Archive for Februar 2025

Böttcher AG: Wie das Netz Druck ausüben kann

5. Februar 2025

Wir Kunden haben Macht und wenn wir uns dieser Macht bewusst werden, dann können wir die Wirtschaft und Einkaufsstrukturen beeinflussen – und auch einen Beitrag zur Demokratie leisten. Und wenn wir Kunden uns über soziale Netzwerke mobilisieren, dann können wir zumindest eine mediale Welle lostreten.

So geschehen im Fall der Böttcher AG. Ich habe für mein Unternehmen bei diesem Lieferanten in der Vergangenheit Büroartikel und Toner bestellt. Durch Social Media-Meldungen wurde kolportiert, dass die Marke Böttcher AG mit der rechtsextremistischen AfD in Verbindung gebracht wurde. Der inzwischen entlassene Aufsichtsratschef des Händlers für Büromaterialien spendete fast eine Million Euro an die AfD. In meinen Unternehmerkreisen und -netzwerken schrillten die Alarmglocken. Viele Unternehmen werden bei keinem Unternehmen kaufen, dass die fremdenfeindliche und rassistische AfD unterstützt. Das geht mir ebenso, denn diese Partei ist ein Feind unserer Demokratie.

Druck im Netz
Der Druck aus dem Netz war enorm, so dass das Unternehmen handelte. Es muss ganz schön hinter den Kulissen gekracht haben. Der Kundendruck war wohl enorm.
Was ist passiert?

Horst Jan Winter, bisheriger Aufsichtsrat der Böttcher AG, spendete der ekelhaften AfD einen Betrag von 999.990 Euro. Und damit brach die Welle der Empörung los. Der Chef und Firmengründer Udo Böttcher des Jenaer Unternehmens stellte klar: Die Spende wurde weder von ihm noch vom Unternehmen veranlasst.

Allerdings schenkte Udo Böttcher die Summe von zwei Millionen Euro an Horst Jan Winter, um den erkrankten Aufsichtsratsvorsitzenden zur Bekämpfung einer Krankheit zu unterstützen.

Die Diskussionen im Netz und in den Medien wurden wohl dem Firmengründer Udo Böttcher zu heiß. Wie viele Kunden den Händler boykottierten, weiß ich nicht. Eine mediale Welle baute sich auf. Das Unternehmen musste handeln. Böttcher warf Winter als Aufsichtsrat raus und er fordert sein Geldgeschenk von Winter zurück, notfalls auf dem Klageweg. Allerdings ist auch Böttcher in der Vergangenheit immer wieder mit Sympathiebekundigungen zur AfD aufgefallen. Das wusste ich bisher nicht.

Die Sache hat für mich einen fanden Beigeschmack. Ich bat das Unternehmen um eine Stellungnahme und habe eine Erklärung am 29. Januar 2025 per Mail erhalten, die ich unten veröffentliche. Interessant ist, dass es in dem Statement keine Distanzierung zur AfD gibt. Ich werde die Sache weiter beobachten und meine Bestellungen erst einmal auf Eis legen. Es gibt schließlich auch andere Bürohändler, bei denen ich mein Büromaterial erwerben kann.

Erklärung Böttcher AG und Udo Böttcher
„Gemeinsame Erklärung Böttcher AG und Udo Böttcher
Die nachfolgende Erklärung gebe ich, Udo Böttcher, sowohl im eigenen Namen als auch im Namen der Böttcher AG, deren Vorstandsvorsitzender ich bin, ab. Soweit ich von „wir“ und „uns“ spreche, spreche ich sowohl für mich persönlich als auch für die Böttcher AG insgesamt.
Wir, die Böttcher AG und ihr Vorstandsvorsitzender Udo Böttcher, sind zurzeit Gegenstand von Spekulationen, wonach wir über unseren Aufsichtsrat Horst Jan Winter eine Spende in Höhe von knapp 1 Mio. EUR an die Alternative für Deutschland (AfD) geleistet haben sollen. Diese Spekulationen sind falsch. An dieser Spende haben die Böttcher AG und/oder ihr Vorstandsvorsitzender in keiner Weise mitgewirkt.

