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Persönlicher Nachruf zu Otfried Preußler

20. Februar 2013

Die kleine Hexe und der Räuber Hotzenplotz tragen Trauer – so treffend beschrieb mein Twitter-Kollege Marcus Bölt den Tod von Otfried Preußler. Am Montag, 18. Februar, starb der 89jährige Kinderbuchautor in Prien am Chiemsee. Jedes Familienmitglied bei uns war ein Preußler Fan und trauert nun.

Hotzenplotz

Es begann mit meiner Mutter. Sie wollte mir eine Freude machen, als ich als Kind krank im Bett lag. Meine Mutter schenkte mir damals eine Langspielplatte vom Räuber Hotzenplotz und ich weiß, wie ich als kleiner Bub die Kasperl-Geschichte mochte. Ich lag auf meinem Bett, hörte immer wieder die Schallplatte und studierte das Plattencover mit dem Gartenzaun, den Räubergesellen und am meisten beeindruckte mich der Hut mit einer langen Feder. Vielleicht wurde da meine Vorliebe für Hüte gelegt. Erst nach der Schallplatte bekam ich die Bücher zu Weihnachten und viel später verzauberte mich der Film mit dem großartigen Gert Fröbe.

hexe

K2 liebt dagegen die kleine Hexe- Sicher liegt es daran, dass ihre Großmutter sie immer als kleine Hexe bezeichnet. Tagelang schmökerte K2 in ihrer Ausgabe der kleinen Hexe und es war das erste Buch, dass K2 den stolzen Eltern komplett allein vorlas. Abends lag die Familie im Bett und K2 zückte die kleine Hexe und las Kapitel für Kapitel laut vor. Erst Buchstabe für Buchstabe, dann Wort für Wort und schließlich Satz für Satz. Eigentlich sollte es ja umgekehrt sein. Eigentlich sollten Eltern den Kindern etwas vorlesen, aber im Fall der kleinen Hexe war es genau anders herum. K2 übte an der Geschichte ihre Lesefähigkeiten und wurde von Kapitel für Kapitel besser. Unsere kleine Hexe wollte uns beweisen, dass sie lesen kann. Das war der ehrgeizige Wunsch von K2. Im 1957 erschienenen Roman war es der sehnlichstes Wunsch der kleinen Hexe, mit den großen Hexen auf dem Blocksberg zu fliegen. Ich bin mal gespannt, ob der nächste Wellensittich bei uns zu Hause auf den Namen Abraxas getauft wird. Carlos Santana würde sich sicher freuen.

krabat

K1 dagegen widmete sich mit mir in den vergangenen drei Monaten der Preußler Geschichte Krabat. Er musste im Deutschunterricht die Geschichte lesen. Ein eindrucksvoller Roman, den ich aber erst als Erwachsener richtig begriffen hatte. Die sorbische Volkssage ist voller Anspielungen auf die Verführungen des Nationalsozialismus. Mein Sohn mochte die Geschichte, um die Zauberei, die schwarze Mühle und der Sieg des Guten über das Böse. Wir haben zusammen für die Deutschschulaufgabe die Geschichte gelesen, analysiert und interpretiert. Ich habe mir den Film angesehen, nachdem mein fantastischer 3D-Kollege Alex Lemke die Tricks der fliegenden Raben geschaffen hatte. Zum Tode von Otfried Preußler werden wir wohl die 3fach CD Krabatmit einer Lesung von Krabat durch Otfried Preußler heraussuchen und sie noch einmal anhören.

Lieber Otfried Preußler, du hast unserer Familie viel Spaß bereitet. Vielen Dank für deine Ideen, deine Einfälle, deinen Zauber und deine Fantasie. Du hat Generationen meiner Familie geprägt und ich hoffe, dass meine Kinder deine Bücher an ihre Kinder irgendwann weitergeben. Du hast alle möglichen Preise für dein Werk erhalten: Verdienstorden, Jugendbuchpreise, Literaturpreise, Bundesverdienstkreuz – aber vor allem hast du das Wertvollste bekommen: Unser Lachen und unsere Freude, die meiner gesamten Familie.

