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Estland (7): Lahemaa-Naturschutzgebiet – ein Paradies für Naturliebhaber

11. Januar 2025

Ruhe, einfach Ruhe und wunderbare Natur. Ich hab sie gefunden in Lahemaa. Dahinter verbirgt such der älteste unter den sechs estnischen Nationalparks. Er ist von Straßen und Wegen durchzogen, auf denen man sich im Auto, auf dem Rad oder zu Fuß fortbewegen kann. Wir machten Station im Viru-Hochmoor und fuhren bei Eis und Schnee mit dem Bus und dann ging es zu Fuß durch das Moor.

Das Naturschutzgebiet Lahemaa in Estland ist eines der ältesten und größten Schutzgebiete des Landes und erstreckt sich über eine Fläche von etwa 72.500 Hektar. Es liegt an der nördlichen Küste Estlands, nur etwa 70 Kilometer von Tallinn entfernt. Lahemaa wurde 1971 gegründet und war das erste Naturschutzgebiet der damaligen Sowjetunion. Es dient nicht nur dem Schutz der natürlichen Landschaften, sondern bewahrt auch kulturelle und historische Werte.

Landschaft und Ökosysteme
Das Naturschutzgebiet zeichnet sich durch seine beeindruckende Vielfalt aus. Es umfasst Wälder, Küstenlinien, Flüsse, Seen und eine Vielzahl von Feuchtgebieten. Die vier großen Halbinseln — Juminda, Pärispea, Käsmu und Vergi — sowie die dazwischenliegenden Buchten verleihen der Region ihren Namen, denn “Lahemaa” bedeutet übersetzt “Land der Buchten”. Diese abwechslungsreiche Landschaft bietet Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten, darunter auch bedrohte Arten.
Ein besonders bedeutendes Ökosystem innerhalb des Schutzgebiets sind die Hochmoore, die eine einzigartige und fragile Umwelt darstellen.

Hochmoore im Naturschutzgebiet Lahemaa
Die Hochmoore im Lahemaa-Naturschutzgebiet sind ein prägender Bestandteil der Landschaft und gehören zu den wichtigsten Schätzen der Region. Diese Moore, die über Jahrtausende entstanden sind, bieten nicht nur einen faszinierenden Einblick in die Naturgeschichte, sondern erfüllen auch wichtige ökologische Funktionen.

Entstehung und Merkmale
Hochmoore entstehen in Regionen mit viel Niederschlag und wenig Abfluss, wo sich über Jahrhunderte hinweg Torf bildet, der Kohlendioxid bindet. Bis in die 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts wurde hier noch Torf abgebaut. Die Hochmoore in Lahemaa, wie das Viru-Hochmoor, sind charakteristisch für den Norden Estlands. Sie bestehen aus wassergetränkten Torfschichten, die teilweise bis zu mehrere Meter dick sind. Ihre Oberfläche ist oft von kleinen, klaren Moorseen durchzogen, die den Mooren eine malerische Atmosphäre verleihen.

Die Vegetation in diesen Mooren ist speziell an die nährstoffarmen Bedingungen angepasst. Hier wachsen typische Moorpflanzen wie Torfmoose, Sonnentau, Wollgras und verschiedene Heidekrautgewächse. Diese Pflanzen spielen eine Schlüsselrolle im Ökosystem des Moores, da sie Wasser speichern und Torf bilden. Davon hab ich im Winter allerdings nicht gesehen.

Ökologische Bedeutung
Die Hochmoore in Lahemaa sind nicht nur landschaftlich beeindruckend, sondern auch ökologisch von großer Bedeutung:

Kohlenstoffspeicher: Hochmoore speichern große Mengen an Kohlenstoff und tragen so zur Reduktion von Treibhausgasen bei.
Wasserspeicher: Sie regulieren den Wasserhaushalt der Region, indem sie Wasser aufnehmen und langsam wieder abgeben, was Überschwemmungen vorbeugt.
Lebensraum: Die Moore sind Heimat zahlreicher spezialisierter Tier- und Pflanzenarten, darunter Vögel wie der Kranich und Amphibien, die in anderen Lebensräumen kaum überleben könnten.

Das Viru-Hochmoor
Das Viru-Hochmoor, eines der bekanntesten Moore im Lahemaa-Naturschutzgebiet, ist ein leicht zugänglicher Ort, der Besuchern einen Einblick in diese faszinierende Landschaft bietet. Ein Holzsteg führt durch das Moor und ermöglicht es, die einzigartige Natur hautnah zu erleben, ohne das fragile Ökosystem zu beeinträchtigen. Besucher können entlang des Weges die Pflanzenwelt bestaunen und von Aussichtstürmen einen Blick über die weite Moorlandschaft werfen. Ich empfand die Wanderung von einer Stunde als extrem entspannend.

Schutz und Herausforderungen
Die Hochmoore im Lahemaa-Naturschutzgebiet stehen unter strengem Schutz, da sie empfindlich auf Eingriffe reagieren. Aktivitäten wie Torfabbau, Entwässerung oder intensive Landwirtschaft haben in der Vergangenheit viele Moorlandschaften Estlands zerstört. Im Naturschutzgebiet wird großen Wert darauf gelegt, solche Eingriffe zu vermeiden und die natürliche Dynamik der Moore zu erhalten.

Zudem gibt es Programme zur Wiederherstellung beschädigter Moorgebiete, bei denen beispielsweise alte Entwässerungsgräben geschlossen werden, um den Wasserstand im Moor wieder anzuheben. Pro Jahr wächst das Moor um einen Millimeter.

Tourismus und Bildung
Das Lahemaa-Naturschutzgebiet ist ein beliebtes Ziel für Naturliebhaber und bietet zahlreiche Möglichkeiten, die Landschaften zu erkunden. Besucher können auf gut ausgebauten Wanderwegen die Vielfalt der Natur erleben, darunter auch die Hochmoore. Lehrpfade informieren über die Entstehung, die Bedeutung und den Schutz der Moore. Die Kombination aus leichter Zugänglichkeit und umfassendem Schutz macht Lahemaa zu einem Beispiel für nachhaltigen Tourismus.