Keine Spende an die AfD
Die private Parteispende unseres Aufsichtsrats Horst Jan Winter an die AfD in Höhe von knapp 1 Mio. EUR wurde von uns weder veranlasst, noch hatten wir vorab auch nur Kenntnis von dieser Spende. Herr Winter hat sie ohne Rücksprache mit uns geleistet. Wir haben erst aus der Presse von dieser Spende erfahren.

Finanzielle Unterstützung von Herrn Winter
In den letzten zwei Jahren habe ich, Udo Böttcher, aus meinem privaten Vermögen Schenkungen in Höhe von mehr als 11 Mio. EUR für soziale und karitative Zwecke im In- und Ausland vorgenommen.
Aus tiefer Dankbarkeit dafür, dass Herr Horst Jan Winter seit vielen Jahren auch in schwersten Zeiten stets zu mir stand, habe ich in der Vergangenheit auch ihn in erheblichem Maße finanziell unterstützt.

Herr Winter teilte mir vor einiger Zeit mit, dass er schwer erkrankt ist. Seine Hoffnung setzt Herr Winter nun u.a. auf eine innovative, experimentelle Therapie, die aus hoch konzentrierten Nahrungsergänzungsmitteln, Infusionen, Inuspheresen und weiteren Behandlungen in Deutschland und den USA besteht. Ziel dieser holistischen Therapie ist es, seinen Körper zu entgiften und sein Immunsystem so weit zu stärken, dass seine Krankheit gestoppt oder sogar umgekehrt werden kann.

Auch, um die Therapien finanzieren zu können, die ihm Lebensqualität und Hoffnung bieten, schenkte ich auch Herrn Winter aus meinem Privatvermögen 2 Mio. EUR. Ich ging davon aus, dass diese Summe ausreichen würde, um die medizinischen Behandlungen zu bezahlen und nahm an, dass er sich mit dem verbleibenden Geld einen angenehmen Lebensabend machen würde. Ich habe nicht im Entferntesten damit gerechnet, dass er – mutmaßlich ganz oder teilweise aus dem geschenkten Betrag – eine Parteispende an die AfD bestreiten würde und hätte mir das auch nie im Leben träumen lassen. Zwar habe ich Herrn Winter keinerlei Vorgaben für die Verwendung der Schenkung gemacht, da ich das für vollkommen unangemessen gehalten hätte. Ich meine aber, dass Herr Winter mich gut genug kannte, um erahnen zu können, dass ich jedenfalls mit einer solchen Parteispende keinesfalls einverstanden gewesen wäre. Ihm musste auch aufgrund des medialen Wirbels, den die Böttcher AG letztes Jahr aufgrund einer Wahlumfrage im Unternehmen erlebte, klar sein, dass er auch in seiner Funktion als Aufsichtsrat der Böttcher AG dem Unternehmen schweren Schaden zufügt, wenn er an die AfD spendet, zumal in einer solch enormen Höhe. Ich bin von ihm daher sowohl menschlich als auch kollegial tief enttäuscht.

Winters Abberufung als Aufsichtsrat
Aufgrund des Vertrauensbruchs wurde Herr Winter heute auf mein Betreiben mit sofortiger Wirkung als Aufsichtsrat der Böttcher AG abberufen. Der Schutz unseres Unternehmens und seiner Werte steht an erster Stelle.

Rückforderung der Schenkung in Höhe der Parteispende
Die Schenkung habe ich in Höhe der an die AfD gezahlten Spende mit Schreiben vom heutigen Tag wegen groben Undanks widerrufen und Herrn Winter zur Rückzahlung der knapp 1 Mio. EUR aufgefordert. Sollte diese Summe nicht fristgerecht binnen einer Woche eingehen, werde ich Klage auf Rückzahlung gegen Herrn Winter erheben.

