Archive for Dezember 2010

Wetten dass …: Respekt vor Thomas Gottschalk und dem ZDF

5. Dezember 2010

Ich habe großen Respekt vor Thomas Gottschalk und dem ZDF. Nach dem Unfall in der Unterhaltungssendung „Wetten dass …“ brach der Moderator die Sendung ab. Das war die richtige Entscheidung und dafür mein Respekt und Anerkennung. Unterhaltung hat seine Grenzen, vor allem wenn jemand zu Schaden kommt und das ist hier passiert. „Wir im ZDF fühlen uns verantwortlich nicht auf heiter zu machen, wenn wir nicht auf heiter sind“, sagte Gottschalk und brach die Dezember-Sendung 2010 ab.

Nun werden die Diskussionen beginnen, ob die Wetten zu gefährlich waren, ob die Sicherheit stimmte und es werden sich die Medienpädagogen zu Wort melden, die ihre Anmerkungen zu Sensationswetten haben. So einen Vorfall hat es innerhalb der 30 Jahre von „Wetten dass …“ nicht gegeben. Hinterher wird das Gejammer groß sein und die Besserwisser werden aufstehen nach dem Motto „Ich hab es doch schon immer gewusst“. Als Kind hatte „Wetten dass …“ und die große Samstagabend-Show für die ganze Familie ihren Reiz. Aber ich schau mir seit Jahren keine Show mehr an und erfuhr von dem Unfall auch erst über Twitter und schaute mir in YouTube die Aufzeichnung an.

Was war passiert? Ein Wettkandidat hatte versucht, mit angeschnallten Sprungfedern ein entgegenkommendes Auto zu überwinden. Er stürzte und blieb regungslos auf dem Boden liegen.

Hätte das ZDF eine solch gefährliche Wette überhaupt zulassen sollen? War der ganze Zirkus nicht schon bei der Planung zu gefährlich? Und vielleicht grundsätzlich: Müssen solche Außenwetten live sein? Bei einer Familienshow wie „Wetten dass …“ nun mal ist, erwarte ich Familienunterhaltung. Es ist schon ein seltsames Menschenbild, wenn man gefährliche Wetten live vor einem Millionenpublikum aufführt. Was war der Wetteinsatz? Gewinnen oder Genick brechen?

Ein klares Lob an die Regie von „Wetten dass …“: Nach dem Sturz wurde nicht auf den Verletzten draufgehalten, sondern es wurde das geschockte Saalpublikum gezeigt. Hier hat die Studioregie richtig gehandelt. Und es war Michelle Hunziker, die sofort nach einem Arzt rief. Respekt.

Noch in der Nacht meldete sich das ZDF mit einer offiziellen Stellungnahme zu Wort: ZDF Programmdirektor Thomas Bellut sagte: „Unter dieser Voraussetzung konnten und wollten wir die Unterhaltungssendung nicht fortsetzen.“ Und weiter: “Unsere Redaktion und Produktion legen immer größten Wert auf die Sicherheit aller Beteiligten. Wir werden diesen Unfall gründlich untersuchen und Lehren daraus ziehen. Thomas Gottschalk ist mit dieser schwierigen Situation sehr gut umgegangen, hat die Zuschauer informiert und den Abbruch der Sendung begründet.“

Dem Entertainer Gottschalk sah man bei der Begründung an, dass er sich unwohl fühlte. Der sonst geübte Medienprofi schlackerte mit dem Armen und begründete den Sendeabbruch. Hier war der Mensch Gottschalk zu sehen.

Woody Allen wird 75: Happy Birthday, Woody

1. Dezember 2010

Woody Allen wird am 1. Dezember 75 Jahre alt. Und jedes Jahr kommen immer neue Verfilmungen des Altmeisters in die Kinos. Die Filme spielen keine Unsummen mehr ein, aber die Produktionskosten sind gering – also scheint es ein Geschäft zu sein.

Einen Tag nach seinem Geburtstag kommt in Deutschland sein 41. Film in die Kinos „Ich sehe den Mann deiner Träume“, sicher wieder eine leichte Komödie voller Tiefgang. Und Stars wie Anthony Hopkins, Naomi Watts, Antonio Banderas, Freida Pinto und Josh Brolin sind dabei. Mir stellt sich die Frage: Wie bekommt so ein Außenseiter wie Allen solche Stars und – vor allem – wie kann er sie bezahlen? Aber egal.

Woody Allen bedeutete mir in meiner Jugend viel. Es ging um Klamauk, um Slapstick, es ging um die Marx Brothers. Ich habe die Filme geliebt und sie mir auf Video wieder und wieder reingezogen. Bis ich irgendwann „Innenleben“ sah. Seitdem war Schluss mit lustig. Woody Allen hieß für mich Woody Bergmann und ich erkannte – sicherlich gereift durch die Jahre – die Ausweglosigkeit. Woody nannte Bergmann immer als Vorbild. Mit Innenleben verstand ich ihn. Wo war mein Gaudi-Allen geblieben, der jüdischen Humor so hervorragend vertrat? Ich traf den Schweden Woody Allen und ich war tief erschüttert.

Doch die besten Filme kamen noch: Manhattan und Stadtneurotiker. Beide Filme das Beste was je über New York gemacht wurde. Diese Filme sagten viel über das Leben. Es imponierte mir, dass Allen den Big Apple nie verließ und muszierte. Heute drehte er mit „Ich sehe den Mann deiner Träume“ seinen vierten Film in London. Woody Allen gehört nicht nach London, sondern nach NYC und zwar in Schwarzweiß – basta.

Mag sein, dass Woody Allen sich weiterentwickelt hat. Ich schau mir hin und wieder einen seiner neueren Filme an und noch immer mag ich die Jazz-Musik in seinen Filmen. Aber so leid es mir tut: Woody Allen ist entweder der jüdische Sohn von Bergmann oder er ist der Stadtneurotiker in Manhattan.

Woody, alles Gute zum Geburtstag.