Roboter in der Gastro – Liebesbier in Bayreuth

27. August 2024

Roboter haben in den vergangenen Jahren in der Gastronomiebranche zunehmend an Bedeutung gewonnen und bieten eine Lösung für die verschiedenen Herausforderungen, mit denen dieser Sektor traditionell konfrontiert ist. Vom Servieren von Speisen und Getränken über die Zubereitung von Mahlzeiten bis hin zur Interaktion mit Gästen revolutionieren Roboter die Art und Weise, wie Gastronomiebetriebe geführt werden. Dabei erstrecken sich die Einsatzmöglichkeiten von Servicerobotern, die autonom Speisen und Getränke an die Tische der Gäste bringen und Bestellungen aufnehmen, bis hin zu Küchenrobotern, die einfache bis komplexe Kochvorgänge automatisieren. Diese Maschinen können Aufgaben wie das Schneiden von Gemüse, das Braten von Fleisch oder sogar die Zubereitung von Sushi und Pizza übernehmen. Durch präzise programmierte Abläufe garantieren sie eine konstante Qualität und steigern die Produktivität in der Küche erheblich. Ich bin gespannt, was meine Gastro- und Hotelfreunde dazu meinen.

In Bayreuth habe ich bei Liebesbier einen Serviceroboter der Firma Roboterly aus Olpe angetroffenen. Auf ihn stellt das junge Servicepersonal das schmutzige Geschirr ab und auf Kommando fährt der Roboter dann in die Spülküche. Interessant für mich, dass der kleine technische Helfer von der Masse der Gäste gar nicht wahrgenommen wurde, entweder weil er übersehen wurde oder weil Roboter im Alltag angekommen sind. Das Unternehmen Roboterly hat sich unter anderem auf die Bereiche Hotel, Gastro, Einzelhandel, Pflege und Schule spezialisiert.

Beim Essen im Liebesbier habe ich mir Gedanken über den Einsatz von Robotern in der Gastronomie gemacht. Die Branche ist arg gebeutelt nach Corona und leidet und Personalmangel und Bürokratie. Durch Sericeroboter werden lange Wege vermiedene, denn Wege kostet Zeit und Kraft und der Service kann sich besser um die Gäste kümmern.

Einsatzmöglichkeiten
Wenn ich weiter denke, kommen wir noch höherwertige Einsatzmöglichkeiten in den Sinn. Ein weiteres Einsatzfeld von Robotertechnologie in der Gastronomie sind automatisierte Bestellsysteme. Diese Systeme, die oft in Form von digitalen Kiosken in Fast-Food-Restaurants zu finden sind, ermöglichen es den Gästen, ihre Bestellungen selbstständig aufzugeben. Dabei können diese Systeme dank künstlicher Intelligenz Vorschläge basierend auf früheren Bestellungen machen und so ein personalisiertes Erlebnis bieten. In der Ära der Essenslieferdienste gewinnen zudem Lieferroboter zunehmend an Popularität, klingt vielleicht noch ein wenig nach Science Fiction. Diese autonomen Fahrzeuge können Bestellungen direkt an die Haustür der Kunden liefern und stellen eine kosteneffiziente und umweltfreundliche Alternative zu traditionellen Liefermethoden dar.

Ohne Pause rund um die Uhr
Der Einsatz von Robotern in der Gastronomie bietet zahlreiche Vorteile. So können Roboter rund um die Uhr arbeiten und benötigen keine Pausen, was die Betriebseffizienz erheblich steigert. In der Küche führen sie repetitive Aufgaben schneller und präziser aus als Menschen, was zu einer schnelleren Zubereitung und kürzeren Wartezeiten für die Gäste führt. Zudem arbeiten Roboter nach präzisen Vorgaben, was bedeutet, dass die Qualität der Speisen und Dienstleistungen konstant hoch bleibt – ein Aspekt, der besonders in Kettenrestaurants von großer Bedeutung ist. Darüber hinaus bieten Roboter eine Möglichkeit, Personalkosten zu senken, da sie viele Aufgaben übernehmen können, die sonst von mehreren Mitarbeitern ausgeführt werden müssten. Dies reduziert die Notwendigkeit für große Belegschaften und kann insbesondere in Zeiten des Fachkräftemangels von Vorteil sein.

Im Moment ein Alleinstellungsmerkmal
Der Einsatz von Robotern kann zudem ein Restaurant von der Konkurrenz abheben und ein Alleinstellungsmerkmal bieten. Gäste sind oft neugierig und begeistert von der Interaktion mit Robotern, was die Attraktivität des Restaurants steigern kann. Besonders jüngere Zielgruppen, die technologieaffin sind und innovative Konzepte schätzen, könnten durch den Einsatz von Robotern angesprochen werden. Allerdings bringt der Einsatz von Robotern in der Gastronomie auch Herausforderungen mit sich. So sind die Anschaffung und Wartung von Robotern oft mit hohen Kosten verbunden, was insbesondere für kleinere Betriebe eine Hürde darstellen kann. Technische Probleme und die notwendige Wartung erfordern zudem spezialisierte Kenntnisse und können zusätzliche Kosten verursachen.

Akzeptanz
Nicht zu vernachlässigen ist auch die Akzeptanz der Gäste. Nicht alle Gäste sind von der Idee begeistert, von Robotern bedient zu werden. Manche bevorzugen den menschlichen Kontakt und könnten sich unwohl fühlen, wenn dieser durch Maschinen ersetzt wird. Dies stellt Restaurants vor die Herausforderung, die richtige Balance zwischen Technologieeinsatz und persönlichem Service zu finden. Schließlich wirft der Einsatz von Robotern, insbesondere solchen mit Kameras und Sensoren, Fragen des Datenschutzes und der Sicherheit auf. Gastronomiebetriebe müssen sicherstellen, dass die gesammelten Daten sicher verwaltet werden und die Privatsphäre der Gäste gewahrt bleibt.

Noch in den Kinderschuhen
Trotz dieser Herausforderungen steckt die Integration von Robotern in der Gastronomie noch in den Kinderschuhen, bietet aber enormes Potenzial für die Zukunft. Mit fortschreitender Technologie und sinkenden Kosten könnten Roboter bald ein alltäglicher Anblick in Restaurants und Cafés weltweit sein. Sie könnten nicht nur die Effizienz steigern und Kosten senken, sondern auch neue, innovative Erlebnisse für die Gäste schaffen. Die Gastronomiebranche steht somit vor einem spannenden Wandel, in dem Roboter eine zentrale Rolle spielen könnten.