Abschließende Bemerkung
Ich wünsche Herrn Winter aufrichtig, dass seine medizinischen Behandlungen erfolgreich verlaufen werden und er die notwendige Kraft findet, seinen Weg weiterzugehen. Doch die Entscheidung, diese Mittel für politische Zwecke zu verwenden, bleibt für mich untragbar. Mein Handeln ist nun darauf ausgerichtet, diesen Vorgang rechtlich zu klären und die notwendige Trennung zwischen dieser Angelegenheit und meinem unternehmerischen Wirken zu ziehen.
Udo Böttcher“

Sanfte Gefährten mit großen Augen – Die faszinierende Welt der Alpakahaltung bei uns in der Gemeinde

4. Februar 2025

Fast zwei Stunden bin ich abwechselnd mit Anton und Ludwig durch die Kälte gelaufen. Anton und Ludwig sind ganz brav neben mir her getrottet, während ich mit ihnen gesprochen habe. Geantwortet haben sie nicht, denn Anton und Ludwig sind Alpakas.

Sie kommen vom Amperland Aplaka-Hof aus der Gemeinde Maisach. Angelika Bartsch und Roman Köhler haben sich einen Traum erfüllt und halten dort neun Tiere. Die wuscheligen Gesellen kommen ursprünglich aus Südamerika. 2016 haben die beiden sich bei einem Trekking in die schönen Tiere verliebt und die Gründung eines eigenen Hofs beschlossen. Im Laufe der Jahre ist die Herde an Alpakas angewachsen. Man kann sie für Spaziergänge mieten, aber sie werden auch therapeutisch eingesetzt, denn Angelika Bartsch ist Erzieherin. Kindergarten-Gruppen,Teilnehmer aus Ferienprogrammen und Gruppen von heilpädagogischen Einrichtungen sind beim Amperland Aplaka-Hof immer willkommen. Und auch ich habe gemerkt, dass die freundlichen Tiere eine Ruhe ausstrahlen, die sich auf mich übertragen hat. Alpakas werden zunehmend in der tiergestützten Therapie und als Wanderbegleiter eingesetzt, da sie als sanftmütig und stressreduzierend gelten.

Die Haltung von Alpakas erfreut sich in Deutschland zunehmender Beliebtheit, sei es als landwirtschaftliche Nutztiere, für die Wollproduktion oder für therapeutische Zwecke. Im Landkreis bei uns gibt es einige Alpaka-Halter. Alpakas stammen ursprünglich aus den Anden Südamerikas und gehören zur Familie der Neuweltkameliden. Ihre Haltung erfordert jedoch spezifische Kenntnisse und Rahmenbedingungen, um eine artgerechte Unterbringung und Versorgung sicherzustellen.

In Deutschland unterliegt die Haltung von Alpakas dem Tierschutzgesetz (TierSchG) sowie den allgemeinen Bestimmungen für die Nutztierhaltung. Eine spezielle Verordnung für Alpakas existiert nicht, jedoch gelten die allgemeinen Vorgaben für landwirtschaftliche Nutztiere sowie die Empfehlungen der Deutschen Alpaka-Züchtervereinigung e.V. (AZVD) als Orientierungshilfe. Das strenge Veterinäramt in FFB hat ein Auge auf die Tiere.

Da Alpakas Herdentiere sind, ist eine Einzelhaltung nicht erlaubt. Mindestens zwei, besser jedoch drei bis fünf Tiere sollten gemeinsam gehalten werden. Die Tiere benötigen ausreichend Platz auf der Weide – pro Alpaka werden etwa 1000 bis 1500 Quadratmeter Fläche empfohlen. Eine ausreichende Umzäunung ist notwendig, um die Tiere vor Raubtieren und dem Ausbruch zu schützen. Der Wolf ist bei uns (noch) nicht durchgezogen.