Das kleine Gespenst kommt als Realfilm

4. Juli 2012
Wo ist das kleine Gespenst?

Wo ist das kleine Gespenst?

Als Kind liebte ich die Geschichten von Otfried Preußler. Und bei meinen Kindern ist es ebenso. Renner bei uns zu Hause ist das Buch Das kleine Gespenst. Immer und immer wird es gelesen und darüber diskutiert. Ich erinnere mich noch, als 1992 die Trickfilm-Version vom Das kleine Gespenst in die Kinos kam und ich restlos enttäuscht war. Regie führte  Zeichentrickveteran Curt Linda und ich war von der langweiligen Animation frustriert. Ich hab den Film nie meinen Kindern gezeigt, weil ich damals so enttäuscht war.

Jetzt wird an einer Realverfilmung vom kleinen Gespenst gearbeitet. Vor kurzem fiel auf Schloss Wernigerode in Sachsen-Anhalt unter der Regie von Alain Gsponer die erste Klappe zum generationenübergreifenden Familienfilm. Otfried Preußlers beliebtes Kinderbuch  „Das kleine Gespenst“ erschien 1966. Mit 2,3 Millionen verkauften Exemplaren – plus verkaufter Hörspiele – gehört seine charmante Geistergeschichte nun schon seit vier Jahrzehnten zur Grundausstattung deutscher Kinderzimmer. Das Produzententeam Uli Putz und Jakob Claussen („Jenseits der Stille“, „Maria, ihm schmeckt’s nicht!“) hat 2008 bereits den Preußler-Klassiker „Krabat“ mit großem Erfolg auf die Leinwand gebracht. „Das kleine Gespenst“ kommt pünktlich zu Otfried Preußlers 90. Geburtstag am 20. Oktober 2013 im Verleih von Universum Film ins Kino. Gedreht wird noch bis 7. August in Werningerode und Quedlinburg sowie in München. Mal sehen, ob ich am Drehort mal vorbeischauen darf. Ich werde die Produktion mal bequatschen. Ich hoffe, dass der Film mich nicht so enttäuscht, wie der Streifen von 1992. Ich will mit meinen Kindern ins Kino gehen.

Neben den Newcomern Jonas Holdenrieder (Karl), Emily Kusche (Marie), Nico Hartung (Hannes) und Carlos Richter (Peter) sorgen Uwe Ochsenknecht („Die wilden Kerle“) als „alter Schwede“ Torsten Torstenson, Herbert Knaup („Jerry Cotton“) als Uhrmachermeister Zifferle und Aykut Kayacik („Almanya – Willkommen in Deutschland“) als grantiger Burgverwalter für geistreichen Spaß. Mit großem Aufwand erweckt ein Team von VFX und Character Designern, die bereits in „Wickie auf großer Fahrt“ und „Krabat“ involviert waren, das kleine Gespenst digital zum Leben. Anna Thalbach leiht dem weiß-schwarzen Helden ihre Stimme, Veteran Wolfgang Hess spricht den weisen Uhu Schuhu.

Regisseur Alain Gsponer, für „Das wahre Leben“ mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet, inszeniert mit  „Das kleine Gespenst“ seinen ersten Kinderfilm. Martin Ritzenhoff, der schon das Drehbuch zu „Vorstadtkrokodile“ lieferte, adaptiert Otfried Preußlers zeitlosen Klassiker für die Leinwand.

„Das kleine Gespenst“ ist eine Produktion der Claussen+Wöbke+Putz Filmproduktion, in Koproduktion mit Zodiac Pictures Ltd, dem Zweiten Deutschen Fernsehen ZDF, dem Schweizer Radio und Fernsehen SRF und der Teleclub AG. Das Projekt wird gefördert durch den FilmFernsehFonds Bayern, die Mitteldeutsche Medienförderung, die Filmförderungsanstalt, den BKM – Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, den Deutschen Filmförderfonds, MEDIA Development, das Bundesamt für Kultur (EDI) und die Zürcher Filmstiftung.