Berliner Tränenpalast: Deprimierendes Gefühl und Wut in den historischen Grenzkontrollkabinen

26. August 2024

Es ist ewig her, aber die bedrückende Stimmung ist geblieben. Als ich den original deutsch-deutschen Grenzübergang Friedrichstraße im Berliner Tränenpalast besuchte, kamen alte Erinnerungen der deutschen Teilung auf. Das schreckliche Gefühl einem brutalen Überwachungsstaat ausgeliefert zu sein.

Der Tränenpalast in Berlin ist ein historisch bedeutsames Gebäude, das im Herzen der deutschen Hauptstadt, direkt an der Friedrichstraße, liegt. Hier ist auch ein original Kontrollpunkt des unmenschlichen DDR-Regimes ausgestellt, den ich als junger Mensch oftmals passieren musste. Man betrat die Kabine in der ein strenger DDR-Grenzer saß, reichte ihm den Reisepass und wurde gemustert. Manches Mal wurden Fragen über die Einreise nach Ostberlin gestellt. Die Stimmung war deprimierend. Der Grenzer war völlig humorlos und strahlte absolute Macht aus. Er entschied, ob man die Hauptstadt des Arbeiter- und Bauernstaates betreten durfte oder ob einem das Paradies verwehrt wurde. Obwohl ich reinen Herzens bin, kam bei mir bei den Kontrollen immer Wut auf diese rote Diktatur auf, die mein Vaterland teilte. Hier ein VR 360 Video.

Der Tränenpalast diente während der deutschen Teilung als Abfertigungsgebäude für den Grenzübergang zwischen Ost- und West-Berlin und wurde 1962 erbaut. Der Name „Tränenpalast“ entstand aufgrund der emotionalen Abschiede, die sich hier abspielten, da Besucher aus dem Westen oft nur kurzzeitig in den Osten reisen durften und dann am Grenzübergang schmerzvolle Abschiede von ihren Verwandten und Freunden erlebten.

Der Tränenpalast war einer der wenigen offiziellen Grenzübergänge, die Zivilisten nutzen konnten, um zwischen Ost- und West-Berlin zu reisen. Nur bestimmte Personengruppen wie Rentner, Diplomaten und westliche Besucher durften diesen Übergang nutzen. Für die Menschen war der Tränenpalast ein Ort der intensiven Emotionen, geprägt von der Trennung durch die Berliner Mauer, die das Land und viele Familien für fast drei Jahrzehnte teilte. Diese Erinnerungen kamen beim Besuch wieder hoch und zeigt mir, wie wichtig die Erinnerung an die deutsche Teilung ist.

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands 1989 und der Öffnung der Berliner Mauer verlor der Tränenpalast seine ursprüngliche Funktion. Heute beherbergt das Gebäude eine Dauerausstellung unter dem Titel „GrenzErfahrungen. Alltag der deutschen Teilung“, die vom Deutschen Historischen Museum betrieben wird. Die Ausstellung bietet einen eindrucksvollen Einblick in die Geschichte der deutschen Teilung, das Leben im geteilten Berlin und die Herausforderungen und Tragödien, die die Menschen an der Grenze erlebten. Ich kann nur jeden empfehlen, sich diesen Erinnerungsort einmal anzusehen.

Besucher können hier nicht nur die historischen Dokumente und Fotografien betrachten, sondern auch Originalobjekte wie Grenzkontrollkabinen und Passstempel sehen, die das Alltagsleben an diesem Ort der Trennung und des Wiedersehens veranschaulichen. Der Tränenpalast ist damit ein lebendiges Zeugnis der jüngeren deutschen Geschichte und ein Mahnmal für die Überwindung von Trennung und den Wert der Freiheit. Ich habe dort viele Anregungen für Seminare gefunden und auch einen Ort der Erinnerung.

Ich seh den Sternenhimmel in Berlin

15. März 2023

Ich seh den Sternenhimmel. An dieses Lied aus der Zeit der Neuen Deutschen Welle von Hubert Kah musste ich unwillkürlich denken, als ich die Berliner U-Bahn-Station Museumsinsel U5 betrat.


Die Berliner Haltestelle Museumsinsel ist eine interessante architektonische Struktur, die aufgrund ihrer besonderen Form auch als „Sternenhimmel“ bekannt ist. Die Haltestelle wurde im Jahr 2021 eröffnet.

Der Schweizer Architekt Max Dudler hat den Bahnhof entworfen und sich dabei vom Berliner Baumeister Karl Friedrich Schinkel inspirieren lassen. Schinkel hatte 1816 einen Nachthimmel als Bühnenbild für Aufführungen der Zauberflöte entworfen. Auch bei der Innengestaltung der Schinkel-Kirche in Neuhardenberg verwendete der preußische Baumeister einen Himmel voller Sterne. Die Idee finde ich prima und ich wollte in Berlin den Sternenhimmel live sehen, denn die Leuchten wollte Dudler mit seinem Entwurf auch in den Berliner Untergrund bringen. Und nicht nur die Sterne strahlen hier. Auch die ultramarinblaue Decke aus Gipskarton selbst scheint zu leuchten. Insgesamt 6662 Lichtpunkte zieren die Decke über dem Gleis. Während der Energiekrise war der Sternenhimmel abgeschaltet, bei meinen Besuch haben die Sterne wieder geleuchtet.

Bruno Schickel war ein Architektenstart seiner Zeit. Auf ihn gehen viele modernen und funktionalen Entwürfe zurück, die oft auch einen ästhetischen Anspruch hatten. Eines seiner bekanntesten Werke war der Bau des Frankfurter Hauptbahnhofs in den 1920er Jahren.

Schickel arbeitete viel für die öffentliche Verwaltung und Verkehrsbetriebe in Berlin. In den 1920er Jahren war Schickel der leitende Architekt der Berliner Verkehrsbetriebe und war verantwortlich für die Planung und den Bau vieler U-Bahn-Stationen und anderer öffentlicher Gebäude in Berlin. Eines seiner bekanntesten Werke war der Bau des U-Bahnhofs Gleisdreieck, der auch heute noch als architektonisches Meisterwerk gilt.

Stimmungsbild in der Tourismusbranche

19. Juli 2021

Eine Branche, die durch Corona massiv getroffen wurde, ist der Tourismus. Das Stimmungsbild ist verheerend. Und ich merke es an mir selbst: Während ich vor Corona vor allem beruflich unterwegs samt, bin ich jetzt kaum auf Reisen, ein bisschen geschäftlich, aber gar nicht privat. Meine BahnCard ist im vergangenen Jahr ausgelaufen und ich werde sie dieses Jahr nicht erneuern, obwohl die Deutsche Bahn mir wunderbare Angebote macht. Ich warte 2021 ab.