Achtung Spucke
Alpakas sind keine Lama und trotzdem spucken sie. Alpakas sind grundsätzlich friedliche und soziale Tiere, doch unter bestimmten Umständen können sie spucken. Dieses Verhalten dient vor allem der Kommunikation innerhalb der Herde und kommt meist in Situationen vor, in denen die Rangordnung geklärt werden muss. Besonders während der Fütterung kann es vorkommen, dass dominante Tiere Artgenossen wegspucken, um sich den besten Platz am Futter zu sichern. Auch bei Streitigkeiten innerhalb der Gruppe oder wenn ein Alpaka sich bedrängt fühlt, wird das Spucken als Warnsignal eingesetzt.

Ein weiterer häufiger Grund ist die Abwehr unerwünschter Annäherungsversuche. Stuten spucken zum Beispiel, wenn sie nicht gedeckt werden möchten oder sich durch aufdringliche Jungtiere gestört fühlen. Muttertiere verteidigen zudem ihre Fohlen, indem sie andere Alpakas wegspucken, wenn sie sich ihrem Nachwuchs zu sehr nähern.
Gegenüber Menschen spucken Alpakas nur selten und meist unbeabsichtigt. Oft geschieht es, wenn jemand sich unbewusst in einen Konflikt zwischen zwei Tieren stellt oder das Alpaka sich gestresst oder bedrängt fühlt. Wer ein Alpaka direkt provoziert oder aufdringlich versucht, es zu streicheln, kann jedoch auch einmal selbst Ziel eines Spuckangriffs werden. Bei meinem Spaziergang blieb ich trocken, ich bedrängte die Tiere auch nicht.

Die Spucke eines Alpakas besteht nicht nur aus Speichel, sondern kann auch halbverdaute Nahrung aus dem Magen enthalten. Das macht sie besonders unangenehm, da sie nicht nur übel riecht, sondern auch zähflüssig sein kann. Typische Anzeichen dafür, dass ein Alpaka kurz davor ist zu spucken, sind das Anlegen der Ohren, ein gereizter Blick und ein ruckartiges Heben des Kopfes. In solchen Momenten sollte man sich besser zurückziehen, um nicht ungewollt Opfer des Spuckstrahls zu werden. Also immer das Tier beobachten.

Um das Spucken zu vermeiden, ist es wichtig, den Tieren mit Respekt zu begegnen und ihre Körpersprache zu beachten. Bei der Fütterung sollte man darauf achten, genügend Platz zwischen den Alpakas zu lassen, um Konflikte zu verhindern. Auch das Einhalten einer gewissen Individualdistanz und ein ruhiger, geduldiger Umgang helfen dabei, eine harmonische Beziehung zu den Tieren aufzubauen.

Letztlich gehört das Spucken zum natürlichen Verhalten der Alpakas und ist kein Zeichen von Aggressivität, sondern vielmehr ein Mittel der sozialen Interaktion. Wer sich mit ihrer Sprache vertraut macht und ihre Signale richtig deutet, kann das Risiko minimieren und eine vertrauensvolle Bindung zu diesen faszinierenden Tieren aufbauen.

Fütterung und Pflege
Alpakas sind Wiederkäuer und ernähren sich hauptsächlich von Weidegras und Heu. Sie benötigen Zugang zu frischem Wasser und Mineralfutter zur Ergänzung ihrer Nährstoffversorgung. Eine Überfütterung mit energiereichem Futter wie Getreide kann zu gesundheitlichen Problemen führen. Ich durfte nach dem zweistündigen Spaziergang Anton und Ludwig mit einer Art Leckerli füttern und wurde fast aufgefressen.

