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Zwischen Lichtern, Holzduft und stillen Momenten – ein Weihnachtsmarkt zum Durchatmen

22. Dezember 2025

Eigentlich ist ja vor Weihnachten die ruhige Zeit. Eigentlich. Im Grunde bin ich vor den Feiertagen richtig gestresst und konnte nur aufgrund der Terminlage einen weiteren Bummel über einen Weihnachtsmarkt machen. Ich war auf dem Fürther Weihnachtsmarkt, der zusammen mit einem Mittelaltermarkt mir ganz gut gefallen hat. Nicht so ein Trubel wie der große Christkindlesmarkt in Nürnberg.

Bis Dienstag, 23. Dezember, findet der Fürther Weihnachtsmarkt auf der Frühster Freiheit statt. Ein ganz besonderes Ambiente entsteht auch in diesem Jahr wieder durch den Mittelaltermarkt. An rund 25 liebevoll historisch gestalteten Ständen und Buden lassen sich traditionelle Handwerkskünste wie Kerzenziehen, Glas- und Schmiedearbeiten, Töpfern oder Filzen hautnah erleben. Dazu werden Getränke und Speisen nach alten Rezepturen angeboten. Ich habe ein Schaschlik gegessen, leider ohne Leber und daher nur ein schnöder Fleischspieß. Hier ein paar Videoeindrücke.

Für Unterhaltung ist ebenfalls gesorgt: Ein vielfältiges Rahmen- und Bühnenprogramm begeistert kleine wie große Gäste. Den stimmungsvollen Abschluss eines jeden Markttages bildet ein Feuerspektakel. Nach Einbruch der Dunkelheit tauchen Fackeln den Markt in ein warmes Licht, während Feuerstellen und Badezuber zum Aufwärmen und Verweilen einladen.

Nicht fehlen darf auch in diesem Jahr Bayerns höchste Weihnachtspyramide, die diesmal bis Samstag, 10. Januar, in der Adenauer-Anlage zum gemütlichen Glühwein-Umtrunk lädt und den Fürther Markt mit einbindet. Dort blieb ich länger stehen. Die Weihnachtspyramide auf dem Fürther Weihnachtsmarkt ist eines der prägenden und beliebtesten Elemente des Marktes und verbindet traditionelle Handwerkskunst mit festlicher Symbolik. Sie ist nicht nur ein Blickfang, sondern auch ein kulturelles Zeichen für vorweihnachtliche Stimmung und gelebtes Brauchtum in der Innenstadt.

Weihnachtspyramiden haben ihren Ursprung im Erzgebirge und entwickelten sich aus einfachen, mit Kerzen bestückten Gestellen, die Licht in die dunkle Jahreszeit bringen sollten. In Fürth greift die Weihnachtspyramide diese Tradition auf und übersetzt sie in eine zeitgemäße, öffentlich zugängliche Form. Mit ihrer mehrstöckigen Bauweise, den kunstvoll gestalteten Figuren und der warmen Beleuchtung bildet sie einen zentralen Treffpunkt auf dem Weihnachtsmarkt.

Charakteristisch für die Fürther Weihnachtspyramide ist ihr Aufbau in mehreren Ebenen, auf denen sich unterschiedliche Szenen und Figuren präsentieren. Häufig greifen diese Darstellungen weihnachtliche Motive, regionale Bezüge oder handwerkliche Themen auf. Durch die Drehbewegung der Ebenen entsteht eine ruhige, gleichmäßige Dynamik, die Besucher fast automatisch zum Verweilen einlädt. Das Spiel aus Licht, Bewegung und Holz verleiht der Pyramide eine besondere Ausstrahlung, die sich deutlich von modernen Lichtinstallationen abhebt.

Technisch wird die Pyramide – traditionell wie symbolisch – durch Wärme und Luftströmung in Bewegung gesetzt oder durch einen unauffällig integrierten Motor unterstützt. Unabhängig von der Antriebsform bleibt der ursprüngliche Gedanke erhalten: Licht erzeugt Bewegung, Bewegung erzeugt Leben. Gerade in der dunklen Jahreszeit entfaltet diese Idee eine besondere Wirkung.