In meinem Umfeld ist es anders: Dort wird Reisen wieder großgeschrieben – irgendwie glauben alle, Corona sei vorbei. Nein, ist es nicht. Aufgrund von Abi-Fahrten ist in meiner direkten Umgebung Corona wieder ausgebrochen. Die Abi-Feier an der Schule meiner Kinder wurde gestrichen. Kinder an anderen Schulen haben sich angesteckt – nein, Corona ist noch nicht vorbei, auch wenn es die Tourismusbranche gerne so darstellt und ein Gefühl der Sicherheit vermitteln will. Dabei muss ich genau unterscheiden, wohin und zu wem ich fahren würde, wenn ich urlauben würde.

Eine neue Studie zur Branche gibt ganz gut Anhaltspunkte zum Zustand der Tourismusbranche. Die Reiseindustrie steht nach den langen Monaten des Lockdowns vor enormen wirtschaftlichen Herausforderungen. In einer aktuellen Branchenumfrage des asr Allianz selbständiger Reiseunternehmen – Bundesverband e.V. bewerteten zwei Drittel der Befragten die Situation ihres Unternehmens als schlecht oder existenzbedrohend. Ähnlich düster sieht demnach die Lage in Urlaubsdestinationen aus. Vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer kämpfen um ihr touristisches Überleben. Die Ergebnisse der Umfrage, die in Kooperation mit der Dualen Hochschule Baden-Württemberg Ravensburg (DHBW) erstellt wurde, belegen auch die große Verunsicherung, die derzeit unter Verbrauchern herrscht. Und meines Erachtens ist die Verunsicherung gerechtfertigt. Die vierte Welle baut sich auf.

Knapp 250 Expertenaussagen unter Reisebüros, Reiseveranstaltern und weiteren touristischen Leistungsträgern in Deutschland hat der asr zusammen mit dem DHBW ausgewertet. Deutlich wird dabei, dass das Vertrauen in politische Institutionen und Medien als sehr gering eingeschätzt wird.
Warum? Weil nicht alles freigegeben wird? Weil die Menschen keine Lust mehr auf Corona haben? Die jüngsten Corona-Ansteckungen geben Politik und Medien recht und den Lobbyverbänden eben nicht. Ich bin kein Virologe, aber ich sehe, dass die Impfmüdigkeit und gar die Impfverweigerung nicht dafür sorgen, dass wir so etwas wie einen Normalzustand erreichen. Auch wenn der Wuschelkopf von der Insel Johnson erklärt, alles sei wieder gut.

Zudem haben wir ein massives Problem. Nicht wegen des Tourismus, sondern wegen des Aufkommens von Verschwörungsmythen und Schwurblern, die unsere Demokratie destabilisieren, schwindet das Vertrauen „in die da oben“. Die Politik hatte es noch nicht mit einer solchen Krise zu tun gehabt. Eine weltweite Pandemie verändert die Welt und bedroht Existenzen und sorgt für Furcht. Die Lobbyverbände und Interessenvertretungen heizen die Stimmung an, sähen Zweifel und vertreten die Interessen ihrer Mitglieder.
Und so heißt es in der Studie auch: „Touristische Verbände genießen dagegen bei rund 40 Prozent ein hohes Vertrauen.“ Zeigt sich ja an den steigenden Ansteckungen – ok, das war jetzt böse.

Zahlreiche Maßnahmen zur Bekämpfung des Covid-19 sind laut Aussagen der Umfrageteilnehmer nicht nachvollziehbar. So bewerten knapp 35 Prozent Ausgangssperren und 29 Prozent Reiseverbote für Freizeitreisen als gar nicht verständlich, während sich rund die Hälfte für einen sogenannten „Grünen Pass“ und etwa 48 Prozent für Testmöglichkeiten für Reisende aussprechen.

Fehlende Ausgaben in Milliarden-Höhe
In Destinationen weltweit hat sich die Lage nach Kenntnis der Reiseexperten dramatisch verschlechtert. Für das südliche Afrika prognostizieren etwa 63 Prozent eine existenzbedrohende Situation. Moment, drehen in Südafrika nicht alle gerade am Rad – bürgerkriegsähnliche Zustände in Teilen des Landes, weil der Verbrecher Zuma in den Knast wandert. Da muss ich echt nicht mach Südafrika zum Urlauben. Aber as hat mit Corona nichts zu tun, sondern weil sich ethnische Gruppen die Köpfe einhauen.

Auch für Mittel- und Südamerika sowie die Türkei und Nordafrika stimmen rund die Hälfte der Befragten dieser Aussage zu. Vielleicht setzt sich bei dem einen oder anderen aber auch die Erkenntnis durch, dass ich Despoten wie den türkischen Machthaber nicht mit meinen Reiseetat unterstützen will.

Mit Blick auf die touristischen Anbieter halten die Umfrageteilnehmer vor allem Nationalparks für gefährdet, denn der Stellenwert von Naturschutz sinkt in Zeiten der wirtschaftlichen Krise rapide. „In Entwicklungs- und Schwellenländern fehlen derzeit touristische Ausgaben in Höhe von 19 Milliarden US-Dollar“, warnt Prof. Dr. Alexander Dingeldey, Studiengangsleiter an der DHBW für Reiseverkehr und Reisevertrieb. „Die Einkommenssituation der im Tourismus beschäftigten Bevölkerung ist katastrophal und gefährdet akut das Gleichgewicht aus Ökologie, Sozialem und Ökonomie.“ Das glaube ich gerne.