Zusätzlich zur Fütterung erfordert die Haltung regelmäßige Pflege. Die Klauen der Tiere müssen in Abständen von mehreren Monaten geschnitten werden, um Fehlstellungen und Schmerzen zu vermeiden. Ebenso ist eine jährliche Schur erforderlich, da das dichte Alpaka-Vlies sonst zu Hitzestau und Hautproblemen führen kann. Im Mai sind die Tiere in Maisach wieder an der Reihe und werden geschoren. Die feine, hypoallergene Wolle ist sehr gefragt und wird für hochwertige Textilien verwendet. Mal sehen, vielleicht bestelle ich mir ein Decke, die für Sommer und Winter geeignet ist.

Safer Internet Day bitte auch für Erwachsene

3. Februar 2025

Jahrelang wurde ich am 11. Februar von Schulen oder Bildungseinrichtungen für den Safer Internet Day gebucht. Das ist dieses Jahr (im Moment noch) nicht der Fall, aber dennoch ist das Thema enorm wichtig. Für mich steht fest: Nie war der Safer Internet Day wichtiger als jetzt – und nicht nur für Kinder und Jugendliche.

Manipulative Deepfakes und extreme Hassbotschaften fluten die sozialen Netzwerke, in denen Kinder und Jugendliche täglich viele Stunden verbringen. Immer mehr falsche und gefälschte, populistische und extremistische Inhalte finden sich auf allen Internet-Kanälen, vor allem in Social Media Feeds. Das stellt besonders Kinder und Jugendliche vor große Herausforderungen, Informationen und News souverän zu bewerten und kritisch einzuordnen. Junge Menschen sind rund dreieinhalb Stunden täglich online und informieren sich in sozialen Medien über das aktuelle Weltgeschehen, das bestätigt die JIM-Studie (Jugend, Information, Medien) 2024. 61 Prozent der befragten Jugendlichen wurden online bereits mit Fake News, 54 Prozent mit extremen politischen Ansichten und 43 Prozent mit Verschwörungserzählungen konfrontiert (JIM-Studie 2024).

Der Safer Internet Day lebt von seinen vielfältigen Veranstaltungen und Aktionen. Spontan stehe ich für eine Buchung bereit. Dabei ist das Thema nicht nur ein Thema für Kinder und Jugendliche, sondern auch für Erwachsene. Corona hat gezeigt, wie Verschwörungslügen auf fruchtbaren Boden fallen kann, wie anfällig Mitbürger für russische hybride Kriegsführung sind, im Moment läuft eine Desinformationskampagne zur laufenden Bundestagswahl, KI bringt das Thema Lügen in sozialen Medien auf ein neues Niveau. Ich habe in den vergangenen Wochen mehrere Vorträge zu KI und Fakes gemacht und festgestellt: Die Menschen wissen nicht, wie weit die Technik ist.
Ziel der Hater ist es diese Demokratie zu zerstören und Hass und Spaltung in die bundesdeutsche Gesellschaft zu tragen. Und dagegen hilf Bewusstseinswerdung und Aufklärung, auch in Zeiten knapper Kassen. Also wieder bin ich bei meinen Thema Medienkompetenz.

Ein Stück Comic-Geschichte geht verloren – Abschied von der Comic Company München

2. Februar 2025

Ich geb es ja zu, ich habe Peter Zemann ziemlich genervt und möchte mich für meine Penetranz in den vergangenen Jahren entschuldigen. Ich war immer auf der Suche nach Ausgaben meiner Lieblingscomic-Reihe Die Gruft des Grafen Dracula und Peter Zemann war als Betreiber der Comic Company mein erster Anlaufpunkt in München, wenn es um Comics ging. Das hat nun ein Ende. Die Comic Company im Münchner Glockenbachviertel hat seit Ende Januar 2025 geschlossen. Peter Zemann hat nach 36 Jahren sein Geschäft aufgegeben.