Im Kontext des Fürther Weihnachtsmarktes übernimmt die Weihnachtspyramide mehrere Funktionen. Sie ist Orientierungspunkt, Fotomotiv und identitätsstiftendes Element zugleich. Viele Besucherinnen und Besucher verbinden ihren Marktbesuch ganz selbstverständlich mit einem Gang zur Pyramide, sei es zum Innehalten, zum Beobachten der Details oder als Treffpunkt. Besonders für Kinder übt die langsam rotierende Konstruktion mit ihren Figuren eine große Faszination aus.

Darüber hinaus steht die Weihnachtspyramide sinnbildlich für das, was den Fürther Weihnachtsmarkt auszeichnet: eine Verbindung aus Tradition, Handwerk und familiärer Atmosphäre. In einer Zeit, die oft von Hektik geprägt ist, setzt sie einen ruhigen Gegenpol und lädt dazu ein, den Moment bewusst zu erleben.

So ist die Weihnachtspyramide weit mehr als ein dekoratives Element. Sie ist ein fest verankerter Bestandteil des Weihnachtsmarktes in Fürth und trägt maßgeblich dazu bei, dessen besondere Stimmung Jahr für Jahr erlebbar zu machen.

Übrigens: Das Sicherheitskonzept empfand ich als sinnvoll und gut.

Heißenturm in Schrobenhausen – Dienstbotenkrankenanstalt der alten Zeit

7. März 2015

Der Heißenturm in Schrobenhausen.

Der Heißenturm in Schrobenhausen.

Freunde von mir sind in der Mittelalterszene unterwegs und haben mir den tollen Soundtrack zum Der Medicus von Ingo Ludwig Frenzel ans Herz gelegt. Ich fand den Film zwar unlogisch und dennoch hat er mir Spaß gemacht. Die medizinische Versorgung in den dunklen Zeiten war grauenhaft. im medizinischen Bereich konnten wir viel von der Hochkultur der Arabern lernen.

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Aber das Wissen um Krankenpflege hat lange gebraucht, bis es sich bei uns verbreitet. Ich war bei einem Besuch in der Spargelstadt Schrobenhausen entsetzt, wie lange wir eigentlich medizinisch im Mittelalter waren. Das dunkle Zeitalter zog sich in Schrobenhausen bis in die Neuzeit hin.
Bei einem Besuch in Schrobenhausen sah ich mir den so genannten Heißenturm an. Die Stadt hat eine hervorragende Beschilderung für Touristen. Ich erfuhr, dass zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Stadt Schrobenhausen noch immer kein Krankenhaus besaß. Die Kranken mussten zu Hause versorgt werden. Für kranke Dienstboten, Handwerksgesellen oder Lehrbuben, die die Möglichkeit der häuslichen Pflege nicht hatten, richtete die Stadtgemeinde Schrobenhausen im Jahre 1819 einen Stadtturm als Krankenlager her. Dieser Turm heißt heute noch Heißenturm und befindet sich in der Nähe des heutigen Busbahnhofs.

Insgesamt sechs Kranke konnten in den vier beheizten Turmräumen des Heißenturms untergebracht werden. Versorgt wurden diese Kranken vom einem Landgerichtsarzt. Allerdings waren diese Räume zu eng und die sanitären Verhältnisse katastrophal. Bereits 1825, so die Stadtchronik, klagte der städtische Krankenverwalter über „unzumutbare Zustände der Dienstbotenkrankenanstalt“. Eine Art Krankenpfleger wurde nur tageweise angestellt und kümmerte sich zudem nicht ordnungsgemäß um seine Patienten. Vielleicht waren die Krankenpfleger von damals genauso überlastet und unterbezahlt wie heutige Krankenpflege – eine Schande ist das. Es gab keine medizinischen Geräte oder Bettwäsche. Es fehlte an Baderäume, damals Badezuber genannt. Kranke wurden sogar abgewiesen. Als 1841 eine Schafpockenepidemie Schrobenhausen erreichte, nahm die Zahl der Erkrankten massiv zu. Der Heißenturm konnte die Patienten nicht mehr fassen. Die medizinischen Zustände waren katastrophal. Die Anzahl der Räume wurden zudem verringert, Kranke mussten auf den zügigen Gängen des Turms schlafen.

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In örtlichen Waisenhaus im Tal wurde ein provisorisches Krankenhaus eingerichtet. Erst im Jahre 1846 wurde durch Spenden der Bürger das erste richtige Krankenhaus in Schrobenhausen berichtet. Heute besitzt Schrobenhausen natürlich im modernes Krankenhaus.

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