Reisebüros als wichtiger Anker für Urlauber
Die Sehnsucht nach Urlaub und einer Auszeit ist bei Gästen spürbar, gaben 92 Prozent der Befragten an. Trotz der gegenwärtigen Öffnungen sind viele Menschen noch stark verunsichert und sehen von Buchungen ab, so 86 Prozent der Experten. Wertvolle Hilfestellung leisten hier die Reisebüros, die aufgrund des gestiegenen Informationsbedürfnisses der Kunden durchschnittlich 31 Minuten länger für ein Beratungsgespräch aufwenden müssen als vor der Pandemie. Kann ich mir auch vorstellen, aber Zeit ist ja vorhanden, wenn kaum Kunden den Laden betreten.
Interessante Frage an mich: Wann habe ich das letzte Mal ein Reisebüro genutzt? Bei einem Besuch in einem Reisebüro in meiner direkten Umgebung war ich entsetzt, wie wenig Wissen bei den Mitarbeitern vorhanden ist. Ins Internet blicken, das kann ich auch. Eine gute Freundin meiner Frau betreibt dagegen ein gut geführtes Reisebüro und wir hatten über sie einst ein Hotel in London gebucht und waren zufrieden. Da fühlte ich mich im Reisebüro gut aufgehoben. Es wird sich die Spreu vom Weizen trennen.
In meinem geschäftlichen Umfeld stelle ich fest: Die größeren Firmen verzichten oft auf Geschäftsreisen. Der Mittelstand will dagegen wieder auf Geschäftsreisen gehen. Allerdings: Für 20 PowerPoint-Folien eignen sich ideal virtuelle Treffen. Auch auf Messeteilnahme wird verzichtet – warum soll ich eigentlich noch eine Messe besuchen? Ein wichtiger Grund kann vielleicht das Netzwerken sein – und hier entstehen gerade interessante digitale Alternative.

„Durch ihre kompetente Beratung vermitteln Reisebüros ihren Kunden eine enorme Sicherheit“, erklärt Anke Budde, Geschäftsstellenleiterin asr Allianz selbständiger Reiseunternehmen – Bundesverband e.V. „Pauschalreise-Urlauber können sich auf ihren Reiseveranstalter verlassen, der sich bei Problemen um sie kümmert und im Notfall auch in die Heimat zurückholt.“ Für einen gelungenen Neustart wünschen sich mit etwa 98 Prozent der befragten Touristiker klare Regeln in Bezug auf Risikogebiete und Quarantäne sowie 95 Prozent langfristige Planungssicherheit. „Die Branche ist auf den Neustart bestens vorbereitet. Hygiene und Sicherheit waren bereits vor Corona unverzichtbar für ein gelungenes Urlaubserlebnis“, erläutert Jochen Szech, Präsident asr Allianz selbständiger Reiseunternehmen – Bundesverband e.V. „Reiseveranstalter haben sich in der Krise immer wieder als wichtige Stützpfeiler erwiesen, die ihrer Verantwortung nachkommen und ihre Kunden nie allein gelassen haben.“ War da nicht 2019 die Pleite von Thomas Cook? Im ersten Halbjahr 2020 war es bereits zu einer Verdoppelung der Insolvenzen kleiner Reiseveranstalter gekommen, weiß die R+V Versicherung. Und die große Welle werde erst noch erwartet.

Preiskampf bedroht Qualität der Urlaubsreisen
Für die Zukunft rechnen rund 88 Prozent der Umfrageteilnehmer mit höheren Preisen für Urlaubsreisen. Beratung und Sicherheit sprechen dabei etwa 91 Prozent einen höheren Stellenwert zu. „Auch wenn der Preiskampf härter wird, dürfen touristische Produkte auch in Zukunft nicht unter Wert verkauft werden“, fordert Prof. Dr. Alexander Dingeldey. „Geschäftsmodelle, die nur auf Schnäppchen aufgebaut sind, erhöhen den Druck auf Anbieter und Mitarbeiter massiv und führen zu einer gefährlichen Preisdumping-Spirale. Letztlich leidet darunter vor allem die Qualität der Reiseangebote.“ Urlauber tragen eine wichtige Mitverantwortung und unterstützen mit ihrer Buchungsentscheidung die faire Bezahlung der Leistungsträger im Tourismus. Geiz ist geil.

Auch wenn Urlaub in Deutschland seit Beginn der Pandemie einen Boom erlebt hat und die aktuellen Öffnungen den Tourismus in der Heimat ankurbeln: Die fehlende Planungssicherheit wirkt sich weiter negativ auf das Buchungsverhalten aus. Rund 42 Prozent der Befragten stimmten der Aussage zu, dass Deutschlandurlaub lediglich aufgrund der fehlenden Alternativen beliebt war und die Nachfrage wieder nachlassen werde, sobald Reisen in andere Länder wieder möglich sind. Um nachhaltig vom Urlaub in Deutschland profitieren zu können, benötigt der Reisevertrieb passgenauere Informationen und einfach buchbare Angebote zu marktfähigen Konditionen.

Was macht der Ottifant bei den Fugger in Augsburg?

15. Mai 2021

Jakob Fugger könnte man als den Bill Gates des Mittelalters bezeichnen, zumindest was sein Vermögen betraf. In Augsburg lassen sich die Fuggergebäude noch immer bestaunen. In der Maximilianstraße, der kunsthistorischen Prachtstraße der Stadt Augsburg, gibt es an der Fugggerbank einen Ottifanten zu sehen. Diese Comicfigur von Otto Waalkes ist im ersten Stock an der Fassade zu finden.

Was macht der Ottifant an der Augsburger Fuggerbank?

Es war aber nicht der ostfriesische Komiker meiner Jugend, der sein Wahrzeichen dort an die Bank gepinselt hat. Vielmehr war es Anastasia Fugger von Babenhausen, eine Nachfahrin des Jakob Fugger (1459-1525). Wann genau der Ottifant an die Fassade kam, das konnte ich nicht ermitteln – vielleicht sollte ich bei Anastasia Jasmin Katharina Maria Gräfin Fugger von Babenhausen mal um ein Interview nachfragen.

Ich habe nur die Achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts als Entstehungszeit gefunden, wobei die Gräfin erst am 2. Juli 1986 in Palm Beach geboren wurde. Der Original-Ottifant ist ein paar Jahre älter. Bereits 1972 zierte das Rüsseltier das Cover von Ottos erster Schallplatte seines eigenen Labels „Rüssl Räckords“

Fest steht aber, dass bei den Renovierungs- und Fassadenarbeiten im Jahre 1993 der Ottifant nicht übermalt, sondern vielmehr erhalten blieb. Er wurde zudem um den Schriftzug „renoviert 1993“ ergänzt.
So viel Humor hätte ich den Nachfahren der Fugger nicht zugetraut. Mir gefällt es und zaubert auch den Augsburger Touristen ein Lächeln ins Gesicht.

Urlaub daheim: Räuber-Kneißl-Radweg

27. Juli 2020

Kneißl-Rastplatz in Überacker.