Ich habe seinen Laden über die Jahre gerne besucht und bin auch Ende Januar nochmal da gewesen, um mich zu verabschieden. Als Erinnerung habe ich noch ein Mad-Heft mit meiner Lieblings-TV-Serie Lou Grant mitgenommen. Es war mir wichtig, dass ich nochmals aufschlage. Ich wollte mich persönlich verabschieden und Dankeschön für all die zurückliegenden Jahre sagen.

Das Haus in der Fraunhoferstr. 21, in dem sich die Comic Company befindet, wurde verkauft, aber Zemann habe vom neuen Besitzer keine Kündigung erhalten. Er habe immer wieder nach ernsthaften Interessenten gesucht, die den Laden weiterführen wollten. Vergeblich, denn viele der möglichen Interessenten seien wohl naiv gewesen, was es bedeutet, ein Unternehmen zu führen. Ein Geschäft zu führen ist ein Business, auch wenn es sich um so schöne Sachen wir Comics handelt. Also blieb nur noch der Schlussverkauf mit satten Rabatten und das Schließen des Ladens.

Schon als Kind habe ich gerne Comics gelesen. Superhelden, Yps, die Maus und meine Eltern haben keinen Aufstand gemacht. Meine Kinder lesen eher Manga, schauen aber hin und wieder in klassische Comics rein. Während ich so durch die Comic Company schlendere und mir die Auslagen anschaue, gehe ich auch auf eine Reise durch die Geschichte der Comics in Deutschland.

Die Anfänge der Comics
Die Ursprünge des Comics in Deutschland reichen bis ins 19. Jahrhundert zurück. Bereits in satirischen Zeitschriften wie dem „Fliegenden Blätter“ (gegründet 1844) oder dem „Simplicissimus“ (gegründet 1896) erschienen Bildgeschichten mit humoristischen oder politischen Inhalten. Diese frühen Formen von Comics waren oft Karikaturen oder Bildergeschichten mit begleitendem Text unter den Bildern.

Ein entscheidender Meilenstein war Wilhelm Busch, dessen „Max und Moritz“ (1865) als eine der ersten sequentiellen Bildergeschichten gilt und einen bedeutenden Einfluss auf spätere Comicentwicklungen weltweit hatte. Buschs Werk prägte das Erzählen mit Bildfolgen und inspirierte spätere Generationen von Comic-Künstlern. Ich denke, in meiner Generation hat jeder noch die beiden Lausbuben gelesen und ich hab Max und Moritz auch meinen Kindern näher gebracht. Wir haben eine schöne Ausgabe von Wilhelm Busch zu Hause stehen.

Die Entwicklung des Comics im 20. Jahrhundert
Nach dem Ersten Weltkrieg blieben Comics in Deutschland zunächst vor allem auf satirische und humoristische Inhalte beschränkt. Erst in den 1930er Jahren wurden Comics als eigenständiges Medium populärer. Eine der ersten erfolgreichen deutschen Comic-Serien war „Strizz“ von Erich Ohser (unter dem Pseudonym e.o. plauen), der in den 1930er Jahren mit „Vater und Sohn“ humorvolle und oft rührende Kurzgeschichten in Bildform schuf.

Während der NS-Zeit gerieten Comics in Deutschland unter Druck, da sie als „undeutsch“ galten. In dieser Zeit wurden amerikanische Comics weitgehend verboten. Nach dem Zweiten Weltkrieg kamen durch die US-amerikanische Besatzung zahlreiche amerikanische Comics nach Deutschland, darunter „Superman“, „Mickey Mouse“ und „Donald Duck“. Besonders die Übersetzung der Disney-Comics durch den Egmont Ehapa Verlag ab den 1950er Jahren trug zur Popularität bei. Über den Egmont Ehapa Verlag habe ich immer wieder geschrieben, vor allem wenn es um die Maus und Entenhausen ging.
Gleichzeitig gab es deutsche Versuche, eigene Comic-Traditionen zu etablieren. Rolf Kaukas „Fix und Foxi“ (1953) war der erste große Erfolg eines deutschen Comics, der sich über Jahrzehnte großer Beliebtheit erfreute. Auch „Lupo modern“ und später „Yps“ mit seinen berühmten Gimmicks prägten Generationen von Lesern. Ich bin durch die Höhen und Tiefen von Yps gegangen. Auch bei der Wiederauflage und der Neuausrichtung war ich mit dabei.

