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Musiktipp: Bootleg Series 17 Fragments von Bob Dylan

31. Januar 2023

Nunmehr die 17 Ausgabe der Bootleg Series des heute 81jährigen Bob Dylan ist soeben mit dem Zusatz Fragments erschienen. Dieses Mal handelt es sich um Songs aus der Zeit von 1996/97 als Dylan sein 30. Studioalbum Time Out of Mind veröffentlichte. Es sind in der Deluxe Version fünf CDs des neu abgemischten Albums und Alternativ- und Liveversionen, also genau das Richtige für Dylan-Fans auf Entzug.

Mit Time Out of Mind kam Dylan aus einer tiefen, ganz tiefen Schaffenskrise. Das mit drei Grammy Awards ausgezeichnete Album ist ein düsteres Werk des großen Musikers. Vergangenheit, das Alter und der bevorstehende Tod sind die Themen des großartigen Albums, die nun in der Bootleg Series nochmals erweitert werden.

Das Album hatte keiner von dem damals 56-Jährigen Dylan erwartet. Nur noch wir Hardcore-Fans hielten zu ihm, die Musikwelt hatte den Künstler fast schon vergessen. Die Alben dieser Zeit waren – sagen wir mal so – gewöhnungsbedürftig. Sieben Jahre hatte er keine eigene Songs zu Papier gebracht. Die Kreativität und das Selbstvertrauen waren einfach weg. Er selbst wäre auch fast an einer Herzbeutelentzündung verstorben.
Aber Dylan erholte sich und legte mit Time Out of Mind einen Paukenschlag hin, der die vergessliche Musikindustrie erschütterte und aufrüttelte. Der Meister ist zurück und mit gewaltiger bedrohlicher Kraft. Er dachte an die Bibel und machte sich auf, ein Meisterwerk zu komponieren. „Wir müssen die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat, solange es Tag ist; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.“ Diese Zeilen hat sich Dylan wohl aus seiner christlichen Phase zu Herzen genommen und dank Produzent Daniel Lanios seine musikalischen Gedanken geordnet.

Nun nach mehrmaligen Anhören von Fragments lässt mich die Bootleg Series 17 erschöpft zurück. Ich versinke in die düsteren Gedanken, ich fühle mich bedrückt. Es ist kein hurra ich bin ein Poet-Gefühl, sondern es sind reife Gedanken eines abgeklärten Mannes. Wenn man die weiteren Alben von Dylan betrachtet, geht er konsequent diesen Weg. Sein jüngstes offizielles Werk Rough and Rowdy Ways und die Welttournee sind wohl der Abschluss dieser dunklen Phase des Meisters, die mit Time out of Mind begann.

Anspieltipps sind für mich die Alternativen Versionen von Highlands (bis dahin der längste Dylan-Song) und Love Stick und auf jeden Fall der alte Folk-Heuler The Water is Wide. Aber Dylan Fans werden die Aufnahmen sowieso kaufen und der Rest gehört eben nicht zu den Eingeweihten.

Die Geier von Sony BMG

1. Oktober 2008

Am 3. Oktober ist es wieder soweit: Nein, nicht deutsche Einheit, sondern der Meister veröffentlicht sein neues Album. Für mich ist Bob Dylan mit Abstand der wichtigste Musiker, eben der „Song and Dance man“ schlechthin. Also am 3. Oktober kommt der achte Teil der Bootleg Serie mit dem Namen: Tell Tale Signs. Es handelt sich um Songs seiner späten Schaffensperiode, zum Teil Live, zum Teil Studio. Viele Sachen von Oh Mercy, Time Out Of Mind oder Modern Times, einiges ist schon auf Bootlegs in meinem Besitz. Es ist schön, auch mal wieder neues Material des Meisters in die Hände zu bekommen und ich freue mich wirklich darauf. Allerdings bekomme ich einen dicken Hals, wenn ich an die Geier von Sony BMG denke. So kostet die Doppel-CD rund 22 Euro, das dreifach Album 101 Euro. Haben die eine Macke? Beim Box Set ist zwar ein nettes Fotoalbum dabei, doch 101 Euro. Ich reg mich echt auf über soviel Gier. Schämt euch, ihr Leute von Sony BMG, schämt euch. In der Vergangenheit habe ich Dylan-Alben sofort nach ihrem Erscheinen gekauft, weil ich die CD haptisch in den Händen halten wollte. Dieses Mal werde ich bei iTunes das Album des Barden laden und mehr als 30 Euro wird es hoffentlich nicht kosten. 

Nachtrag (4.10.2008): Bei iTunes kostet die Doppel-CD nur 9,99 Euro. Also zuschlagen