Kneißl-Rastplatz in Überacker.

Wenn ich dieses Jahr schon nicht in den Urlaub fahre und aufgrund Corona zu Hause bleibe, will ich meine Heimat näher erkunden. Da trifft es sich gut, dass der Räuber Kneißl Radweg vor kurzem offiziell eröffnet wurde. Ich hab den Weg vor der Eröffnung während der ersten Corona-Welle mal abgefahren und darüber mit vielen Videos gebloggt. Hier der Link zu meinen ersten Eindrücken.
Jetzt kam eine Einladung der WestAllianz ins Postfach, die eine Presse- und Bloggertour des Räuber Kneißl Radwegs in meiner Heimatgemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck durchführten. Klar, bin ich da mitgefahren. Neben Bewegung gab es auch Geschichte und Kultur zu erleben. Die Themen-Strecke ist in vier Etappen unterteilt und führt über 110 Kilometer durch die Gemeinden Bergkirchen, Gröbenzell, Karlsfeld, Maisach, Sulzemoos, Odelzhausen und Pfaffenhofen a.d. Glonn, die im Wirtschaftsverbund WestAllianz zusammengeschlossen sind. Was die WestAllianz eigentlich ist, erklärte Helmut Zech, Leiter der Arbeitsgruppe Naherholung und Tourismus der WestAllianz und gleichzeitig Bürgermeister von Pfaffenhofen a.d. Glonn. Er erklärte uns in Maisach den Hintergrund in diesem Video.

Auf der Website www.räuber-kneissl-radweg.de gibt es Hintergrundinformationen zum Radweg, zudem stehen die GPS-Daten der Etappen, die offizielle Radwanderkarte sowie ein Audio Guide zum Download bereit. Der kleine Tross von Medienmenschen ist natürlich nicht die ganze Strecke geradelt, sondern haben symbolisch rund 10 Kilometer des Kneißl-Radwegs erkundet (und sogar dabei noch abgekürzt). Hier ein Zeitraffervideo unserer Tour von Maisach über Überacker und Frauenberg.

Das neue Ausflugsziel ist nach Mathias Kneißl (1875-1902) benannt, der in den Gemeinden der WestAllianz gelebt hat und als „Kneißl Hias“, „Räuber Kneißl“ oder auch „Schachenmüller- Hias“ in die Lokalgeschichte einging. Zahlreiche Bücher, Schriften, Lieder, Filme und Theaterstücke widmeten sich seinem Leben, das von Armut und Dramatik, aber auch von Kriminalität geprägt war.

„Wir haben einen Themenweg geschaffen, der nicht nur landschaftlich überaus vielseitig ist und entlang vieler Attraktionen des Münchner Westens führt“, betont Helmut Zech. „Vielmehr erfährt man an den Informationstafeln in den Gemeinden auch viel Wissenswertes rund um das Leben von Mathias Kneißl, an dem sich ja bis heute die Geister scheiden.“ Wichtig war den Organisatoren, den durchaus umstrittenen Namensgeber keinesfalls zu glorifizieren. Die bewegende Geschichte des Räuber Kneißls wurde von Kulturwissenschaftlerin Dr. Annegret Braun erzählt.

Entlang der Strecke sind neun offizielle „Kneißl-Rastplätze“ eingerichtet. Tische und Bänke laden zum Verweilen ein, zudem gibt es Info-Tafeln rund um den Namensgeber sowie Fahrradständer und eine dekorative Stele, die der Künstler Helmut Fischer entworfen hat. Aber auch zu den Besonderheiten der einzelnen Gemeinden der WestAllianz und zu ihren Sehenswürdigkeiten wird in Wort und Bild informiert. Für den Notfall steht in jeder Gemeinde übrigens auch die nötige Ausrüstung zur Reparatur des Fahrrads bereit.

In der Radwanderkarte zur neuen Räuber-Kneißl-Route eingezeichnet sind lokale Sehenswürdigkeiten wie Klöster, Kirchen, Kapellen, Schlösser, Mühlen, Bademöglichkeiten, E-Bike-Ladestationen und Campingplätze sowie besondere Attraktionen wie der Kneißlkeller in Maisach, das Heimat- und Torfmuseum in Gröbenzell oder die Kapelle Maria Stern in Odelzhausen. Annegret Braun erzählte auch von einem nachgebauten Klassenzimmer wie zu Kneißls-Zeiten in Sulzemoos als Attraktion für die ganze Familie.

Die Streckenabschnitte, Sehenswürdigkeiten, Stationen und Rastplätze im Überblick
Abschnitt 1: Karlsfeld – Gröbenzell (30,2 Kilometer)
Karlsfeld
• Heimatmuseum (www.heimatmuseum-karlsfeld.de) mit E-Bike-Ladestation
• Ludl Kapelle, Andachts- und Feldkapelle von 1899
• Karlsfelder See
• Kneißl-Rastplatz am Waldschwaigsee
Gröbenzell
• Heimat- und Torfmuseum (www.torfmuseum.de) im historischen Schulhaus
• Lochhauser Sandberg, ein botanisches Naturdenkmal
• Kneipp-Anlage im Gröbenbach mit Armbadbecken
• Camping am Langwiedersee
• Kneißl-Rastplatz an der im Jugendstil errichteten Russenbrücke (1916) über den Gröbenbach

Abschnitt 2: Bergkirchen (25 Kilometer)
Bergkirchen
• Sankt Johann Baptist Kirche
• Kleiner Ampersee und Camping bei Geiselbullach
• Romantische, historische Eichenallee „Am Kreuzweg“ in Lauterbach, zu Beginn des
Verbindungswegs zu Abschnitt 3
• Kneißl-Rastplatz am Eisolzrieder See und am Aussichtspunkt in der Nähe der Pestsäule
und Mariengrotte von Kreuzholzhausen

Abschnitt 3: Maisach (23,3 Kilometer)
• Heilig Blut Kirche am Ende des Verbindungswegs von Abschnitt 2 in Einsbach
• Sankt Bartholomäus Kirche in Überacker auf der Strecke nach Maisach
• Sankt Vitus Kirche
• Räuber Kneißl Keller, Wirtshaus und Museum

• Idyllischer Aussichtspunkt vor Aufkirchen
• Kneißl-Rastplatz bei der Kapelle St. Wolfgang in Überacker und am Aussichtspunkt
Weinbergstraße südlich von Frauenberg