Comics in der DDR und in der Bundesrepublik
Während Comics in Westdeutschland durch Disney, Asterix und Marvel-Importe florierten, hatte die DDR ihre eigene, sozialistisch geprägte Comic-Kultur. „Mosaik“ von Hannes Hegen, später mit den Digedags und ab 1975 mit den Abrafaxen, war das bekannteste Comic-Magazin der DDR und erfreute sich großer Beliebtheit. Die Verwandtschaft aus dem Ostern versorgte mich zu DDR-Zeiten mit Lesestoff, obwohl mir die Sachen eigentlich zu sozialistisch waren, gelesen hab ich sie trotzdem.

In Westdeutschland entwickelten sich in den 1970er und 1980er Jahren zunehmend erwachsenere Comics. Zeichner wie Walter Moers („Das kleine Arschloch“, „Adolf“) oder Brösel („Werner“) fanden mit ihren Werken ein breites Publikum. Die 1980er Jahre sahen zudem eine Blütezeit des frankobelgischen Comics in Deutschland, mit Serien wie „Spirou und Fantasio“ oder „Lucky Luke“.

Der moderne deutsche Comic
Seit den 1990er Jahren erlebt der deutsche Comic eine neue Renaissance. Verlage wie Carlsen und Reprodukt förderten anspruchsvolle Werke, darunter Graphic Novels mit tiefgehenden Erzählungen. Autoren wie Flix, Reinhard Kleist oder Mawil haben das Medium auf ein neues Niveau gehoben. Besonders Graphic Novels wie Kleists „Der Boxer“ oder „Nick Cave – Mercy on Me“ zeigen, dass Comics mehr sind als nur Unterhaltungsliteratur.

Die Comic-Kultur ist mittlerweile fester Bestandteil der deutschen Kulturlandschaft. Jährlich finden Comic-Messen wie die Leipziger Buchmesse oder der Comic-Salon Erlangen statt, die zeigen, dass Comics längst nicht mehr nur für Kinder sind. Gerade Erlangen kann ich jedem Comic-Fan näher bringen.

Würdigung des Mediums Comic
Comics sind eine einzigartige Kunstform, die Bild und Text auf eine Weise verbindet, die kein anderes Medium in dieser Form kann. Sie ermöglichen es, Geschichten auf visuelle und emotionale Weise zu erzählen, sodass sie oft mehr sagen können als reine Prosa.

Comics sind dabei nicht nur Unterhaltung, sondern auch ein Spiegel der Gesellschaft. Sie greifen politische und soziale Themen auf, kommentieren das Zeitgeschehen und können sogar als Bildungsmedium dienen. Graphic Novels wie „Maus“ von Art Spiegelman oder „Persepolis“ von Marjane Satrapi haben gezeigt, dass Comics historische und persönliche Schicksale tiefgründig darstellen können.

In Deutschland hat sich die Wertschätzung für Comics in den vergangenen Jahrzehnten enorm gewandelt. Sie sind längst nicht mehr nur „Kinderkram“, sondern ein ernstzunehmendes Medium, das sich zwischen Literatur, Kunst und Film bewegt. Die Vielfalt der Comics reicht von humorvollen Strips über actionreiche Superhelden-Abenteuer bis hin zu tiefgehenden, autobiografischen Erzählungen.

