark auf schleimige, mutierende Pilz-Bilder und groteske Infektionen, wobei digitale Effekte manchmal dominieren, wo man sich praktisches Make-up wünschen würde. Dennoch entfaltet das visuelle Design genug Einfälle, um die Kreatur(en) über den ganzen Film hinweg interessant zu halten, inklusive immer neuer mutierter Stadien und räumlich clever platzierten Infektionsmomenten. Musikalisch und rhythmisch schlägt der Film oft den Ton eines „Date-Night-Horrors“ an – zugänglich, mit klar gesetzten Spannungsbögen, aber immer bereit, einen Gag oder eine überraschende Reaktion einzustreuen.

„Cold Storage“ versteht sich als nostalgischer Rückgriff auf eine Ära von genrehybriden B-Movies, in denen Einfallsreichtum, Figurenchemie und ein gewisser anarchischer Humor wichtiger waren als Logik oder thematische Tiefenschärfe. Kollegen nach der Pressevorführung betonten, dass der Film zwar nicht alle Erwartungen an den großen Namen vor und hinter der Kamera erfüllt, aber genug Charme, Ekel, Spannung und Leichtigkeit mitbringt, um „lohnenswert“ zu sein. Man könnte sagen: Er erfindet das Rad nicht neu, er sprengt es, lässt es mutieren und schleudert es dem Publikum vergnügt ins Gesicht – und genau in dieser Überdrehtheit liegt seine Stärke.

Dass der Film klar als gemeinschaftliches Erlebnis gedacht ist, spürt man in der Art, wie er auf kollektive Reaktionen hin inszeniert ist: Die besten Momente leben davon, dass man sie nicht allein, sondern mit einem Publikum erlebt. „Cold Storage“ ist damit weniger ein filigranes Horror-Kleinod als ein robustes, liebevoll gröliges Genre-Vergnügen – perfekt für eine laute Vorstellung, die man mit einem Grinsen verlässt und nicht weiter darüber nachdenkt.