Abschnitt 4: Sulzemoos – Odelzhausen – Pfaffenhofen a.d. Glonn (27,3 Kilometer)
• Gut Schloss Sulzemoos und Sankt Johannes Baptist Kirche in Sulzemoos
• Sankt Florians Kirche in Wiedenzhausen und Maria Stern Kapelle kurz vor Odelzhausen
• Schlossgut Odelzhausen und Sankt Benedikt Kirche in Odelzhausen
• Furthmühle zwischen Odelzhausen und Pfaffenhofen a.d. Glonn
• Kirche St. Michael in Pfaffenhofen a.d. Glonn
• Kneißl-Rastplatz in allen drei Gemeinden

Und zum Schluss noch eine nette Fluchtgeschichte vom Räuber Kneißl. In einem Odlfass entkam der gesuchte Mathias Kneißl. Annegret Braun weiß mehr:

Corona-Virus: Tag 30 der Ausgangsbeschränkung – Kopf freibekommen auf dem Räuber Kneißl Radweg

20. April 2020

Ausblick vom Räuber Kneißl-Rastplatz in Frauenberg.

Ausblick vom Räuber Kneißl-Rastplatz in Frauenberg.

Am Sonntag fiel uns die Decke auf den Kopf. Wir mussten raus mit dem Rad, um den ganzen Druck von Corona und Ausgangsbeschränkung hinter uns zu lassen. Am Morgen erinnerte uns Bürgermeister Hans Seidl via Facebook die Heimat zu genießen. Und das machten wir auch: Meine Frau und ich fuhren den Räuber Kneißl Radweg entlang durch die Gemeinde Maisach im Landkreis Fürstenfeldbruck.
Eigentlich wird der Räuber Kneißl Radweg erst offiziell am 26. April eröffnet, aber so lange wollten wir nicht warten. Unsere Heimat hat so viel zu bieten und wenn es nun einen offiziellen Radweg gibt, dann müssen wir ihn auch ausprobieren.
Der Radweg führt durch die sieben Gemeinden der WestAllianz München – Bergkichen, Gröbenzell, Karlsfeld, Maisach, Odelzhausen, Paffenhofen a.d. Glonn und Sulzemoos. Entlang der Wegstrecke lernen die Radler die Historie des Mathias Kneißl zwischen 1857 und 1902 kennen.

Pause muss auch sein.

Pause muss auch sein.

Die offiziellen Kneißl-Rastplätze mit den Infotafeln über den Räuber Mathias Kneißl sind noch nicht aufgestellt, aber wer hier wohnt, der kennt die Geschichte vom Kneißl sicher.
Als Lokalpatrioten wählten wir die dritte Route des Räuber Kneißl Radwegs von 23,2 Kilometern Länge mit zwei Kneißl-Rastplätzen bei Überacker und Frauenberg. Beide befinden sich noch im Bau, aber die Website gibt schon interessante Infos. Eigens angelegt für den Räuber Kneißl Radweg gibt es GPS Daten für diesen Abschnitt. Zudem gibt es Radwegkarten aus Papier und als PDF. Papier belastet nur, also wählten wir die PDF-Karte zum Download. Für Mathias Kneißl war die Gemeinde Maisach sein Schicksal. Es erwartete ihn Verhaftung, Verhandlung und Hinrichtung.
Von der vergeblichen Suche mürbe gemacht, wird das Kneißl-Polizeiaufgebot verkleinert. Da gibt Kneißls Cousine Mathilde Lorenz dem Münchner Sicherheitskommissär Bossert den entscheidenden Hinweis. Auf dem Weg zu einem eingefädelten Treffen mit ihm in Pischertshofen streut sie Orangenschalen für die Verfolger. Am 4. März ist Kneißl im Anwesen der Familie Märkl in Geisenhofen. Etwa 150 Schutzleute und Gendarmen werden zusammengezogen. Sie wechseln sich mit der Bewachung des Anwesens schichtweise ab. Rasch verbreitet sich die Nachricht von Kneißls bevorstehender Verhaftung. Schaulustige reisen aus München und Augsburg an, um dabei zu sein. Am 5. März 1902 wird der Stadel des Anwesens mit ca. 1.500 Schuss Munition beschossen, Kneißl verwundet und ihm der Prozess gemacht. Er wird in Ausgburg hingerichtet.

Erste Etappe von Maisach nach Überacker
Unsere Radtour begann nach einem Eis bei Alberto in der Kandlerstraße in Maisach und ging über die Brauerei Maisach – das Bräustüberl ist aufgrund von Corona geschlossen – weiter nach Überacker zur Kapelle St. Wolfang.

Die Kapelle ist geschlossen. Es ist ein kleiner Saalbau mit polygonalem Chorschluss, Lisenengliederung und Dachreiter mit Spitzhelm aus den Jahren 1700/01. Den Spinnweben nach zu urteilen war schon lange keiner mehr da. Vor der Kapelle sind zwei wunderbare Lindenbäume samt Vogelnest. Die Infotafeln wurden noch nicht aufgestellt. Aber den Platz mag ich gleich.

Zweite Etappe in Überacker zu St. Bartholomäus

Die kurze Fahrzeit durch Überacker endet mit dem Besuch der Kuratiekirche St. Bartholomäus. Leider war die Kirche verschlossen, aber der Aufstieg zur Kirche hat mir imponiert.

Dritte Etappe von Überacker nach Einsbach

Vierte Etappe von Einsbach über Prack und Wenigmünchen

Fünfte Etappe von Dürabuch nach Englertshofen

Sechste Etappe von Englertshofen über Germerswang nach Frauenberg

Hier ist dann der zweite Kneißl-Rastplatz in der Gemeinde Maisach. Auch er ist noch im Bau, bietet aber schon jetzt einen wunderbaren Blick.

Ich freue mich über so einen schönen Radweg, der durch unsere Gemeinde führt. Ich bin gespannt, wann er offiziell eröffnet wird. Vielleicht kann ich ja bei der Eröffnungsfeier dabei sein. Es würde mich auf jeden Fall freuen.