Die Zukunft des Comics in Deutschland ist vielversprechend. Die Zukunft von Comic-Läden allerdings eher nicht. Mit der Digitalisierung entstehen neue Möglichkeiten für interaktive und animierte Comics, während Webcomics eine neue Generation von Künstlern hervorbringen. Egal ob als traditionelle Printausgabe oder als digitales Erlebnis – Comics haben ihren festen Platz in der deutschen Kultur und werden weiterhin Leser aller Altersgruppen begeistern. Nur leider werden sie nicht mehr von der Comic Company in München vertrieben.

Digitaler Aufbruch: Warum Deutschland ein eigenes Digitalministerium braucht

1. Februar 2025

In der Regel halte ich mich in diesem Blog aus aktuellen politischen Debatten heraus, aber als Digitalfuzzi begrüße ich ausdrücklich die geplante Schaffung eines Digitalministeriums, wie es sie CDU vorhat. Voraussetzung ist, dass die CDU mit Friedrich Merz den Kanzler der neuen Bundesregierung stellt.

Reinhard Brandl, der wiedergewählte Vorsitzende des Arbeitskreises CSUnet, berichtete auf der Mitgliederversammlung von diesem geplanten Ministerium, sollte die CDU den Kanzler stellen.
Unabhängig vom Wahlkampf halte ich es für dringend notwendig, ein eigenes, gut ausgestattetes Digi-Ministerium zu schaffen, um die Digitalisierung in diesem Land voranzutreiben. Bisher war die Digitalisierung im Verkehrsministerium integriert und ging dort meines Erachtens unter.

Digitalisierung ist für das Fortkommen Deutschlands so wichtig, das es ein eigenes Ministerium rechtfertigt. Es gab mal unter der Regierung Merkl im Kanzleramt mit Dorothee Bär eine Staatssekretärstelle, aber leider ohne große Ausstattung. Das muss sich jetzt ändern, egal wie die Regierung sich aus demokratischen Parteien zusammensetzt. Darüber habe ich auch mit dem Landtagsabgeordneten Benjamin Miskowitsch gesprochen, der stellvertretender Vorsitzender des Arbeitskreises ist.

Hier der Leitantrag des CSUnet zur Schaffung eines solchen Ministeriums, den ich unterstütze:
„Digitalpolitik in Deutschland braucht ein Gesicht und eine klare Verantwortlichkeit. Die bestehenden zersplitterten Zuständigkeiten befördern Verantwortungslosigkeit. Ein neu zu schaffendes Digitalministerium muss federführend sein in den Bereichen Digitale Infrastruktur, Digitale Verwaltung, Datenpolitik, Künstliche Intelligenz, Digitale Dienste, IT-Steuerung des Bundes sowie für die Förderung von technologischer Souveränität. Es braucht zudem ein zentrales Digitalbudget, um ressortübergreifend steuern zu können.

Ein Digitalministerium wird sich nur bewähren, wenn es das Recht hat, sich durchzusetzen. Die Verantwortung für fachbezogene Vorhaben, wie zum Beispiel die Digitalisierung des Gesundheitswesens oder der Landwirtschaft, soll in den jeweiligen Bundesministerien verbleiben. Das Digitalministerium legt aber zentral für die Bundesverwaltung die technischen Standards fest und koordiniert die gemeinsame IT-Beschaffung.

Im nachgeordneten Bereich des Digitalministeriums soll eine neue zu schaffende Digitalagentur angesiedelt werden. Diese soll aus der Bundesnetzagentur die bestehenden Arbeitseinheiten im Bereich Telekommunikation und digitale Infrastruktur sowie die neu entstehenden Einheiten für die Umsetzung des AI Act, Data Act und Digital Services Act übernehmen.

Bayern und Hessen sind den Weg eines eigenständigen Digitalministeriums bereits gegangen. Der Bund soll deren Vorbild folgen. Das neu zu schaffende Digitalministerium soll in seiner Organisation und Arbeitsweise eine Leuchtturmbehörde für die Verwaltung der Zukunft werden.