Ach ja, bevor Fragen kommen. Die Aufnahmen entstanden mit einem iPhone und dem DJI Osmo Mobile 3

Eine Wiener Institution: Das Cafe Hawelka

29. Januar 2020

„Neilich sitz i umma hoiba zwa im Hawelka
Bei a poa Buchteln und bei an Bier
Auf amoi gibts beim Eingang vuan an Mordstrara
Weu a Nackerter kummt eine bei der Tür“
Na, wer erinnert sich noch an diese Zeilen des österreichischen Sängers Georg Danzer? Sie stammen aus dem Ohrwurm „Jö schau“ aus dem Jahre 1975 und sind eine Verbeugung vor dem Wiener Kaffeehaus Hawelka. Hier hing Danzer mit seinen Künstlerfreunden ab, hier hängt heute gegenüber der Theke eine Zeichnung mit Widmung Danzers.

Widmung Georg Danzer

Widmung Georg Danzer

Wer ein wenig Kultur im Sinn hat, der muss zum Hawelka hereinschauen. So tat ich es, um mit meiner Familie eine Melange zu trinken, Apfelstrudel und Sachertorte zu essen und vor allem Atmosphäre zu genießen. Buchteln gab es erst abends. Innerhalb von Sekunden sog ich die Atmosphäre auf. Und ich finde es genial, dass ein Kaffeehaus so im kulturellem Interesse steht.

Meine Kinder saßen in der Sitzgruppe, auf der damals auch Georg Danzer in seinem Musikvideo saß. Und so hatten wir den Raum des Kaffeehauses im Blick. Es hatte sich eigentlich nicht viel seit 1975 verändert. An den Wänden Fotos, Bilder, Zeichnungen, am Eingangsbereich Plakate und die Stühle/Tische konnten so geschoben werden, wie die Gäste Platz brauchten. Renoviert wurde im Kaffeehaus nur das nötigste. Es gibt das Zitat des Gründers, das die Situation beschreibt. „Der Kaffee wär’ ned besser, wenn das Lokal moderner wär.“ Heute stehen Leopold und Josefine Hawelka mit zwei Büsten an der Seite und wachen über ihr Kaffeehaus.

Wir trafen auf Günter Hawelka, dem Sohn des legendären Cafetier Leopold Hawelka, der 2011 verstarb. Günter hat das Kaffeehaus inzwischen an seine Söhne übergeben, nimmt aber gerne die Rolle des Cafetier ein, wie einst sein Vater. Er begrüßt die Gäste, oftmals mit Handschlag, spricht, scherz, erzählt. Auch wir haben das kurze, aber intensives Gespräch mit der Wiener Legende genossen.

Ich hab ihn gefragt, wo denn Kraftwerk saß, als sie im Hawelka weilten. Da wurde er etwas verlegen und deutete in den Raum. Nicht nur Danzer, sondern auch die wichtigste Elektroband überhaupt erwähnten das Hawelka in dem Song Trans Europa Express, wenn auch nur indirekt in den Zeilen „In Wien sitzen wir im Nachtcafé.“ In einem Interview von 2004 sagte Kraftwerk-Gründer Ralf Hütter: „Wir machen Alltagsmusik. »Trans-Europa-Express«, »Autobahn«, »In Wien sitzen wir im Nachtcafé« – das ist übrigens das Café Hawelka, den Namen haben wir nie genannt, 1976 war das. Musik zum Alltag.“ In einem frühen Video von Kraftwerk gibt es eine Aufnahme der Band vor dem legendären Café Hawelka.

Hier noch ein paar Eindrücke aus dem wunderbaren Café.

Jugendstil in Riga – was fürs Auge

18. Januar 2020
Wo sind die meisten Jugendstilhäuser zu besichtigen? In Prag lautet oft die Antwort. Falsch! Es ist in der lettischen Hauptstadt Riga. Die meisten Prachtbauten findet man im so genannten Stillen Zentrum.
Der Jugendstil oder Art nouveau ist eine kunstgeschichtliche Epoche an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert und hat heute noch viele Anhänger. Unter dem Einfluss deutscher Architekten ist in t Riga in Lettland der Jugendstil zu einer der noch heute das Stadtbild wesentlich prägenden Architekturrichtungen geworden. Riga gehört zu den glänzendsten Perlen des Jugendstils und wurde 1997 als „hochwertigste Konzentration an Jugendstilgebäuden“ auf die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes gesetzt.

Es gibt Hunderte von Häusern in diesem Baustil, aber das bekannteste ist sicherlich das Wohnhaus in der Elizabetes iela 10b, Elisabethstraße. Es stammt von Michael Eisenstein, was mich als Filmfreund sehr interessiert. Michael Eisenstein ist der Vater von Sergei Michailowitsch Eisenstein, einem der wichtigsten Regisseure Russlands. Von ihm stammen Klassiker wie die Revolutionsfilme Panzerkreuzer Potemkin und Oktober.
Michael Eisensteins Architekturstil wurde als „verrückter Zuckerbäcker“ verspottet, weil seine Fassaden mit Blumen, Tieren, Verzierungen aufmotzte. Detailreichtum an der Fassade, die exakt geplant waren, sind sein Markenzeichen. Und das Rigaer Wohnhaus in der Elisabethstraße ist sein Meisterstück, obwohl er 50 weitere Häuser in Riga plante.
Dieses Gebäude wurde 1903 erbaut und im Jahr 2000 restauriert. Seine Fassade ist eine prunkvolle Kompositionen von Masken, Pfauen, Skulpturköpfen und geometrischen Figuren in der Fassadenkrone fallen auf, wie auch die mit blauen Keramikplättchen verkleideten Fassadenflächen der oberen Stockwerke. Diese Fassade ist übrigens eine Kopie und Ergänzung der Fassadenzeichnung des Leipziger Architekten Georg Wünschmann und Hans Kozel, so das lettische Fremdenverkehrsamt. Diese Zeichnung wurde in einer Sammlung von Fassadenzeichnungen in Petersburg veröffentlicht.

Leider ist das Treppenhaus für die Öffentlichkeit gesperrt, aber kleiner Tipp: Ein paar Meter weiter ist ein sehenswertes Jugendstilmuseum in einem anderen Jugendstilhaus. Wer im Gebäude nicht ins Museum abbiegt, sondern sich der Treppe zuwendet, findet noch ein prachtvolles Treppenhaus. Aber bitte nicht hochgehen: Es wohnen Leute in den Wohnungen, die sicherlich nicht begeistert sind, wenn Touristen durch die Hütte marschieren.

Aber Augen auf, wer durch Riga spaziert. Es gibt wunderschöne Häuser zu entdecken.